Yoga. Der indische Erlösungsweg.
Von Anja Brandl
ABSTRACT
Thema dieser Arbeit ist das komplexe, philosophische System des indischen Yoga, das sich in erster Linie mit Bewusstseinsmodalitäten auseinandersetzt und die Erlösung von dieser Welt durch die Einswerdung mit einem unpersonifizierten Gott, der bereits im Innern eines jeden Menschen angelegt ist, anstrebt.
Das Mittel dazu ist in erster Linie die meditative Praxis, die anhand der Samyama - Meditation genauer beschrieben wird.
Anhand dieser Beschreibungen wird in dieser Arbeit deutlich gemacht, dass es beim klassischen Yoga überhaupt nicht darum geht, irgendeine Form von Heil oder spiritueller Lebensqualität in dieser Welt zu erlangen. In seiner klassischen Form besteht der Yoga vielmehr auf einer kompromisslosen Überwindung dieser Welt, die mit den zahlreichen Yoga-Systemen der heutigen Zeit wenig wenn nicht gar nichts gemeinsam hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Vorstellungen
3. Vorbereitung auf die Meditation
4. Die meditative Praxis
5. Verschiedene Schulen des Yoga
6. Säkularisierter Yoga
7. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den indischen Yoga als komplexes philosophisches System, dessen primäres Ziel die Erlösung von der leidvollen Welt durch die Einswerdung mit dem unpersonifizierten göttlichen Kern im Menschen ist. Die Arbeit analysiert dabei, wie durch meditative Disziplin und die Überwindung des empirischen Bewusstseins die Identität mit dem wahren Selbst erreicht werden kann.
- Grundlagen des Yoga als philosophisches System
- Die Rolle der meditativen Praxis und Disziplin
- Unterscheidung zwischen empirischem und reinem Bewusstsein
- Die achtgliedrige Methode nach dem Yoga Sutra des Patanjali
- Abgrenzung des traditionellen Yoga vom säkularisierten Verständnis
Auszug aus dem Buch
Die meditative Praxis
Das Yoga Sutra stellt drei gleichberechtigte Meditationsarten vor, durch die der Yogin in die Lage gebracht werden soll, zwischen empirischem und nicht empirischem Bewusstsein unterscheiden zu können und den Zustand zu erreichen, in dem der Atman geschehen kann.
Diese Meditationen lauten Samadhi, die unterdrückende Konzentration, Samapatti, die identifizierende Konzentration und Samyama, die beherrschende Konzentration, auch der achtgliedrige Yoga genannt. Samyama besteht aus den sogenannten fünf äußeren und den drei inneren Gliedern.
Alle drei Meditationstypen sind gleichberechtigt, was den Erlösungsfaktor angeht, unterscheiden sich nur in Details und sind innerhalb des Sutras nur schwer voneinander abzugrenzen. Da die Samyama-Meditation die erforderlichen Vorbereitungen ausführlich beschreibt und ihre letzten drei Stufen der Samadhi- und der Samapatti-Meditation sehr ähneln, wird in dieser Arbeit nur die Samyama-Meditation genauer dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Yoga als philosophisches System ein, das die meditative Praxis zur Erlösung nutzt und sich auf das Yoga Sutra des Patanjali stützt.
Allgemeine Vorstellungen: Hier werden zentrale Konzepte wie Samsara, Karma, Atman und Brahman sowie die Problematik des empirischen Bewusstseins erläutert.
Vorbereitung auf die Meditation: Das Kapitel beschreibt die notwendigen Disziplinen, wie die Aufhebung von Zerstreuung und das Schwächen von Befleckungen, um für die Praxis bereit zu sein.
Die meditative Praxis: Dieser Abschnitt erläutert die achtgliedrige Methode (Samyama), bestehend aus äußeren und inneren Gliedern, um die Einswerdung mit dem Meditationsobjekt zu erreichen.
Verschiedene Schulen des Yoga: Hier werden unterschiedliche Strömungen wie Bhaktiyoga, Jnanayoga und Hathayoga kurz charakterisiert.
Säkularisierter Yoga: Dieses Kapitel kritisiert die westliche Reduktion des Yoga auf rein gesundheitsfördernde Übungen unter Vernachlässigung der philosophischen Erlösungsvorgaben.
Schlussbetrachtungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass Yoga als Erlösungsreligion die Welt verneint und in der persönlichen Verantwortung des Einzelnen liegt, durch Bewusstseinsdisziplin Befreiung zu erlangen.
Schlüsselwörter
Yoga, Patanjali, Erlösung, Meditation, Bewusstsein, Samyama, Atman, Brahman, Samsara, Karma, Befleckungen, Unsterblichkeit, Achtgliedriger Yoga, Enstase, Säkularisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den indischen Yoga als ein philosophisches Erlösungssystem, das auf der Überwindung der materiellen Welt durch die Disziplinierung des Bewusstseins basiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die philosophische Abgrenzung des Selbst vom empirischen Ich, die Bedeutung von Karma und Samsara sowie die praktischen Methoden der yogischen Meditation.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den klassischen Yoga als einen systematischen Weg zur Erlösung darzustellen, der weit über bloße körperliche Übungen hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte, religionswissenschaftliche Analyse, primär basierend auf den Schriften von Patanjali, Mircea Eliade und Elvira Friedrich.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Vorbereitung zur Meditation sowie auf den achtgliedrigen Yoga und dessen Stufen bis hin zur angestrebten Unabhängigkeit (Kaivalya).
Wie lässt sich die Arbeit durch Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Yoga, Erlösung, Bewusstsein, meditative Praxis, Patanjali und philosophische Befreiung definieren.
Was unterscheidet den klassischen Yoga von der westlichen Auslegung?
Während der klassische Yoga eine "totale Opposition gegen das Leben" und die transzendentale Erlösung sucht, beschränkt sich der westlich säkularisierte Yoga oft auf gesundheitliche Fitnessaspekte.
Welche Rolle spielt die Gottheit "Ishvara" im System des Yoga?
Ishvara dient als abstraktes Meditationsobjekt, ist aber für die endgültige Erlösung nicht zwingend erforderlich, wodurch der Yoga eher als philosophisches System denn als strikt theistische Religion zu verstehen ist.
- Quote paper
- Anja Brandl (Author), 2004, Yoga, der indische Erlösungsweg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73019