Die Ausbreitung und Festigung der Herrschaft der Perser aus der Sicht Herodots


Seminararbeit, 2003
42 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung zur Problematik

II. Überblick zum historischen Status quo der Hellen und der Perser vor und während ihrer Auseinandersetzungen

III. Herodots Sichtweise über den Ursprung des Konflikts

IV. Beginn und Aufstieg eines Weltreiches – Kyros II. (559 – 529 v.u.Z.)

V. Das Perserreich unter Kambyses II. (528 – 522 v.u.Z.)

VI. Das Perserreich unter Dareios I. (522 – 486 v.u.Z.)

VII. Xerxes (485 – 465/64 v.u.Z.) und der beginnende Zerfall des persischen Weltreiches

VIII. Schlußbetrachtung

IX. Zitate und Fußnoten

X. Begriffserklärung

XI. Übersichtskarten und Abbildungen

XII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung zur Problematik

Die Perserkriege, die Superlative eines Konflikts in der Antike als dramatisches Ereignis zwischen Griechen und Nichtgriechen, zwischen Orient und Okzident, fand in der Interpretation über die Geschichtsforschung immer auch Anklänge einer heroischen Leistung der Griechen im Bezug auf die Bewahrung der abendländischen Kultur vor einer barbarisch geglaubten Apokalypse, hervorgerufen durch gewaltige militärische Übergriffe maßgeblich asiatischer, teilweise auch südosteuropäischer Völker unter der Hegemonie persischer Dynasten, und damit auch der anscheinend erst dadurch möglich gewordenen Entstehung einer Basis für das heutige zivilisierte Europa, welches sich durch die Epoche der Christianisierung im Früh- und Hochmittelalter sehr genau als Pendant zur asiatischen Welt und deren verschiedenartigen Religionen differenzierte. Nun ist sicherlich eine heroisiernde Tendenz in der populärwissenschaftlichen Aufarbeitung eines solch brisanten Themas sehr attraktiv und marktwirtschaftlich gesehen auch ein vernünftiger Aspekt, jedoch nicht gerade die seriöseste und wissenschaftlichste Herangehensweise, sich quellenmäßig gesehen, einer solch problematischen Historie zu nähern. So müssen denn die Bemühungen um die Annäherung an die historische Wahrheit, zumal einer zeitlich so weit zurückreichenden, auf einer fundierten Quellenkenntnis – sowohl über die archäologische Materialität, als auch zu schriftlichen Überlieferungen – fußen, die unter einer geeigneten, disziplinierten und sachlichen Argumentationsweise den wohl wahrscheinlichsten Ansatz einer realen Imagination über unklare historische Prozesse und deren Ausprägungen ermöglichen.

