Für viele Menschen ist es in ihrer Rolle als Konsument längst selbstverständlich, dass Kaufentscheidungen von ethisch-ökologischen Erwägungen mitbestimmt werden (Bio-Produkte, genfreie Produkte …), warum nicht auch bei ihrer Geldanlage? Es heißt, dass das Geld „arbeiten“ sollte und eine möglichst hohe Rendite erwirtschaften soll. Steht eine Anlage in ethisch-nachhaltige Investments im Widerspruch dazu? Kostet mir das gute Gewissen in ethische Investmentfonds Geld einzusetzen etwas und ist dadurch mit einer Verringerung der Rendite zu rechnen?
Die Veranlagung nach ethischen oder nachhaltigen Kriterien hat in den letzten Jahren einen spürbaren Auftrieb erhalten. Das Interesse stammt vor allem von der Seite der institutionellen Investoren, die aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Veranlagung von Pensionsgeldern „Ethik“ und „Nachhaltigkeit“ mitberücksichtigen müssen.
Die privaten Anleger befürchten durch eine ethisch-nachhaltige Geldanlage einen Ren-diteverzicht in Kauf nehmen zu müssen – ein Vorurteil, das im Folgenden genauer un-tersucht wird.
Ziel dieser Arbeit ist zunächst einen umfassenden Überblick über die ethisch-nachhaltige Veranlagung – und hier insbesondere auf die Geldanlage in Investment-fonds – zu geben und danach zu überprüfen, ob nachhaltige Portfolios für den Investor nicht nur aus moralischen Gesichtspunkten, sondern auch aus finanziellen, eine Alterna-tive zu traditionellen Portfolios darstellen können.
Außerdem werden die gängigsten Kennzahlen zur Performancemessung von Invest-mentfonds vorgestellt und deren Aussagekraft beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themenstellung
