Sportorganisationen in der Weimarer Republik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Sportorganisationen
2.1 Deutscher Reichsausschuss für Leibeserziehung (DRA)
2.1.1 Professionalisierung der Leibeserziehung
2.1.2 Der Konflikt zwischen Sport und Turnen
2.2 Zentralkommission Arbeitersport und Körperpflege (ZK)
2.3 Deutsche Jugendkraft (DJK) und Eichenkreuz
2.4 Wehrsport

3 Schlussbetrachtung

Literatur

Onlinequellen

„Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
kürzt die öde Zeit,
und er schützt uns durch Vereine
vor der Einsamkeit.“

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)

1 Einleitung

Was Joachim Ringelnatz hier auf pointierte Art und Weise auf den Punkt bringt, entstammt nicht ohne Grund aus der Feder eines Schreibers der Weimarer Zeit. Der moderne Sport erfährt während der Weimarer Zeit einen enormen Aufschwung. Die Mitgliederzahlen in den Vereinen und Verbänden explodieren förmlich, der Grundstein für Sport als Wissenschaft wird mit der Gründung der Deutschen Schule für Leibesübungen gelegt, und auch generell im öffentlichen Leben rückt der Sport mehr und mehr in den Mittelpunkt und bestimmt die freie Zeit vieler Bürger der Weimarer Republik.

Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt sind die diversen Sportorganisationen, Verbände und Vereine der Weimarer Zeit. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über eben jene Sportorganisationen zu geben. Zu diesem Zweck werden nacheinander die beiden großen Dachorganisationen - der Deutsche Reichsausschuss für Leibeserziehungen und die Zentralkommission Arbeitersport und Körperpflege vorgestellt und die dort auftretenden Konflikte thematisiert. Darüber hinaus werden auch mit der Deutschen Jugendkraft (DJK) und dem Eichenkreuz die beiden konfessionellen Sportverbände, sowie auch der Wehrsport als eine Sondererscheinung der Weimarer Republik in einem eigenen Unterkapitel behandelt.

2 Sportorganisationen

Wie bereits in der Einleitung schon erwähnt stieg die Zahl der organisierten Sportler und Turner während der Weimarer Zeit enorm an. Waren es vor dem Weltkrieg etwa 2 Millionen, stieg diese Zahl zu Beginn der Weimarer Republik direkt sprungartig an und erhöhte sich dann kontinuierlich bis zum Ende der Weimarer Republik bis weit über 9 Millionen Mitglieder in den diversen Vereinen und Verbänden.

2.1 Deutscher Reichsausschuss für Leibeserziehung (DRA)

Die mitgliederstärkste Sportorganisation der Weimarer Republik war der Deutsche Reichsausschuss für Leibeserziehung (DRA). Dieser war 1917 aus dem Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS) hervorgegangen und ihm gehörten am Ende der Weimarer Zeit 38 Turn- und Sportverbände mit insgesamt über 7 Millionen Mitgliedern an.

Treibende Kraft des DRA zur Weimarer Zeit war neben dem ab 1919 amtierenden Vorsitzenden Theodor Lewald, vor allen Dingen auch Carl Diem, der von 1917 bis zur Zwangsauflösung 1933 Generalsekretär des DRA war. Die Ziele des DRA werden in der vorhandenen Sachliteratur unterschiedlich akzentuiert. Eine sehr detaillierte Analyse der politischen Ziele des DRA findet man bei Eisenberg[1], während beispielsweise bei Beyer[2] politische Motive nur auf den Sport selbst bezogen Erwähnung finden. Lässt man den DRA selbst mit offiziellen Zielsetzungen zu Wort kommen, erfährt man, dass er es als seine Aufgabe sieht, die „deutschen Leibesübungen treibenden Verbände“ in Form eines Bundes zu vereinigen und sie den Behörden gegenüber zu vertreten.[3] Dies sollte erreicht werden durch Vereinigung von gleich strebenden Verbänden, durch eine Vereinheitlichung von Sportverwaltungen und ein Einwirken auf Behörden und die öffentliche Meinung, durch die Schaffung von Einrichtungen zur Pflege von Sport, Spiel und Turnen, die Veranstaltung von Wettkämpfen und Schulungen und durch eine wissenschaftliche Erforschung der Methoden der körperlichen Übungen und nicht zuletzt durch eine Unterstützung der Leibesübungen treibenden Vereine und Verbände.[4] Diese Ziele verfolgte der DRA auch mit wechselndem Erfolg bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933. Ein bestimmender Machtkampf um Kompetenzen und Einfluss war dabei der, mit dem zu Beginn der Weimarer Republik mitgliederstärksten Verband, der Deutschen Turnerschaft (DT). Standen vor dem Weltkrieg ungefähr 1,3 Millionen organisierten Turnern insgesamt ca. 400.000 in bürgerlichen Sportverbänden organisierten Mitgliedern gegenüber und noch einmal nahezu ebenso viele in den Arbeitersportverbänden, so hatte sich dieses Verhältnis 1920 schon deutlich verschoben. Im Jahr 1920 hatte die DT noch 1,25 Millionen Mitglieder, die sich dann im Verlauf der Weimarer Republik bei etwas 1,6 Millionen einpendelten. In den Sportverbänden waren zu dieser Zeit bereits 750.000 und in den Arbeitersportverbänden ca. 640.000 Mitglieder organisiert. Diese Tendenz führte sich fort, so dass sich das Verhältnis von 1914 - nahezu zwei Drittel der Sporttreibenden[5] in Turnvereinen – letztlich bis auf nicht mal mehr ein anteilsmäßiges Drittel gegen Ende der Weimarer Republik reduzierte. Zu bedenken hierbei ist aber trotz allem, dass auch bei der DT die Mitgliederzahlen im Verlauf der Weimarer Zeit anstiegen, allerdings bei weitem nicht in dem Maße, wie dies bei den Sport, Arbeitersport und auch den konfessionellen Sportverbänden der Fall war, die z.T. ihre Mitgliederzahlen verdrei- oder gar vervierfachen konnten.

