Zur Textualität von Hypertext


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

INHALT

Einleitung

Kurze Entstehungsgeschichte des Hypertextes

Merkmale und Funktionen des Hypertextes

Textualität von Hypertext

Hadumod BUßMANN

Siegfried SCHMIDT

Robert-Alain de Beaugrande und Wolfgang Ulrich DRESSLER

Roland BARTHES

Bedeutung des Hypertextes im Vergleich zum klassischen Text

Verwendete Literatur

Anhang

Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich mich mit einer linguistischen Disziplin auseinandersetzen, die in der klassischen Linguistik längst ihren Einzug gehalten und einen gewissen Stellenwert gefunden hat. Weltweit beschäftigen sich Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit dem Phänomen Hypertext. Sie untersuchen die Merkmale des Hypertextes, seine Funktionen und seine Bedeutung für die moderne Gesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts. Ich möchte in dieser Arbeit einen kurzen Überblick über die Geschichte des Hypertextes geben, der die wichtigsten Etappen der Entwicklung des Hypertextnetzwerkes kurz beschreibt. Im Anschluss daran gebe ich eine auf die charakteristischsten Merkmale reduzierte Definition von Hypertext und erläutere seine Funktionsweise. Zentraler Teil dieser Arbeit soll aber die Auseinandersetzung mit Hypertext als Text sein. Ist Hypertext ein Text? Welche Texttheorie schließt Hypertext ein, welche aus? Wie kann man die Textualität von Hypertext untersuchen? Ich werde natürlich nicht in der Lage sein, die Diskussion, die seit Jahrzehnten um dieses Thema tobt, zu einem Abschluss zu bringen, möchte aber vier Texttheorien vorstellen und daran die Textualität von Hypertext feststellen. Vorab habe ich mich entschieden, die Texttheorien sowohl auf das Gesamtgebilde Hypertext als auch auf eine Hypertext-Einheit zu beziehen, die ich exemplarisch auf seine Textualität hin untersuchen möchte. Als Beispiel habe ich eine Hypertext-Einheit ausgewählt, deren Herkunft und Inhalt wohl jedem geläufig ist.

Kurze Entstehungsgeschichte des Hypertextes

Den ersten Gedanken zu Hypertext entwickelte Vannevar Bush in seinem Artikel As we may think. Er entwickelte die Vision einer Maschine „Memex“, ein Archivsystem, in dem sämtliche persönliche Informationen auf Mikrofilm gespeichert und jederzeit abgerufen werden können. Einzelne Dateneinträge sollten miteinander verknüpft sein, sodass der Nutzer sie schnell finden und nutzen kann. „Memex“ wurde nie realisiert (vgl. Hautzinger 1999, S. 36-38; STORRER 2000 In: KALLMEYER 2000, S. 225; ECKKRAMER / EDER 2000, S. 34-35; EngelschalL 2000, S. 7).

1963 griff Douglas Engelbart die Gedanken Bushs in „A conceptual framework for the augmentation of men’s intellect“ auf und entwickelte das System „NLS/Augment“, welches Dateien hierarchisch anordnet und Verlinkungen zwischen diesen ermöglicht (STEINKE 1999; EngelschalL 2000, S. 7).

Der Begriff „Hypertext“ wurde 1965 erstmals von Ted Nelson eingeführt. Er entwickelte die Idee eines Literatur-Archivierungssystem, in dem alle Varianten eines Textes und Zitate direkt mit dem Originaltext verbunden sind. Auch dieses System war nie richtig lauffähig (vgl. HAUTZINGER 1999, S. 38-39; Kuhlen 1991, S.217; EngelschalL 2000, S. 7).

In den späten 1980er Jahren entwickelte Bill Atkinson die „Hypercard“-Anwendung für Apple. Sie war ursprünglich zur Herstellung von Hypertextsystemen geschaffen und ermöglichte durch die Hypertextsprache „HyperTalk“ ein einfaches Erstellen graphischer Anwendungen (vgl. STEINKE 1999; von Oberquelle et al. 2002; EngelschalL 2000, S. 8).

Tim Berners-Lee war dann letztendlich derjenige, der dem Hypertextgefüge seine heutige Form und Funktion gab. Er schrieb schon 1980 für den Eigenbedarf sein erstes Programm zur Informationsspeicherung unter Verwendung von Querverweisen. 1989 schlug er ein globales Hypertextsystem vor und realisierte dies mit Hilfe der Internetprotokolle TCP/IP, des Hypertext Transfer Protokoll HTTP, dem WWW-Server httpd und dem Browser WorldWideWeb. Zudem erfand er die Hypertextsprache HTML (Hypertext Makeup Language) und legte somit den Grundstein für ein globales, assoziatives Informationssystem (vgl. STORRER 2000 In: KALLMEYER 2000, S. 226; HUBER 2002, S. 17; EngelschalL 2000, S. 8-9).

