Gender Studies. Ein Vergleich der Geschlechterdarstellung in „Jan, mein Freund“ von Peter Pohl und dem Film „Mein Freund Joe“


Hausarbeit, 2005
29 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gender Studies (Geschlechterforschung)
2.1 Geschlecht
2.2 Frauenforschung
2.3 Die Entstehung der Gender Studies
2.4 Geschlechterdifferenz

3. Adoleszenz
3.1 Definition
3.2 Jugendalter
3.3 Adoleszenz im weiteren Sinn
3.4 Der Adoleszenzroman
3.4.1 Die Entwicklung des Adoleszenzromans
3.4.2 Der moderne Adoleszenzroman

4. Leseverhalten
4.1 Wert des Lesens
4.2 Lesequantität und –qualität

5. Produktive Verfahren des Literaturumgangs
5.1 Bedeutung von produktiven Verfahren
5.2 Didaktisches Phasenmodell nach Waldmann

6. Gender-didaktische Analyse des Werkes „Jan, mein Freund“ von Peter Pohl
6.1 Figurenkonstellation
6.1.1 Gesamtüberblick
6.1.2 Charakterisierungen von Jan und Krille
6.2 „Jan, mein Freund“ als Adoleszenzroman
6.2.1 Einordnung in den Kontext charakteristischer Adoleszenzromane
6.2.2 Adoleszente Identitätsbildung
6.3 Didaktisches Potential
6.3.1 Lesemotivation
6.3.2 Didaktische Relevanz
6.4 Kritische Würdigung der filmischen Umsetzung
6.4.1 Handlungsablauf
6.4.2 Figurenkonstellation

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zunächst bietet die gender-didaktische Analyse des Werkes „Jan, mein Freund“ von Peter Pohl, insbesondere unter Berücksichtigung von Adoleszenz und dem Leseverhalten von Schülern, ein sehr großes inhaltliches Potential. Trotz dieser drei großen Themenbereiche war es mir wichtig, das Buch hinsichtlich des Plots sowie der Figuren- und Geschlechterkonstruktion mit dem andersartigen Film zu vergleichen. Das Buch stellt interessante Charaktere in einer besonders innovativ gestalteten Geschichte dar. Die herausragende geschlechtliche Darbietung und das einzigartige Konstrukt der Erzählung findet, meines Erachtens, im Film keinerlei Entsprechung. Es existiert ein signifikanter Unterschied in der Geschlechterdarbietung, den ich im Folgenden zu beweisen suche.

Ich leite die Arbeit mit allgemeinen Definitionen und faktischen Daten über Geschlechterforschung ein, um auf ein inhaltliches Grundgerüst aufbauen zu können. Dann gehe ich theoretisch auf den Begriff Adoleszenz ein und stelle einen Zusammenhang zum Adoleszenzroman her. Das Leseverhalten von Schülern sowie die Darstellung von produktiven Verfahren des Literaturumgangs bauen auf das vorhergehende Wissen über Adoleszenz auf. Mit Hilfe dieses Grundgerüsts kann ich eine gender-didaktische Analyse des Romans „Jan, mein Freund“ durchführen. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Figurenkonstellation, da diese am meisten Substanz für die Beantwortung der Fragestellung bietet. Des Weiteren gehe ich auf den Kontext charakteristischer Adoleszenzromane ein und untersuche den Text bezüglich seines didaktischen Potentials für den Unterricht.

Zum Schluss erarbeite den Vergleich zwischen dem Buch und dem Film, welcher sich als thematisch ähnlich erweist, dagegen hinsichtlich des Plots und der Figuren- und Geschlechterkonstruktion stark abweicht.

2. Gender Studies (Geschlechterforschung)

2.1 Geschlecht

Das Geschlecht lässt sich grob in sex und gender einteilen. Unter sex versteht man das biologische Geschlecht, das durch anatomische, physiognomische, hormonale und libidinöse Merkmale des menschlichen Körpers gekennzeichnet ist. Gender bezeichnet eher die Performanz, das Konstrukt des Geschlechts, das auf soziale, kulturelle, philosophische, historische, politische und sprachliche Entwicklungen basiert[1].

