Alice Salomon und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Biografie
2.1.1 Kindheit und Jugend
2.1.2 Der Wendepunkt in Alice Salomons Leben
2.1.3 Studium
2.1.4 Internationales Engagement und soziale Frauenschule
2.1.5 Emigration und einsames Lebensende
2.2 Alice Salomons theoretische Beiträge zur Sozialen Arbeit
2.2.1 Der Begriff „Soziale Arbeit“ nach Alice Salomon
2.2.2 Soziale Ausbildung
2.2.3 Methoden sozialer Arbeit
2.3 Bedeutung für die Soziale Arbeit und Verknüpfung zur heutigen Zeit

3. Fazit / Ausblick

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil Alice Salomon, die Begründerin des sozialen Frauenberufs und Pionierin der Professionalisierung der Ausbildung in der Sozialen Arbeit, mein Interesse geweckt hat. Da ich als Frau in Zukunft einem Beruf im Feld der Sozialen Arbeit nachgehen werde, ist es wichtig für mich nachzuvollziehen, wie sich die Rolle der Frau in diesem Berufsfeld, eben auch geprägt durch die Arbeit Alice Salomons, entwickelt hat. Ich finde es spannend, mehr über diese bedeutende Frau und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit zu erfahren, auch weil sie heute leider schon fast in Vergessenheit geraten ist, obwohl erst vor relativ kurzer Zeit, im Jahr 1993, die Fachhochschule für Sozialarbeit in Berlin in „Alice Salomon Fachhochschule“ umbenannt wurde.

Mein Ziel ist es, ihr Leben, ihre theoretischen Beiträge, sowie ihre Bedeutung für die moderne Soziale Arbeit in meiner Hausarbeit deutlich zu machen. Daher ist meine Hausarbeit in die drei groben Teile „Biographie“, „Alice Salomons theoretische Beiträge zur Sozialen Arbeit“ und die „Bedeutung für die Soziale Arbeit und Verknüpfung zur heutigen Zeit“ gegliedert.

Für die in der Hausarbeit verwendete Literatur habe ich mich entschieden, weil ich der Meinung bin, dass Alice Salomon und ihr Wirken in diesen Büchern umfassend und anschaulich widergespiegelt wird.

2. Hauptteil

2.1 Biografie

2.1.1 Kindheit und Jugend

Alice wird am 19. April 1872 als Tochter eines wohlhabenden, jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren. Ihre Mutter, Anna Salomon, geborene Potocky-Nelken, stammt aus einer der reichsten jüdischen Bankiersfamilien Deutschlands. Alice wächst mit vier weiteren Geschwistern, von denen einer stirbt als sie gerade acht Jahre alt ist, in Berlin auf. Sie fühlt sich als das „hässliche Entlein der Familie“[1]. Mit knapp sechs Jahren wird sie in eine private evangelische Mädchenschule gegeben, die sie sehr gerne besucht. Ihre Eltern vereinbaren mit der Schule allerdings, dass Alice nur am Religionsunterricht teilnehmen soll, solange das Alte Testament besprochen wird – diese Vereinbarung wird von der Schule aber nicht eingehalten und der spätere Versuch Alices Eltern, sie zum Judentum zu bekehren, scheitert. Als sie dreizehn ist, stirbt ihr Vater und die Familie muss aus finanziellen Gründen in eine kleine Mietwohnung umziehen. Mit 15 verlässt Alice die Schule und „tat was sie konnte, um sich weiterzubilden und nützliche Dinge zu lernen“[2]. In dieser Zeit ist sie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens[3] und fühlt sich sehr unglücklich – dennoch scheint diese Zeit entscheidend für ihre weitere Laufbahn zu sein. Ihre Tage verbringt sie mit Sticken, Blumengießen oder Klavierspielen, „zudem galt es noch als ausgemacht, dass Mädchen heiraten sollten (...) so hatte das ganze Mädchendasein etwas Provisorisches...“[4]

Alice möchte gerne Lehrerin werden, doch ihre Familie stellt sich gegen sie. Drei Jahre nachdem ihr Vater verstorben ist, stirbt nun auch eine ihrer Schwestern und „der Lebensmut der Mutter war gebrochen“[5]. Von nun an kümmert sich Alice fürsorglich um ihre Mutter.