1.2 Gang der Arbeit
2 Grundlagen von Investmentfonds
2.1 Geschichte der Investmentfonds
2.2 Funktionsweise von Investmentfonds
2.3 Vorteile von Investmentfonds (gegenüber der Direktanlage)
2.3.1 Diversifikationseffekt
2.3.2 Professionelles Management
2.3.3 Günstige Konditionen
2.3.4 Liquidität
2.3.5 Rechtliche Sicherheitsmaßnahmen
2.4 Risiken von Investmentfonds
2.4.1 Marktrisiko
2.4.2 Managementrisiko
2.4.3 Wechselkurs- und Währungsrisiko
2.4.4 Interessenkonflikt Depotbank – Kapitalanlagegesellschaft
2.5 Kosten von Investmentfonds
2.5.1 Ausgabeaufschlag
2.5.2 Verwaltungsgebühr
2.5.3 Depotbankgebühr
2.5.4 Transaktionskosten
2.5.5 Kostenkennzahlen
2.6 Qualitätsstandards der österreichischen Investmentfondsbranche
3 Arten von Investmentfonds
3.1 Allgemeine Kriterien der Fondsklassifizierung
3.2 Differenzierung nach Anteilsumfang
3.2.1 Offene Fonds (open-end fonds)
3.2.2 Geschlossene Fonds (closed-end fonds)
3.3 Differenzierung nach Zugangsbeschränkung
3.3.1 Publikumsfonds
3.3.2 Spezialfonds
3.4 Differenzierung nach Ausschüttungspolitik
3.4.1 Ausschüttende Fonds
3.4.2 Thesaurierende Fonds
3.5 Differenzierung nach Währung
3.6 Differenzierung nach Laufzeit
3.7 Differenzierung nach Garantien
3.8 Differenzierung nach geographischer Ausrichtung
3.8.1 Global- und Internationale Fonds
3.8.2 Länder- und Regionalfonds
3.8.3 Emerging-Market-Fonds
3.9 Differenzierung nach Anlageschwerpunkt
3.9.1 Aktienfonds
3.9.2 Rentenfonds
3.9.3 Mischfonds
3.9.4 Geldmarktfonds
3.9.5 Dachfonds
3.9.6 Spezialitätenfonds
3.10 Differenzierung nach Anlagesektor/-thema
3.10.1 Branchenfonds
3.10.2 Themenfonds
4 Ethisch-nachhaltige Investments
4.1 Grundlagen ethisch-nachhaltiger Investments
4.1.1 Definition „Ethisch-Nachhaltig“
4.1.2 Die Geschichte der …
4.1.2.1 …ethisch-nachhaltigen Geldanlage in den USA
4.1.2.2 …ethisch-nachhaltigen Geldanlage in Europa
4.1.2.3 …Nachhaltigkeit
4.1.3 Derzeitige Situation ethisch-nachhaltiger Veranlagung
4.1.3.1 Institutionelle Investoren
4.1.3.2 Private Investoren
4.2 Warum ethische Geldanlagen?
4.2.1 Trends für ethische Investments
4.2.2 Bedeutung ethisch-nachhaltiger Investments für…
4.2.2.1 …die Unternehmer
4.2.2.2 …die Umwelt
4.2.2.3 … die Anleger
4.2.2.4 … die Finanzmärkte
4.2.3 Kritik an ethisch-nachhaltigen Investments
4.2.4 Argumente pro und contra ethisch-nachhaltiger Investments
4.3 Ethisch-nachhaltige Anlageformen
4.3.1 Magisches Viereck der Geldanlage
4.3.2 Anlageformen und deren Wirkung
4.3.2.1 Bankeinlagen
4.3.2.2 Direktbeteiligungen
4.3.2.3 Lebensversicherungen
4.3.2.4 Anleihen
4.3.2.5 Aktien
4.3.2.6 Investmentfonds
4.4 Ethisch-nachhaltige Investmentfonds
4.4.1 Ansätze ethisch-nachhaltiger Investmentfonds
4.4.1.1 „Alles oder Nichts“
4.4.1.2 „Öffnungsklauseln“
4.4.1.3 „Best-in-Class“
4.4.1.4 „Produktions- und Verbraucherzyklus“
4.4.2 Volumen und Anzahl von ethisch-nachhaltigen Investmentfonds
4.4.3 „Vice-Funds“ – Investitionen in das Böse
4.4.4 Arten von ethisch-nachhaltigen Investmentfonds
4.4.4.1 Ethisch-Ökologische Fonds
4.4.4.2 Umwelttechnologiefonds (New Energy Fonds)
4.4.4.3 Öko-Effizienz-Fonds
4.4.4.4 Nachhaltigkeitsfonds
4.4.4.5 Ökopioniere
4.4.5 Transparenz
4.4.5.1 Mangelnde Transparenz bei nachhaltigen Investments
4.4.5.2 Instrumente zur Transparenzverbesserung
4.4.6 Bewertung von ethisch-nachhaltigen Unternehmen
4.4.6.1 Öko-Rating
4.4.6.2 Ethikbeirat
4.4.6.3 Indizes / Benchmarks
4.4.6.4 Ökobilanz
5 Performancemessung ethisch-nachhaltiger Investmentfonds
5.1 Definition der Performance
5.2 Definition der Performanceanalyse
5.3 Rendite
5.3.1 Basisformel der Renditemessung
5.3.2 Zeitgewichtete Rendite
5.3.3 Renditeberechnung bei thesaurierenden Investmentfonds
5.3.4 Behandlung von Ausschüttungen
5.3.5 Berechnungsmethode der OeKB
5.3.6 Kritik an die Verfahren der Renditemessung
5.4 Risiko
5.4.1 Klassische Risikomaße
5.4.1.1 Volatilität
5.4.1.2 Betafaktor
5.4.1.3 Korrelation
5.4.1.4 Tracking Error
5.4.1.5 Kritik an die Verfahren der klassischen Risikomessung
5.4.2 Risikomaße auf Basis der modernen Kapitalmarkttheorie (CAPM)
5.4.2.1 Grundlagen des CAPM
5.4.2.2 Sharpe-Ratio
5.4.2.3 Treynor-Ratio
5.4.2.4 Jensen-Alpha
5.4.2.5 Kritik an die Verfahren auf Basis des CAPM
5.5 Global Investment Performance Standards (GIPS)
5.6 Kritik aus ethischer Sicht und mögliche ethische Kennzahlen
5.7 Studien zur Performancemessung ethisch-nachhaltiger Investmentfonds
6 Resümee
6.1 Kritische Würdigung
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob ethisch-nachhaltige Investmentfonds eine finanziell attraktive Alternative zu traditionellen Portfolios darstellen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob durch die Berücksichtigung von ethischen und ökologischen Kriterien ein Renditeverzicht in Kauf genommen werden muss oder ob nachhaltige Anlagen konkurrenzfähig sind, während gleichzeitig die wichtigsten Instrumente der Performancemessung für diese Fondskategorie erläutert und kritisch hinterfragt werden.
- Grundlagen, Funktionsweise und Arten von Investmentfonds
- Definition und Geschichte der ethisch-nachhaltigen Geldanlage
- Methoden der Performancemessung (Rendite, Risiko, CAPM)
- Analyse ethischer Anlageformen und deren Wirkung
- Kritische Auseinandersetzung mit Performance und Risiko nachhaltiger Fonds
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Ansätze ethisch-nachhaltiger Investmentfonds
Der Hintergrund der spezifischen Veranlagung in den einzelnen Fonds ist mitunter nicht immer sofort erkennbar. Die Unterscheidbarkeit kann sich nach Positiv- und/oder Negativkriterien und dem „Best-in-Class“-Ansatz richten, als auch nach einer strengen oder eher schwachen Anwendung der Kriterien. Im Folgenden werden die prinzipiell denkbaren Strategien und Ansätze nach Pinner dargestellt.
