Determination im Woyzeck - Woyzecks Passivität im Kontext der Obrigkeit


Seminararbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Büchners anthropologischer Neuansatz im Woyzeck

2 Elemente des gesellschaftlichen Systems der Determination
2. a Woyzeck – Ein Mensch als Objekt
2. b Die Rolle des Militärs: Woyzecks Verhältnis zum Hauptmann
2. c Die Rolle der Wissenschaft: Woyzecks Verhältnis zum Doktor
2. d Die Rolle von Maries Untreue: Die Psychose in ihrer destruktiven Endphase

3 Reflexionslosigkeit und Passivität: Woyzeck als Gefangener des Systems

Anhang
I Literaturverzeichnis
I. a Primärliteratur
I. b Sekundärliteratur
II Selbständigkeitserklärung

1 Büchners anthropologischer Neuansatz im Woyzeck

Georg Büchner ist in vielerlei Hinsicht ein Grenzüberschreiter. Seine ästhetischen und anthropologischen Neuansätze, denen er auch seine Sonderposition innerhalb der zeitgenössischen Literatur verdankt, machen gerade seine ungebrochene Modernität aus, begünstigen aber auch Kontroversen in der Forschungsdiskussion. Nicht zuletzt aufgrund der schlechten Überlieferungslage, wodurch große editorische Eingriffe vonnöten sind, und der politischen Inanspruchnahme des Woyzeck, reicht die Spannweite der Interpretationen dieses Textes voller Zuspitzungen und Extreme - bis heute - von einem revolutionären Proletarierdrama über eine soziale Mitleidstragödie bis hin zu einem nihilistischen, existentialistischen oder gar religiösen Drama. Prinzipiell scheiden sich die Interpreten an der Frage, was Woyzeck zur Tötung Maries trieb. Versuche auf metaphysischer Deutungsbasis, die soziale Komponente der Tat bzw. der gesamten Tragödie abzuschwächen oder zu negieren, werden immer wieder unternommen, erfassen allerdings keinesfalls das dramatische Fundament des Stücks[1]. Diejenigen Interpreten, die sich richtigerweise auf den gesellschaftskritischen Gehalt des Woyzeck besinnen, umreißen diesen aber auch nur unzureichend und berufen sich (teilweise sogar ohne Textbelege) auf nebulöse soziale Umstände.

Büchner wagt im Woyzeck unverkennbar einen radikal neuen Blick auf den Menschen, nämlich einen sozial unverklärten Blick auf den Menschen als Objekt. Er macht – bis ins Extreme gesteigert in der Figur Woyzecks – Schluss mit der Subjektkonzeption der Aufklärung, destruiert die Idee von freiem Willen sowie sittlicher Autonomie[2] und bindet seine Protagonisten und die Institutionen, die sie repräsentieren, in das System der Determination ein, in welchem sie nicht frei handeln und aus dem sie sich auch nicht befreien können. In der Figur des Paupers Woyzeck werden die verschiedenen Abhängigkeitsverhältnisse besonders deutlich aufgrund seiner materiellen Notlage, die ihn von Job zu Job und schließlich in die manifeste Psychose treibt. Doch nicht nur an ihm realisieren sich die gesellschaftlichen Mächte, auch Doktor und Hauptmann, selbst Vertreter des Systems, funktionieren in dessen Sinne, haben keine Identität oder Individualität mehr. In dieser kompromisslosen Inanspruchnahme des Subjekts für die Gesellschaft bzw. vielmehr Herrschaft wird das Bewusstsein getilgt und Reflexion unmöglich. Einzig Marie scheint hier noch nicht vollkommen in mechanischer Passivität verhangen zu sein.

