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Umformung des Almosengedankens - Das Bild vom Bettler im spätmittelalterlichen Köln

Title: Umformung des Almosengedankens - Das Bild vom Bettler im spätmittelalterlichen Köln

Term Paper , 2005 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Constanze Michael (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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In diesen Tagen wird Köln zum Wallfahrtsort für über eine halbe Million Pilger aus der ganzen Welt. Anläßlich des XX. Weltjugendtages reisen die jungen Gläubiger in die Domstadt, um die Ansprache des Papstes zu hören. Die katholische Kirche versammelt so im internationalen Rahmen die Angehörigen ihrer Glaubensgemeinschaft.[...] Auf ihrem Weg nach Köln machen die Pilger Halt in fast jeder europäischen Großstadt, um mit den ansässigen katholischen Kirchenmitgliedern ihren Glauben zu zelebrieren. Dabei ist es das Ziel der katholischen Kirche, dem Glauben nicht nur durch Worte, sondern gerade durch Taten Ausdruck zu verleihen. Die jungen Leute sollen mit sozialen Brennfeldern konfrontiert werden, von denen sie bisher größtenteils nur in den Medien erfahren haben. [...]
Die Menschen des Mittelalters kannten nur „eine Welt“, es wurde nicht nach Industrie- oder Entwicklungsländern entschieden. Armut war keine Randerscheinung, der Bettler, der im heutigen Sprachgebrauch als Obdachloser bezeichnet wird, gehörte zur Gesellschaft des Mittelalters, wie die Pest, Hungersnöte oder die Leibeigenschaft und das Lehnswesen. Dabei kristallisierte sich jedoch im Laufe der Entwicklung ein Unterschied zwischen Stadt und Land heraus. In den Städten wurde die keineswegs homogene Schicht der Armen spätestens seit Beginn des Spätmittelalters differenziert. Auch in der mittelalterlichen Gesellschaft war man bereits mit verschiedenen Formen der Armenfürsorge vertraut. Welche Rolle spielte dabei die katholische Kirche? Auf welche Weise wurde der Armut im Mittelalter begegnet? Warum half man in der rauen Welt des Mittelalters überhaupt einander? Diese Fragen werden im ersten Teil der vorliegenden Arbeit beantwortet und dienen zugleich als Überleitung zu den Gründen, warum sich die Vergabe von Almosen änderte. Die Differenzierung der Armenfürsorge wird am Beispiel der Stadt Köln erläutert. Es wird versucht eine Linie zu ziehen vom Betteln als Lebenserwerb zum Betteln als Schande.
Ein Überblick über die Umformung des Almosenwesens im Mittelalter bedingt vorausgehend die Begriffsbestimmung des Phänomens Armut und den Versuch, Ursachen und Auslöser von Armut in der Zeit des Mittelalters zu finden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Armut im Mittelalter

1.1 Begriffsbestimmung und quantitative Zugänge

1.2 Ursachen und Formen von Armut

2 Armenfürsorge im Früh- und Hochmittelalter als kirchlich organisierte Almosenvergabe - Betteln als anerkannte Lebensform

3 Umformung des Almosengedankens im Spätmittelalter

3.1 Köln vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit

3.2 Organisiertes Armenwesen in Köln

3.3 „Hausarme“ und Bettler

3.4 Der „fremde Bettler“ als Gefahr im Spätmittelalter- Maßnahmen des Rates der Stadt Köln

3.5 Differenzierung der Einheimischen Bettler und Maßnahmen gegen das Betrugsbetteln- das Bild vom „starken Bettler“

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Umformung des Almosengedankens im spätmittelalterlichen Köln und analysiert den historischen Wandel des Bettlerbildes von einer christlich akzeptierten Lebensform hin zu einer kriminalisierten Randerscheinung. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie städtische Obrigkeiten auf wachsende Armut reagierten und inwieweit die Differenzierung zwischen „Hausarmen“ und „fremden Bettlern“ zur Steuerung der Armenfürsorge genutzt wurde.

  • Historische Entwicklung des Armutsbegriffs im Mittelalter
  • Strukturen der kirchlichen und kommunalen Armenfürsorge in Köln
  • Die sozioökonomische Differenzierung zwischen „Hausarmen“ und vagierenden Bettlern
  • Maßnahmen des Kölner Rates zur Kontrolle des Bettelwesens
  • Das Phänomen des Betrugsbettelns und die Entstehung des „starken Bettlers“

Auszug aus dem Buch

3.1 Köln vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit

Köln zählte mit rund 40 000 Einwohner zu einer der größten Städte des Spätmittelalters. Aufgrund der religiösen, politischen und ökonomischen Bedingungen wurde die Stadt zum dauerhaften oder vorübergehenden Aufenthaltsort für Fremde64. In den Quellen ist immer wieder von der guten Getreidepolitik des Rates zu lesen, die, ebenso wie die „vielfältigen Hilfsmaßnahmen der kirchlichen und kommunalen Einrichtungen“65, eine große Anziehungskraft auf Fremde ausübte. Die politische Macht ging seit 1396 von der Bürgergemeinde aus, die auch den Kölner Stadtrat, als oberstes beschließendes Organ der Gemeinde, mit insgesamt 49 Mitgliedern stellte66. Der Transfixbrief von 1513 bildete in Verbindung mit dem Verbundbrief von 139667 die schriftlich fixierten rechtlichen Festlungen der Stadt. Bei Aufruhr und Unruhen wurde zur Besänftigung der Bürgerschaft auf zutreffende Bestimmungen eingegangen. Der „summarische Extrakt“ von 1609 bildete den, für unseren Zeitraum zutreffenden, letzten Kompromiß, der die Freiheitsrechte der Bürger bestätigte68.