Merkmale und Funktionen des Hypertextes

NIELSON beschreibt Hypertext als ein “non-sequential writing: a directed graph, where each node contains some amount of text or other information“ (1990, S. 298).

STORRER verwendet eine weiter gehende Definition: “Hypertexte lassen sich charakterisieren als Mengen von Teiltexten, Hypertext-Einheiten genannt, die mit dem Computer verwaltet werden und über Verweise zu anderen Knoten, Hyperlinks genannt, miteinander verbunden sind. Dabei kann einerseits eine Hypertext-Einheit auf mehrere andere Einheiten verweisen, andererseits kann von mehreren anderen Einheiten aus auf dieselbe Hypertext-Einheit verwiesen werden“ (1997 In: KNORR / JAKOBS 1997, S. 122)

Hypertext ist ein demnach ein computerverwaltetes Netzwerk von Texten, die nicht linear angeordnet sind. Unter ihnen herrscht keine Hierarchie, d.h kein Element ist wichtiger als das andere und „es existiert kein zentraler Textkern“ (HAUTZINGER 1999, S. 58). Er ist nicht länger ein als Einheit konzipierter Text ist, sondern ein komplexes Informationssystem, aus dem der Leser die Bestandteile auswählt, die er lesen möchte und sich somit seinen eigenen Text erstellt. Er kann an jeder beliebigen Stelle in das Gefüge einsteigen und er hat unendlich viele Möglichkeiten Hypertext-Einheiten miteinander zu kombinieren (vgl. HAUTZINGER 1999, S. 39). Dies impliziert, dass Hypertext keinen Anfang und kein Ende hat. Der Leser bestimmt seinen Anfang und sein Ende selbst, indem er an irgendeiner Stelle in den Hypertext einsteigt und ihn an einer beliebigen Stelle wieder verlässt (vgl. HAUTZINGER 1999, 60-61).

Um dies zu gewährleisten ist Hypertext aus Knoten und Links zusammengesetzt. Der Link stellt die Verbindung zwischen zwei oder mehr Knoten her und ist meist in einer Hypertext-Einheit auf einem Knoten eingebunden.

Üblicherweise sind Links im Hypertext farbig oder anderweitig hervorgehoben, sodass der Leser den Link sofort erkennen kann. Einen neuen Knoten erreicht der Leser, indem er den Link mit der Computermaus anklickt (vgl. HAUTZINGER 1999, S, 39). Ein Link erfüllt zugleich drei Funktionen: Er ist Zeichen und somit Teil der Hypertext-Einheit, er verweist auf eine andere Hypertext-Einheit und damit auf einen anderen Knoten und er dient als Absprungspunkt zu dieser anderen Hypertext-Einheit (vgl. Simanowski 2002, S. 70-78). Die folgende Abbildung (Abb. 1) zeigt schematisch, wie die Hypertext-Einheiten über Links miteinander verknüpft, woraus sich das Netzwerk Hypertext ergibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einfaches Schema eines Hypertextes (EIBL 2000)

Wenn ich nun also den Beispieltext „Hypertext“ betrachte, so bietet dieser mir Möglichkeiten, von diesem Knoten aus zu den Knoten Organisation, Objekt, Struktur, Hyperlinks, Knoten, Hypermedia, synonym und vielen mehr gelangen. Es steht mir als Leser frei, ob ich zu einem anderen Knoten springen möchte und ich kann dabei selbst auswählen, zu welchem Knoten ich springen möchte.

Im Gegensatz zum Buch bietet der Hypertext die Möglichkeit bestimmte Partien durch Farben und Formen und durch multimediale Einheiten wie Bilder, Ton, Graphiken oder Video hervorzuheben. HAUTZINGER sieht sie als „integrale[n] Bestandteil des Textes und [sie] stellen eine eigenständige Kommunikationsform dar“ (1999, S. 66). Im Beispieltext ist die in gleich mehrfacher Form anzutreffen. Die blau markierten Wörter weisen den Leser darauf hin, dass sich hier ein Link befindet, die rot markierten haben dieselbe Funktion ihm aber zusätzlich mit, dass er auf dem sich dahinter verbergenden Knoten keine Informationen zu dem vom Link angegebenen Thema finden wird. Abgesehen von den Farbmarkierungen findet sich im Beispieltext eine Abbildung, hinter der sich ebenfalls ein Link verbirgt. Klickt der Leser die Puzzleweltkugel in der linken oberen Ecke an, so gelangt er auf die Hauptseite des Netzwerkes Wikipedia in der Sprache Deutsch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Zur Textualität von Hypertext
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1.0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V72872
ISBN (eBook)
9783638739474
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textualität, Hypertext
Arbeit zitieren
Sarah Piecha (Autor), 2007, Zur Textualität von Hypertext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72872

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Textualität von Hypertext



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden