Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Zur Diskussion über die liberale Eugenik unter besonderer Berücksichtigung von Jürgen Habermas

Title: Zur Diskussion über die liberale Eugenik unter besonderer Berücksichtigung von Jürgen Habermas

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tobias Breidenmoser (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die biotechnische Forschung hat sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts rasant entwickelt. Gentechnische Forschungen führen zu völlig neuen technischen Anwendungen, die stärker in die Natur eingreifen können, als man es je zuvor konnte. An technischen Möglichkeiten scheinen dem Menschen kaum Grenzen gesetzt zu sein. Doch gibt es vielleicht ethische Grenzen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich Jürgen Habermas in seinem Buch „Die Zukunft der menschlichen Natur“. Er geht speziell auf die Frage ein, ob man durch Präimplantationsdiagnostik und genetischer Manipulation in das Erbgut des Menschen eingreifen und ihn beliebig designen darf. Diese Arbeit soll sich ebenfalls dieser Frage widmen.
Nach einem Überblick über die Kerngedanken von Habermas soll eine umfassende Grundlagendiskussion klären, wie sich dem Problem der liberalen Eugenik genähert werden kann. Es muss die Frage nach einer weltanschaulich neutralen Bewertungsmöglichkeit für diese Thematik aufgeworfen und beantwortet werden. Die Diskursethik von Habermas bietet hierfür gute Ansätze. Sie soll durch eine skizzierte Interessenethik erweitert und ergänzt werden. Diese bildet dann auch eine gute Möglichkeit, die angeführte Problematik wieder aufzugreifen und neu zu bewerten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Habermas über die Frage der liberalen Eugenik

3. Mit welchen Methoden lässt sich Ethik begründen?

3.1 Kritik des metaphysischen Ethikverständnis

3.2 Darstellung und Kritik der Diskursethik

3.3 Interessenethik

4. Zur Diskussion um die liberale Eugenik bei Habermas

4.1 Zur negativen Eugenik

4.2 Zur positiven Eugenik

4.3 Positive Eugenik und Gerechtigkeit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Zulässigkeit liberaler Eugenik unter besonderer Berücksichtigung der Position von Jürgen Habermas. Dabei wird geprüft, unter welchen Prämissen seine Argumente gültig sind, kritische Schwachpunkte identifiziert und durch methodische Erweiterungen – namentlich eine Diskursethik ergänzt um interessenethische Überlegungen – neu bewertet.

  • Kritische Analyse der habermasschen Thesen zur liberalen Eugenik
  • Metaethische Auseinandersetzung mit der Begründbarkeit von Ethik
  • Gegenüberstellung von Diskursethik und Interessenethik
  • Unterscheidung und Bewertung von negativer versus positiver Eugenik
  • Diskussion von Gerechtigkeit, Chancengleichheit und autonomer Lebensführung

Auszug aus dem Buch

3.1 Kritik des metaphysischen Ethikverständnis

Ein klassisches ethisches Werk ist Kants „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. Darin betont Kant besonders den Vernunftcharakter der Ethik: „[A]lle Moralphilosophie beruht gänzlich auf ihrem reinen Teil, und auf den Menschen angewandt, entlehnt sie nicht das mindeste von der Kenntnis desselben (Anthropologie), sondern gibt ihm, als vernünftiges Wesen, Gesetze a priori“ (Kant, S.389). Ethische Gesetze sind laut Kant an sich vorhanden, sie können ohne Erfahrungen erkannt werden und besitzen absolute Gültigkeit. Die oberste Maxime, nach der ethische Handlungsanweisungen beschlossen werden, ist der kategorische Imperativ: „Der kategorische Imperativ ist also nur ein einziger und zwar dieser: handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde“ (Kant, S.421). Dies wirft sofort die Rückfrage auf, was man als allgemeines Gesetz überhaupt wollen kann. Die Antwort ist scheinbar einfach: Man kann kein allgemeines Gesetz wollen, dass das Schlechte befürwortet, da dies auf einen selbst zurückfallen würde. Ein allgemeines Gesetz gebietet somit nur das Gute. Doch was bedeutet „gut“?

Kant selbst definiert diesen Begriff folgendermaßen: „Praktisch gut ist aber, was vermittelst der Vorstellungen der Vernunft, mithin nicht aus subjektiven Ursachen, sondern objektiv, d. i. aus Gründen, die für jedes vernünftige Wesen als ein solches gültig sind, den Willen bestimmt“ (Kant, S.414). Eine Handlung ist also nur dann gut, wenn sie nicht nur den subjektiven Neigungen des Einzelnen, sondern dem objektiven Willen aller vernünftigen Wesen entsprechen. Mit dieser Definition kann Kant beispielsweise das Tötungsverbot und das Lügenverbot nachweisen, da diese zwar den subjektiven Neigungen des Einzelnen entsprechen können, nicht aber dem objektiven Willen eines vernünftigen Wesens.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die technologischen Entwicklungen der Gentechnik ein und definiert die zentrale Fragestellung, ob der Mensch durch Präimplantationsdiagnostik und Manipulation in das Erbgut eingreifen darf.

