Die volle Funktionsfähigkeit des Schultergelenks ist untrennbar mit der Gebrauchsfähigkeit des Armes verbunden. Nahezu jede Bewegung des Armes wird auch im Schultergelenk vollzogen.
Eine Schädigung des Schultergelenks hat deshalb sowohl kurzfristige als auch langfristige Auswirkungen auf den gesamten Arm. So kann es beim Impingementsyndrom zu erheblichen Einschränkungen für den Alltag und das Berufsleben kommen. Umso wichtiger ist das frühzeitige Erkennen und die richtige Behandlung der Ursachen dieses Krankheitsbildes.
Das Impingementsyndrom gehört zu einem der häufigsten orthopädischen Krankheitsbilder der Schulter überhaupt. Allerdings wird ein Schulterschmerz häufig allzu schnell als ein Impingementsyndrom klas-sifiziert, so dass es aus diesem Grund schwierig ist, die Häufigkeit des Syndroms genau zu beziffern.
In der Diagnostik ist es wesentlich, herauszuarbeiten, welche Struktur für den Schmerz verantwortlich ist, damit dann in der Therapie diese Struktur angegangen werden kann. Bei der Diagnose des Impinge-mentsyndroms sind besonders die bildgebenden Verfahren von Bedeutung. Hinzu kommen spezielle Provokationstests, mit denen das Impingement von anderen Schulterschmerzen differenziert werden kann.
Die Pathogenese des subakromialen Schmerzsyndroms ist multifaktoriell. Sie hat viele teils sehr verschiedene Ursachen und es ist schwer möglich, eine adäquate Therapie zu bestimmen, ohne die genauen Ursachen der Entstehung des Krankheitsbildes zu kennen. Je nachdem ob die Ursachen mechanischer oder funktioneller Natur sind, muss zwischen einer konservativen und einer operativen Therapie entschieden werden. Nicht bei jedem Impingementsyndrom hilft eine konservative Therapie.
Da aber gerade beim Sportler die funktionellen Ursachen überwiegen, soll in dieser Arbeit ausschließlich die konservative Therapie behandelt werden, deren wichtigstes Element das Krafttraining ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Anatomie der Schulter
2.1 Gelenke
2.1.1 Das Glenohumeralgelenk
2.1.2 Die Schulternebengelenke
2.2 Die Muskulatur
2.3 Die Gelenkräume
3 Die Verletzungsanfälligkeit des Schultergelenks
3.1 Akute Sportverletzung.
3.2 Chronische Überlastungsschäden
3.3 Schulterinstabilität
4 Das Impingementsyndrom
4.1 Erscheinung
4.1.1 Subakromiales Impingement
4.1.2 Subkorakoidales Impingement
4.2 Symptome
4.3 Ursachen
4.3.1 Extrinsische Faktoren
4.3.1.1 Primäres Impingement
4.3.1.2 Sekundäres Impingement
4.3.2 Intrinsische Faktoren
5 Diagnostik des Impingementsyndroms
5.1 Klinische Diagnostik
5.1.1 Inspektion
5.1.2 Palpation
5.1.3 Impingement-Tests
5.1.3.1 Painful Arc
5.1.3.2 Impingement-Test nach Neer
5.1.3.3 Impingement-Test nach Hawkins
5.1.3.4 Jobe-Test
5.1.4 Funktionstests bei Überkopfsportlern
5.1.4.1 Werfertest
5.1.4.2 Relokationstest
5.1.4.3 Apprehension-Test
5.2 Bildgebende Diagnostik
5.2.1 Röntgen
5.2.2 Sonographie
5.2.3 Magnetresonanztomographie (MRT)
5.2.4 Computertomographie (CT)
6 Therapie des Impingementsyndroms
6.1 Konservative Therapie
6.1.1 Medikamentöse Behandlung
6.1.2 Therapeutische Lokalanästhesie
6.1.3 Physikalische Schmerztherapie
6.1.3.1 Thermotherapie
6.1.3.1.1 Kryotherapie
6.1.3.1.2 Wärmeapplikation
6.1.3.2 Elektrotherapie
6.1.3.3 Ultraschall
6.1.4 Krankengymnastik
6.1.4.1 Methode nach Cyriax
6.1.4.2 Brügger-Konzept
6.1.4.3 PNF
6.1.4.3.1 PNF-Methode
6.1.4.3.2 PNF-Techniken
6.1.4.3.2.1 Grundtechniken
6.1.4.3.2.1 Arbeitstechniken
6.1.4.4.3 Bewegungsmuster der oberen Extremität
6.2 Operative Therapie
6.2.1 Subakromiale Dekompression
6.2.2 Refixationen
7 Krafttraining
7.1 Definition der motorischen Fähigkeit Kraft
7.2 Struktur der Kraftfähigkeiten
7.3 Dimensionen der Kraft
7.4 Belastungsnormative
7.4.1 Belastungsintensität
7.4.2 Belastungsdauer
7.4.3 Belastungsumfang
7.4.4 Belastungsdichte
7.4.5 Trainingshäufigkeit
7.5 Methoden des Krafttrainings
7.6 Ziele des Krafttrainings
8 Krafttraining in der Rehabilitation und Therapie
8.1 Grundsätze des Aufbautrainings
8.2 Ziele des rehabilitativen Krafttrainings
8.3 Aufbau des rehabilitativen Trainings
8.3.1 Koordinationstraining
8.3.2 Kraftausdauertraining
8.4 Rehabilitatives Krafttraining als Kompensation von Instabilität
8.5 Trainingsmittel
9 Schulterrehabilitation
9.1 Die Rolle der Skapula
9.2 Skapulasetting
9.3 Ziele der Schulterrehabilitation
9.4 Phasen der konservativen Therapie beim Impingementsyndrom
9.4.1 Schmerzbehandlung
9.4.2 Mobilisation
9.4.3 Kräftigung
9.5 Prävention eines erneuten Impingements
10 Die Impingement-Symptomatik des Sportlers
10.1 Das Modell der erworbenen Instabilität
10.2 Sportartspezifische Verletzungsmuster
10.2.1 Werferschulter
10.2.2 Schwimmerschulter
10.3 Diagnostik
10.4 Therapie
11 Gezielte Kräftigungsübungen für die Schultermuskulatur
11.1 Innen- und Außenrotatoren
11.2 Schulterblattfixatoren und –rotatoren
11.3 Bizeps
11.4 Stabilisation
12 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die Bedeutung des Krafttrainings im Rahmen der konservativen Therapie bei einem Impingementsyndrom der Schulter. Dabei werden die anatomischen Grundlagen sowie die Pathogenese des Syndroms detailliert beleuchtet, um die Notwendigkeit spezifischer Trainingsinterventionen in der Rehabilitation zu begründen.
- Anatomische Grundlagen der Schulter (Gelenke, Muskulatur, Biomechanik)
- Diagnostik und Pathogenese des Impingementsyndroms
- Methodik des rehabilitativen Krafttrainings und koordinative Anforderungen
- Sportartspezifische Verletzungsmuster (z.B. Werferschulter, Schwimmerschulter)
- Praktische Übungen zur Kräftigung der Schulterstabilität
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Subakromiales Impingement
Unter dem Sammelbegriff „Impingementsyndrom“ werden eine Vielzahl an Pathologien zusammengefasst, die Schulterschmerzen hervorrufen können. Es leitet seinen Namen vom lateinischen Wort „impingere“ ab, was soviel heißt wie „anstoßen“, „berühren“.
Hermann & von Torklus (1995, S. 140) definieren dieses Syndrom als „mechanische Irritation der Rotatorenmanschette und der Bursa subacromialis unter dem Schulterdach durch funktionelle und/oder strukturelle Faktoren.“
Bei der Abduktion und Elevation des Armes verschwinden die Bursa subacromialis und die Sehne des M. supraspinatus unter den knöchernen und bandartigen Strukturen des Schulterdaches. Normalerweise wird dabei der Oberarmkopf durch die Muskulatur der Rotatorenmanschette heruntergezogen, um den Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf (den subakromialen Raum) nicht zu eng werden zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Relevanz der Schulterfunktion für den Alltag und Begründung, warum die konservative Therapie mit Krafttraining im Fokus dieser Arbeit steht.
2 Anatomie der Schulter: Detaillierte Beschreibung der beteiligten Gelenke, der stabilisierenden Muskulatur (insbesondere der Rotatorenmanschette) und der Gelenkräume.
3 Die Verletzungsanfälligkeit des Schultergelenks: Analyse der Ursachen für die hohe Verletzungsanfälligkeit, unterschieden in akute Traumata und chronische Überlastungsschäden.
