Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Zinsschranken und Abgeltungssteuer auf die Finanzierungsentscheidung eines Unternehmens wirken. Um dies zu untersuchen wird, von einem typischen Standard - Steuersystem1 als Benchmark ausgehend, die Einführung von Zinsschranken und Abgeltungssteuer vorgenommen und ermittelt, wie sich dies auf die Finanzierungsentscheidung sowohl von Groß- als auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) auswirkt. Dabei wird lediglich Eigen- und Fremdkapital (in Form von Aktien bzw. Anleihen und Krediten) betrachtet, Leasing, Pensionen oder auch mezzanine Finanzierungsformen werden nicht berücksichtigt.
Das Thema dieser Arbeit steht in der derzeitigen Diskussion um die Ausgestaltung der Unternehmenssteuerreform 2008 in Deutschland an zentraler Stelle, da Abgeltungssteuer und Zinsschranken zwei wesentliche Eckpunkte dieser Reform darstellen. Während eine Abgeltungssteuer schon verschiedentlich implementiert worden ist (wenn auch meist auf Zinseinkünfte beschränkt2), stellt die Einführung einer Zinsschranke eine Neuheit dar.
Am Anfang steht eine kurze Vorstellung der institutionellen Grundlagen: zum einen wird das Standardsystem aufgestellt sowie Zinsschranken und Abgeltungssteuer definiert, zum anderen wird die wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema - mit dem Modell von Miller3 als Kernelement - dargestellt. Hierauf aufbauend wird ein erstes einfaches Modell entwickelt (das so genannte Grundmodell) und kurz analysiert. Anschließend folgen eine Erweiterung dieses Modells und dessen Kalibrierung, was die Grundlage für eine an der Realität angelehnte Excel Simulation ist. Bei dieser wird versucht, nach Möglichkeit international gültige Annahmen zu treffen; soweit dass nicht geht, wird auf Werte zurückgegriffen, die für Deutschland typisch sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Institutionelle Grundlagen:
2.1.1. Abgeltungssteuer
2.1.2. Zinsschranken
2.2. Das Modell von Miller (1977)
2.2.1. Einleitung
2.2.2. Annahmen
2.2.3. Das Modell
2.3. Erweiterung I (Grundmodell)
2.3.1. Einleitung
2.3.2. Der Steuersatz auf Eigenkapitaleinkommen - Dividendenpolitik
2.3.3. Der Steuersatz auf Fremdkapitaleinkommen
2.3.4. Unternehmenssteuer und Vorteil der Verschuldung
2.4. Analyse der ersten Erweiterung
2.4.1. Abgeltungssteuer
2.4.2. Zinsschranke
2.4.3. Abgeltungssteuer und Zinsschranke
3. Aufbau der Simulation
3.1. Einführung
3.2. Erweiterung II
3.2.1. Das Modell von DeAngelo / Masulis
3.2.2. Verluste und Zinsschranke
3.2.3. Verluste und CFWs
3.2.4. Gewinnverwendung und Verlust
3.3. Kalibrierung
3.3.1. Einleitung
3.3.2. Allgemeine Kalibrierung
3.3.3. Kalibrierung der Unternehmen
3.3.4. Steuern
3.4. Analyse
4. Simulation
4.1. Vergleich: Großunternehmen
4.1.1. Einleitung
4.1.2. Abgeltungssteuer und Zinsschranke separat
4.1.3. Abgeltungssteuer und Zinsschranke zusammen
4.1.4. Variation der Steuersätze
4.2. Vergleich: KMU
4.3. Wie ändert sich das Finanzierungsvolumen
4.4. Zusammenfassung der Ergebnisse
5. Schlussfolgerung und Ausblick
Zielsetzung & Forschungsthemen
Diese Diplomarbeit untersucht den Einfluss von Zinsschranken und Abgeltungssteuer auf die Finanzierungsentscheidung von Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor dem Hintergrund der deutschen Unternehmenssteuerreform 2008.
- Analyse der steuerlichen Auswirkungen auf die optimale Kapitalstruktur.
- Vergleich von Modellen zur steuerlichen Vorteilsbestimmung der Fremdfinanzierung.
- Untersuchung der Interaktion zwischen Abgeltungssteuer und Zinsschranke.
- Simulation der Auswirkungen auf den Unternehmenswert bei unterschiedlichen Renditen.
- Bewertung der Insolvenzanfälligkeit durch verschlechterte Finanzierungsbedingungen.
