Standortbestimmung der Sportpädagogik


Hausarbeit, 2004

30 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Definition
2 Die Geschichte des Sports
2.1 Einleitung
2.2 Geschichtlicher Ablauf
2.2.1 Rousseau
2.2.2 Die Philanthropen
2.2.3 Jahn
2.2.4 Spieß
2.2.5 Die Reformpädagogen
2.2.6 Die Entwicklung der Sportpädagogik in der nationalsozialistischen Bewegung
2.2.7 Die Zeit nach 1945

3 Sportpädagogik als theoretische und praktische Disziplin
3.1 Der wissenschaftssystematische Standort der Sportpädagogik.
3.1.1 Das Verhältnis von Sportpädagogik und Pädagogik.
3.1.2 Das Verhältnis von Sportpädagogik und Sportwissenschaft.
3.1.3 Zusammenfassung
3.2 Das Theorie-Praxis-Verhältnis der Sportpädagogik
3.2.1 Der Praxisschock
3.2.2 Linderung des Praxisschocks / Leistung der Theorie

4 Der Gegenstand der Sportpädagogik.
4.1 Sportpädagogik als Wissenschaft.
4.2 Der Wissenschaftscharakter
4.2.1 Sportpädagogik und Wissenschaftstheorie
4.2.2 Wissenschaftliche Forschungsmethoden der Sportpädagogik am Beispiel Kinderhochleistungssport Anthropologie

5 Grundbegriffe der Sportpädagogik
5.1 Erziehung, Bildung
5.2 Lernen, Sozialisation

6 FazitS

Literaturverzeichnis

Vorwort

Diese Hausarbeit zum Thema „Standortbestimmung der Sportpädagogik“ ist bemüht wesentliche Fragen und Probleme der Disziplin und der ihr nahestehenden Wissenschaften anzusprechen, einzuordnen und nach Möglichkeit auch zu erläutern. In fünf Kapiteln soll ein grober Einblick in ihre momentane Situierung, aber auch historische Entwicklung gewährt werden, der mit einer Definition beginnt, die zunächst einfach in den Raum gestellt wird; die nötige Erläuterung dazu ergibt sich aus der Abhandlung als Ganzes, da immer wieder auf das erste Kapitel verwiesen werden wird. Und zu guter Letzt möchten wir mit einem kurzen Fazit über mögliche Mängel und Perspektiven der modernen Sportpädagogik die Arbeit ausklingen lassen.

1 Definition Sportpädagogik

„Sportpädagogik ist diejenige Teildisziplin der Erziehungs- und Sportwissenschaft, die das sportliche und spielerische Bewegungshandeln in seinen institutionalisierten und nichtinstitutionalisierten Formen vorrangig unter den Motiven

Bildung, Erziehung, Sozialisation und Lernen

mit Hilfe verschiedenartiger Forschungsmethoden untersucht.“ (Meinberg 1996, S. 17)

2 Die Geschichte des Sports

2.1 Einleitung

Das heutige Unterrichtsfach Sport hat eine lange Entwicklung hinter sich. Der Geschichte des Sports nachzugehen ist sehr interessant und wichtig, und dient u.a. dazu, den heutigen Standpunkt besser einordnen und verstehen zu können. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die verschiedenen Entwicklungsstufen der Sportpädagogik gegeben werden.

Die Geschichte der Sportpädagogik reicht bis in die Antike zurück. Platon beteuerte schon damals die Notwendigkeit der „gymnastischen Erziehung“. Im 18. und 19. Jahrhundert sind verschiedene Konzepte der körperlichen Erziehung entworfen und erprobt worden. (Meinberg 1996, S. 2)

2.2 Geschichtlicher Ablauf

2.2.1 Rousseau

Jean Jacques Rousseau (1712- 1778) beschäftigte sich verstärkt mit dem Stadium der Kindheit. (Meinberg 1996, S. 3) Das Kind galt vorher nicht als vollwertiges Wesen, sondern als ein unfertiger Erwachsener. Für Rousseau aber ist das Stadium der Kindheit bedeutsam. Er erachtet die physische Erziehung in jungen Jahren als so wichtig, weil es im Kind die Lebensfreude weckt, die es braucht, um sich gut zu entwickeln. Somit gilt er oft als der Entdecker der Kindheit. Er befasste sich jedoch nicht nur mit dem Kindes-, sondern auch mit dem Jugendalter und der „Leiblichkeit des Menschen“ allgemein. Eines seiner bekannten Werke ist der Erziehungsroman „Emile oder über die Erziehung“, den er 1762 schrieb. Rousseau begründete die Theorie einer „natürlichen Erziehung.“ In seinen Augen kann eine Erziehung nur vollständig sein, wenn sie die körperliche Erziehung berücksichtigt. Seine pädagogische Leistung ist v.a. in der Frage nach dem Ziel der Erziehung zu sehen. Meinberg (1996) betont, dass noch heute viele der Ideen Rousseaus zum Allgemeingut der Pädagogik gehören. Die Theorie der „natürlichen Erziehung“ wird von den Philanthropen weitergeführt mit dem bedeutenden Unterschied, dass Rousseau den Schwerpunkt auf die „Natürlichkeit“ setzte und die Philanthropen auf die „Nützlichkeit“. Sie wollen den Menschen in das bestehende Gesellschaftssystem integrieren, wohingegen Rousseaus Theorie Kritik an dem System übt und dem Menschen eine Möglichkeit aufzeigt, zurück zur Natur zu finden.