2.1.2 Der Wendepunkt in Alice Salomons Leben

„Ein Stück bedrucktes Papier“[6] gibt ihrem Leben die entscheidende Wende. Sie erhält am 5.12.1893 eine Einladung zur Gründungsversammlung der „Mädchen und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit“. Es sollte dort freiwillige Hilfe, zum Beispiel in Krippen oder Waisenhäusern, geleistet werden. Alice wird Mitglied und bezeichnet diese Tätigkeit als „Arbeit, bei der sie sich nötig fühlen konnten“[7] und die ihr einen Lebensinhalt schenkt.

Die ersten Tätigkeiten von Alice, die sie im sozialen Bereich ausübt, sind die Betreuung eines Horts für Mädchen und Hausbesuche bei Menschen, die einen Unterstützungsantrag bei der Auskunftsstelle für Wohlfahrtsanstalten gestellt haben. Jeanette Schwerin, Vorsitzende der Mädchen und Frauengruppe, wird zu ihrer mütterlichen Mentorin und bringt Alice in Kontakt zur nationalen und internationalen Frauenbewegung – von ihr bekommt sie die Anerkennung, die ihr von ihrer Mutter fehlt.

1898 wird Alice anstelle der kranken Jeanette Schwerin zum Treffen des BDF (Bund der deutschen Frauenvereine) geschickt und setzt dort ihre Schwerpunkte auf praktische Soziale Arbeit, die Frauenbewegung und internationale Arbeit. 1899 wird sie nach dem Tod Jeanette Schwerins Vorsitzende der Berliner Gruppen. Noch im selben Jahr eröffnet sie den ersten Jahreskurs für „ehrenamtliche Wohlfahrtspflege“, was den Grundstein der beruflichen Sozialarbeit darstellt. Mit 29 Jahren wird sie jüngstes Mitglied des Vorstands des BDF, in dem unter anderem Helene Lange beschäftigt ist, und steigt später (1920) zur stellvertretenden Vorsitzenden auf.

2.1.3 Studium

Im Jahr 1902 erhält Alice eine Einladung ihrer Freundin Elisabeth Freiin – übrigens eine der ersten promovierten Frauen - zum „Doktorschmaus“, wo Professor Max Sering sie fragt, warum sie nicht selbst ein Studium aufnehmen wolle. Aufgrund dieses Denkanstoßes entschließt sie sich einen Studienantrag zu stellen. Dieser wird angenommen, obwohl „an manchen Vorlesungstüren (...) Schilder mit Warnungen wie: ‚Hunde und Damen nicht erwünscht!’ (prangen)“[8].

Sie schreibt sich für das Fach Nationalökonomie an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin ein und verfasst im dritten Semester eine Seminararbeit über die ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen und eine Erklärung dieses Phänomens. Ihr Professor, Alfred Weber, ist so beeindruckt, dass er sie bittet, über dieses Thema zu promovieren. Die „Promotion gestaltete sich als regelrechter Hindernislauf“[9]: Obwohl sich namhafte Professoren für sie einsetzen, wird ihr Antrag zwei mal abgelehnt. Am 18. Januar 1906 wird sie zum Doktor Examen zugelassen und promoviert am 5. März 1906 in zum Dr.Phil.