2.1.1 Professionalisierung der Leibeserziehung

Mit den steigenden Mitgliedszahlen stieg auch die öffentliche Annerkennung und Unterstützung sportpolitischer Interessen. So forderte der DRA 1919 gemeinsam mit der Zentralkommission Arbeitersport und Körperpflege (ZK) die Einführung einer täglichen Sportstunde in den deutschen Schulen. Diese Forderung wurde nicht erfüllt, jedoch führte die stärker werdende Lobby der Leibeserziehung dazu, dass das Schulfach Leibesübungen bzw. Turnen[6] mit einem Erlass vom 13.11.1920 versetzungsrelevant wurde und die jeweilige Lehrkraft als „vollberechtigtes Mitglied“ bei den „Reifeprüfungskommissionen“ zu betrachten sei.[7] Diese Entwicklung konnte nicht ohne Folgen für die Ausbildung der entsprechenden Lehrer bleiben.

Wenn aber die Körperübungen so hohe Aufgaben in der Erziehung der Jugend zu erfüllen haben, dann darf ihr Betrieb nicht dem Zufall und der Laune überlassen bleiben. Dann müssen sie genau wie alle anderen Zweige der Pädagogik wissenschaftlich durchgearbeitet werden, und auf Grund dieser wissenschaftlichen Kenntnisse muß die Technik des Unterrichts zu möglichst hoher Vollkommenheit gebracht werden.[8]

So konnte man bereits 1911 in einem Sonderkatalog zur Sporthygienischen Abteilung auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden lesen. Der Leitung des Sportlaboratoriums Dr. Mallwitz war einer der ersten Forscher, die auch an einer wissenschaftlichen Erforschung des Sports interessiert waren. Ausgehend von der Sportmedizin wurde das Interesse an einer breiteren wissenschaftlichen Betrachtung des Sports nach und nach größer. Gehemmt durch den Weltkrieg geschah nach der Gründung des „Deutschen Reichskomitees für die wissenschaftliche Erforschung des Sports und der Leibesübungen“ auf dem 1. Kongress zur wissenschaftlichen Erforschung des Sports und der Leibesübungen in Oberhof vorerst nicht viel. Nach Ende des Krieges sollte es dann aber doch recht schnell gehen. Bereits 1920 wurde die Deutsche Hochschule für Leibesübungen (DHfL) gegründet, die vor allem die Ausbildung wissenschaftlich geschulter Lehrkräfte sicherstellen sollte. Darüber hinaus sollte sie die wissenschaftliche Erforschung aller auf die Theorie, Praxis und Geschichte der Leibesübungen bezüglichen Gesetze ermöglichen.[9] Allerdings fehlte der DHfL die staatliche Annerkennung und diese blieb ihr auch bis 1931 verwehrt. Träger der DHfL war der DRA und dessen Generalsekretär Carl Diem wurde neben dem Rektor Prof. Dr. August Bier (einem Mediziner) auch hier zu einer treibenden Kraft und bekleidete, ohne selbst einen wissenschaftlichen Titel zu besitzen, das Amt das Prorektors.

[...]


[1] Eisenberg, Christiane: „English Sports“ und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800-1939. Paderborn 1999, S. 342-386.

[2] Beyer, Erich: Sport in der Weimarer Republik. IN: Ueberhorst, Horst (Hg.): Geschichte der Leibesübungen. Bd. 3/2. Berlin 1982, S. 659 ff.

[3] Stadion-Kalender Amtsblatt des DRA. Heft 2. Berlin 1917, S. 32. Zitiert nach: Beyer, S. 659.

[4] A.a.O.

[5] Sport im heutigen Wortsinn

[6] was, wie wir im folgenden Kapitel noch erfahren werden, der Bedeutung nach, in der damaligen Zeit mit unserem heutigen Verständnis vom übergreifenden Begriff „Sport“ durchaus gleichzusetzen ist.

[7] Vgl. Beyer, S. 666.

[8] Sonderkatalog zur Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911, S. 6. Zitiert nach: Beyer S. 669.

[9] A.a.O, S. 669.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sportorganisationen in der Weimarer Republik
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Weimarer Republik
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V72764
ISBN (eBook)
9783638733717
ISBN (Buch)
9783638769587
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportorganisationen, Weimarer, Republik, Weimarer, Republik
Arbeit zitieren
Matthias Trumpfheller (Autor:in), 2006, Sportorganisationen in der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72764

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