In den Gender Studies der 90er Jahre wurde nicht nur das Geschlecht im Sinne von gender als „Maskerade“ entlarvt, vielmehr die Unterscheidung zwischen sex und gender wurde in Frage gestellt. So sei sex eine Vorstellung, die von gender produziert wurde[2].

2.2 Frauenforschung

Der Begriff Geschlechterforschung hat sich parallel zu den amerikanischen Gender Studies in den 80er Jahren entwickelt. Die feministische Frauenforschung wurde zunehmend kritisiert, da sie sich lediglich auf die isolierte Betrachtung von Frauen beschränkte. Die Bezeichnung „Frauenforschung“ wurde somit durch „Geschlechterforschung“ ersetzt bzw. diesem Oberbegriff untergeordnet[3].

2.3 Die Entstehung der Gender Studies

Seit der Entwicklung der Frauenforschung stand eben diese auf Grund der unterstellten Einseitigkeit unter Ideologieverdacht. Die einfache Übersetzung der amerikanischen Gender Studies mit der deutschen Version Geschlechterforschung brachte keinen nennenswerten Imagewechsel. Seit Mitte der 90er Jahre wurde die amerikanische Bezeichnung ins deutsche Repertoire übernommen. Begründet wurde die Amerikanisierung mit einer theoretischen Erklärung: Gender sei eine flexiblere Kategorie als „Frau“ oder „Geschlecht“[4].

Geschlechterforschung bzw. Gender Studies heute analysieren das hierarchische Verhältnis der Geschlechter, wobei nicht mehr zwingend allein die Frau als Opfer der patriarchalen Strukturen galt, sondern ebenfalls der Mann zum Forschungsgegenstand der Gender Studies wurde. Neben den Women`s Studies entstand der Forschungszweig Men`s Studies. Bei den Studien stehen Geschlechtsidentitäten, Geschlechterrollen sowie Geschlechterdifferenzen im Vordergrund, die bestimmte Funktionen und Eigenschaften implizieren. Die Unterschiede zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit werden hierbei als „(…) historisch wandelbares, gesellschaftlich-kulturelles Phänomen betrachtet[5], sofern nicht die Existenz einer Geschlechtsdifferenz selbst bezweifelt wird.

Neben den geschlechtsspezifischen Aspekten wurden geschlechtsunabhängige hierarchisierende Kategorien hinzugenommen, wie Alter, Besitz, Klassen- und Rassenzugehörigkeit oder auch sexuelle Orientierung, die die Gesellschaft seit jeher bestimmt haben[6].

2.4 Geschlechterdifferenz

Bis zum 18. Jahrhundert wurde das Ein-Geschlecht-Modell propagiert, wobei der weibliche Körper lediglich als unvollkommene Variante des männlichen galt. Erst in der Aufklärung entwickelte sich die Vorstellung einer Zweigeschlechtlichkeit, die jedoch auch eine Festschreibung von typischen Geschlechterrollen beinhaltete. Der Frau wurden im Sinne von Aristoteles Eigenschaften der Natur zugesprochen (Materie, Gefühl, Leidenschaft) und dem Mann kulturelle Fähigkeiten anerkannt (Form Verstand, Urteil)[7]. Der Feminismus plädiert für die Selbstbestimmung der Geschlechter und die Anerkennung der Geschlechter als >demokratische Differenz<[8].

3. Adoleszenz

3.1 Definition

Der Begriff Adoleszenz bedeutet „Übergang ins Erwachsenenalter“ und bezeichnet den letzten Teilabschnitt des Jugendalters[9]. Der Zeitabschnitt der Adoleszenz wird dementsprechend ca. zwischen 15 und 18 Jahren (z. T. auch bis weit ins zweite Lebensjahrzehnt) angesiedelt.