Seit 1475 besaß die Stadt den Status einer freien Reichsstadt69 Die Erzbischöfe betrachteten Köln jedoch weiterhin als „ihre“ Stadt, was zu Spannungen im Verhältnis zwischen Kurfürst und der Stadt führte. Der große Einfluss der Erzbischöfe führte zur katholischen Prägung der Stadt, so dass auch der Rat der Stadt im Zeitalter der Glaubenskämpfe auf der Seite des Kaisers und für die katholische Sache stand70. Nicht- katholische Bevölkerungsteile wurden jedoch geduldet, solange sie ihr Gemeindeleben nicht in der Öffentlichkeit auslebten. Da die Stadt zudem Glaubensflüchtlinge aufnahm, kamen Einwanderer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts überwiegend aus Italien, Portugal und Italien71. Köln wurde jedoch nicht zum festen Aufenthaltsort, sondern mehr zur Station auf der Durchreise (z. B. nach Frankfurt)72.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Armut im Mittelalter: Dieses Kapitel definiert den Armutsbegriff durch verschiedene rechtliche und wirtschaftliche Ebenen und diskutiert die Ursachen wie Ernährungskrisen und den Verlust von Erwerbsgrundlagen.

2 Armenfürsorge im Früh- und Hochmittelalter als kirchlich organisierte Almosenvergabe - Betteln als anerkannte Lebensform: Das Kapitel beschreibt das Betteln als sozial integriertes Phänomen, bei dem der Bettler als Ebenbild Christi galt und die Almosenvergabe vor allem dem Seelenheil der Stifter diente.

3 Umformung des Almosengedankens im Spätmittelalter: Dieses Hauptkapitel analysiert den Prozess der Kommunalisierung der Armenpflege in Köln, die Differenzierung zwischen „Hausarmen“ und „fremden Bettlern“ sowie die restriktiven ordnungspolitischen Maßnahmen des Stadtrates.

Schlüsselwörter

Armut, Mittelalter, Köln, Bettelwesen, Almosen, Armenfürsorge, Spätmittelalter, Hausarme, Stadtgeschichte, soziale Randgruppen, Betrugsbetteln, starke Bettler, Kommunalisierung, Armenrecht, Nächstenliebe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel des Armutsverständnisses und der Armenfürsorge im spätmittelalterlichen Köln, insbesondere der Verschiebung von einer christlich motivierten Almosenpraxis hin zu einer städtisch regulierten Sozialpolitik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Definition von Armut, die Rolle der Kirche bei der Armenpflege, der Übergang zum organisierten städtischen Armenwesen und die Kriminalisierung des Bettelns.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die Umformung des Almosengedankens am Beispiel Kölns zu erklären und zu zeigen, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit dem „Bettler“ über die Jahrhunderte gewandelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, die sich primär auf die Auswertung von Fachliteratur sowie auf städtische Quellen und Chroniken zur Kölner Stadtgeschichte stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Rahmenbedingungen der Stadt Köln, den Aufbau des organisierten Armenwesens, die Unterscheidung zwischen „Hausarmen“ und fremden Bettlern sowie die Maßnahmen des Stadtrates gegen das Betrugsbetteln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Armenfürsorge, Spätmittelalter, Köln, Almosen, „Hausarme“, „starker Bettler“ und die Kommunalisierung des Armenrechts.

Was unterscheidet „Hausarme“ von anderen Bettlern?

„Hausarme“ waren als ansässige, „verschämte“ Bürger bekannt, die durch unverschuldete Not Unterstützung erhielten, während „fremde“ Bettler als mobile, potenzielle Gefahren und Müßiggänger wahrgenommen wurden.

Warum wurde der Begriff des „starken Bettlers“ eingeführt?

Dieser Begriff diente als Denunziationsmittel gegen vermeintliche Betrüger, die trotz körperlicher Fähigkeit zum Arbeiten bettelten, und sollte die soziale Ordnung sowie die Arbeitsmoral stärken.

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Details

Title
Umformung des Almosengedankens - Das Bild vom Bettler im spätmittelalterlichen Köln
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Armut, Krankheit, Tod im Mittelalter
Grade
1,0
Author
Constanze Michael (Author)
Publication Year
2005
Pages
25
Catalog Number
V72956
ISBN (eBook)
9783638733823
ISBN (Book)
9783638735209
Language
German
Tags
Umformung Almosengedankens Bild Bettler Köln Armut Krankheit Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Constanze Michael (Author), 2005, Umformung des Almosengedankens - Das Bild vom Bettler im spätmittelalterlichen Köln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72956
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