Das Gleichnis vom verlorenen Sohn


Hausarbeit, 2005

24 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
1.1 Gleichnis und Parabel
1.2 Beispielerzählung
1.3 Allegorie
1.4 Erzählungsgesetze von Gleichnis und Parabel

2. Exegese von Lk 15. 11-32
2.1 Gleichnis vom verlorenen Sohn (Textgrundlage)
2.2 Einordnung in den Kontext des Evangeliums
2.3 Schlüsselbegriffe
2.4 Gliederung
2.5 Exegese

3. Die Verlorenen- Gleichnisse

4. Schlussbetrachtungen

5. Nachwort

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

In der hier vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk. 15, 11-32) beschäftigen.

Der Grund für die Auswahl dieser Thematik liegt für mich in der Besonderheit der Perikope des Lukasevangeliums, dieses verdeutlicht im Besonderen die Einstellung des Verfassers. Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, diese Eigentümlichkeit im Hinblick auf die lukanischen Verlorenen-Gleichnisse herauszustellen.

Im Anschluß an allgemeine Informationen über die Merkmale des Lukasevangeliums werde ich mich mit der literarischen Gattung ‚Gleichnis’ beschäftigen und mich anschließend der dieser Arbeit zugrunde liegenden Perikope nähern, indem ich diese in den Kontext des Evangeliums einordne, Schlüsselbegriffe kläre und das Gleichnis vom verlorenen Sohn gliedere. Darauf folgend wird Exegese, die Gegenüberstellung der lukanischen Verlorenen-Gleichnisse mündet, wodurch die Aussageabsicht des Gleichniskapitels 15 verdeutlicht werden soll.

Für die zu nennenden Bibelstellen werde ich die Elberfelder Übersetzung zugrunde legen.

2. Das Lukasevangelium

Das Evangelium nach Lukas ist sowohl das längste, als auch das sprachlich am sorgfältigsten gestaltete Evangelium. Sein Wortschatz ist umfangreich und stilistisch auf höherer Stufe. Schon der Prolog (Lk.1, 1-4) macht deutlich, dass Lukas literarische Ansprüche erhebt.

Das Lukasevangelium lässt sich in sechs Abschnitte gliedern:

- Vorgeschichte (Kap. 1-2)
- Jesu Wirksamkeit in Galiläa (Kap. 3-9)
- Der lukanische Reisebericht (Kap. 9-19)
- Jesu Wirken in Jerusalem (Kap. 19-21)
- Leidensgeschichte (Kap. 22-23)
- Auferstehungsberichte (Kap. 24).[1]

Eine Fortsetzung seines Evangeliums stellt die Apostelgeschichte dar. Lukas sieht das Ganze der Geschichte in drei aufeinander folgenden Epochen (vgl. 16, 16): die mit der Schöpfung beginnende Zeit Israels, die Erdenzeit Jesu, die Zeit der Kirche und Mission von der Himmelfahrt Jesu bis zu seiner Wiederkunft. Aus diesem Grunde lässt sich Jesu Auftreten als die Mitte der Zeit verstehen. Das Evangelium stellt die zweite Epoche dar, die Apostelgeschichte den Anfang der dritten.[2]

Das Leben Jesu wird bei Lukas als Erzählung entfaltet und zugleich in die allgemeine Geschichte eingebunden, indem Lukas an entscheidenden Punkten Querverweise bringt (vgl. 1,5; 2,1f; 3,1f). Aufgrund der bewussten historischen Verortung der Geschichte Jesu kann man von einer Historisierung sprechen. Parallel dazu spricht man von der Spiritualisierung der Geschichte, da der Gegenstand der Darstellung die Gottesbegegnung ist, die durch Jesus geschieht. Dadurch wird sie zur Heilsgeschichte.[3]

Lukas verweist als einziger Evangelist ausdrücklich in seinem Prolog (Lk. 1,1-4) auf viele Vorgänger seines Evangeliums, die er zu kennen und zu benutzen scheint. Diese Quellen sind das Markusevangelium, die Logienquelle (Q) sowie Sondergut des Lukas.