3.2 Jugendalter

Das Jugendalter umfasst die Übergangszeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsenalter. Es ist durch biologische und psycho-soziale Veränderungen gekennzeichnet, wobei die biologischen früher als die psychologischen Veränderungen, die sich bis ins zweite Lebensjahrzehnt bemerkbar machen, eintreten. Bereits in der Vorpubertät (bis zur Geschlechtsreife) und Pubertät (Selbstorientierung und –findung) bewirkt die Aktivierung der Hormon- ausschüttung einen Wachstumsschub und die Sexualreifung. Im fortschreitenden Jugendalter muss sich der Teenager mit seinem neuen Körperbild und der Sexualität vertraut machen. Hinzu kommen Änderungen der psychischen Befindlichkeit, die bewirken, dass der Jugendliche aus der Perspektive der Erwachsenen als schwierig erlebt wird. Er leidet unter Gefühlslabilität, d.h. seine Stimmung kann plötzlich und unberechenbar wechseln. Des Weiteren äußert es sich in übertriebener Selbstkritik, in zeitweiser Entscheidungsunfähigkeit und Empfindlichkeit.

Auf Grund der Intelligenzentwicklung, der errungenen Fähigkeit zu formalen und abstrakten Denken[10], werden die eigenen Eltern, sowie vermittelte Ideale und traditionelle Rollen in Frage gestellt. Der Jugendliche beginnt seinen Platz in der Gesellschaft zu suchen bzw. sich gerade von dieser zu distanzieren. Es werden veränderte soziale Kontakte geknüpft und oft nach der Anerkennung in auffallenden und z. T. extremen Gruppierungen getrachtet[11].

Neben der sexuellen Orientierung wird der Identitätsentwicklung in der Zeit der Adoleszenz eine gewichtige Rolle zugesprochen. Der Jugendliche befindet sich in einem ausgeprägten Selbstfindungsprozess, der von Rollen- und Statusunsicherheiten geprägt ist. Während dieser Zeit ist sein Selbstkonzept labil und kann durch negative Einflüsse von außen verändert und gestört werden.

3.3 Adoleszenz im weiteren Sinn

Psychologisch gesehen ist der Begriff Adoleszenz eindeutig definiert (siehe Punkt 2.1). Trotzdem sind die Auffassungen verschiedener Literaturwissenschaftler, Professoren, Pädagogen, Autoren u. ä. über das Alter und die Kategorisierung der Adoleszenzzeit unstimmig. Im Metzler Lexikon Gender Studies wird Adoleszenz als Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein begriffen, wobei diese sich auf die psychischen und sozialen Prozesse bezieht und die Pubertät zeitlich parallel die körperlichen Veränderungen beinhaltet[12]. Die Auffassungen der Zeitspanne dieser Phase differiert zwischen 10/11 und 30 Jahre (im Zusammenhang von Definitionsversuchen des Adoleszenzromans[13]), zwischen 13 und 17 Jahren oder ggf. bis ins dritte Lebensjahrzehnt (im Zusammenhang der Adoleszenzromane für Jugendliche[14]) oder zwischen 15 und 18 Jahren, was sich mit der psychologischen Definition deckt[15]. Im Allgemeinen wird der Begriff Adoleszenz als Synonym für Jugendalter gebraucht, wobei die Zeitspanne des Jugendalters unterschiedlich aufgefasst wird.

Der Bezug auf die psychischen und sozialen Prozesse und die Ausklammerung der körperlichen Prozesse, wie es im Metzler Lexikon Gender Studies beschrieben wird, findet man bei Gansel wieder, was er jedoch als Verallgemeinerungsvariante begreift[16]. Viele sind sich darüber einig, dass mit dem Adoleszenzbegriff der Eindruck einer verlängerten oder modernen Jugend einhergeht. Dies führt zu einer zeitlichen Ausdehnung der Phase, die das 18. Lebensjahr weit überschreitet.