Determination scheint mir einer der herausragenden Faktoren im Ursachenkomplex, der Woyzeck zum Mord trieb, zu sein. Büchner formulierte in einem Brief an die Eltern treffend, dass „es in Niemands Gewalt liegt, kein Dummkopf oder kein Verbrecher zu werden, [...] weil die Umstände außer uns liegen.“[3]. Diese soziale Wurzel von Woyzecks Zwangslage gilt es zu präzisieren, so dass die Determinationsthese nicht, wie dies so oft geschieht, zur hohlen Phrase verkommt. Hierbei werden zuerst die einzelnen Elemente der Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnisse, die Woyzeck physisch und psychisch zugrunde richten und kriminalisieren, betrachtet. Im Fokus werden der Hauptmann als Repräsentant des Militärs und der Doktor als Repräsentant einer neuen Wissenschaftskonzeption stehen. In einem Exkurs zum Verhältnis Woyzecks zu Marie soll das Aufdecken der Untreue als auslösendes Moment für die Tat herausgestellt werden, da hier Woyzecks Grenze des Ertragbaren überschritten wird. Nach diesen Untersuchungen kann das tragische Fundament des Stücks, das Herrschaftssystem als System der Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung[4] entlarvt und im Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Hier werden dann ebenso Erklärungen für die Reflexionslosigkeit und Passivität Woyzecks als Folge zentraler Problematiken gegeben.

2 Elemente des gesellschaftlichen Systems der Determination

2. a Woyzeck – Ein Mensch als Objekt

Vor Beginn der Detailanalysen müssen zunächst Woyzecks Existenzbedingungen näher beleuchtet und zugleich grundlegende Mechanismen des Systems aufgedeckt werden.

Woyzeck ist zweifellos die erste quasi proletarische Hauptfigur der deutschen Dramengeschichte[5], die in dieser Stringenz bis hin zum verdinglichten Wesen dargestellt ist. Woyzeck ist eben gerade nicht der Idealtyp des selbstverantwortlichen Bürgers, kein selbstbewusst entscheidendes oder irgendwie handlungsfähiges Individuum, wie dies gern vorschnell behauptet wird[6]. Schon allein Woyzecks Dasein als Soldat, der zu gehorchen und zu dulden hat, ist eine Karikatur hierauf, die „unterst Stuf von menschliche Geschlecht“[7] und völlig entselbstet, somit wehrlos. Außerdem handelt es sich bei Woyzeck bestimmt nicht um die Darstellung eines Einzelschicksals[8], seine Lebensumstände verkörpern eher exemplarisch ein Massenelend zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Einsetzen des Gesellschaftsumbruchs hin zum Frühkapitalismus. Unter diesem Blickwinkel scheint auch die These, dass Woyzecks eigentlicher Gegenspieler der Tambourmajor oder eine sonstige Einzelperson sei[9], abwegig. Poschmann stellt hier exponiert fest, dass „Woyzecks Schicksal [...] nicht entscheidend abhängig von einer bestimmten Person [ist]. Seine Situation ergibt sich aus einer zunehmenden Zahl von Abhängigkeitsverhältnissen.“[10] Pauschal formuliert ist Woyzecks Gegenspieler die Gesellschaft, die ihn über ihre Vertreter restlos ausbeutet[11]. Er ist umstellt von mehr oder weniger Bessergestellten (Hauptmann, Doktor, Professor und selbst noch der Tambourmajor), die alle keine persönlichen Antagonisten und nur im Bündel wirksam sind. Ihr spezielles Interesse an ihm ist gepaart mit menschlicher Gleichgültigkeit[12].

Warum aber ist Woyzeck ein Werkzeug der Mächte, absolut außenbestimmt? Ursache (und Folge) ist seine Armut oder vielmehr sein Elend, das offensichtlich oder implizit allgegenwärtig ist. Das ist sozusagen die tragische Prämisse. Woyzeck selbst hat sich als Pauper erkannt und verbalisiert dies wiederholt mit „Wir arme Leut!“[13], „wir gemeinen Leut“[14] oder „Aber ich bin ein armer Kerl.“[15]. Auch das uneheliche Kind ohne Wiege[16] ist Ausdruck der Armut, da sich Woyzeck und Marie eine Heirat nicht leisten können. Unterschwellig ist die Mittellosigkeit ebenso daran abzulesen, dass Marie nur ein „Stückchen Spiegel“[17] besitzt, Woyzeck in all den Jahren bloß ein Unterhemd erwirtschaftet hat[18] und schließlich noch das billigere Messer statt einer Pistole kaufen muss[19].

