Die Frage nach Moral und Ethik in einer globalisierten Wirtschaft stellt sich immer häufiger. Der Staat verliert mehr und mehr an Einfluss und es ist kaum möglich länderübergreifende Regeln für einen fairen und humanen Wettbewerb aufzustellen.
In den Medien wird über Korruption und Massenentlassungen trotz steigender Gewinne beinahe täglich berichtet. Die Unternehmen, hier besonders die Großen, haben mit einem extremen Vertrauensverlust zu kämpfen, der sich neben Imageschäden deutlich in der Bilanz niederschlägt.
Wie ist diesem Werteverfall in der Wirtschaft nun zu begegnen?
Ist es überhaupt möglich in einem gewinnmaximierenden System moralisch zu handeln?
Die Relevanz von Ethik und Moral in der Wirtschaft lässt sich an verschiedenen Beispielen deutlich machen. Bei Shell, die Mitte der 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts mit den Folgen der langwierigen Diskussion über das „Nichtversenken“ der Ölplattform „Brent Spar“ zu kämpfen hatten, oder bei Nike, die aufgrund von Kinderarbeit bei ihren Zulieferern unter enormen Druck gerieten.
Durch moralisches, ethisches Handeln hätten sich diese Unternehmen den Problemen nicht aussetzten müssen. Doch ist moralisches Handeln immer möglich? Diese Frage ist nicht Gegenstand dieser Arbeit und soll hier nicht erörtert oder beantwortet werden.
Im Bereich der Wirtschafts- und Unternehmensethik gibt es im deutschsprachigen Raum verschiedene Ansätze. Im Rahmen meiner Seminararbeit werde ich die „Theorie der Governanceethik “ von Josef Wieland vorstellen und sie auf den wohl bekanntesten Fall der Wirtschaftskriminalität anwenden: den Fall Enron.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Grundidee der Ethik der Governance
2.1 Theoretische Voraussetzungen der Governanceethik
2.1.1 Gegenstandsbereich der Governanceethik
2.1.2 Bedeutung für die Anwendung
3 Management der Werte
3.1 Triebkräfte des Wertemanagements
3.1.1 Corporate Governance und Wertemanagement
3.1.2 Wertekategorien
3.2 Das WerteManagementSystemZfW
3.2.1 Institutionalisierung des WerteManagementSystemsZfW
3.2.1.1 Stufe 1: Kodifizieren
3.2.1.2 Stufe 2: Kommunizieren
3.2.1.3 Stufe 3: Implementieren
3.2.1.4 Stufe 4: Organisieren
4 Enron Corperation
4.1 Die Geschichte Enrons
4.2 Enron Ethics und das WerteManagementSystemZfW
4.2.1 Enron Ethics
4.2.2 WerteManagementSystemZfW
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der „Ethik der Governance“ von Josef Wieland und untersucht deren Anwendbarkeit als Instrument zur Prävention unmoralischen Handelns in Unternehmen, indem sie die Theorie auf den Fall des Enron-Konzerns anwendet.
- Grundlagen und theoretische Voraussetzungen der Governanceethik
- Notwendigkeit und Triebkräfte eines systematischen Wertemanagements
- Struktur und Prozessstufen des WerteManagementSystemsZfW
- Analyse der Unternehmenskultur bei Enron und Identifikation moralischer Defizite
- Kritische Würdigung der Möglichkeiten und Grenzen von Wertemanagementsystemen
Auszug aus dem Buch
2.1 Theoretische Voraussetzungen der Governanceethik
Im Rahmen der Governaceethik wird nur eine distinkte wirtschaftliche Transaktion betrachtet, dadurch soll stets der Anwendungsbezug und die Integration der Governanceethik in den institutionen- und organisationsökonomischen Ansatz sichergestellt werden.
Josef Wieland legt bei der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung seiner Theorie den Fokus ganz deutlich darauf, dass sein Konzept in der Wirtschaft angewendet werden kann, denn nur so nutzt es der “…wissenschaftlichen Etablierung und Institutionalisierung der Wirtschafts- und Unternehmensethik…“5 Bisher fehlt es in der unternehmensethischen Diskussion im deutschsprachigen Raum an der praktischen Relevanz der Theorien. Die Ethik der Governance umgeht dieses Problem durch eine starke mirkoanalytische und mirkopolitische Orientierung (Betrachtung).