Im Nachfolgenden sei nun an Hand einer kurzen Hausarbeit der Versuch unternommen, den Verlauf der Ausbreitung und die Festigung der Herrschaft der Perser, im Besonderen aus der Sicht Herodots, darzustellen. In der hier vorliegenden Arbeit, bemühte ich mich darum – ganz konkret an der Abfolge des im Geschichtswerk Herodots Niedergeschriebenen – eine Retrospektive über die Ereignisse die zur Herausbildung der Macht der Perser und deren Genese führte zu erstellen, die ihre Orientierung ganz nah am übersetzten Wort- und Satzlaut wiederfinden soll. Entscheidend auf den Machtparabeln der persischen Dynasten erscheinen dabei sowohl innenpolitische, als auch außenpolitische Erfolge – wobei ich hier die ultima ratio im Sinne des Krieges als Fortführung der Politik mit den so oft zitierten anderen, vornehmlich militärischen, Mitteln integriert verstanden wissen möchte –, die gleichsam einem Gros von größenwahnsinnig anmutenden Entscheidungen persischer Könige und Satrapen, die sich teilweise zu fatalen Entscheidungsschlachten unter immensen Blutzoll entarteten, gegenüberstehen. Der hier in dieser Arbeit betrachtet Zeitraum liegt zwischen dem 7. und 5. vorchristlichen Jahrhundert und beleuchtet einen Ausschnitt der Geschichte vieler ungleich verschiedener Völker unter persischen Potentaten, der Hellen und anderer nichtgriechischer Stämme, wie sie Herodot aus Erzählungen seiner Zeitgenossen und verschiedener ihm bekannter literarischer Werke zu vernehmen, anschließend weiter zu interpretieren und letztendlich zu einem eigenständigen Werk zusammenzufassen vermochte. Das Resümee Herodots und auch sein Leben, soweit sich dieses in seinem Werke widerspiegelt, ist durchdrungen von dem Atmos der Perserkriege und bildet somit das erste historische Konstrukt des „Aufeinandertreffens“ zwischen Europa und Asien.1 Der Vollständigkeit über die Geschichte und der Prägnanz seiner Aufzeichnungen ist es zu schulden, sein Werk neben denen Homers, Platons und Vergilus zu nennen, wenn es um die Fragestellung nach dem „Anfang und Beginn“ unseres geistigen Ursprungs und um unsere eigens verstandene Historizität geht.2 Aus der Art und Weise der Quellenbeschaffung Herdots für sein Werk, ergeben sich sicherlich unendlich viele Angriffsmöglichkeiten für kritische Einwände und begründete Zweifel über die eigentliche Historizität seiner Niederschrift, dennoch sollte man sich bei der Beurteilung seiner Schriften immer vor dem geistigen Auge halten, daß die seinige Methode, sich die stofflichen Grundlagen zu erarbeiten, wohl schon den damaligen traditionellen Stil der Logographen, die als Vorläufer der Geschichtsschreiber seit dem 7. Jh. v.u.Z. galten,3 überragte und in groben Zügen mit heutiger moderner journalistischer Recherche zu vergleichen ist, die allerdings heute wie damals, zeitweilig jeder selbstkritischen wissenschaftlichen Wahrheitsanalyse entbehrt. Daraus ergibt sich für die moderne Forschung die Problematik, einerseits die Umstände der Entwicklung seiner zehn Bücher und die Person Herodots genauer zu beleuchten, und andererseits seine Berichte de facto mit neuesten Erkenntnissen aus der Archäologie und der Philologie, so wenn es denn gelingt, in Übereinklang zu bringen und dadurch eine vage Rekonstruktion der historischen Tatsachen zu versuchen. Über Herodot selbst und sein Leben ist wenig bekannt, und auch sein Geburtsjahr 484 v.u.Z. gilt als nicht gesichert. Die Geburtsstadt Herodots, Halikarnassos (Hafenstadt an der westkleinasiatischen Ägäisküste), war seiner Zeit griechische Kolonie mit ionischen, dorischen und kleinasiatischen Einflüssen, welche sich 454 v.u.Z. als unabhängige Stadt unter dem Delisch-Attischen Seebund barg. Mehrere große Reisen nach Ägypten, Mesopotamien und an die Nordküste des Mittelmeers führten Herodot schließlich auch nach Athen. Er fand Berührung mit den Tragödien des Sophokles, mit der Sekte der Orphiker und mit der frühen Sophistik, die „...hier und da zu recht heterogener Ausprägung seiner „historischen“ Aussage geführt haben.“.4 Herodot stand unter dem Einfluß vieler wichtiger Persönlichkeiten seiner Zeit, er bereiste Teile des hellenischen Gebietes und deren Kolonien. Vertraut war er wohl auch mit den Werken von Homer, Hesiod, Musaios, Archilochos, Alkaios, Sappho, Solon, Simonides, Pindar, Aischylos und Anakreon.5 Schon M. T. Cicero (106 - 43 v.u.Z.) nannte Herodot pater historiae, dessen keimende Zunft in Thukydides’ (460 bis etwa 398 v.u.Z.) und Polybios’ (um 201 bis etwa 120 v.u.Z.) Wirken eine kritischere Fortsetzung fand. Die Kenntnis um seine Begräbnisstätte ging nach seinem Ableben, um 425 v.u.Z., nach dem Beginn des Peloponnesischen Krieges, verloren.

