Bis heute setzt sich die Diskussion fort, ob die Value- oder Growth-Strategie die Effektivere ist. Bezüglich des Value- und Growth-Investments wurden zahlreiche empirische Untersuchungen veröffentlicht. In einem aktuellen Artikel heißt es, dass die Anleger, die sich auf das Value-Investing als Strategie der weltbekannten Value-Investoren Peter Lynch und Warren Buffet berufen, als „stille Genießer“ bezeichnet werden.
Die empirischen Ergebnisse, die vor allem in den neunziger Jahren sowie Anfang 2000 erstellt wurden, sollten in den Anlagestrategien heutiger Zeit berücksichtigt sein. Zudem wurden am Markt diverse Indizes integriert. So dienen der MSCI Value/Growth, der Dow Jones Stoxx TMI Value/Growth und der Salomon Smith Barney Value & Growth Index als adäquate Benchmark für die Performancemessung.
Dass die Bedeutung dieser Investmentstile in der Öffentlichkeit weiter zunimmt, zeigt die stetige Auflage neuer Fonds, die sich dieser Anlagestrategie verschrieben haben. Fortlaufend steigende Bestände in diesen Fonds unterstützen die These. Sowohl der DWS Top Dividende als auch der UniDividendenAss der Union Investment können innerhalb Deutschlands mittlerweile Investmentgelder in Höhe von jeweils 1,5 Mrd. € auf sich vereinen.
Diese Seminararbeit soll dem Leser zeigen, welche Kriterien angesetzt werden und zu welchen Ergebnissen internationale Studien hinsichtlich der Performanceentwicklungen gekommen sind. Das zweite Kapitel definiert die Begriffe Value und Growth und erläutert die Historie der beiden Ansätze.
Kapitel drei charakterisiert die beiden Investmentrichtungen und liefert Maßstäbe im Rahmen von Kennzahlen und Interpretationsmöglichkeiten. Das KVG, das Price-to-book-Verhältnis, die Dividendenrendite und das Long-term-growth werden als maßgebliche Bewertungsinstrumente vorgestellt.
Der Leser erfährt im vierten Kapitel Einzelheiten zu den Studien der Ökonomen Chan und Fama auf internationaler Ebene. Die Ergebnisse der empirischen Studien werden beschrieben und im genannten Zusammenhang ausgewertet.
Erklärungsansätze für die Performanceunterschiede präsentiert das fünfte Kapitel. Explizit wird auf das Capital-Asset-Pricing-Model eingegangen und dessen Pro und Contra herausgestellt. Ein Fazit und eine Handlungsempfehlung schließen die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historie und Entstehung des Value- und Growth-Investments
3. Motivation des Value- und Growth-Investments
3.1. Charakteristika des Value- und Growth-Stils
3.2. Earnings Expectations Life Cycle
4. Performanceentwicklungen von Value- und Growth-Indizes
4.1. Untersuchungen des japanischen Marktes von Chan 1991
4.2. Untersuchungen des internationalen Marktes von Fama 1998
5. Erklärungsansätze für den Performanceunterschied
5.1. Capital asset pricing model
5.2. Untersuchung von French zum Capital asset pricing model
6. Fazit und Handlungsempfehlung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Performance-Unterschied zwischen Value- und Growth-Investmentstrategien anhand internationaler empirischer Studien, um zu klären, welche Strategie überlegen ist und ob das Capital-Asset-Pricing-Model diese Unterschiede adäquat erklären kann.
- Charakterisierung von Value- und Growth-Investments
- Analyse historischer Entwicklungen der Anlagestile
- Empirische Performance-Vergleiche internationaler Märkte
- Kritische Würdigung der CAPM-Erklärungsansätze
Auszug aus dem Buch
3.1. Charakteristika des Value- und Growth-Stils
Value und Growth stellen zwei Synonyme für unterschiedliche Investmentstrategien dar. Growth investiert in unterbewertete Aktien und der Valueansatz orientiert sich an umsatzstarken Unternehmen.
Die Zuordnung zu den einzelnen Investmentrichtung erfolgt anhand finanzwirtschaftlicher Kennzahlen, von denen die Folgenden näher beschrieben werden. Dabei handelt es sich um das Kursgewinnverhältnis (KGV), das Price-to-book, die Dividendenrendite und das Long-term-growth.