Da bei der Governanceethik, wie auch bei der Transaktionskostentheorie die Transaktion im Mittelpunkt der Betrachtung steht, lässt sie sich der Neuen Institutionen- und Organisationenökonomik zuordnen. Durch diese Zuordnung ist es möglich die moralische Dimension einer wirtschaftlichen Transaktion herzuleiten, denn im Rahmen der Neuen Institutionen- und Organisationenökonomie wird stets von unvollständigen Verträgen zwischen den Wirtschaftssubjekten ausgegangen. Dies ist die Vorraussetzung, dass die Handlung eine moralische Dimension bekommt, denn bei vollständigen Verträgen gibt es z.B. keine Informationsasymmetrien, die ein Partner auf Kosten des Anderen ausnutzen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den wachsenden Bedarf an Ethik in einer globalisierten Wirtschaft und stellt die Theorie der Governanceethik als praxisorientierten Lösungsansatz zur Diskussion.
2 Die Grundidee der Ethik der Governance: Dieses Kapitel erläutert die mikroanalytische Herleitung der Governanceethik als Steuerungsmatrix zur Abwicklung wirtschaftlicher Transaktionen.
3 Management der Werte: Das Kapitel führt das WerteManagementSystemZfW ein, beschreibt dessen betriebswirtschaftliche Triebkräfte und gliedert den Implementierungsprozess in vier konkrete Stufen.
4 Enron Corperation: Anhand des Fallbeispiels Enron wird untersucht, wie eine korrupte Unternehmenskultur entstand und warum ein systematisches Wertemanagement unter den gegebenen Bedingungen scheiterte.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass zwar kein Ethik-Modell schwere Wirtschaftskriminalität vollständig verhindern kann, Wertemanagementsysteme jedoch einen wesentlichen Beitrag zu einer humaneren Marktwirtschaft leisten.
Schlüsselwörter
Governanceethik, Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Wertemanagement, Transaktionskosten, Corporate Governance, Enron, Integrität, Moral, Institutionenökonomik, Compliance, Unternehmenskultur, WerteManagementSystemZfW, Moral Leadership, Wirtschaftskriminalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie moralisches Handeln in gewinnorientierten Unternehmen durch die Theorie der Governanceethik nach Josef Wieland systematisch gesteuert und verankert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Governanceethik, das Wertemanagement in Organisationen sowie die Analyse von Unternehmenskulturen am Beispiel von Wirtschaftskriminalität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu überprüfen, ob das Governanceethik-Modell und das daraus abgeleitete Wertemanagementsystem effektiv dazu beitragen können, moralisch problematisches Handeln in Unternehmen zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet den institutionen- und organisationsökonomischen Ansatz, um moralische Dimensionen in wirtschaftlichen Transaktionen theoretisch zu fundieren und praktisch anwendbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Vorstellung der Governanceethik, die Herleitung des WerteManagementSystemsZfW sowie dessen praktische Anwendung auf den Fall des Enron-Konzerns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Governanceethik, Wertemanagement, Institutionenökonomik, moralische Anreize, Corporate Governance und der Fall Enron.
Warum konnte das WerteManagementSystemZfW bei Enron nicht greifen?
Da das System auf "moral leadership" angewiesen ist und eine konsequente top-down-Strategie erfordert, wäre eine Implementierung bei Enron aufgrund der bereits stark auf Korruption und Regelbruch ausgerichteten Unternehmenskultur undenkbar gewesen.
Inwiefern beeinflussen informelle Institutionen das moralische Handeln?
Informelle Institutionen wie die Unternehmenskultur oder moralische Überzeugungen prägen maßgeblich, wie Transaktionen innerhalb einer Organisation abgewickelt werden und ob diese moralisch als legitim oder verboten gelten.
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- Matthias Kuhlmann (Author), 2007, Die Ethik der Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73228