Der Bildungsplan 1994 für Französisch als 1. Fremdsprache

Sequenzierung, fachwissenschaftliche Beurteilung, Entwicklungsangemessenheit und Berücksichtigung von Multikulturalität


Seminararbeit, 2003

7 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorbemerkung

1. Sequenzierung
1.1 offen vs. geschlossen
1.2 vertikal vs. horizontal
1.3 linear vs. spiralig

2. Fachwissenschaftliche Beurteilung

3. Entwicklungsangemessenheit

4. Berücksichtigung der multikulturellen Zusammensetzung der Schülerschaft

5. Literatur

0. Vorbemerkung

Eine kleine Vorbemerkung soll am Anfang stehen: In dieser Abhandlung wird eine Einteilung in Sprache, Texte bzw. Literatur und Landeskunde vorgenommen, die fachsystematisch orientiert ist und nicht der Einteilung des Lehrplanes entspricht; die entsprechenden Lerninhalte werden im Bildungsplan in einer etwas anderen Einteilung unter „Kenntnisse und Fertigkeiten“ zusammengefaßt. Ferner gilt „für den gesamten Lehrplan [...] das Prinzip des integrierten Sprach- und Sachunterrichts“[1], nicht nur in der Oberstufe, sondern bereits in der Unter- und Mittelstufe: „Die sprachlichen Fertigkeiten werden in Verbindung mit Kenntnissen und Einsichten in Lautlehre, Wortschatz, Grammatik, Texte, Themenbereiche / Landeskunde entwickelt.“[2]

1. Sequenzierung

1.1 offen vs. geschlossen

Der baden-württembergische Gymnasiallehrplan für das Fach Französisch ist vor allem in der Unter- und Mittelstufe weitgehend geschlossen sequenziert. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Sprachvermittlung, der hier aufgeteilt ist in den „Arbeitsbereich 1: Sprachliche Fertigkeiten“ und die Abschnitte „Lautlehre“, „Wortschatz“ und „Grammatik im „Arbeitsbereich 2: Kenntnisse und Einsichten“. Wahlthemen gibt es vereinzelt in der Rubrik „Texte“, z.B. „Einfache Lektüre“ in Klasse 7[3] und in der Rubrik „Landeskunde“, z.B. „Französische Revolution“ in Klasse 10[4]. Im Bereich der Texte und der Literatur werden an keiner Stelle, weder in der Unter- und Mittelstufe noch in der Oberstufe, explizite Angaben darüber gemacht, welche Texte oder Lektüren dies jeweils betrifft, es werden keine Titel genannt; die Explizierung in der Oberstufe beschränkt sich auf den Hinweis der Jahrhunderte, der die Lektüre jeweils entstammen müssen: „Die Schülerinnen und Schüler lesen mindestens 2 umfangreichere Werke ab dem 19. Jahrhundert.“[5] Größere Wahlmöglichkeiten auf dem Weg zu einem eher offenen Curriculum bietet erst der Lehrplan der Oberstufe, wo die Wahlinhalte jeweils durch „W“ gekennzeichnet sind, z.B. „Frankophonie“[6], wiederum nur in den Bereichen „Literatur“ und „Landeskunde.“

1.2 vertikal vs. horizontal

Der Bildungsplan ist weitgehend vertikal organisiert, doch finden sich immer wieder auch Hinweise auf ähnliche Themen in anderen Fächern, so zum Bespiel Deutsch in der Rubrik Grammatik in Klasse 5: „Abstimmung mit Deutsch“[7]. Auch innerhalb des Lehrplans sind die deutschen Bezeichnungen konsequent anstelle der französischen Termini verwendet, außer in den Fällen, wo der deutsche und der französische Ausdruck unterschiedliche Sachverhalte bezeichnen wie im Falle des „subjonctif“, der im Deutschen keine Entsprechung hat und nicht mit dem Konjunktiv gleichzusetzen ist. Naheliegend sind auch Hinweise auf das Fach Geschichte, z.B. „Charlemagne“ in Klasse 8[8], verwiesen wird aber auch auf Lehrplaninhalte im Fach Mathematik, wie etwa beim Hinweis „Einsatz von Software (Lernprogramme)“[9].

