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Euripides Medeia und Christa Wolfs Medea Stimmen (1996)

Title: Euripides Medeia und Christa Wolfs Medea Stimmen (1996)

Seminar Paper , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefanie Lembacher (Author)

Literature - Comparative Literature
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Der Mythos der Figur Medea, der seit jeher Gegenstand der europäischen Literatur ist, hat verschiedene Bearbeitungen erfahren, die allerdings zum Großteil nur bruchstückhaft erhalten sind. Die verschiedenen Autoren von der Antike bis heute haben den Mythos um Medea unterschiedlich ausgelegt.
Der älteste Text, in dem von Medea berichtet wird, ist Hesiod´s Theogonie und stammt aus dem 7. Jahrhundert vor Christus . Sowohl in der Theogonie, als auch in den Pindarschen Oden fehlt das Motiv des Kindsmord durch Medea noch völlig. Die Pindarschen Oden zeichnen sogar das Bild einer klugen und hochherzigen Medea, einer „magna anima“.
Erst bei Euripides wird die Mutter zur Mörderin ihrer eigenen Kinder und erst seit dieser Bearbeitung ist die Rezeption des Medea Mythos von Entsetzten und Faszination bestimmt. Friedrich Schiller schreibt im Vorwort zu seinen Räubern: „Die Medea der alten Dramatiker bleibt bei all ihren Greueln noch ein grosses staunenswertes Weib “. Medea steht hier beispielhaft für eine Verbrecherin, die durch ihre Greueltat Schaudern und Furcht hervorruft, was gleichzeitig deren Faszination ausmacht. Nahezu alle künstlerischen und literarischen Bearbeitungen der Folgezeit greifen auf diese Neuerung, das Skandalon des Kindermordes, zurück und stellen Medea als rachsüchtige Ehefrau, Zauberin und barbarische Mörderin ihrer Kinder dar, auch wenn die Motivation für den Mord verschiedene Akzentuierung und Begründung erfährt. Hingewiesen sei hier auf die Dichtungen von Ovid und Ennius, sowie auf Senecas furiose Medea und Jean Anouilh´s Einakter Medée. In der Tragödie Medée von Pierre Cornielle erhält die Heldin sanfte Züge und Franz Grillparzers Medea Version Das goldene Vlies zeigt sie als verletzte Barbarin. Außerdem bot sich der Medea Stoff aufgrund der stark emotionalen Komponenten als überaus geeignet für die musikalische Bearbeitung in Opern .
Wer ist nun diese Medea, die französische, deutsche und italienische Literaten über Jahrhunderte gefangen hält? Dieser Frage soll anhand zweier Bearbeitungen des Medea- Mythos nachgegangen werden, der Tragödie Medeia des Euripides, sowie des Romans Medea. Stimmen von Christa Wolf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Medea– Gegenstand der europäischen Kunst und Literatur

2. Medea – Die mythologische Überlieferung

3. Euripides´ Medea- Mythos

4. Christa Wolfs Rückgriff auf den Medea- Mythos

5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung der Medea bei Euripides und Christa Wolf

5.1. Die Beziehung zu Jason und Medeas Motiv zur Flucht

5.2. Die Beziehung zur Köngstochter Glauke

5.3. Das Motiv für Medeas Verbannung

5.4. Medea – eine ambivalente Figur

5.4.1. Heilerin oder Giftmischerin

5.4.2. Unschuldiges Opfer oder kühne Verbrecherin

5.5. Gesellschaftspolitische Situierung von Mann und Frau

6. Aktuell Bezüge des Medea- Mythos in Christa Wolfs Medea. Stimmen

7. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Darstellung der mythologischen Figur Medea in der antiken Tragödie von Euripides und dem modernen Roman "Medea. Stimmen" von Christa Wolf, um aufzuzeigen, wie sich gesellschaftspolitische Strukturen und die Wahrnehmung des Fremden in der Literatur spiegeln.

  • Mythologische Überlieferung des Medea-Stoffes
  • Vergleichende Analyse der Figurenzeichnung bei Euripides und Wolf
  • Kritik an patriarchalen Herrschaftssystemen
  • Mechanismen von Ausgrenzung und Sündenbock-Konstruktion
  • Die Aktualität mythischer Erzählungen für moderne Gesellschaften

Auszug aus dem Buch

5.1. Die Beziehung zu Jason und Medeas Motiv zur Flucht

In der Gestaltung der Beziehung des Paares Medea und Jason liegt einer der Hauptunterschiede der beiden Fassungen. Bei Euripides ist es eindeutig die Liebe zu Jason die Medea dazu bringt ihm beim Raub des Vlieses beizustehen und ihre Heimat Kolchis zu verlassen. Wie die Amme im Prolog beklagt, begeht Medea von „Liebe zu Jason im Herzen verstört19“ Verrat an ihrem Vater und ihrem Bruder. Die maßlose Enttäuschung und Verzweiflung darüber, dass Jason Medea seine Liebe entzieht, ist dementsprechend der alleinige Grund für den Absturz Medeas: „Mir hat das unverhoffte Leid, das mich traf, die Seele zerrissen. [...] Der für mich alles bedeutet hat, du weißt es genau, hat sich als der schlechteste Mann erwiesen: mein Gatte20.“

