An Hand des Gleichnisses Lukas 16, 19-31 (Reicher Mann und armer Lazarus) wird ein kompletter Gottesdienstentwurf, mit Vorüberlegungen zum Predigttext und zur Liturgie aufgezeigt. Es folgt eine Erläuterung zur Liturgie des Gottesdienstes und letzlich schließt sich die Predigt zum o.g. Predigttext an.
Der Gottesdienstentwurf wurde an Hand des Modells von Prof. M. Herbst "...wir predigen nicht uns selbst" erarbeitet.
Der 1. Sonntag nach Trinitatis hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weiter tragen. Oft ist diese nicht einfach, sondern anstößig, so dass die Personen immer wieder auf Widerstand stoßen. Dennoch oder eher gerade deswegen gehören Apostel und Propheten zum Gesamtbild des christlichen Glaubens, denn sie helfen, sich auf Gottes Willen zu besinnen. Allerdings muss man sich hüten vor "falschen Propheten", die den Glauben an die Existenz solcher Menschen missbrauchen und schamlos ausnutzen.
Die liturgische Farbe des Gottesdienstes ist grün und symbolisiert die Zeit des Wachsens der Kirche.
Der Gottesdienst thematisiert insbesondere das Hören auf Gottes Wort (vgl. AT Lesung). Auch der Wochenspruch (Lk. 10, 16) nimmt das Thema des Hörens - hier auf Christus - auf. Das Evangelium nimmt Bezug auf das Festhalten am Gesetz Gottes mit Blick auf das Endgericht. Wo sich Gottes Liebe in der Liebe zueinander auswirkt, kann es die Furcht vor Verurteilung und Bestrafung im jüngsten Gericht nicht mehr geben (vgl. Epistel).
Inhaltsverzeichnis
1. Einordnung in das Kirchenjahr
2. Persönliche Betrachtung
2.1 Stille und Gebet
2.2 Erste Eindrücke
2.3 Vorgang/Filmkamera
2.4 Heilsgeschehen/Anbetung
2.5 Betroffenheit/Identifikation
2.6 Vor - Sätze
3. Exegese
3.1 Übersetzung
3.2 Abgrenzung des Textes
3.3 Synchrone Exegese
3.3.1 Sprachlich – syntaktische Analyse
3.3.1.1 Wortschatz / Wortarten / Wortformen
3.3.1.2 Gliederung und Handlungsstruktur des Textes
3.3.2 Semantische Analyse – handelnde Personen
3.4 Diachrone Exegese
3.4.1 Kontext
3.4.2 Quellen des Textes/Literarkritik
3.4.3 Redaktionskritik
3.4.4 Wirkungsgeschichte
3.5 Was bedeutet mein Text? Einzelexegese
3.6 Das Ziel
3.6.1 Die Intention
3.6.2 Das Kerygma
3.6.3 Das Idion
4. Die Homiletische Besinnung
4.1 Gemeindesituation
4.2 Homiletische Großwetterlage
4.3 Der Predigttisch
4.4 Der Text an anderer Stelle
4.5 Systematisch – theologische Reflexion
4.6 Homiletisch – seelsorgerliche Erwägungen
4.7 Predigt und Gemeindeaufbau
4.8 Die Invention
4.8.1 Das Predigtziel
4.8.2 Der Predigtstoff
4.8.3 Die Predigteigenart
5. Rhetorische Gestaltung
5.1 Predigtmodell
5.2 Partition
5.3 Der Predigteinstieg
5.4 Der Hauptteil
5.5 Predigtschluss
6. Liturgische Gestaltung
6.1 Vorbereitung
6.2 A Eröffnung und Anrufung
6.3 B Verkündigung und Bekenntnis
6.4 D Sendung und Segen
7. Überlegungen zur Präsenz, Visualisierung und Präsentation
8. Gottesdienstentwurf
9. Predigt
10. Bemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit erarbeitet eine homiletische Aufbereitung des Gleichnisses vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16, 19–31). Das primäre Ziel besteht darin, die Exegese des Textes mit einer konkreten, gottesdienstlichen Praxis zu verknüpfen und aufzuzeigen, wie das Wort Gottes zur Umkehr und zur gelebten Nächstenliebe im Hier und Jetzt auffordert.
- Eingehende exegetische Untersuchung der Perikope (synchron und diachron)
- Reflexion über die Gefahren von Reichtum und die Notwendigkeit der Wahrnehmung des Nächsten
- Entwicklung eines homiletischen Modells für einen Seminargottesdienst
- Theologische Einordnung eschatologischer Motive und der Bedeutung von Gottes Wort
- Praktische Gestaltung eines Gottesdienstentwurfs
Auszug aus dem Buch
2.3 Vorgang/Filmkamera
Nach dieser Vorüberlegung, wende ich mich den beiden Handlungsträgern, dem Reichen und dem Lazarus zu. Mein erster Blick fällt auf den Reichen und ich wundere mich, warum er keinen Namen hat.
