Thomas Jefferson und das Problem der Sklaverei


Seminararbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Jeffersons Hintergrund

3. Jeffersons Ansichten

4. Jeffersons Handlungen

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur- und Quellenverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Thomas Jefferson schrieb im Juni 1776 in die Präambel des Dokuments, welches am 4. Juli 1776 vom zweiten Kontinentalkongreß als amerikanische Unabhängigkeits­erklärung verabschiedet werden sollte, die Worte „[w]e hold these truths to be self evident, that all men are created equal; that they are endowed by their creator with certain unalienable rights; that among these are life, liberty and the pursuit of happiness.”[1] Im Gegensatz zu heute bezog sich der Begriff ‘all men’ im Jahr 1776 nicht auf alle Menschen: ‚All’ beinhaltete ausschließlich Personen europäischer Abstammung und schloss Personen afrikanischer Herkunft, sowie Indianer aus. ‚Men’ bezog sich auf Männer und nicht auf Menschen im Allgemeinen; Frauen sollten in den Vereinigten Staaten erst mehr als einhundert Jahre später völlige Gleichberechtigung und Gleichstellung vor dem Gesetz erfahren.[2] Thomas Jeffersons Haltung zur Sklaverei und der (scheinbare) Widerspruch zwischen seinen Worten und Taten im Bezug auf die Sklavereiproblematik wurden in der Geschichtswissenschaft eingehend beleuchtet. Der amerikanische Historiker Stephen E. Ambrose ist sogar der Auffassung, dass „[o]f all contradictions in Jefferson’s contradictory life, none is greater.“[3]

Die folgende Arbeit hat das Ziel zu untersuchen, wo und inwieweit Divergenzen zwischen Jeffersons Denken und Handeln hinsichtlich der Sklaverei bestehen. Nachdem zunächst Jeffersons Herkunft betrachtet wird, um dort mögliche Ursachen für seinen späteren Umgang mit Sklaven und seinen politischen Diskurs über dieses Sujet zu ergründen, sollen danach Essays und Briefe Thomas Jeffersons analysiert werden, in denen er Bezug auf die Problematik der Sklavenhaltung in den Vereinigten Staaten nimmt.

Den Schriften Jeffersons sollen dann seine Handlungen während seiner politischen Karriere als Parlamentsabgeordneter im House of Burgesses, Diplomat und amerikanischer Präsident bezüglich der Sklavereiproblematik, sowie sein Verhältnis zu Sklaven im Privatleben, gegenübergestellt werden. Dabei soll im speziellen auf die Beziehung zu seiner Sklavin Sally Hemings eingegangen werden.

2. Thomas Jeffersons Hintergrund

Zwei äußerst verschiedenartige Erfahrungsströme prägen Thomas Jefferson Kindheit und Jugend und sollten auch sein späteres Leben und Wirken beeinflussen. Zum einen ist dies das Leben an der wenig besiedelten frontier – die Erfahrungen mit der Natur, die er in der howling wilderness, den Wäldern Virginias und den Bergen der Blue Ridge Mountains, sammelt, sowie die Kontakte zu Indianern und schwarzen Sklaven, die auf den riesigen Tabakplantagen arbeiten. Zum anderen ist es auch seine umfassende schulische und universitäre Bildung, die weit über das Maß der ‚septem artes liberales’ hinausgeht, die sein politisches Denken und Handeln entscheidend beeinflussen wird.[4]

Thomas Jefferson wurde am 13. April 1743 in der kleinen Siedlung Shadwell in der Kolonie Virginia geboren und wuchs zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern auf der Plantage seines Vater Peter Jefferson auf. Peter Jefferson, der Farmer, Landvermesser und Abgeordneter im Virginia House of Burgesses war, gelang durch die Heirat mit Jane Randolph der soziale Aufstieg in die Pflanzeraristokratie der Kolonie; zählten doch die Randolphs in der Kolonialzeit zu den reichsten Familien in Virginia. Nach dem frühen Tod des Vaters 1757 erbte Thomas Jefferson gemäß der Primogenitur den größten Teil des väterlichen Besitzes, darunter auch mindestens zwanzig Sklaven.[5] Durch die Heirat mit der Witwe Martha Wayles Skelton 1772 stieg Jefferson zu einem der größten Plantagenbesitzer des Albemarle County auf.[6] Neben circa 3.000 Hektar Land umfasste sein Besitz nun auch 185 Sklaven, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden oder das Haus Monticello in Ordnung hielten.