2.1.4 Internationales Engagement und soziale Frauenschule

Nachdem sie zunächst an weiblichen Fachhochschulen Volkswirtschaft unterrichtet hat, eröffnet Alice Salomon am 15. Oktober 1908 die Soziale Frauenschule in Berlin Schöneberg und wird dort Leiterin der Einrichtung. Mit dieser Schule will sie Frauen und Mädchen „eine Tätigkeit, die nicht nur ihre Zeit – sondern auch (...) ihr Interesse in Anspruch nimmt“[10] geben. Diese Schule existiert heute noch und heißt seit 1993 wieder „Alice Salomon Fachhochschule“.

Der Erfolg der Sozialen Frauenschule ist groß und dient als Vorbild für weitere, ähnliche Gründungen, in denen Alice Salomon als Beraterin sehr geschätzt wird.

Im Jahr 1908 kommt aus Genf eine Anfrage des „International Council of Women (ICW)“, in der sie gebeten wird, das Amt der Schriftführerin zu übernehmen. Die Wahl dazu findet 1909 in Toronto statt, wo Alice ihre erste Nordamerika Reise antritt. Dort trifft sie eine weitere bedeutende Frau aus dem Bereich der Sozialen Arbeit, nämlich Jane Addams, die Gründerin des „Hull House“.

Durch ihre Arbeit als Schriftführerin arbeitet Alice Salomon eng mit Lady Aberdeen, der Vorsitzenden des ICW zusammen und es entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Alice besucht sie in Irland, wo sie 1914, nachdem ihre Mutter verstorben war, zum Christentum konvertiert. Dort wird sie vom Kriegsausbruch überrascht und sitzt sechs Wochen lang auf der Insel fest. Lady Aberdeen ist für sie eine Frau, in der „Glauben und Tun in vollkommener Harmonie zusammenklingen“[11]. Sie leitet während des Krieges die Frauenabteilung in einem der neu geschaffenen Kriegsämter unter dem Motto „Mobilisierung der Frauen durch Frauen“, was für sie sehr schwer sein musste, da sie überzeugte Pazifistin war.

Das Verhältnis zum BDF kühlt sich immer weiter ab und sie tritt schließlich 1920 aus. Sie ist von 1920 bis 1933 Vizepräsidentin des ICW, wo sie mehr Freundinnen findet als unter denen des deutschen BDF. Im Jahr 1925 gibt sie die Leitung der von ihr gegründeten Schule aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes an Charlotte Dietrich ab. Dennoch gründet sie im selben Jahr die „Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit“, die besonderes Gewicht auf solche Studiengebiete legen soll, welche die schöpferischen Fähigkeiten der Frauen freisetzen“[12]. Sie wollte damit Frauen vor Allem für Leitungspositionen im öffentlichen Dienst qualifizieren. 1929 wird das „Internationale Komitee Sozialer Schulen“ gegründet, dessen Vorsitzende sie wird. Anlässlich ihres 60. Geburtstags im Jahr 1932 wird die Soziale Frauenschule in „Alice-Salomon-Schule“ umbenannt und ihr wird im selben Jahr die Ehrendoktorwürde der Medizin durch die Friedrich-Wilhelm Universität Berlin verliehen.

[...]


[1] Salomon, 1983, S. 16

[2] Peyser 1958, S. 18

[3] vgl. Peyser 1958, S. 18

[4] Salomon 1928, S. 8, in Berger 1998, S. 19

[5] Berger 1998, S. 16

[6] Salomon 1928, S. 8, in Berger 1998, S. 19

[7] Salomon 1913, S. 4, in Berger 1998, S. 21

[8] Kenner, 1995, S. 126, in Berger 1998, S. 26f

[9] Berger 1998, S. 31

[10] Salomon 1908, S. 33, in Berger 1998, S. 36

[11] Salomon 1928, S. 31, in Berger 1998, S. 52

[12] Salomon 1983, S. 214 f

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Alice Salomon und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,8
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V73268
ISBN (eBook)
9783638740746
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alice, Salomon, Bedeutung, Soziale, Arbeit
Arbeit zitieren
Stefanie Reck (Autor), 2006, Alice Salomon und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73268

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