Ich sehe also einen namenlosen reichen Mann. Einen Mann mit Macht und Einfluss, der auf seinen Reichtum vertraut, der ein ausschweifendes Leben führt. Er sitzt an einer reich gedeckten Tafel, die überquillt von köstlichsten Speisen. Sehr vornehm ist er gekleidet. Er trägt Kleider aus Purpur und kostbaren Leinen, die teuersten und schönsten Stoffe, die eigentlich nur Königen vorbehalten sind. Ihm fehlt es an nichts. Bestimmt hat er eine große Dienerschaft, die ihm jeden Wunsch von den Augen abließt. Er ist bei seinen Freunden angesehen und beliebt, er wird geschätzt wegen seiner großen Freigebigkeit, aber nur ihnen gegenüber. Sein Leben, so scheint es, ist ein einziges, ununterbrochenes Freudenfest. Doch das Einzige, über das er nicht verfügt, war die Vorsorge für die Ewigkeit.
Mein Blick wendet sich nun dem anderen Mann zu. Er hat einen Namen – Lazarus. Ich sehe einen armen, gebrochenen Mann. Er hat nichts, er ist mittellos – ein Bettler. In Lumpen gekleidet liegt er schmutzig und krank vor der Tür des Reichen. Dort hatte man ihn hingelegt und so liegt er nun dort, unfähig sich selbst zu bewegen.
Durch die Tür, vor der jetzt Lazarus liegt, pflegen der Reiche und seine Freunde zu gehen. Jedes mal sehen sie sein Elend. Jedes mal hören sie seine bittende Stimme. Nein! Es kann ihnen nicht entgehen, wie Lazarus einem jeden von ihnen flehend die Hand entgegenstreckt und bittet, ihm doch etwas zu gegeben. So liegt er dort und erhofft sich Almosen von der „feinen Gesellschaft“, die bei dem Reichen ein- und ausgeht. Doch Beachtung wird ihm nicht geschenkt. Angeekelt wendet sich der Reiche ab. So geht man an Lazarus vorüber, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, gar nicht zu reden davon, ihm etwas zu geben, das sein elendiges Sein ein wenig mildert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einordnung in das Kirchenjahr: Dieses Kapitel verortet das Gleichnis im liturgischen Kontext des 1. Sonntags nach Trinitatis und beleuchtet das Thema des Hörens auf Gottes Wort.
2. Persönliche Betrachtung: Hier findet eine subjektive Auseinandersetzung mit dem Text statt, wobei die Identifikation mit den Rollen des Reichen und des Lazarus reflektiert wird.
3. Exegese: Dies ist der wissenschaftliche Hauptteil, der die synchrone und diachrone Analyse sowie die literarische Bedeutung des Textes darlegt.
4. Die Homiletische Besinnung: Dieser Abschnitt überträgt die Erkenntnisse auf die konkrete Situation der Gemeinde und bereitet die inhaltliche Inventio für die Predigt vor.
5. Rhetorische Gestaltung: Hier wird das methodische Modell (genus deliberativum) für die Ausarbeitung und Struktur der Predigt festgelegt.
6. Liturgische Gestaltung: Dieses Kapitel erläutert den gottesdienstlichen Ablauf auf Basis des Evangelischen Gottesdienstbuches.
7. Überlegungen zur Präsenz, Visualisierung und Präsentation: Der Autor reflektiert die räumlichen Bedingungen und die gestalterischen Entscheidungen für die Durchführung des Gottesdienstes.
8. Gottesdienstentwurf: Eine vollständige Vorlage für den Gottesdienst, inklusive Liturgie, Gebeten und Gesangstexten.
9. Predigt: Der ausgearbeitete Predigttext, der die exegetischen und homiletischen Überlegungen in eine direkte Ansprache übersetzt.
10. Bemerkung: Ein kurzer Hinweis zur geschlechtergerechten Sprache innerhalb der Arbeit.
Schlüsselwörter
Lukas 16, Reicher Mann, Lazarus, Exegese, Homiletik, Nächstenliebe, Armenfürsorge, Gerechtigkeit, Eschatologie, Umkehr, Gottes Wort, Besitz, Gemeindegottesdienst, Glauben, Predigtvorbereitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende homiletische und exegetische Auseinandersetzung mit dem Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus, eingebettet in die Planung eines Seminargottesdienstes.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die soziale Verantwortung, die Gefahren von Reichtum, die Bedeutung der Nächstenliebe und die Notwendigkeit des Hörens auf Gottes Wort.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie das Gleichnis in der heutigen Zeit Relevanz behält und wie ein Prediger die Zuhörer zu einem bewussten Wahrnehmen ihres Nächsten bewegen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Der Autor nutzt historisch-kritische exegetische Methoden (synchrone und diachrone Exegese) in Verbindung mit homiletischen Reflexionen und gottesdienstpraktischen Entwürfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte textkritische Exegese, gefolgt von einer homiletischen Besinnung, einer rhetorischen Gestaltung und einem konkreten Gottesdienstentwurf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Nächstenliebe", "Wahrnehmung", "soziale Gerechtigkeit", "Eschatologie" und "homiletische Praxis".
Wie geht die Arbeit mit dem Reichtum des reichen Mannes um?
Der Reichtum an sich wird nicht verdammt, sondern die Tatsache, dass er als Hindernis dient, das den Reichen blind für die Not des Lazarus an seiner Tür macht.
Welche Bedeutung kommt dem Namen "Lazarus" zu?
Der Name bedeutet übersetzt "Gott hilft" und stellt Lazarus als den von Gott angenommenen Armen dar, der im Gegensatz zum namenlosen Reichen in Gottes Obhut steht.
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- Gunnar Schulze (Author), 2006, Predigtarbeit und Gottesdienst zu Lukas 16,19-31 (Reicher Mann und armer Lazarus), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72833