Der Verfasser des dritten Evangeliums ist uns nicht bekannt. Von Irenäus (um 180) erfahren wir erstmals, dass Lukas, ein Begleiter des Paulus (vgl. Kol. 4, 14; Philem. 24; 2.Tim. 4,11), der Autor des Doppelwerkes sei. Jedoch dürfte diese Angabe nicht zutreffend sein, da die bezeichnenden theologischen Ansichten und Begriffe des Verfassers nicht aus der Schule des Paulus stammen. Zudem zeigt sich der Autor der Apostelgeschichte verhältnismäßig schlecht über das Leben und Denken des großen Heidenapostels informiert.[4]

Die Widmung seines Doppelwerkes gilt „Theophilus“, den er anredet wie einen hohen römischen Beamten. Als Adressaten hat Lukas die römische Oberschicht im Blick.[5]

Die Abfassungszeit des Lukasevangeliums lässt sich nur ungefähr bestimmen. Lukas hat Markus gekannt und konnte auf die Zerstörung Jerusalems (21, 20-24) zurückblicken.

Über den Entstehungsort lässt sich lediglich sagen, dass dem Verfasser Palästina unbekannt war.[6]

Signifikant für das Lukasevangelium ist, dass sein Verfasser von Anfang an den ganzen jüdischen Raum als Wirkungsstätte Jesu nennt, anstatt sich lediglich auf Galiläa zu beschränken. Auf der anderen Seite werden jegliche Hinweise auf ein Auftreten Jesu außerhalb dieses Gebiets konsequent ausgeklammert. Damit beabsichtigt Lukas die Verdeutlichung der heilsgeschichtlichen Abfolge der Mission.[7]

Das Christusbild des Lukas - nämlich Jesu Zuwendung zu den Armen und Unterprivilegierten- zieht sich wie ein roter Faden durch das Evangelium. Von seinen Gegnern wird Jesus als „Freund der Zöllner und Sünder“ beschimpft (Lk. 7,84). Keiner, der umkehrt und ernsthaft Gott sucht, wird missachtet oder aufgegeben. Lukas will die Botschaft Jesu hervorheben, welche die Umkehrung der Verhältnisse darstellt. Dies geschieht ebenso bei der Darstellung der Jesusfigur. Angefangen bei der Weihnachtsgeschichte, bei der Jesus als Fremder außerhalb der menschlichen Herberge geboren wird, sowie auf dem großen Reisebericht, bei dem er ein heimatloser Wanderer ist bis hin zu seinem einsamen Tod am Kreuz.[8]

Lukas versteht das Evangelium als Einladung zur Begegnung mit Jesus Christus und damit zur verändernden Begegnung des Sünders mit dem vergebenden Gott. Dies wird besonders deutlich am Gleichniskapitel 15[9], welches später noch näher beleuchtet werden soll.

3. Die Gleichnisse Jesu

Die Sprache Jesu ist voller Bilder und Vergleiche. Dieses gehört zu seinen veranschaulichenden Predigten. Jesus selbst hat in Mk 4, 10-12 über den Sinn und Zweck seiner Gleichnisse gesprochen: „Und als er allein war, fragten ihn die, die um ihn waren, samt den Zwölfen nach den Gleichnissen. Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen, damit sie hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.“

Das Gleichnis ist eine allgemein gebräuchliche Stilform der Rede, der sich auch Jesus bedient. Unter dem Begriff des Gleichnisses (im weiteren Sinn) versteht man mehrere Gattungen bildlicher Rede, deren charakteristische Besonderheiten bei der Auslegung beachtet werden müssen.

