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Wie eine Filmanalyse Emotionen sichtbar machen kann

Über den Mythos "Szafari"

Title: Wie eine Filmanalyse Emotionen sichtbar machen kann

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 41 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Paul Vierkant (Author)

Film Science
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Der Film als modernes visuelles Medium unserer Zeit ist mehr als nur Unterhaltung, oder Information. In Filmen werden Bilder erzeugt, Mythen geschaffen, aber ebenso Vorurteile abgebaut. Dies geschieht nicht nur in Actionstreifen alla Hollywood, sondern auch in anderen Genres, in denen man es auf den ersten Blick nicht vermutet. Darunter fällt auch der Filmtypus Ethnologischer Film, denn trotz seines dokumentarischen Charakters und objektiven Anspruchs kann er die Konstruktion und Dekonstruktion von Mythen durch seine Machart nicht ausschließen. Das ist in der Immanenz der subjektiven Szenenauswahl, Schnitts, Ton, etc. im Produktionsprozess begründet. Der Produzent, Regisseur und Kameramann müssen in dem was sie filmisch darstellen wollen eine Vorauswahl treffen, um ihr inhaltliches Ziel zu erreichen. Auch wenn alle Beteiligten einer Produktion eines dokumentarischen Films einen Objektivitätsanspruch hegen, können sie ihre eigene Subjektivität, die den Filmentstehungsprozess zwangläufig beeinflusst, nicht verneinen. Der Ethnologe Edmund Ballhaus sieht darin die Konstruktion einer filmischen Realität, „die allenfalls eine Annäherung an die nichtfilmische Realität darstellt.“ Die filmische Realität ist das Spiegelbild der Intention des Filmproduzenten. Ein Film hat somit neben seiner inhaltlichen Bedeutung eine zweite Ebene, welche sich anhand der filmsprachlichen Mittel erarbeiten und belegen lässt. Der Film wird zu einer doppelten Informationsquelle, dies geschieht einerseits direkt durch den Inhalt, andererseits indirekt durch die verwandten filmsprachlichen Mittel.
Der Film Szafari ist trotz seines experimentellen Charakters ein Beispiel für die Dialektik des Ethnologischen Films, die nicht zwangsläufig widersprüchlich sein muss. Denn trotz des dokumentarischen Filmstils von Szafari, und der indirekt sichtbaren, subjektiven Intention der Produzenten Boglárka Pölcz und Robert Pölcz, bleibt der Film im doppelten Sinne eine Quelle der visuellen Anthropologie.








Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Erstes Filmverständnis

3. Spezifische Lesart

a. Der Mythos nach Barthes

4. Filmsprachliche Analyse

a. Sequenzanalyse

b. Die „richtige“ Einstellung

c. Farben als Leitmotiv

d. Musik als Harmonisierungswerkzeug

e. Szafari – Eine Reise

5. Inhaltliche Analyse von Szafari

a. Bezugsrealität

b. Mythen der Sinti und Roma

c. Sinti und Roma in der filmischen Darstellung und als reales Problem

d. Bedingungsrealität und Wirkungsrealität

6. Konklusion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den experimentellen ethnologischen Film Szafari (2001) von Boglárka und Robert Pölcz, um nachzuweisen, dass filmsprachliche Mittel wie Schnitt, Kameraeinstellung und Farbgestaltung gezielt eingesetzt werden, um die Rezeption zu steuern. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie der Film durch diese Mittel bestehende Mythen über Sinti und Roma dekonstruiert und ein neues, differenzierteres Bild der Ethnie im Sinne eines Gegenmythos entwirft.

  • Filmanalyse als visuelle Quelle der Ethnologie
  • Anwendung des Mythos-Konzepts nach Roland Barthes
  • Filmsprachliche Gestaltungsmittel (Sequenz, Einstellungsgröße, Farbe, Musik)
  • Inhaltliche Auseinandersetzung mit Lebensweise, Familie und Arbeit der Sinti und Roma
  • Kontextualisierung von Produktions- und Bedingungsrealität

Auszug aus dem Buch

b. Die „richtige“ Einstellung

Eine Einstellung ist die kleinste filmische Einheit aus bewegtem Bild und Ton, welche durch Schnitt von anderen Einstellungen getrennt ist. Man kann mehrere Einstellungen zu einer Sequenz zusammenfassen, welche in der Mehrzahl wiederum einen Film konstituieren. Eine Einstellung lässt sich unter verschiedenen Aspekten, wie Einstellungsgröße –und länge, sowie Einstellungsperspektive beleuchten.

Die Einstellungsgröße ist ein wichtiges filmisches Mittel, um die Emotionen des Zuschauers zu führen bzw. zu steuern. Die Einstellungsgröße beschreibt den gezeigten Bildausschnitt von der Super-Totalen über die Totale und Halbtotale bis zur Nah- und Großaufnahme und dem Detail. Jede Einstellungsgröße hat dabei seine eigene Wirkung auf den Zuschauer. Eine Super-Totale drückt durch räumliche Distanz unter anderem emotionale Ferne aus, wohingegen eine Großaufnahme die Identifikation des Beobachters mit dem Protagonisten steigert. Insgesamt lässt sich somit eine Korrelation zwischen Einstellungsgröße und emotionaler Einbindung des Publikums verzeichnen.