Demgegenüber ist in Christa Wolf Version nach eigenen Aussagen nicht die leidenschaftliche, blinde Liebe zu dem Argonauten ausschlaggebend, sondern kritische Vernunft motiviert ihre Entscheidung: „sie geht, weil dieses Kolchis sich in einer Weise ändert, dass sie dort nicht mehr bleiben kann.21“. Sie verlässt ihre Heimat „nicht wegen Jason, sondern mit ihm22.“ Dass Medea aufgrund der politischen Zustände in Kolchis flieht, macht sie unmissverständlich klar: „Ich bin mit Jason gegangen, weil ich in diesem verdorbenen Kolchis nicht bleiben konnte23“. Angespielt wird hier auf „die Rolle ihres Vater bei der Ermordung seines eigenen Sohnes24“ Absyrptos. Im Hintergrund standen brutale machtpolitische Kalüle. Das Wissen Medeas um dieses schreckliche Verbrechen, gibt schließlich den Ausschlag dafür, dass Medea ihre Heimat und Familie verlässt. Sie lebt in der Hoffnung mit Jason zu reisen und in seiner Heimat einen humaneren Staat zu finden, eine zivilisierte Gesellschaft frei von dem barbarischen Brauch des Menschenopfers.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Medea– Gegenstand der europäischen Kunst und Literatur: Dieses Kapitel erläutert die Vielschichtigkeit des Medea-Mythos als Gegenstand der europäischen Literatur von der Antike bis zur Gegenwart.

2. Medea – Die mythologische Überlieferung: Hier wird der ursprüngliche mythologische Rahmen nach der Argonautensage sowie die Quellenlage des Stoffes dargelegt.

3. Euripides´ Medea- Mythos: Das Kapitel analysiert die tragische Darstellung der Medea bei Euripides und dessen psychologische Vertiefung der Motive.

4. Christa Wolfs Rückgriff auf den Medea- Mythos: Es wird untersucht, warum die Autorin antike Mythen wählt, um aktuelle gesellschaftliche Probleme kritisch zu reflektieren.

5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung der Medea bei Euripides und Christa Wolf: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem die Figurenkonstellationen, Motive für Verbannung und die Ambivalenz der Medea-Figur detailliert verglichen werden.

6. Aktuell Bezüge des Medea- Mythos in Christa Wolfs Medea. Stimmen: Fokus auf der Sündenbockproblematik und der Fremdenfeindlichkeit als zeitlose, gesellschaftspolitische Phänomene.

7. Schlussbemerkung: Resümee über die Bedeutung der unterschiedlichen Perspektiven und die Ablehnung einer privilegierten Wahrheit im Umgang mit Mythen.

Schlüsselwörter

Medea, Euripides, Christa Wolf, Mythos, Kindsmord, Sündenbockmechanismus, Patriarchat, Matriarchat, Fremdenfeindlichkeit, Literaturvergleich, Kolchis, Korinth, Geschlechterrollen, Psychologie, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die literarische Adaption und Uminterpretation des Medea-Mythos bei Euripides und Christa Wolf.

Welche Themenfelder sind zentral?

Zentrale Themen sind die Rolle der Frau in patriarchalen Gesellschaften, die Konstruktion von Fremdheit, Machtmissbrauch und die psychologische Motivation von literarischen Charakteren.

Was ist die Forschungsfrage?

Es wird untersucht, wie Christa Wolf durch die Neugestaltung des antiken Mythos aktuelle gesellschaftliche Problematiken, wie Ausgrenzung und Sündenbock-Mechanismen, kritisch beleuchtet.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Arbeit verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse der Primärtexte unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den konkreten Unterschieden in der Beziehung Medeas zu Jason und Glauke, dem Grund für ihre Verbannung sowie ihrer ambivalenten Darstellung als Heilerin oder Verbrecherin.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medea, Mythos-Adaption, Sündenbock, Patriarchat und gesellschaftliche Fremdheit charakterisiert.

Warum wird Medea in Christa Wolfs Version nicht als Kindsmörderin dargestellt?

Die Autorin argumentiert, dass eine von matriarchalen Werten geprägte Medea eine solche Tat nicht begehen könnte; der Kindsmord wird stattdessen als politische Intrige der Korinther umgedeutet.

Welche Rolle spielt die Stadt Korinth im Roman von Christa Wolf?

Korinth fungiert als Beispiel für ein dekadentes, patriarchales Machtsystem, das in der Krise zur Ausgrenzung des Fremden neigt, um eigene Machtstrukturen zu schützen.

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Details

Title
Euripides Medeia und Christa Wolfs Medea Stimmen (1996)
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Grade
1,3
Author
Stefanie Lembacher (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V73081
ISBN (eBook)
9783638737517
Language
German
Tags
Euripides Medeia Christa Wolfs Medea Stimmen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Lembacher (Author), 2007, Euripides Medeia und Christa Wolfs Medea Stimmen (1996), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73081
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