2.2.2 Die Philanthropen

Die Philanthropen waren treue Anhänger Rousseaus, die Ende des 18. Jahrhunderts sein Gedankengut fortführten. Sie zeichneten sich durch ihre Experimentierfreudigkeit aus. Meinberg schreibt, dass die Philanthropen ohne weiteres als die „ Reformpädagogen der Neuzeit “ bezeichnet werden können. (Meinberg 1996, S. 4) Um dem Menschen dabei zu helfen zu einer möglichst vollkommenen geistigen und körperlichen Entwicklung zu gelangen, forderten die Philanthropen eine „Einheit zwischen Körper und Geist.“ Ein Bericht in der Zeitschrift Sportunterricht schreibt folgendes dazu:

Leibesübungen („Gymnastik“) sind integraler Bestandteil dieser der jungendlichen Entwicklung angepassten, auf Vernunft bauenden, aber auch auf berufliche Brauchbarkeit (Nützlichkeit) zielenden ganzheitlichen Erziehung: durch umfassende Bildung des Körpers soll der vervollkommnete Mensch irdisches Glück erleben.“ (Huber, ohne Erstellungsdatum)

Hauptvertreter dieser neuen Theorie eines Erziehungszieles war Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759- 1839). Er schrieb im Jahr 1793 ein Buch über Leibeserziehung mit dem Titel „ Gymnastik für die Jugend. Enthaltend eine praktische Anweisung zu Leibesübungen. Ein Beitrag zur nötigsten Verbesserung der körperlichen Erziehung. “ (Gruppe/Krüger 1997, S.88) Bewusst verwendete er wohl den Begriff der Gymnastik, um einen Bezug zu der griechischen Gymnastik herzustellen, die als vorbildlich galt und die v.a. in der gebildeten Oberschicht in Deutschland anerkannt war. Das Ziel des Lehrers und Erziehers GutsMuths war es, die Kinder durch körperliche Bewegung und gezielte Schulung vor Krankheiten und Unfällen zu schützen. (Grupe und Krüger 1997, S. 90) Er versuchte nicht, die Schüler vor Gefahren zu schützen, indem er Bewegung vermied, sondern lehrte, dass diese gesund ist. Dieser Ansatz war neu und deshalb in der Gesellschaft mitunter umstritten. Aber die Philanthropen verfolgten ihr Konzept. Sie ließen die Schüler die Übungen nicht nur einfach machen, sondern bauten den Unterricht systematisch auf. Sie setzten die neuen Erziehungsansätze einer vernünftigen und natürlichen Erziehung nicht nur in der Praxis um, sondern legten sie auch schriftlich nieder, um die Theorien besser verbreiten zu können. Das von GutsMuths formulierte methodische Prinzip „ beim Leichten anzufangen und allmählich zum Schweren fortzuschreiten “ ist noch heute gültig. (Grupe und Krüger 1997, S. 91).

Weitere bedeutsame Philanthropen sind noch Salzmann, Basedow und Campmann zu erwähnen. Sie alle einte die Wertschätzung der Leibeserziehung durch deren intensive Beschäftigung sie viel erreichen konnten. Die Leistung der Philanthropen ist für uns heute v. a. in der Schaffung einer ersten Theorie der Leibeserziehung zu sehen.

2.2.3 Jahn

Der auch als Turnvater bezeichnete Friedrich Ludwig Jahn (1778- 1852) führte das Interesse der Philanthropen fort. Er trainierte mit seinen Turnern in der Berliner Hasenheide, wo er einen Turnplatz in der Natur errichtete. Das Vorgehen Jahns erinnert an die „natürliche Erziehung“ Rousseaus. Die Gruppe um Jahn wuchs stetig an. Dieser Umstand schien die damalige Regierung stark zu beunruhigen. Die demokratische Gesinnung der Turner, bei denen die Vaterlandsliebe, die Gemeinschaft, der Zusammenhalt und das Stählen des Körpers, um wehrfähig zu sein im Vordergrund standen, hatten eine gefährliche Wirkung auf die Regierung. Unrecht hatte der Staat mit diesen Bedenken nicht. Denn das Turnen auf der Hasenheide war auch Ausdruck des Protests gegen die „spießbürgerliche Enge“, die zu dieser Zeit in Deutschland herrschte, wie es Grupe und Krüger (1997) ausdrücken. Als Karl Ludwig Sand, der selbst Student und Turner war, am 23.3.1819 den russischen Staatsrat August von Kotzbue in Mannheim erstach, war für die Regierung eine Verbindung zwischen den Turnern und der Bewegung der Burschenschaften gegen den Staat mehr als eindeutig. 1820 wurde deshalb in Preußen die Turnsperre verhängt. Mit der Auflösung dieser Sperre im Jahre 1842 begann ein neuer Entwicklungsabschnitt. Turnen wurde als Unterrichtsfach in der Schule eingeführt und Experten in diesem Bereich mussten ausgebildet werden. Diese Art von Turnen war selbstverständlich nicht mehr genau das Turnen welches Jahn und seine Turnfreunde auf der Hasenheide betrieben hatten. Feste Formen wurde eingeführt, damit der Unterricht an Schulen überhaupt möglich war. Jahn zielte mit seiner Bewegung nicht nur auf die „ Erziehung des einzelnen ab, sondern auf die Erziehung einer ganzen Nation. “ (Grupe und Krüger 1997, S.97) Zu Jahns Hauptwerken zählt das 1816 erschienene Werk „Die Deutsche Turnkunst“, das er zusammen mit seinem Freund und Mitarbeiter Ernst Eiselen schrieb. Darin formulieren die beiden ihr Turnkonzept und dessen Ziele.