Der vorliegende Film Szafari macht sich gerade dieses Phänomen zu Eigen. Obwohl die Einstellungsgröße über den Film hinweg variiert, lässt sich eine Konzentration in der zweiten Filmhälfte feststellen. Den acht Nah- und Großaufnahmen bis zur 48. Einstellung steht ein Gros von 19 in Filmhälfte zwei gegenüber. Es fällt hierbei auf, dass besonders viele dieser nahen Einstellungen im thematischen Bereich des Dorfinneren auftreten. Mit einem Drittel aller Einstellungsgrößen haben die Nah- und Großaufnahmen einen hohen Anteil an der Emotionalität des Films. Im Zusammenhang dazu muss man den Inhalt dieser Einstellungen betrachten, von denen fast die Hälfte Kinder zeigt. Wenn man diese Faktoren der Einstellungsgröße auf einen Nenner bringen möchte, lässt sich als Schluss ziehen, dass aufgrund der vermehrten Nah-Darstellung von Kindern, vor allem im Dorfinneren, eine hohe emotionale Bindung zwischen Beobachter und Protagonisten aufgebaut wird. Dieser Effekt wird durch den banalen Fakt untermauert, dass das Publikum die Gesichter, Mimik und Gefühle der Kinder erst bei näherer Betrachtung erkennt und somit Seitens des Zuschauers eine unmittelbare Erfahrung und Einschätzung erfährt. Folglich wird die unbewusste Rezeption des Zuschauers erst durch das Gezeigte und vor allem die Nähe zum Gezeigten beeinflusst. Neben der Einstellungsgröße ist als subtiles filmisches Mittel die Länge der Einstellungen in die filmsprachliche Analyse mit einzubeziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Der Autor führt in die Thematik ein, betont den Anspruch des Films als visuelle Quelle der Ethnologie und stellt seine These zur gezielten Verwendung filmsprachlicher Mittel auf.

2. Erstes Filmverständnis: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Inhaltsangabe und beschreibt die ersten Eindrücke des Zuschauers beim Betrachten des Werks.

3. Spezifische Lesart: Es wird das theoretische Fundament auf Basis des Mythos-Konzepts von Roland Barthes dargelegt, das als Linse für die Analyse dient.

4. Filmsprachliche Analyse: Dieser Hauptteil untersucht detailliert die filmischen Gestaltungsmittel wie Sequenzstruktur, Einstellung, Farbe und Musik, um deren Wirkung auf die Rezeption aufzuzeigen.

5. Inhaltliche Analyse von Szafari: Hier werden die Ergebnisse der filmsprachlichen Analyse mit den inhaltlichen Aspekten wie Bezugsrealität und den Mythen über Sinti und Roma verknüpft.

6. Konklusion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Ausgangsthese und schließt den hermeneutischen Zirkel der Untersuchung.

Schlüsselwörter

Filmanalyse, Ethnologischer Film, Szafari, Sinti und Roma, Mythos, Roland Barthes, Filmsprache, Dokumentarfilm, Repräsentation, Lebensweise, Rezeptionssteuerung, Hermeneutik, Einstellungsgröße, visuelle Anthropologie, Gegenmythos.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der experimentelle Dokumentarfilm Szafari visuelle und auditive Mittel einsetzt, um bestimmte emotionale Wirkungen zu erzielen und ein neues, von negativen Stereotypen bereinigtes Bild über Sinti und Roma zu konstruieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die filmische Darstellung von Sinti und Roma, die Anwendung semiotischer Theorien (insbesondere des Mythos-Begriffs nach Roland Barthes) auf das Medium Film sowie die Untersuchung der filmischen Produktions- und Rezeptionsbedingungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist der Nachweis, dass der Film Szafari durch gezielte filmsprachliche Gestaltungsmittel einen Gegenmythos zu den existierenden Vorurteilen über die Ethnie der Sinti und Roma schafft und wie dies auf den Zuschauer wirkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine systematische Filmanalyse nach dem hermeneutischen Ansatz verfolgt, die unter anderem auf den theoretischen Grundlagen von Helmut Korte und dem strukturalistischen Mythos-Konzept von Roland Barthes aufbaut.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die filmsprachlichen Mittel (Sequenzanalyse, Einstellungen, Farben, Musik) detailliert untersucht und anschließend mit der inhaltlichen Ebene der sogenannten Bezugs-, Bedingungs- und Wirkungsrealität verknüpft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Filmanalyse, Mythos, Sinti und Roma, Filmsprache, ethnologischer Film, Rezeptionssteuerung und der Film Szafari selbst.

Welche Bedeutung hat das Symbol des Kindes im Kinderwagen für die Argumentation?

Das wiederkehrende Motiv des Kindes, das aus dem Kinderwagen auszusteigen versucht, dient als roter Faden und Spannungsbogen im Film; seine Befreiung am Ende des Films wird als kathartischer Moment interpretiert, der den Aufbau eines neuen, positiven Mythos vollendet.

Warum wird der Begriff Szafari als zentrales Element der Filmanalyse betrachtet?

Der Titel, eine ungarisierte Form von "Safari", wird als bewusste Referenz auf Stummfilm-Ästhetik und als Hinweis auf die "Reise" des Zuschauers in die Siedlung der Sinti und Roma gedeutet, was die intendierte Wahrnehmung des Films maßgeblich beeinflusst.

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Details

Title
Wie eine Filmanalyse Emotionen sichtbar machen kann
Subtitle
Über den Mythos "Szafari"
College
Free University of Berlin  (Institut für Ethnologie)
Grade
1,0
Author
Paul Vierkant (Author)
Publication Year
2007
Pages
41
Catalog Number
V72759
ISBN (eBook)
9783638732581
Language
German
Tags
Filmanalyse Emotionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Vierkant (Author), 2007, Wie eine Filmanalyse Emotionen sichtbar machen kann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72759
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