Diese Not zwingt Woyzeck in das System der Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung. Er muss sich als Soldat, Gelegenheitsarbeiter und Versuchsobjekt verdingen, um das Existenzminimum zu halten. Die Unterdrückung bzw. Demütigung durch seine Herren (Hauptmann und Doktor) folgt einer Ökonomie der Ausbeutung, die ihn als Ware verwertet und zum Mittel ihrer Interessen macht. Insofern ist die Folge von Woyzecks Armut entfremdete Arbeit, die ihn und seine Familie am Leben erhalten soll, ihm dieses Leben aber paradoxerweise raubt. Woyzecks Lebensumstände, Bewusstseinsverfassung und seine automatisierten Reaktionen sind durchdrungen von den Knechtschaftsverhältnissen, in denen er lediglich vegetiert. Es gibt letztendlich keine herrschaftsfreie Zone in seinem Leben, er wird sozusagen auf der Ebene des Militärs, der Wissenschaft und allgemein der herrschenden Ideen (von Moral und Philosophie) konzentrisch angegriffen[20]. Woyzeck kann sich schon allein nicht in einen etwaigen privaten Innenraum mit Marie zurückziehen, weil ihm die Zeit zur Besinnung fehlt oder genommen wird[21]. Er findet „kein Ruh“[22], läuft „wie ein offnes Rasiermesser durch die Welt“[23] und es gibt keine Szene, an deren Ende er nicht völlig gehetzt davoneilt[24]. Auch die kurzen, gerafften Szenen entsprechen Woyzecks Gehetztheit, die höchstens abrupt zwangsweise durch den Hauptmann unterbrochen wird, der sich diese als Störung seiner Ruhe verbittet[25]. Die Hetze ist neben Woyzecks Sprachnot, Abmagerung, Mangelerscheinungen, Zittern, seinem unregelmäßigen Puls, seinem Kräfteverfall, der Desorientierung, Passivität und der latenten Psychose (Visionen, Halluzinationen, Wahnbilder) ein Symptom entfremdeter Arbeit[26]. Hinzu kommt, dass Woyzecks Ich-Aussagen fast gänzlich zurückgedrängt sind bzw. immer „sollen“ oder „müssen“[27] enthalten. In seiner Sprache spiegelt sich die subtile Kontrolle seiner Gedanken oder vielmehr die Bewusstseinslenkung und -verödung. Er ist also, wie alle anderen Figuren des Stücks auch, schon durch sein Sprachmilieu gekennzeichnet.

Bezeichnenderweise sind Hauptmann und Doktor als Vertreter des Systems, von dem sie selbst determiniert sind, auswechselbare Repräsentanten bürgerlicher Institutionen. Woyzecks Situation ergibt sich also nicht aus einer zufälligen Konstellation, sondern aus der strukturellen Macht des Systems[28].

2. b Die Rolle des Militärs: Woyzecks Verhältnis zum Hauptmann

Die Figur des Hauptmanns wird oftmals in seiner Herrschaft über Woyzeck unterschätzt oder als harmlose Variante des selbstgefälligen Melancholikers verkannt[29]. Dies vielleicht deshalb, weil im Hauptmann Züge vorgetäuschter Freundschaft sowie Kameradschaftlichkeit anklingen[30], weil er seine Macht subtiler und unspektakulärer, deshalb aber nicht weniger wirkungsvoll als der Doktor, ausübt, weil man hinter ihm das Militärregiment, das letztendlich nur durch seine Person repräsentiert wird, als grundlegende Wirklichkeit Woyzecks übersieht oder es angesichts des eher unmilitärisch melancholischen Charakters des Hauptmanns als nicht so streng erachtet. Allerdings muss festgehalten werden, dass der Hauptmann nur so lange anscheinend vertraulich ist, wie seine Position als Vorgesetzter Woyzecks unberührt bleibt, sonst geht er in offene Drohungen wie „Kerl, will Er erschoß, will <Er> ein Paar Kugeln vor den Kopf hab<en?>“[31] über. Seine Sprache ist in Wahrheit voller Herablassung. Der Hauptmann ist also nicht so harmlos, wie er verdächtigerweise mit der Beteuerung seiner Gutmütigkeit ständig vorgibt. So fordert er beispielsweise Woyzeck immer auf, nicht so zu hetzen, obwohl er selbst ein Verursacher dieser Hetze ist. Sein quasi patriarchalisches Verhältnis zu Woyzeck[32] setzt die völlige Entmündigung eigentlich schon voraus. Gerade durch den jovialen Charakter des Hauptmanns tritt deutlich hervor, dass die ruinöse Wirkung des Militärs nicht nur von seiner Person ausgeht, sondern strukturell und damit eindeutig ein Herrschaftsinstrument ist[33]. Man darf sich vom Schein einer verträumten Garnisonsstadt, eines sich langweilenden Offiziers und einer idyllisch anmutenden Rasierszene nicht über Zweck und Charakter des in fast allen Szenen (offen oder verdeckt) präsenten Militärs täuschen lassen.

Man muss sich zunächst die Funktion Woyzecks im Militär vor Augen halten. Er hat für Ruhe und Ordnung zu sorgen, im Ernstfall sogar auf seinesgleichen zu schießen[34]. Das Militär sieht in dem Soldaten Woyzeck eigentlich nur eine Nummer, die er schließlich als seine Identität annimmt, wenn er in der so genannten Testamentszene verliest: „Friedrich Johann Franz Woyzeck, geschworner Füsilier im 2. Regiment, 2. Bataillon, 4. Compagnie...“[35]. Woyzecks Tagesablauf ist durch die militärischen Vorschriften streng geregelt bzw. gar mechanisiert: Ödes Wacheschieben, termingerechtes Antreten zum Appell oder zum Salutieren, der allgegenwärtige Druck der Militärdisziplin, automatisiertes Exerzieren und nebenher noch Stöcke schneiden, Rasieren und Wein holen für den Hauptmann. Diese Arbeiten erscheinen fälschlicherweise leicht, aber in der Summe haben sie zwanghaften und entfremdenden Charakter. Folge oder vielmehr Zweck des militärischen Drills ist es nämlich, Gefühle abzutöten, den Eigenwillen zu brechen, das Bewusstsein abzuschalten, so dass der Soldat auf seine bloßen Reaktionen und Reflexe reduziert werden kann[36]. Diese seelische Verödung oder Mechanisierung, diese Degradierung zum Automaten ist ein Hauptgrund von Woyzecks Bewegungslosigkeit.

Ich denke, dass man nur vor diesem Hintergrund die Figur des Hauptmanns als Repräsentant dieses entmenschenden Militärs und dessen Beziehung zu Woyzeck richtig beurteilen kann. So ist beispielsweise Woyzecks deformierte Kommunikation, sein stereotypes „Ja wohl, Herr Hauptmann.“[37] Folge seiner seelischen Deformierung und belegt eindrucksvoll, wie Woyzeck diese Außenlenkung verinnerlicht hat. Dieser Gestus der Unterordnung Woyzecks ist sogar die erste Reaktion auf die Untreuanspielungen und dringt auch in das Gespräch mit dem Doktor ein[38]. Woyzeck muss, ausgeliefert durch seine Mittellosigkeit und unter Androhung drakonischer Strafen, worauf das Schneiden der Stöcke womöglich verweist[39], dem militärischen Kommando tatsächlich und sprachlich folgen. Diese Einseitigkeit der Kommunikation, die zum Aneinandervorbeireden gerät, spiegelt das massive Abhängigkeitsverhältnis Woyzecks zum Hauptmann wider.