In Anbetracht der entwicklungspsychologischen Auffassung sollte die Adoleszenz als kurzweilige Übergangsphase zum Erwachsenwerden (ca. zwischen 15 und 18 Jahren) begriffen werden. Im Hinblick auf die literarische Sozialisation muss der Begriff ausgedehnt werden, da Adoleszenzromane durchaus weitaus jüngere Protagonisten (vgl. Jan, mein Freund[17]) oder mit Berücksichtigung der verlängerten Jugendzeit ungleich ältere zentrale Hauptfiguren beinhalten.

[...]


[1] „Vgl. Metzler Lexikon Gender Studies Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart: Metzler 2002, (S. 153 / 154).“

[2] „Vgl. ebd. S.160.“

[3] „Vgl. ebd. S.155.“

[4] „Vgl. ebd. S.157.“

[5] „Vgl. Metzler Lexikon Gender Studies Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart: Metzler 2002, S.143.“

[6] „Vgl. ebd. S.158.“

[7] „Vgl. ebd. S.154“

[8] „Vgl. ebd. S.154“

[9] „Vgl. Michel, Christian; Novak, Felix: Kleines Psychologisches Wörterbuch.

3.Aufl. Freiburg: Herder Freiburg Verlag 1990. Nr. 17, S. 180.“

[10] Zimbardo. Psychologie. Hg. Von Siegfried Hoppe-Graff und Barbara Keller. 5. Aufl. Heidelberg: Springer-Verlag 1992.

[11] „Vgl. Michel, Christian; Novak, Felix: Kleines Psychologisches Wörterbuch.

3.Aufl. Freiburg: Herder Freiburg Verlag 1990. Nr. 17. (S. 180 – 184).“

[12] „Vgl. Metzler Lexikon Gender Studies Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart: Metzler 2002, (S. 1).“

[13] „Vgl. Bonfadelli, Heinz / Priska Bucher (Hgg.): Lesen in der Mediengesellschaft. Stand und Perspektiven der Forschung. Zürich: Pestalozzianum 2002, (S. 327).“

[14] „Vgl. Lange, Günter: Erwachsen werden. Jugendliterarische Adoleszenzromane im Deutschunterricht. Grundlagen – Didaktik – Unterrichtsmodelle. Hohengehren: Schneider 2000, (S. 14).“

[15] „Vgl. Eggert, Hartmut / Christine Garbe: Literarische Sozialisation. 2., aktual. Aufl. Stuttgart: Metzler 2003, (S. 129).“

[16] „Vgl. Gansel, Carsten: Adoleszenz und Adoleszenzroman als Gegenstand literaturwissenschaftlicher Forschung. In: Zeitschrift für Germanistik. N.F. 14 (2004), H. 1, (S. 131).“

[17] Pohl, Peter: Jan, mein Freund. Aus dem Schwedischen von Brigitta Kicherer. Ravensburg: Ravensburger Tb. 1997. –Schwed. EA u.d.T. Janne min vän 1985.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Gender Studies. Ein Vergleich der Geschlechterdarstellung in „Jan, mein Freund“ von Peter Pohl und dem Film „Mein Freund Joe“
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für deutsche Sprache und ihre Didaktik)
Veranstaltung
Literaturunterricht und Geschlechterdifferenz
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
29
Katalognummer
V73230
ISBN (eBook)
9783638881708
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender-didaktische, Analyse, Gibt, Unterschied, Geschlechterdarstellung, Werk, Freund“, Peter, Pohl, Film, Freund, Joe“, Literaturunterricht, Geschlechterdifferenz
Arbeit zitieren
Beatrice Eickhoff (Autor), 2005, Gender Studies. Ein Vergleich der Geschlechterdarstellung in „Jan, mein Freund“ von Peter Pohl und dem Film „Mein Freund Joe“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73230

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