Mit der einleitenden Frage „Was ist ein soziologischer Tatbestand?“ verrät Émile Durkheim bereits worum es in seinem ersten Kapitel aus Die Regeln der soziologischen Methode geht.
Es wird eine Definition entwickelt, mit der man begreifen kann, was ein soziologischer Tatbestand umfasst und was nicht; aber auch, wie man selbigen erkennt, d.h. was die Indikatoren für einen solchen Tatbestand sind. Ziel dieser Definition ist es, der Soziologie als empirischer Tatsachen-Wissenschaft einen Gegenstand zuzuordnen, mit dem sie sich beschäftigen kann, wie jede andere Wissenschaft auch und der sie davon befreit, eine rein ideologische und normative Wissenschaft zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1. BIOGRAPHIE ÉMILE DURKHEIMS
2. HISTORISCHER KONTEXT
3. THEORIE DER „SOZIOLOGISCHE TATBESTÄNDE“
3.1 EINE ERSTE DEFINITION
3.2 ALLGEMEINHEIT/KOLLEKTIV
3.3 ENDGÜLTIGE DEFINITION
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Émile Durkheims Konzept des „soziologischen Tatbestands“ mit dem Ziel, den spezifischen Gegenstandsbereich der Soziologie als empirische Wissenschaft zu definieren und von anderen Disziplinen abzugrenzen.
- Biografischer Hintergrund und akademischer Werdegang von Émile Durkheim
- Analyse des historischen und politischen Kontextes Frankreichs um 1870
- Herleitung und Definition des Begriffs „soziologischer Tatbestand“
- Unterscheidung zwischen physiologischen und morphologischen Tatbeständen
- Kritische Reflexion der Bedeutung von sozialem Zwang versus individueller Freiheit
Auszug aus dem Buch
3.1 Eine erste Definition
Mit der einleitenden Frage „Was ist ein soziologischer Tatbestand?“ verrät Émile Durkheim bereits worum es in seinem ersten Kapitel aus Die Regeln der soziologischen Methode geht. Es wird eine Definition entwickelt, mit der man begreifen kann, was ein soziologischer Tatbestand umfasst und was nicht; aber auch, wie man selbigen erkennt, d.h. was die Indikatoren für einen solchen Tatbestand sind. Ziel dieser Definition ist es, der Soziologie als empirischer Tatsachen-Wissenschaft einen Gegenstand zuzuordnen, mit dem sie sich beschäftigen kann, wie jede andere Wissenschaft auch und der sie davon befreit, eine rein ideologische und normative Wissenschaft zu sein.
Durkheim weist anfangs auf das allgemein bekannte Problem hin, nämlich die Verwendung des Begriffs „[…] ohne besondere Präzision […]“ (Durkheim 1991, S. 105). Er sagt, der Begriff würde für sämtliche Erscheinungen, die innerhalb einer Gesellschaft auftreten, verwendet, wenn sie „[…] nur ein Mindestmaß an sozialem Interesse mit einer gewissen Allgemeinheit vereinigen“ (Durkheim 1991, S. 105). Um dieses Problem zu lösen, sagt Durkheim, müsse man die Tatbestände herausfiltern, die in kein anders naturwissenschaftliches Gebiet fielen, wie z.B. in das der Biologie oder der Psychologie. Dies seien Formen des Denkens, Handelns und Fühlens, die außerhalb des individuellen Bewusstseins existieren. Sie sind, so Durkheim, objektiv, unabhängig davon, ob man mit Ihnen im Einklang handele oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. BIOGRAPHIE ÉMILE DURKHEIMS: Ein kurzer Überblick über das Leben von Émile Durkheim, seine akademische Ausbildung und seine wichtigsten wissenschaftlichen Werke.
2. HISTORISCHER KONTEXT: Beschreibung der sozialen und politischen Instabilität im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts, die den Hintergrund für Durkheims soziologische Überlegungen bildete.
3. THEORIE DER „SOZIOLOGISCHE TATBESTÄNDE“: Herleitung des zentralen Begriffs durch eine schrittweise Definition, die soziale Phänomene über ihren Zwangsausübungscharakter und ihre Unabhängigkeit vom Individuum bestimmt.
3.1 EINE ERSTE DEFINITION: Einführung in die Problematik der Begriffsverwendung und erste Eingrenzung der Tatbestände als objektive, außerhalb des Individuums existierende Formen.
3.2 ALLGEMEINHEIT/KOLLEKTIV: Erläuterung der Bedeutung des Kollektiven und der methodischen Notwendigkeit, soziale Fakten als „Realität sui generis“ zu betrachten.
3.3 ENDGÜLTIGE DEFINITION: Differenzierung zwischen physiologischen und morphologischen Ordnungen sowie finale Zusammenfassung der Kernmerkmale eines soziologischen Tatbestands.
4. KRITISCHE WÜRDIGUNG: Reflexion über die Bedeutung von Durkheims Arbeit für die Etablierung der Soziologie als eigenständige Fachdisziplin und kritische Hinterfragung seiner Zwangsthese.
Schlüsselwörter
Émile Durkheim, Soziologie, soziologischer Tatbestand, soziale Phänomene, Kollektiv, Zwang, Sanktion, Normen, Sitten, Individualismus, Methodik, Realität sui generis, Sozialisation, Gesellschaft, empirische Wissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Émile Durkheims Definition des „soziologischen Tatbestands“ und dessen Rolle für die Etablierung der Soziologie als eigenständige empirische Wissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Biografie Durkheims, den historischen Kontext Frankreichs im 19. Jahrhundert sowie die systematische Ausarbeitung und Kritik seines soziologischen Theorierahmens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Gegenstandsbereich der Soziologie klar zu definieren, um die Disziplin von rein normativen oder ideologischen Ansätzen abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und Interpretation von Durkheims Hauptwerk „Die Regeln der soziologischen Methode“ zur systematischen Erläuterung und kritischen Einordnung seiner soziologischen Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Herleitung der Definition des soziologischen Tatbestands, unterteilt in erste Begriffsbestimmungen, die Rolle des Kollektivs und eine finale Differenzierung der Tatbestandsarten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Soziologie, soziologischer Tatbestand, sozialer Zwang, Kollektivität und wissenschaftliche Methodik.
Wie unterscheidet Durkheim zwischen physiologischen und anatomischen Tatbeständen?
Durkheim differenziert zwischen physiologischen Tatbeständen (Arten des Handelns) und anatomischen bzw. morphologischen Tatbeständen (Arten des Seins), betont jedoch, dass beide durch ihre zwingende Macht auf das Individuum gekennzeichnet sind.
Warum übt Durkheim laut der Arbeit Kritik an Gabriel Tarde?
Durkheim grenzt sich von Tardes Nachahmungstheorie ab, da er argumentiert, dass soziale Phänomene durch Zwang und kollektive Strukturen entstehen und nicht primär durch die Nachahmung individueller Handlungen begründet sind.
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- Felix Heinemann (Author), 2007, Émile Durkheim - Was ist ein soziologischer Tatbestand?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73235