Am 27.10.2005 wurde vom IASB ein Diskussionspapier zum Thema „Management Commentary“ (nachfolgend auch als MC bezeichnet) verabschiedet. Diese Veröffentlichung stellt das Ergebnis einer Forschungsgruppe dar, die sich seit 2002 im Auftrag des IASB mit diesem Thema beschäftigte. Die Arbeitsgruppe setzte sich aus den Standardsettern Neuseelands, Deutschlands, Kanadas und Großbritanniens zusammen. Das jetzt veröffentlichte Diskussionspapier verfolgt das Ziel, eine Diskussion über die Notwendigkeit der Einführung eines Management Commentary innerhalb der Regelungen der IFRS anzuregen. Das Management Commentary ist ein dem Lagebericht ähnliches Instrument. Bislang wird in IAS 1.9. nur beschrieben, dass viele Unternehmen außerhalb des Abschlusses einen freiwilligen „financial review“ veröffentlichen. Bis heute wird zwar im Rahmenkonzept des IASB die Wichtigkeit von ergänzenden Informationen erkannt, eine Pflicht zur Erstellung eines Lageberichts besteht aber nicht. Die Regelungen des IFRS beschränken sich bisher auf den Jahresabschluss. Mit dem Diskussionspapier will das IASB die Anstrengungen vorantreiben, zusätzlich zum Abschluss einen verpflichtenden „Managementbericht“ einzuführen. Die Grundlage des Entwurfs waren Untersuchungen und Analysen in den Ländern (z. B. Deutschland, USA, Großbritannien), die bereits heute Grundsätze zur Management-Berichterstattung entwickelt haben. Aufbauend auf daraus gewonnenen Erkenntnissen wurde im Diskussionspapier ein Vorschlag für einen Standard entworfen. Interessierte konnten bis zum 28. April 2006 ihre Stellungnahme beim IASB einreichen. Nach der Analyse der eingegangenen Stellungnahmen entscheidet das IASB, ob das Projekt „Management Commentary“ auf die aktive Agenda gesetzt wird. Sollte dies der Fall sein könnte der Entwurf des Forschungsteams um seinen Vorsitzenden Alan Texeira als Basis für den zu entwickelnden Standard dienen.
Die Arbeit stellt das Diskussionspapier des IASB im Folgenden vor und wird anschließend betrachten, wie die Stellungnahmen aus deutscher Sicht hierzu aussehen. Zum Abschluss werden zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit dem deutschen DRS 15 analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Gedanken
2 Erläuterung des Diskussionspapiers
2.1 Definition, Ziele und Implementierung des Management Commentary
2.2 Grundsätze und qualitative Anforderungen
2.2.1 Grundsätze
2.2.2 Qualitative Anforderungen
2.3 Inhalte des Management Commentary
2.4 Stellungnahmen aus deutscher Sicht
3 Zentrale Gemeinsamkeiten und wesentliche Unterschiede zum DRS 15
4 Schlussfolgerung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert das vom IASB veröffentlichte Diskussionspapier zum "Management Commentary" und untersucht dessen Relevanz sowie Konformität im Vergleich zur etablierten Lageberichterstattung nach deutschem Rechnungslegungsstandard (DRS 15).
- Methodische Einordnung des "Management Commentary" im Rahmen der IFRS.
- Untersuchung der Grundsätze und qualitativen Anforderungen an die Berichterstattung.
- Auswertung der Stellungnahmen deutscher Unternehmen und Institutionen zum IASB-Entwurf.
- Vergleichende Gegenüberstellung der inhaltlichen Anforderungen von DRS 15 und IASB.