Die Namenlosigkeit des Hauptmanns bezeugt, worüber Einigkeit in der Forschung herrscht, seinen Status als Scheincharakter, als Marionette oder als Charaktermaske, wie Glück treffend formulierte[40]. Er repräsentiert in seiner Austauschbarkeit die lächerliche Karikatur der herrschenden Klasse und deren bürgerlichen Normen bzw. Einstellungen. Die von ihm reproduzierten Werte wie Tugend, Vernunft und Selbstbeherrschung werden in ihrer gehaltlosen Form ironisiert und kritisiert. Sie sind hier groteske Attrappe gehüllt in pseudophilosophische Terminologie. Der Stil der Typisierung bei der Charakterisierung des Hauptmanns als Vertreter des feudalistischen Systems wird hier genutzt, um ihn in seiner eitlen Machtausübung zu entlarven. Sein Diskurs über Tugend gerät zugespitzt in der Tautologie „Moral das ist wenn man moralisch ist, versteht Er.“ zur Phrase bürgerlicher Aufklärung. Deshalb protestiert der Hauptmann auch nicht gegen den Menschenversuch an Woyzeck, obwohl er ihm gegenüber auf seine Werte pocht. Insofern entpuppt sich seine Moral, die herrschende Moral, auch als ein Instrument der Herrschaft und Woyzeck bewundert diese auch noch[41]: „[...] aber wenn ich ein Herr wär [...] ich wollt schon tugendhaft sein. Es muß was Schöns sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl.“[42] Damit erkennt Woyzeck die Tugend seiner Herren an, argumentiert dementsprechend defensiv und begründet, warum er sie nicht erfüllen könne. Somit akzeptiert er die herrschende Moral, diesen abstrakten Idealismus, dem er aus seinen realen Existenzbedingungen heraus gar nicht nachkommen kann, als auch sein Dasein als Knecht als Notwendigkeit. Zusätzlich beschuldigt der Hauptmann Woyzeck noch, seine Hetze selbst verschuldet zu haben, sozusagen aus freiem Willen und nicht etwa aus Not heraus: „Woyzeck Er sieht immer so verhetzt aus. Ein guter Mensch tut das nicht [...].“ und „Aber du denkst zuviel, das zehrt, du siehst immer so verhetzt aus.“[43]

[...]


[1] Zu nennen sind hier wohl Baumann 1976; Kobel 1974 sowie Schneider 1994.

[2] Zur Auseinandersetzung Büchners mit den zeitgenössischen Sinnentwürfen und deren Dekonstruktion im Woyzeck vgl. Jakobi 1999, S. 216-233.

[3] Büchners Brief aus Gießen an die Familie nach Darmstadt im Februar 1834, zit. nach Poschmann 2006, Bd. 2, S. 378.

[4] Vgl. Glück 1984a, S. 167-226. Glück hat hier und in seinen weiteren Analysen am detailliertesten die Umstände herausgearbeitet. Allerdings erscheinen mir seine Ambitionen, das Drama „weiter zu schreiben“ oder es als Revision des real-historischen Prozesses an Woyzeck zu interpretieren, höchst spekulativ. Vgl. hierzu Glück 1984b, S. 241ff.; 1985a, S. 152; 1990, S. 203.

[5] Vgl. Hauschild 1993, S. 547; Rosshoff 1982, S. 161.

[6] Vgl. Kobel 1974, S. 278ff. Er gesteht Woyzeck, soweit ich das überblicken kann, am entschiedensten unter den Gegnern der Determinationsthese Willensfreiheit, autonome Vernunft und Entscheidungsmöglichkeit zu. Daher schlussfolgert Kobel, dass Woyzeck definitiv ein berechnender Mörder ist, schon allein weil er den Messerkauf und die Führung Maries vor die Stadt geplant habe. Dem muss ich entschieden widersprechen, da die Argumente recht oberflächlich und, wie sich noch zeigen wird, auch falsch angewendet sind, weil der Kauf des billigeren Messers ein Indiz (unter mehreren) für Woyzecks Armut ist, die ihn erst in all seine Zwangshandlungen treibt. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint mir dieser Akt nicht als Beweis für Woyzecks Autonomie.

[7] H1,1 bzw. H3,3, S. 150, Z. 11f. Ich beziehe mich hier und im Folgenden auf die kombinierte Werkfassung von Poschmann 2006, Bd. 1, S. 145-173 und dessen Kommentar S. 675-790.

[8] Vgl. Abutille 1969, S. 121.

[9] Vgl. Abutille 1969, S. 125.

[10] Poschmann 2004, S. 142.

[11] Vgl. Dedner 1988/89, S. 167.

[12] Vgl. Poschmann 2004, S. 143.

[13] H3,4, S. 154, Z. 15 sowie in H3,5, S. 155, Z. 34.

[14] H3,5, S. 156, Z. 13.

[15] H3,5, S. 156, Z. 19.

[16] In H3,4, S. 154, Z. 13 deutet alles darauf hin, dass das Kind auf einem Stuhl schläft.

[17] H3,4, S. 153, Z. 18.

[18] In H3,17, S. 167, Z. 17 erfährt man, dass das „Kamisolchen“ nicht zur Armeeausrüstung gehört und somit sein Eigentum ist.

[19] Vgl. H3,15, S. 166, Z. 11ff.

[20] Vgl. Glück 1984a, S. 171f. Zur Rolle der herrschenden Ideen sowie Ideologie, Indoktrination und Desorientierung des Bewusstseins vgl. Glück 1985b, S. 52-138.

[21] Vgl. Braun 2002, S. 119; Kitzbichler 1993, S. 148.

[22] H3,10, S. 162, Z. 25.

[23] H2,7 bzw. H3,9, S. 160, Z. 2f.

[24] Beispielhaft seien hier H3,1, S. 147, Z. 27; H3,2, S. 149, Z. 14; H3,4, S. 154, Z. 19 usw. genannt.

[25] Vgl. Dedner 1988/89, S. 168.

[26] Vgl. Glück 1984a, S. 214. Die entsprechenden Symptome sind in H3,1, S. 147, Z. 4-8 und 21-24; H4,1, S. 152, Z. 20 und 31-34 sowie S. 153, Z. 1; H3,8, S. 158, Z. 16-19; H3,13, S. 164, Z. 27-30 usw. zu finden.

[27] Exemplarisch sei hier H3,12, S. 164, Z. 21f. genannt.

[28] Vgl. Glück 1985a, S. 165.

[29] Vgl. Kitzbichler 1993, S. 126.

[30] Vgl. Dissel 2005, S. 194.

[31] H2,7 bzw. H3,9, S. 160, Z. 32f.

[32] Vgl. Poschmann 2004, S. 142.

[33] Vgl. Glück 1984b, S. 235.

[34] Vgl. Glück 1984b, S. 229.

[35] H3,17, S. 167, Z. 29ff.

[36] Vgl. Glück 1984b, S. 230ff.

[37] H3,5, S. 154, Z. 33 sowie S. 155, Z. 9 und 19.

[38] Vgl. H2,7 bzw. H3,9, S. 160, Z. 16; H3,8, S. 158, Z. 25 und 30.

[39] Hierauf weisen Poschmann 2006, Bd. 1, S. 742 und Glück 1984b, S. 234 hin. Falls diese Vermutung stimmt, wird Woyzeck hier mit dem Stöckeschneiden exponiert beim Ausführen einer maßlos entfremdeten Arbeit gezeigt.

[40] Vgl. Glück 1985a, S. 165.

[41] Vgl. Glück 1985b, S. 68ff.

[42] H3,5, S. 156, Z. 14-18.

[43] H3,5, S. 155, Z. 10f. und S. 156, Z. 20f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Determination im Woyzeck - Woyzecks Passivität im Kontext der Obrigkeit
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik )
Veranstaltung
Seminar: Georg Büchner - Leben und Werk
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V73295
ISBN (eBook)
9783638741880
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt mit der Determination Woyzecks. Es werden seine freiheitsraubenden Umstände anhand seiner Beziehungen zum Hauptmann und zum Doktor detailliert herausgestellt. Hauptmann und Doktor werden ebenfalls als determinierte Figuren analysiert. Woyzecks Beziehung zu Marie wird abschließend kurz angerissen,um die Auswirkungen der Determination transparent zu machen.
Schlagworte
Determination, Woyzeck, Woyzecks, Passivität, Kontext, Obrigkeit, Seminar, Georg, Büchner, Leben, Werk
Arbeit zitieren
Anne-Katrin Otto (Autor), 2007, Determination im Woyzeck - Woyzecks Passivität im Kontext der Obrigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73295

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