Diese Gattungen sind:

1. Das Gleichnis (im engeren Sinn)
2. die Parabel
3. die Beispielerzählung
4. die Allegorie

1.1 Gleichnis und Parabel

Während das Gleichnis von einem allgemeingültigen, typischen Zustand oder Vorgang erzählt, dessen Bild einer jedermann zugänglichen Wirklichkeit entnommen ist, benennt die Parabel eine erfundene Geschichte eines Einzelfalls. Daher wird die Parabel in der Vergangenheit, das Gleichnis im Präsens erzählt bzw. geschrieben. Das Gleichnis bezwingt durch ihre Autorität des Allgemeingültigen, die Parabel dagegen überzeugt durch ihre Anschaulichkeit. Bei der Parabel ist die Tendenz kaum erkennbar, unterdessen bedient sich das Gleichnis des Machtmittels der Überzeugung durch das Allgemeingültige.[10]

1.2 Beispielerzählung

Von Gleichnissen und Parabeln unterscheidet man die Beispielerzählungen. Sie haben mit Parabeln gemein, dass sie frei erfundene Geschichten und Beweismittel sind, jedoch ist deren Wirkungsweise verschieden. „Die Parabel bringt eine Entsprechung (analogia) zur Sache, die Beispielerzählung einen Musterfall (exemplum).“[11]

1.3 Allegorie

Auch die Allegorie ist eine zusammenhängende, frei erfundene Geschichte, die eine Reihe von Bildern malt, um dem Hörer die zu vermittelnde Wahrheit anzudeuten, welche letztlich jedoch verhüllt bleibt. „Die Allegorie nennt aber nicht etwas Beliebiges, sondern etwas, das dem Gemeinten ähnlich ist.“[12] Die entscheidende Funktion der Allegorie ist, den Sachverhalt zu bewerten.[13]

1.4 Erzählungsgesetze von Gleichnis und Parabel

Sowohl Gleichnis als auch Parabel dienen dazu, ein Vorkommnis durch einen Vergleich vor einem anderen Hintergrund zu beleuchten. Dabei darf keine Unklarheit darüber bestehen, in welcher Hinsicht Vorkommnis und Erzählung vergleichbar sind. Um die Aufmerksamkeit des Hörers direkt auf den Vergleichspunkt zu lenken, steht dieser am Schluss. Auf Nebensächlichkeiten, die für die Pointe der Erzählung nicht relevant sind, wird verzichtet. Das Gleichnis wird so knapp wie möglich erzählt und endet mit dem Vergleichspunkt. Die Parabel läuft ohne Umwege auf den Vergleichspunkt zu, er bildet das Ende der Parabel. Der Ausgang der Geschichte wird nicht erzählt, um die Aufmerksamkeit nicht vom Vergleichspunkt abzulenken.[14]

Parabeln unterliegen den Gesetzen volkstümlicher Erzählweise. Diese sollen im Folgenden stichpunktartig dargestellt werden.

- Knappheit
- Nur notwendige Personen treten auf
- Nie mehr als drei Hauptpersonen
- Gruppen werden wie eine Person behandelt und nur so weit wie nötig differenziert

[...]


[1] (vgl. Westermann, S. 257 f)

[2] (vgl. Westermann, S. 257)

[3] (vgl. Niebuhr, S. 111 f)

[4] (vgl. Schmithals, S. 9)

[5] (vgl. Theißen, S. 76)

[6] (vgl. Conzelmann, S. 272)

[7] (vgl. Conzelmann, S. 272 f)

[8] (vgl. Niebuhr, S. 134 f)

[9] (vgl. Westermann, S. 263)

[10] (vgl. Linnemann, S. 13 f)

[11] Linnemann, S. 14

[12] Linnemann, S. 16

[13] (vgl. Linnemann, S. 15 f)

[14] (vgl. Linnemann, S. 18ff)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Hochschule
Hochschule Hannover
Veranstaltung
Einführung in das Neue Testament
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V72967
ISBN (eBook)
9783638730983
ISBN (Buch)
9783638735216
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gleichnis, Sohn, Einführung, Neue, Testament
Arbeit zitieren
Dagmar Klosowski (Autor), 2005, Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72967

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