1.3 linear vs. spiralig

Der weitgehend lineare Aufbau wird nur selten durchbrochen, etwa bei der schrittweisen Vermittlung von Möglichkeiten, im Französischen eine Frage zu formulieren: „Fragesatz – Intonationsfrage und Frage mit est-ce que“ in Klasse 5[10], „Einfache Inversion mit Personalpronomen als Subjekt“ in Klasse 6[11], „Indirekte Rede / Frage“ in Klasse 8[12]. Ein Beispiel für einen gelungenen linearen Aufbau in dem Sinne, daß bei einem späteren Thema auf ein früheres zurückgegriffen wird, das für das Verständnis des neuen notwendig ist, ist etwa die Einführung der „Bruchzahlen“ (Klasse 8)[13] nach Einführung der Grund- und Ordnungszahlen in Klasse 5-7[14].

2. Fachwissenschaftliche Beurteilung

Aus fachwissenschaftlicher Sicht ist der Lehrplan im Bereich „Sprache“ positiv zu beurteilen. Wer ihn durchlaufen hat, besitzt solide Kenntnisse, die ihm nicht nur in der alltäglichen und beruflichen Kommunikation, sondern auch bei Aufnahme eines Fachstudiums von Nutzen sind, wobei der Kommunikation in Wort und Schrift eine besondere Bedeutung zukommt. Die vorgenommene didaktische Reduktion bezieht sich vor allem darauf, daß auf die Erarbeitung und aktive Beherrschung komplexer schriftsprachlicher Strukturen verzichtet wird, was durchaus angemessen ist, da die beiseite gelassenen sprachlichen Erscheinungen relativ selten auftreten oder vom Schüler mit Hilfe des erworbenen Wissens oder des Kontexts leicht erschlossen werden können. Anders muß das Urteil im Bereich Literatur ausfallen: Hier fehlt die Vermittlung eines literaturgeschichtlichen Überblickswissens vollkommen. Grundbegriffe der Literaturgeschichte wie der Literaturtheorie sind weder in deutscher noch in französischer Sprache Bestandteil des Lehrplans und werden erst sehr spät im Rahmen der – nicht näher geregelten – Interpretation literarischer Werke Bestandteil des Lernstoffes, wobei die genaue Ausgestaltung dem Lehrer überlassen ist. Die Sprachwissenschaft als bedeutende Teildisziplin der Romanistik wird gar nicht angesprochen, es werden lediglich die zum Verständnis der sprachlichen Phänomene und der Arbeitsanweisungen in den Lehrbüchern notwendigen Fachbegriffe der Grammatik in einer erschöpfenden Liste aufgeführt. Die angesprochenen landeskundlichen Themen zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus, mit der Berücksichtigung dieses Teilbereichs im Lehrplan kann sich der Fachwissenschaftler durchaus zufrieden zeigen.

[...]


[1] Bildungsplan Kursstufe, S. 149

[2] z.B. Bildungsplan Gymnasium, S. 73

[3] Bildungsplan Gymnasium, S. 194

[4] Bildungsplan Gymnasium, S. 446

[5] Bildungsplan Kursstufe, S. 154

[6] Bildungsplan Kursstufe, S. 156

[7] Bildungsplan Gymnasium, S. 75

[8] Bildungsplan Gymnasium, S. 166

[9] Bildungsplan Gymnasium, S. 265

[10] Bildungsplan Gymnasium, S. 75

[11] Bildungsplan Gymnasium, S. 131

[12] Bildungsplan Gymnasium, S. 265

[13] Bildungsplan Gymnasium, S. 265

[14] vgl. Bildungsplan Gymnasium, S. 76, 132, 193

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Der Bildungsplan 1994 für Französisch als 1. Fremdsprache
Untertitel
Sequenzierung, fachwissenschaftliche Beurteilung, Entwicklungsangemessenheit und Berücksichtigung von Multikulturalität
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Erziehungswissenschaftliches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Lehrplan und Unterricht: die Baden-Württembergischen Gymnasiallehrpläne
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
7
Katalognummer
V73171
ISBN (eBook)
9783638733939
ISBN (Buch)
9783656468547
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsplan, Französisch, Fremdsprache, Sequenzierung, Beurteilung, Entwicklungsangemessenheit, Berücksichtigung, Multikulturalität, Proseminar, Lehrplan, Unterricht, Baden-Württembergischen, Gymnasiallehrpläne
Arbeit zitieren
Mark Möst (Autor), 2003, Der Bildungsplan 1994 für Französisch als 1. Fremdsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73171

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