2. Habermas über die Frage der liberalen Eugenik: Dieses Kapitel stellt Habermas' technologische Sachverhaltsdarstellung und seine kritische Haltung gegenüber der „Moralisierung der menschlichen Natur“ durch eugenische Eingriffe dar.

3. Mit welchen Methoden lässt sich Ethik begründen?: Der Hauptteil hinterfragt metaphysische Begründungsmodelle und erarbeitet anhand der Diskursethik und Interessenethik ein tragfähigeres Fundament für ethische Debatten.

4. Zur Diskussion um die liberale Eugenik bei Habermas: Im letzten Hauptkapitel werden die zuvor erarbeiteten Methoden angewandt, um Habermas' Argumente zur negativen und positiven Eugenik sowie zur Gerechtigkeit kritisch zu prüfen.

Schlüsselwörter

liberale Eugenik, Jürgen Habermas, Diskursethik, Interessenethik, Gentechnik, Präimplantationsdiagnostik, Autonomie, Menschenwürde, metaphysische Ethik, kategorischer Imperativ, rationale Handlung, Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Bioethik, Normakzeptanz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die moralische Zulässigkeit von Eingriffen in das menschliche Erbgut, insbesondere im Kontext der liberalen Eugenik, unter Bezugnahme auf die Philosophie von Jürgen Habermas.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen negativer und positiver Eugenik, die ethische Begründbarkeit von Normen in einer nachmetaphysischen Gesellschaft und das Verhältnis von autonomer Lebensführung zu genetischer Gestaltung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Überprüfung der Schlussfolgerungen von Habermas, um festzustellen, unter welchen Prämissen diese gültig sind und ob Schwachpunkte durch zusätzliche Argumentationsmodelle gestützt werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kritische Diskursanalyse, die die habermassche Diskursethik um interessenethische, spieltheoretische Ansätze erweitert, um auch das Handeln strategischer Akteure in die ethische Bewertung einzubeziehen.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Eugenik?

Diese Unterscheidung ist für die Argumentation zentral: Während negative Eugenik (Heilung von Krankheiten) teilweise als konsensfähig betrachtet wird, wirft die positive Eugenik (Design von Merkmalen) fundamentale Fragen zur Asymmetrie zwischen Erzeuger und Erzeugtem auf.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Autonomie, Chancengleichheit, intersubjektive Begründung von Normen, Interessenethik und Diskursethik geprägt.

Wie bewertet der Autor Habermas’ These zur Autonomie der manipulierten Person?

Der Autor hinterfragt Habermas' Annahme einer gravierenden Gefährdung der Autonomie kritisch und argumentiert, dass eine genetische Vorprägung nicht zwangsläufig die Fähigkeit zur eigenen Lebensgestaltung einschränkt.

Welches Argument führt der Autor gegen positive Eugenik an?

Neben gattungsethischen Bedenken warnt der Autor vor einer massiven Verschärfung der sozialen Schere zwischen Arm und Reich, sollte die genetische Optimierung zu einem exklusiven Privileg wohlhabender Schichten werden.

Warum reicht eine rein diskursethische Lösung laut Autor nicht aus?

Der Autor argumentiert, dass die Diskursethik zu optimistisch ist, da sie einen Konsens voraussetzt, der bei strategisch handelnden Egoisten oft nicht zu erreichen ist, weshalb zusätzliche motivationale Faktoren wie Sanktionen notwendig sind.

Excerpt out of 30 pages  - scroll top

Details

Title
Zur Diskussion über die liberale Eugenik unter besonderer Berücksichtigung von Jürgen Habermas
College
University of Rostock  (Institut für Philosophie)
Course
Kompaktkurs Praktische Philosophie II
Grade
1,0
Author
Tobias Breidenmoser (Author)
Publication Year
2007
Pages
30
Catalog Number
V72843
ISBN (eBook)
9783638739108
ISBN (Book)
9783638739900
Language
German
Tags
Diskussion Eugenik Berücksichtigung Jürgen Habermas Kompaktkurs Praktische Philosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Breidenmoser (Author), 2007, Zur Diskussion über die liberale Eugenik unter besonderer Berücksichtigung von Jürgen Habermas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72843
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  30  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint