In den letzten Jahren, insbesondere nach dem Erscheinen der PISA-Studie, erfahren reformpädagogische Bildungsmodelle immer mehr Beachtung. In dem weiten Feld dieser vielen verschiedenen pädagogischen Konzepte nimmt die Erlebnispäda-gogik einen bedeutenden Platz ein. Einige halten Erlebnispädagogik für eine Metho-de, andere für eine pädagogische Denkweise und wieder anderen glauben, darin einen Lebensstil und eine Philosophie zu finden. Sie hat Einzug in unterschiedlichs-te Bereiche des öffentlichen Lebens erhalten: in der kirchlichen und offenen Jugend-arbeit, im Freizeitbereich oder in der Erwachsenenbildung. Auf der Suche im Dschungel der Literatur zu Hintergrundinformationen von erlebnispädagogischen Konzepten und Modellen, wird man stets – früher oder später - auf die Person Kurt HAHN stossen. Er gilt als Wegbereiter der der Erlebnispädagogik (Outward Bound-Erziehung) und Mitbegründer verschiedener Internate im In- und Ausland. Schnell wird klar, dass Kurt HAHN keine Theorie der Erlebnispädagogik entwickelt hat, er gibt lediglich praktische Hinweise und plausible Begründungen und erzeugt so eine Öffentlichkeitswirksamkeit wie kein Zweiter.
In dieser Arbeit möchte ich versuchen die pädagogischen Gedanken Kurt HAHNs, als Entwickler der Erlebnistherapie herauszustellen, sowie die praktische Umsetzung seines Konzepts näher zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung zum Thema
2 Geschichte der Erlebnispädagogik
2.1 Jean-Jacques Rousseau
2.2 Henry David Thoreau
2.3 John Dewey
3 Kurt Hahn – Pädagoge, Berater, Mahner, Politiker
4 Kurt Hahns Begriff der Erlebnistherapie
4.1 Die drei Stufen der Hahnschen Erlebnistherapie
4.2 Die drei Dimensionen der Erziehung zur Verantwortung
5 Umsetzung in den Kurzschulen
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Erlebnispädagogik mit einem besonderen Fokus auf die pädagogischen Ansätze von Kurt Hahn. Das primäre Ziel ist es, Hahns Konzept der „Erlebnistherapie“ theoretisch einzuordnen und dessen praktische Umsetzung in den sogenannten Kurzschulen sowie deren Bedeutung für die moderne Pädagogik darzulegen.
- Historische Vordenker der Erlebnispädagogik (Rousseau, Thoreau, Dewey)
- Biografische und pädagogische Einordnung von Kurt Hahn
- Systematik der Hahnschen „Erlebnistherapie“
- Die Drei-Stufen-Lehre und das Prinzip der Erziehung zur Verantwortung
- Organisationsform und globale Verbreitung der Kurzschulen (Outward Bound)
Auszug aus dem Buch
4 Kurt Hahns Begriff der Erlebnistherapie
Nach der Vorstellung Kurt HAHNs bilden Lernen, Arbeiten, Kunst, Spiel, Sport und Feier eine Einheit. Diese lässt sich nur im Konzept der Kurzschulen nach seinem Modell verwirklichen, da in ihnen erst die Möglichkeit gegeben ist, in erlebnistherapeutischer Weise auf die Persönlichkeitsentwicklung der in Langeweile lebenden Jugendlichen einzuwirken. HAHN nannte seine Erziehungseinrichtungen daher auch „pädagogische Werkstätten“, die durch eine sozial und national gemischte Belegschaft Schulen der Verständigung und des Friedens sein. Seine Internate sollten keine Familie im Großen wiederspiegeln sondern vielmehr einen Staat im Kleinen. So spricht Kurt HAHN sich nicht direkt gegen die Familie aus,
„er hielt jedoch die Familienbande für zufällig, weil hineingeboren, während Beziehungen, die freiwillig eingegangen werden, vielfach auf der gemeinsamen Basis von gleichen Aufgaben oder Zielen operieren.“
Der Begriff Therapie in Verbindung mit Pädagogik mag im ersten Augenblick etwas verwundern. Jedoch entlieh Kurt HAHN oft Begriffe aus der Medizin (heilen, gesund, krank, Diagnose, Therapie, Seuche, immun machen). So diagnostizierte er der Gesellschaft folgende Verfallserscheinungen:
• der „Mangel an menschlicher Anteilnahme“ Durch Sensationskonsum und Reizüberflutung haben Selbstgefühl und Mitgefühl keinen Platz mehr in der Gesellschaft; Menschenliebe und eigenverantwortliches Handeln verkümmern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hinführung zum Thema: Einleitung in die Bedeutung der Erlebnispädagogik im Kontext reformpädagogischer Modelle und Vorstellung der zentralen Figur Kurt Hahn.
2 Geschichte der Erlebnispädagogik: Überblick über die historischen Wurzeln durch die Vordenker Jean-Jacques Rousseau, Henry David Thoreau und John Dewey.
3 Kurt Hahn – Pädagoge, Berater, Mahner, Politiker: Darstellung der Biografie und der vielfältigen Rollen Kurt Hahns sowie seiner internationalen Wirkungsstätten.
4 Kurt Hahns Begriff der Erlebnistherapie: Analyse der von Hahn diagnostizierten gesellschaftlichen Defizite und der daraus entwickelten erlebnistherapeutischen Konzepte.
5 Umsetzung in den Kurzschulen: Erläuterung der Organisationsform der Kurzschulen und der Bedeutung der Wertepädagogik nach Kopf, Herz und Hand.
6 Schlussbetrachtung: Kritische Würdigung der Erlebnispädagogik als handlungsorientiertes Bildungsmodell und Mahnung zur Qualitätswahrung.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Kurt Hahn, Erlebnistherapie, Kurzschulen, Outward Bound, Reformpädagogik, Erziehung zur Verantwortung, Handlungsorientierung, Lernen durch Tun, Persönlichkeitsentwicklung, Wertepädagogik, Sozialpädagogik, Geschichte der Pädagogik, ganzheitliche Erziehung, Zivilcourage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung und die pädagogischen Grundlagen der Erlebnispädagogik unter besonderer Berücksichtigung des Wirkens von Kurt Hahn.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historischen Vordenker, die biografische Einordnung Hahns, sein Konzept der Erlebnistherapie sowie die praktische Implementierung in den Kurzschulen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die pädagogischen Gedanken Kurt Hahns als Entwickler der Erlebnistherapie herauszuarbeiten und die praktische Umsetzung seines Erziehungskonzepts näher zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse der einschlägigen fachwissenschaftlichen Quellen zur Erlebnispädagogik und zu Kurt Hahn basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung durch Pioniere, die Biografie Hahns, die theoretische Fundierung seiner Erlebnistherapie und die konkrete Ausgestaltung der Kurzschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Erlebnispädagogik, Kurt Hahn, Erlebnistherapie, Kurzschulen, Outward Bound und Erziehung zur Verantwortung.
Warum verwendet Kurt Hahn medizinische Begriffe wie „Therapie“?
Hahn nutzte medizinische Begriffe, um den „Verfallserscheinungen“ der Gesellschaft (wie etwa der „Seuche der Schlamperei“) eine heilsame pädagogische Gegenbewegung entgegenzusetzen.
Was unterscheidet das „Outward Bound“-Konzept von anderen Ansätzen?
Es basiert auf dem Prinzip der Erziehung zur Verantwortung durch reale Herausforderungen in der Natur, wobei das Ziel nicht nur das Erlebnis selbst, sondern die charakterbildende Wirkung für das spätere Leben ist.
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- Dipl.-Päd. Alexander Geldmacher (Author), 2004, Die Geschichte Erlebnispädagogik - Eine Betrachtung der Historie unter besonderer Berücksichtigung Kurt Hahns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73276