- Beurteilung der internationalen Harmonisierungsmöglichkeiten im Lagebericht.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition, Ziele und Implementierung des Management Commentary
Zuerst stellte sich die Frage, ob die Entwicklung eines MC überhaupt in den Zuständigkeitsbereich des IASB fällt. Diese Frage konnte dadurch beantwortet werden, dass sowohl die Satzung der Dachgesellschaft IASCF als auch das Vorwort zu den IFRS die Entwicklung von Standards für „financial statements and other financial reporting“ vom IASB verlangt bzw. fordert. Im Widerspruch dazu stehen IAS 1.9 und IAS 1.10, die die Berichte des Managements nicht als Teil des Jahresabschlusses sehen. Das Diskussionspapier geht aber auf diese Widersprüche nicht ein und somit fällt das MC in den Wirkungsbereich des IASB (siehe dazu Abb. 1).
Die Definition laut Diskussionspapier sagt aus, dass das Management Commentary als Teil der Finanzberichterstattung gelte und aus, den Jahresabschluss begleitenden und ergänzenden, Informationen bestehen solle. Die Notwendigkeit der Bereitstellung von Zusatzinformationen, die Sachverhalte aus dem Abschluss näher erläutern und/oder ergänzen, wurde schon lange Zeit erkannt. Die Forschungsgruppe hat die Investoren aufgrund ihrer Eigenschaft als Risikokapitalgeber als Hauptadressatengruppe ausgewählt. Informationen, die für Investoren entscheidungsnützlich sind, gelten nach h. M. auch für alle anderen Abschlussadressaten als entscheidungsnützlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Gedanken: Einführung in das Diskussionspapier des IASB zum Management Commentary und Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der internationalen Rechnungslegung.
2 Erläuterung des Diskussionspapiers: Detaillierte Analyse der Definition, der qualitativen Anforderungen sowie der inhaltlichen Schwerpunkte und der deutschen Reaktion auf den Entwurf.
3 Zentrale Gemeinsamkeiten und wesentliche Unterschiede zum DRS 15: Vergleich des IASB-Ansatzes mit den bestehenden deutschen Anforderungen an die Lageberichterstattung nach DRS 15.
4 Schlussfolgerung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Vorreiterrolle der deutschen Rechnungslegung und Ausblick auf die zukünftige internationale Harmonisierung.
Schlüsselwörter
Management Commentary, IASB, DRS 15, Lageberichterstattung, Finanzberichterstattung, IFRS, Jahresabschluss, Investoren, Rechnungslegung, Standardisierung, Grundsätze, qualitative Anforderungen, Harmonisierung, Unternehmensberichterstattung, Bilanzrechtsreformgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Diskussionspapier "Management Commentary" des IASB und prüft, inwiefern dieses Konzept mit dem deutschen Standard DRS 15 übereinstimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Managementberichten, der Festlegung von Grundsätzen und der Analyse der Stellungnahmen aus der deutschen Wirtschaftspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation, ob das IASB-Diskussionspapier einen sinnvollen internationalen Leitfaden für die Lageberichterstattung darstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse und einen systematischen Rechtsvergleich zwischen internationalen IFRS-Entwürfen und den nationalen Anforderungen des DRS 15.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Vorstellung des Diskussionspapiers und einen detaillierten Vergleich mit der deutschen Lageberichterstattung hinsichtlich Grundsätzen und Gliederung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Management Commentary, IASB, DRS 15, Lagebericht, IFRS, Harmonisierung und Entscheidungsnützlichkeit.
Wie stehen deutsche Unternehmen zum Vorschlag des IASB?
Die deutschen Stellungnahmen begrüßen das Projekt prinzipiell, fordern aber teils Präzisierungen bei den Kriterien der Abgrenzung und zeigen sich uneins über die Priorisierung auf der IASB-Agenda.
Ist ein einheitlicher Standard laut Autor sinnvoll?
Der Autor konstatiert, dass ein einheitlicher internationaler Lagebericht sinnvoll ist, weist aber auf die Schwierigkeit hin, aufgrund branchenspezifischer Unterschiede zu detaillierte Vorgaben zu machen.
- Quote paper
- Christian Günther (Author), 2006, Das Diskussionspapier “Management Commentary” des IASB im Vergleich zur Lageberichterstattung nach DRS 15, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72957