Herodot selbst war es daran gelegen – so läßt es der umfassende Aufbau seiner Bücher vermuten – den wiedergegebenen Bericht über Ursache und Wirkung des Konflikts, zwischen Barbaren und Hellen, in seiner Ganzheitlichkeit zu erfassen. Durch Beschreibung und Dokumentation des Gesehenen und Gehörten in einem sprachlich leicht zugänglichen Stil, kommt er nicht nur auf ein lapidares Repetitorium oder deskriptive Erzählungsliteratur zurück, sondern variiert verschiedene Einflüsse und Umstände zu Szenarien, die ihm als wahrscheinlichsten für das Zustandekommen der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern galten: „Ist er doch der erste, der sich von einfachen Vorstufen aus das historische Geschehen im ganzen Umfang übersichtlich zu machen versuchte und der durch mühevolle Reflexionen wie durch verständnisvolle Interpretationen den historischen Stoff überschaubar gestaltete.“.6 Dieser Ansatz mag sicherlich subjektiv und manch mondänen Leser unbefriedigend erscheinen, nur darf niemanden dabei in Vergessenheit geraten, daß Herodot vor ungefähr 2500 Jahren aus einer Zeit überliefert ist, aus der wir nicht über ein ähnlich vergleichbares Werk in dieser Art Kenntnis besitzen, welches sich im Aufbau prinzipieller Fragestellungen ähnlich der, in der heutigen Geschichtsforschung verhält. Sich so orientierend bemerkt auch H. J. Diesner: „Ohne einen Blick auf den gegensätzlichen Staats- und Gesellschaftsaufbau bei Persern und Griechen zu werfen, läßt sich kaum etwas über das Zustandekommen der Auseinandersetzungen sagen.“.7

Mit diesem Zitat ausklingend, möchte ich die Überleitung zu einem groben Überblick über die historischen Grundzüge, dem sich nun beide Welten gegenübergestellt sahen, wiedergeben und den Verlauf des Konflikts kurz beleuchten.

II. Überblick zum historischen Status quo der Hellen und der Perser vor und während ihrer Auseinandersetzungen

Das Frühstadium des Perserreichs war bestimmt durch ein loses Gebilde von Völkerschaften und Stämmen mit unterschiedlichstem Entwicklungsgrad im wirtschaftlichen und sozialen Leben, in Kultur und Religion. Im Westen des persischen Reiches herrschte bereits Sklaverei als Produktionsweise vor, während ein überwiegender Teil im Osten noch in urgesellschaftlichen Strukturen verharrte. Könige regierten getreu dem Prinzip divide et impera durch Militärherrschaft über die unterworfenen und teilweise gegeneinander ausgespielten Ländereien, wobei die Bevölkerung des persischen Kernlandes Privilegien erfuhr. In der Tradition der Achaimeniden (Abb. S. 41) stehend, wurden die reichsdienlichen Positionen vorrangig mit Persern besetzt, um ein hohes Maß an Loyalität gegenüber dem Großkönig im Reichsgebiet zu streuen. In den unterworfenen Regionen stützten zusätzlich einheimische Sklavenhändler und Priester, die zeitweilig vor dortigen Aufständen ( stasi V) mit militärischer Gewalt beschützt werden mußten, die königliche Macht. Unter Dareios I. (522 – 486 v.u.Z.) kam es dann sogar zu einer Neuordnung des Steuersystems, die mit einem forcierten Übergang von Natural- zur Geldwirtschaft einher ging; Goldmünzen, sogenannte Dareiken, wurden geschlagen. Generell unterstanden die Steuer- und Verwaltungsaufgaben hoheitlich den Satrapen – eine Art Provinzgouverneur –, die für vorher durch den Großkönig festgelegte Abgaben an diesen aufzukommen hatten. Dabei kam es nicht selten zu einerseits ungewöhnlichen Anhäufungen von Reichtümern auf Seiten der Steuereinnehmer anderseits aber zu unerträglich großen Belastungen der Massen. Interessant war die schon damalig praktizierte Trennung von Macht und Gewalt, bei der die Garnisonen nicht den Satrapen, sondern separaten, auf den König vereidigten, Befehlshabern unterstellt waren.

Wenn man rückblickend von Prämissen in der politischen Ausrichtung sprechen darf, so lautete wohl die oberste Devise der königlichen Potentaten: Friedenssicherung im Reich und Grenzsicherung nach außen. Progressive Expansionsbemühungen der herrschenden Klasse standen jedoch dabei immer gleichwertig mit den Bestrebungen die Macht im Inneren des Reiches zu stabilisieren.