4 Das Impingementsyndrom: Definition und Erläuterung der verschiedenen Erscheinungsformen (subakromial/subkorakoidal), Symptome und die Unterteilung in extrinsische und intrinsische Ursachen.
5 Diagnostik des Impingementsyndroms: Überblick über klinische Untersuchungsmethoden (Inspektion, Palpation, Provokationstests) sowie moderne bildgebende Verfahren.
6 Therapie des Impingementsyndroms: Darstellung konservativer Behandlungsansätze (Medikation, Physik, Krankengymnastik, PNF) im Vergleich zu operativen Möglichkeiten.
7 Krafttraining: Theoretische Fundierung des Kraftbegriffs, der Struktur der Kraftfähigkeiten und der Belastungsnormative im Training.
8 Krafttraining in der Rehabilitation und Therapie: Spezifizierung der Grundsätze des Aufbautrainings, Ziele, Koordinationstraining und die Anwendung bei Instabilität.
9 Schulterrehabilitation: Fokus auf die Bedeutung der Skapula, das Skapulasetting und die Phasen der konservativen Therapie zur Prävention erneuter Impingements.
10 Die Impingement-Symptomatik des Sportlers: Untersuchung des Modells der erworbenen Instabilität und sportartspezifischer Muster bei Überkopfsportlern wie Werfern und Schwimmern.
11 Gezielte Kräftigungsübungen für die Schultermuskulatur: Praxisteil mit detaillierten Anleitungen für gezielte Übungen zur Stärkung der Innen- und Außenrotatoren sowie der Schulterblattfixatoren.
12 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse unter Betonung der aktiven Mitarbeit des Patienten für einen erfolgreichen Therapieabschluss.
Schlüsselwörter
Impingementsyndrom, Schultergelenk, Krafttraining, Rehabilitation, Rotatorenmanschette, Skapulasetting, Sportmedizin, konservative Therapie, Überkopfsportler, Biomechanik, Bewegungsabläufe, Koordinationstraining, Muskelkraft, PNF, Schmerztherapie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht die konservative Behandlung des Impingementsyndroms der Schulter unter besonderer Berücksichtigung eines gezielten Krafttrainings.
Welche anatomischen Strukturen stehen bei einem Impingementsyndrom im Vordergrund?
Vor allem die Rotatorenmanschette, die Bursa subacromialis und der subakromiale Raum zwischen dem Oberarmkopf und dem Schulterdach.
Was ist das primäre Ziel der Therapie?
Das Ziel ist die Schmerzlinderung, Wiederherstellung der Beweglichkeit und durch eine muskuläre Kräftigung die dauerhafte Zentrierung des Humeruskopfes, um ein erneutes Impingement zu vermeiden.
Welche Rolle spielt die Skapula bei der Rehabilitation?
Die Skapula dient als stabile Basis für die Armbewegung. Eine korrekte Positionierung (Skapulasetting) ist essenziell, damit die Rotatorenmanschette den Oberarmkopf korrekt führen kann.
Warum wird in dieser Arbeit speziell auf Überkopfsportler eingegangen?
Da bei Sportarten wie Handball, Tennis oder Schwimmen durch die hohe Anzahl an Überkopfbewegungen gehäuft Instabilitäten und sekundäre Impingementsymptomatiken auftreten.
Welche Bedeutung hat das Krafttraining im rehabilitativen Kontext?
Es dient nicht nur dem Muskelaufbau, sondern vor allem der Wiederherstellung der muskulären Balance, der Verbesserung der Koordination und der aktiven Kompensation von Gelenkinstabilitäten.
Wann ist eine operative Therapie bei Impingementsyndrom sinnvoll?
Operative Maßnahmen werden primär bei strukturellen Läsionen oder dann in Betracht gezogen, wenn eine konservative Therapie trotz ausreichender Zeit und korrekter Ausführung nicht zum Erfolg führt.
Wie unterscheidet sich das Koordinationstraining vom klassischen Krafttraining?
Koordinationstraining in der Rehabilitation fokussiert auf die Automatisierung von Bewegungsabläufen und findet meist bei geringeren Reizintensitäten statt, um die muskuläre Ansteuerung zu schulen.
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- Vanessa Schweppe (Author), 2005, Die Bedeutung des Krafttrainings bei der Therapie des Impingementssyndroms, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72769