Auszug aus dem Buch
2.2. Das Modell von Miller (1977)
In der wissenschaftlichen Diskussion gibt es vier bedeutende Modelle, die sich mit der Entscheidung über die Kapitalstruktur (d.h. das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital) eines Unternehmens befassen. Die Pecking Order Theorie besagt, dass ein Unternehmen in dem Fall, dass sein Cash Flow nicht ausreicht um die Kapitalkosten zu decken, eher Fremdkapital aufnehmen wird, als neues Eigenkapital herauszugeben. Die Free Cash Flow Theorie sagt aus, dass selbst gefährlich hohe Verschuldungsgrade trotz damit verbundener Insolvenzkosten den Unternehmenswert erhöhen, wenn der Operating Cash Flow des Unternehmens signifikant seine profitablen Investmentmöglichkeiten übersteigt. Nach der Tradeoff Theorie suchen Unternehmen ein Niveau, auf dem sich Nutzen der Fremdfinanzierung und mögliche Verschuldungskosten ausbalancieren. Das vierte Modell ist das von Miller (1977), demzufolge die Kapitalstruktur irrelevant für den Unternehmenswert ist. Obwohl dieses Modell inzwischen 30 Jahre alt ist, stellt es bis heute einen wesentlichen und immer noch aktuellen Punkt in der Finanzierungstheorie dar.
Grundlage des Modells von Miller ist das Modell von Modigliani/Miller, demzufolge im Marktgleichgewicht die Kapitalstruktur eines Unternehmens für den Unternehmenswert irrelevant ist. Modigliani/Miller (1977) weisen aber auch darauf hin, dass sich dies, unter einer Unternehmenssteuer mit Zinsaufwand als möglichem Tax Shield, ändern kann. Allerdings müssen die Eigenkapitalgeber, um den Steuervorteil nutzen zu können, auch die Nachteile einer höheren Verschuldung tragen; z.B. die steigende Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz und die damit verbundenen Kosten. Die klassischen Modelle (z.B. die Tradeoff Theorie) schließen daraus, dass sich im Gleichgewicht ab einem gewissen Verschuldungsgrad die Kosten und die Vorteile der Verschuldung ausgleichen, und damit eine optimale Kapitalstruktur determiniert wird (abhängig vom jeweiligen Unternehmen).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und Zielsetzung der Untersuchung unter Ausschluss komplexer Finanzierungsinstrumente.
2. Grundlagen: Definition der institutionellen Rahmenbedingungen sowie theoretische Herleitung der Kapitalstruktur durch das Modell von Miller.
3. Aufbau der Simulation: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise, der Parameterwahl sowie der Erweiterung des Modells für eine dynamische Unternehmensbetrachtung.
4. Simulation: Analyse der steuerlichen Effekte auf Großunternehmen und KMU anhand simulierter Szenarien.
5. Schlussfolgerung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Modellergebnisse und Diskussion der Limitationen sowie des internationalen Kontexts.
Schlüsselwörter
Abgeltungssteuer, Zinsschranke, Kapitalstruktur, Finanzierungsentscheidung, Steuersystem, Tax Shield, Unternehmenswert, Eigenkapital, Fremdkapital, KMU, Simulation, Steuerbelastung, Modell von Miller, DeAngelo-Masulis-Modell, Unternehmenssteuerreform
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Einführung von Abgeltungssteuer und Zinsschranken auf die Entscheidung von Unternehmen auswirkt, ob sie sich eher über Eigen- oder Fremdkapital finanzieren sollten.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der steuerlichen Belastung von Zins- und Eigenkapitaleinkommen, der Wirksamkeit von Tax Shields und der daraus resultierenden Wirkung auf die optimale Kapitalstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Auswirkungen der steuerlichen Änderungen auf den Unternehmenswert und die Finanzierungspolitik von Großunternehmen und KMU zu ermitteln und zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse durchgeführt, die durch eine Excel-Simulation ergänzt wird, um die Auswirkungen auf hypothetische Unternehmen unter variierenden Bedingungen zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung durch das Miller-Modell, die Erweiterung um Zinsschranken und die detaillierte Simulation der Ergebnisse für verschiedene Unternehmenstypen und Renditeszenarien.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essentiell?
Wichtige Fachbegriffe sind Abgeltungssteuer, Zinsschranke, Tax Shield, Kapitalstruktur und der Einfluss von persönlichen Steuern auf die Finanzierungsentscheidung.
Wie wirkt sich die Zinsschranke konkret auf Unternehmen aus?
Die Zinsschranke beschränkt die steuerliche Absetzbarkeit von Zinsen. Dies führt bei hoch verschuldeten oder weniger profitablen Unternehmen zu einer höheren Steuerlast und verringert den Anreiz zur Fremdfinanzierung.
Warum sind KMU besonders von diesen Steueränderungen betroffen?
KMU verfügen oft über eine geringere Eigenkapitalbasis. Da die Zinsschranke den Abzug von Zinsaufwendungen begrenzt, steigt für diese Unternehmen das Risiko, in eine Verlustsituation zu geraten, was ihre Insolvenzanfälligkeit erhöht.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann Andreas von Eichborn (Author), 2007, Der Einfluss von Abgeltungssteuer und Zinsschranken auf die Finanzierungsentscheidung einer Unternehmung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73133