Kern der persischen Armee war vorrangig persisches Fußvolk (vor allem Bogenschützen) und die explosive, wendige Reiterei. Um diesen stand eine Peripherie von Söldnern aller untertänigen Völker, vornehmlich der Meder. Die schlagkräftige Flotte bestand aus griechisch-ionischen Kontingenten, die mit denen der phoinikischen in fortwährenden, dem Großkönig dienlichen, Rivalitäten standen. Ruhm-, Geld- und Machtgier in der Genealogie der Thronfolger, beginnend mit Kyros II. (559 – 530/29 v.u.Z.), bescherten dem persischen Großreich, nach dem die Meder-Herrschaft beseitigt worden war, ein Reichsgebiet über Lydien, Neubabylonien, ganz Vorderasien bis zur Hindus-Grenze, schließlich über Ägypten und angrenzende Teile Lybiens. Nach dem Tod Kambyses II. (522 v.u.Z.) kam es zu Thronwirren, die jedoch Dareios I. (522 – 486 v.u.Z.) für sich entscheiden konnte und das Reich daraus nachfolgend zu reorganisieren vermochte. Dareios I. zog seit 513/12 v.u.Z., in Anlehnung an die Tradition des Königsgeschlechts die Herrschaftsgebiete fortwährend auszuweiten, gegen die Skythen und um 514 v.u.Z. nach Europa gegen Thrakien und Makedonien.

Die Griechen ihrerseits, zu jener Zeit in selbstständige Stämme und Stadtstaaten (Poleis) zersplittert, nahmen die expansiv heranwachsende persische Großmacht noch nicht als Bedrohung wahr, gleichwohl Berichte, der aus den ionischen Kolonien stammenden Flüchtlinge, die Härte und Grausamkeit, der durch den Großkönig bestellten Tyrannen, fokusierten. Mit der Zeit wurde auch der griechische Handel und Wandel, durch das Vorrücken der Perser und die damit verbundene Begünstigung phoinikischer Kaufleute, so sehr beschnitten, daß es teilweise zur Verarmung ganzer griechischstämmiger Bevölkerungsschichten kam.

In Griechenland kam es dieser Zeit unter der Bevölkerung zu einer wirtschaftlichen Differenzierung und Aufsplitterung von Eigentumsverhältnissen. Es bildeten sich Klassen, die die alte Gentilordnung ablösten; an ihre Stelle tratt der Stadtstaat – die Polis. Die Polis galt als Gemeinschaft freier Bürger, die allerdings oft nur als Minderheit, einer breitfacettierten Bevölkerung gegenüberstand. Der Zusammenhalt wurde durch das Eigentumsrecht an Grund und Boden, dem wichtigsten Produktionsmittel dieser Epoche, realisiert. Die Herrschaftsformen unter denen sich die verschiedenen Poleis organisierten waren unterschiedlicher Natur; um hier nur zwei der gegensätzlichsten zu nennen: die Demokratie in Athen und die Aristokratie und Oligarchie in Sparta. Durch die Verlagerung der Produktivität von Agrarwirtschaft hin zu Handwerk und Seehandel, kam es im attischen Raum zu enormen Steigerungen der Produktivkräfte, welche im gleichzeitigen Kampf der Gentilaristokratie (Eupatriden) gegen die breiten Schichten der Bürgerschaft (Demos), der Entwicklung zu einer Sklavenhalterpolis mit komplizierten Sozialstrukturen immensen Vorschub leistete. Auf der einen Seite befanden sich nun Sklavenhalter, Grundbesitzer und Geldaristokraten, welchen auf der anderen freie Kleinproduzenten, Bauern und Handwerker gegenüberstanden. Unter diesen etablierten sich die sogenannten Freien ohne Bürgerrecht, Metoiken und die Sklaven. Im 6. Jahrhundert v.u.Z. kam es zu den Reformen des Solon (594 v.u.Z.) und des Kleisthenes (508/07 v.u.Z.), die letztendlich in einer Beseitigung der Herrschaft der Gentilaristokratie mündeten. Wichtige Staatsämter wurden wählbar und die Ekklesia trat in den Vordergrund. Mit dem Beginn des 5. Jahrhunderts v.u.Z. bemühte man sich, im Hinblick auf die herannahende Gefahr durch die Perser, um eine Verstärkung des Schiffbaus. Dabei kam es von nun ab zu einer Wechselwirkung zwischen der Mobilisierung der Massen gegen die persische Aggression und dem selbstbewußten Voranschreiten der athenischen Demokratie.

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Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Die Ausbreitung und Festigung der Herrschaft der Perser aus der Sicht Herodots
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Altertumswissenschaft)
Veranstaltung
Perserkriege
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
42
Katalognummer
V72757
ISBN (eBook)
9783638733397
ISBN (Buch)
9783638735148
Dateigröße
2089 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausbreitung, Festigung, Herrschaft, Perser, Sicht, Herodots, Perserkriege
Arbeit zitieren
Silvester Tamas (Autor), 2003, Die Ausbreitung und Festigung der Herrschaft der Perser aus der Sicht Herodots, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72757

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