2.2.4 Spieß

Nach der Auflösung der Turnsperre, wurde das Fach Turnen in den Lehrkanon aufgenommen. Im Jahre 1840 begann Adolf Spieß (1810- 1858) ein bedeutendes Werk für den damaligen Schulsport „Die Lehre der Turnkunst“ zu schreiben, das er 1846 fertig stellte. Und weil er 1847 in seinem „Turnbuch für Schulen“ methodische Ansätze des Turnens veröffentlichte, gilt Spieß auch als der „Ahnherr“ des Schulturnens. Die Teilnahme an seinem Unterricht war für alle Schüler verpflichtend. Er schuf ein System von Übungen, bei denen die Schüler zur gleichen Zeit „ dieselben Übungsabfolgen auf Kommando des Lehrers “ machen mussten. (Grupe und Krüger 1997, S. 101) So wurden Turnen und Gymnastik unterrichtsfähig gemacht. Verschiedene Altersgruppen konnten gleichzeitig die Übungen machen, und auch die Anzahl der Schüler spielte keine so große Rolle, denn draußen war ja Platz genug. Problematisch an dem Vorgehen Spieß war jedoch, dass der Unterricht als sehr drillmäßig bezeichnet werden konnte und sich somit nicht spontan entwickeln konnte. Dennoch hat Spieß das Schulturnen im 19. Jahrhundert maßgeblich verändert.

2.2.5 Die Reformpädagogik

Ende des 19. Jahrhundert setzte die Reformpädagogik ein. Man wollte weg von dem strengen Konzept von Spieß und hin zu einem „natürlichen Turnen“, bei dem die Naturgemäßheit und Lebensnähe zu den obersten Prinzipien gehörten. Der pädagogische Wert des Turnens sollte darin liegen, einen Beitrag zur vollkommenen Entwicklung einer freien Persönlichkeit zu leisten. Hierbei galt es, den Kindern mehr Freiheiten in ihrer Bewegung zu gewähren. Damit wollte man erzielen, dass die Kinder selbst Bewegungsabläufe entdecken können und sie sich nicht nur an festgelegte Bewegungsformen halten müssen, indem sie sie nachmachen. Als Hauptvertreter gelten die Österreicher Karl Gaulhofer (1885-1941) und Margarete Streicher (1891-1985).

2.2.6 Entwicklung der Sportpädagogik in der nationalsozialistischen Bewegung

Die neuen Ansatzpunkte der Reformpädagogen erlitten in den Anfängen des Nationalsozialismus einen herben Rückschlag. Hitler assoziierte mit Leibeserziehung etwas anderes und führte alles ins Extreme. Er missbrauchte den Sport, für seine politischen Ziele. Jetzt legte der Diktator die Ziele der Leibeserziehung und den Weg, wie man dorthin gelangte fest. Sein Ziel war es nämlich, mit Sport die Jugend stark zu machen, um gegen Feinde gerüstet zu sein. Es zählte nicht mehr die Eigenständigkeit, auch stand nicht mehr die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund, sondern die erzwungene, geplante Entwicklung nach den Vorstellungen Hitlers. Das Kind bzw. der Heranwachsende wurde als Material angesehen. Dabei zählten nicht mehr die Aspekte, die im 18.Jahrhundert verfolgt wurden, sondern nur noch die Tatsache, dass den Menschen die ideologischen Prinzipien Hitlers eingebläut werden. Die sportliche Erziehung wurde dadurch v.a. zu einer politischen Erziehung.

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Standortbestimmung der Sportpädagogik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Grundfragen der Sportpädagogik
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
30
Katalognummer
V73065
ISBN (eBook)
9783638735469
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Standortbestimmung, Sportpädagogik, Grundfragen, Sportpädagogik
Arbeit zitieren
Anna Kozok (Autor), 2004, Standortbestimmung der Sportpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73065

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