Jefferson genoss für koloniale Verhältnisse eine vorzügliche Ausbildung. Dem Unterricht bei privaten Tutoren folgte der Besuch der Privatschule des Pfarrers James Maury, der ihn in Griechisch und Latein unterrichtete und mit den Ideen und Schriften antiker Philosophen und Dichter vertraut machte.[7] Mehr als ein halbes Jahrhundert später ist er in einem Brief an Joseph Priestley noch voll des Lobes für seine schulische Bildung bei Maury und schreibt, dass „to read the Latin & Greek authors in their original, is a sublime luxury; [...] I thank on my knees, him who directed my early education, for having put into my possession this rich source of delight.”[8] Jefferson vertiefte seine Kenntnisse in Philosophie, Geschichte und Kultur des klassischen Altertums in seiner zweijährigen Studienzeit am College of William and Mary in Williamsburg, VA, welches zu dieser ein Ort mit 750 weißen Einwohnern und ungefähr der gleichen Zahl an Sklaven war.[9] In dieser „einzige[n] öffentliche[n] Pflanzschule der Gelehrsamkeit in diesem Staat“[10] wandte er sich angeleitet von William Small, einem schottischen Professor für Mathematik, auch den Naturwissenschaften, der Neuphilologie und der Mathematik zu, bevor er 1762 seine juristische Ausbildung beim prominenten Rechtsanwalt George Whyte begann.[11]

3. Jeffersons Ansichten

In vielen seiner Schriften wird Thomas Jeffersons Auffassung deutlich, dass die Sklaverei moralisch nicht mit den Prinzipien der Amerikanischen Revolution vereinbar ist.[12] Bereits in seinem 1774 veröffentlichten Pamphlet A Summary View of the Rights of British America stellt Jefferson die Forderung an den englischen König Georg III. für das Ende der Sklaverei in den britischen Kolonien Nordamerikas zu sorgen, da dies „the great object of desire in those colonies“[13] sei und die Sklaverei bei der Gründung der Kolonien den Kolonisten aufgezwungen worden wäre. Jefferson fährt fort, dass jedoch vor der Freilassung der Sklaven zunächst der Sklavenimport aus Afrika beendet werden müsse.[14] Des weiteren schreibt er 1821 in seiner Autobiographie im Kapitel Revisals of the Law über afroamerikanische Sklaven: „Nothing is more certainly written in the book of fate than that these people are to be free.”[15] Allerdings relativiert er den Wert seiner Aussage sogleich durch die Einschränkung „the two races, equally free, cannot live in the same government”[16] und den rassistischen Zusatz „[n]ature, habit, opinion has drawn indelible lines of distinction between them.”[17]

Thomas Jeffersons zwiespältige Haltung gegenüber dem Problem der Sklavenhaltung wird noch stärker in seinen Notes on the State of Virginia, die er 1782 kurz nach dem Tod seiner Frau Martha Wayles Skelton schrieb und die erstmals 1784 in Paris anonym veröffentlicht wurden[18], deutlich. In den Kapiteln vierzehn (‚Laws’) und achtzehn (‚Manners’) greift er zum einen die Sklaverei als Institution an, da sie durch Zerstörung ethischer und moralische Werte eine Hälfte der Bevölkerung in Despoten und die andere Hälfte in deren Feinde verwandele:

[...]


[1] Thomas Jefferson: Declaration of Independence, in: Engler, Bernd und Oliver Scheiding (Hrsg.): Key Concepts in American Cultural History. From the Colonial Period to the End of the 19th Century, Trier 2005, S. 305f. (S. 305).

[2] Vgl. Jürgen Heideking und Christof Mauch. Geschichte der USA, 4., ver. Auflage, Tübingen und Basel 2006, S. 182f. und 209f.

[3] Stephen E. Ambrose: Flawed Founders. To What Degree Do the Attitudes of Washington and Jefferson toward Slavery Diminish Their Achievements? 2002, http://www.smithsonianmag.com/issues/2002/november/presence.php, (eingesehen am 02.03.2007).

[4] Vgl. Peter Nicolaisen: Thomas Jefferson, Reinbek 1995, S. 12-15 und 26f.

[5] Ebd., S. 13.

[6] Ebd., S. 26f.

[7] Ebd., S. 13f.

[8] Thomas Jefferson: Letter to Dr. Joseph Priestly. Philadelphia, Jan. 27, 1800, in: Peterson, Merril D. (Hrsg.): Thomas Jefferson. Writings, Cambridge 1984, S. 1072-1074 (S. 1072).

[9] Vgl. Nicolaisen, Thomas Jefferson, S. 13 und 16f.

[10] Thomas Jefferson zitiert nach Nicolaisen, Thomas Jefferson, S. 16.

[11] Ebd., S. 16f.

[12] Vgl. Joseph J. Ellis: American Sphinx. The Character of Thomas Jefferson, New York 1997. S. 86.

[13] Thomas Jefferson: A Summary View of the Rights of British America, in: Peterson, Writings, S. 103-125 (S. 115).

[14] Ebd., S. 115f.

[15] Thomas Jefferson: The Autobiography, in: Peterson, Writings, S. 1-101 (S. 44).

[16] Ebd., S. 44.

[17] Ebd., S. 44.

[18] Vgl. Ellis, American Sphinx, S. 85-88.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Thomas Jefferson und das Problem der Sklaverei
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Seminar für Zeitgeschichte)
Veranstaltung
PS Die amerikanische Revolution: Politisches Denken in den Vereinigten Staaten zwischen 1760 und 1800
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V72906
ISBN (eBook)
9783638734332
ISBN (Buch)
9783638755115
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis Thomas Jeffersons zur Sklaverei.
Schlagworte
Thomas, Jefferson, Problem, Sklaverei, Revolution, Politisches, Denken, Vereinigten, Staaten, usa, rassismus
Arbeit zitieren
Johannes Steffens (Autor), 2007, Thomas Jefferson und das Problem der Sklaverei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72906

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