4.4.1.1 „Alles oder Nichts“
Dieser Ansatz wendet eine strikte Auslegung der Positiv- und/oder Negativkriterien an. Diese Strategie führt zu einer Einschränkung des Anlageuniversums und die Abweichung vom Gesamtmarkt steigt unter der Anwendung dieser Prinzipien deutlich an. Unter den Negativkriterien (auch Ausschlusskriterien genannt) versteht man negativ klassifizierte Bereiche bzw. für die Investition nicht zulässigen Wirtschaftszweige. Unternehmen, die in diesen Bereichen und Wirtschaftszweigen tätig sind, werden von der Aufnahme in den Fonds ausgeschlossen. Ethische Werte, wie die Verurteilung von Gewalt, das Streben nach Gerechtigkeit und die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen, betreffen alle Menschen und sollten deshalb in angemessener Weise in jedem Kriterienkatalog vorzufinden sein. Beispiele für mögliche Negativkriterien sind:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Motivation hinter ethisch-nachhaltigen Geldanlagen und hinterfragt das Vorurteil eines Renditeverzichts bei gleichzeitigem Überblick über die Performancemessung.
2 Grundlagen von Investmentfonds: Dieses Kapitel erläutert die Historie, die Funktionsweise, Vorteile und Risiken klassischer Investmentfonds sowie die Struktur der Kosten und Qualitätsstandards.
3 Arten von Investmentfonds: Hier erfolgt eine differenzierte Klassifizierung von Investmentfonds nach Kriterien wie Anteilsumfang, Zugang, Ausschüttungspolitik und Anlageschwerpunkten.
4 Ethisch-nachhaltige Investments: Der Hauptteil definiert nachhaltige Investitionen, beleuchtet deren historische Entwicklung und stellt verschiedene Ansätze zur Fondszusammenstellung (z.B. Best-in-Class) sowie Bewertungsmethoden vor.
5 Performancemessung ethisch-nachhaltiger Investmentfonds: Dieses Kapitel führt in klassische Rendite- und Risikokennzahlen sowie moderne Verfahren der Kapitalmarkttheorie ein und diskutiert deren Anwendbarkeit und Kritikpunkte im Kontext nachhaltiger Anlagen.
6 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Marktentwicklung und einem positiven Ausblick auf die Vereinbarkeit von moralischen Werten und finanzieller Rendite.
Schlüsselwörter
Ethische Investments, nachhaltige Geldanlage, Investmentfonds, Performancemessung, Rendite, Risiko, Best-in-Class, SRI, ökologische Kriterien, soziale Verantwortung, CAPM, Sharpe-Ratio, Treynor-Ratio, Nachhaltigkeitsfonds, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit ethisch-nachhaltigen Investmentfonds, insbesondere mit deren Charakteristika und der Frage, wie ihre finanzielle Wertentwicklung gemessen und bewertet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Themen sind die Grundlagen der Fondsbranche, die Definition von Nachhaltigkeit in der Geldanlage, verschiedene Strategien (z.B. Negativ- vs. Positivkriterien) und die Anwendung wissenschaftlicher Performancemessungsmethoden auf diese speziellen Anlagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen umfassenden Überblick über nachhaltige Geldanlagen zu geben und zu prüfen, ob diese aus finanzieller Sicht eine echte Alternative zu traditionellen Portfolios darstellen, ohne zwingend einen Renditeverzicht zu bedeuten.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Verwendung?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zur Definition ethischer Ansätze und stellt gängige finanzmathematische Methoden der Performancemessung vor, wie die Sharpe-Ratio, das Jensen-Alpha und Ansätze auf Basis des Capital Asset Pricing Models (CAPM).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung ethisch-nachhaltiger Investmentansätze, wie Ausschlusskriterien oder der Best-in-Class-Ansatz, und die detaillierte Vorstellung von Kennzahlen zur risikoadjustierten Performancemessung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie ethische Investments, Nachhaltigkeit, Performancemessung, Sharpe-Ratio, soziale Verantwortung und ökologische Kriterien beschreiben.
Was sind "Vice-Funds"?
Vice-Funds sind eine Art Gegenbewegung zu Ethik-Fonds. Sie investieren bewusst in Unternehmen, die in Bereichen tätig sind, welche ethisch oft abgelehnt werden, wie z.B. Tabak, Alkohol, Glücksspiel oder Rüstung.
Warum ist Transparenz bei nachhaltigen Fonds ein kritisches Thema?
Da es keine einheitliche Definition für "ethisch" gibt, besteht für Anleger die Gefahr des "Greenwashings". Transparenz durch Instrumente wie Label oder Transparenzleitlinien ist notwendig, um die tatsächliche Nachhaltigkeitsqualität eines Fonds beurteilen zu können.
Welche Rolle spielt der Ethikbeirat?
Ein Ethikbeirat berät das Fondsmanagement bei der Definition und Einhaltung ethischer Kriterien und dient als zusätzliche Kontrollinstanz für die Glaubwürdigkeit des Nachhaltigkeitsansatzes.
- Quote paper
- Rudi Oberdorfer (Author), 2007, Ethisch-nachhaltige Investments: Performancemessung "grüner" Fonds, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73098