Kursgewinnverhältnis: Eine weit verbreitete Interpretation des KGV, auch Price-to-earnings genannt, beschreibt Loistl: „[…] Das Verhältnis Aktienkurs zu Gewinn pro Aktie wird als Preismaßstab angesehen. Je niedriger das KGV ist, umso preiswerter ist eine Aktie, je höher das KGV, umso teurer ist sie.“ Oft wird das KGV als inverser Schätzer der erwarteten Marktrendite einer Aktie in Verbindung mit unterstellten Kapitalkosten einer Unternehmung gleicher Risikoklasse gedeutet. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine Aktie mit geringem KGV zu preiswert bewertet ist und eine höhere Rendite erwarten lässt et vice versa.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Debatte zwischen Value- und Growth-Strategien ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung für Anleger und den Fondsmarkt.
2. Historie und Entstehung des Value- und Growth-Investments: Hier werden die Ursprünge des Value-Investings (Graham/Dodd) sowie des Growth-Investments (Babson/Price) im 20. Jahrhundert beleuchtet.
3. Motivation des Value- und Growth-Investments: Das Kapitel definiert zentrale Kennzahlen wie KGV, Price-to-Book und Dividendenrendite und erläutert mit dem Earnings Expectations Life Cycle den dynamischen Übergang zwischen den Strategien.
4. Performanceentwicklungen von Value- und Growth-Indizes: Es erfolgt eine statistische Auswertung empirischer Studien von Chan (1991) und Fama (1998) zu Renditeunterschieden auf japanischen und internationalen Märkten.
5. Erklärungsansätze für den Performanceunterschied: Dieses Kapitel prüft kritisch das Capital-Asset-Pricing-Model als Erklärungsmodell für die beobachteten Renditedifferenzen zwischen Value- und Growth-Titeln.
6. Fazit und Handlungsempfehlung: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, wobei das Value-Investing als renditestärker eingestuft wird, während das Growth-Investing bei geringerem Risiko eine Alternative für substanzorientierte Anleger darstellt.
Schlüsselwörter
Value-Investing, Growth-Investing, Kapitalmarkt, Aktienanalyse, Renditevergleich, Kursgewinnverhältnis, CAPM, Portfoliomanagement, Markteffizienz, Anlagestrategien, Fundamentalanalyse, Performance, Risikoprämie, Dividendenrendite, Finanzkennzahlen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit vergleicht die zwei zentralen Anlagestrategien Value und Growth, um herauszufinden, welche dieser Methoden effektiver für Investoren ist.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Im Fokus stehen die historische Entstehung, die Definition durch Kennzahlen, der empirische Leistungsvergleich an internationalen Börsen sowie die theoretische Erklärbarkeit durch das CAPM.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Performance-Unterschied zwischen den Anlagestilen anhand empirischer Studien zu verdeutlichen und Handlungsempfehlungen für Anleger abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Analyse empirischer Sekundärdaten, insbesondere durch die statistische Auswertung von Marktportfolios und Regressionsanalysen nach Fama und Chan.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Charakteristika, die Untersuchung historischer Performance-Daten in Japan und international sowie die Prüfung des CAPM als Erklärungsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Value- und Growth-Strategien, KGV, CAPM, Renditeunterschiede und internationale Kapitalmärkte.
Was besagt der "Earnings Expectations Life Cycle"?
Es handelt sich um ein Modell von Berstein, das die dynamischen Phasen eines Investments beschreibt, in denen ein Wert zwischen den Stilen Value und Growth zyklisch wechseln kann.
Warum ist das CAPM laut der Arbeit ungeeignet?
Die Untersuchungen von French zeigen, dass das CAPM die beobachteten Überrenditen von Value-Aktien nicht allein durch ein höheres Beta-Risiko erklären kann, da die t-Werte die Hypothese der Erklärbarkeit ablehnen.
- Arbeit zitieren
- Kai Cardinal von Widder (Autor:in), 2006, Investmentmoden: Value- und Growth-Strategien im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72865