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Gesprächssequenezen, mit besonderer Berücksichtigung von Frage-Antwort-Sequenzen im Anamnesegespräch

Title: Gesprächssequenezen, mit besonderer Berücksichtigung von Frage-Antwort-Sequenzen im Anamnesegespräch

Seminar Paper , 2007 , 39 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anne-Katrin Otto (Author)

German Studies - Linguistics
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Da das Gespräch einen komplexen Interaktionsprozess darstellt, betrachtet die Dialog-linguistik meist nicht nur die einzelnen isolierten, kontextfreien Äußerungen, sondern Gesprächssequenzen, also die Einheiten eines Gesprächs, die sich aus einander bedingenden und aufeinander bezogenen Gesprächsschritten zusammensetzen. Diese Gesprächssequenzen bilden die nächsthöhere strukturelle Einheit nach Gesprächsschritten und gehören somit nach den Kategorien von Henne/ Rehbock zur mittleren Ebene des Gesprächs.
Die Sequenzstruktur bzw. sequentielle Ordnung - der prinzipielle Paarcharakter von Gesprächsbeiträgen - ist ein spezifisches Merkmal des Dialogs: Turns haben einen Bezug zum vorangegangenen und zum folgenden Turn und bilden so Sequenzen.
Manche Sequenzen, v. a. der Gesprächseröffnungs- und Beendigungsphase, sind stark ritualisiert , andere eröffnen hingegen Handlungsalternativen.
Gesprächssequenzen lassen sich auf mehreren sprachtheoretischen Ebenen beschreiben, wie u. a. kommunikativ-pragmatisch, semantisch-thematisch und grammatisch-syntaktisch. Nach Betrachtungen zu Initiierung, Respondierung, Sequenzmustern wie der Paarsequenz, sowie deren inhaltliche, beziehungsrelevante und grammatische Verknüpfungen im Allgemeinen sollen anschließend die Erkenntnisse aus der Alltagskommunikation zu Gesprächssequenzen speziell für die medizinische Arzt-Patienten-Interaktion abstrahiert und exemplarisch an den typischen Frage-Antwort-Sequenzen in einem anamnestischen Gespräch im Krankenhaus untersucht werden. Vor allem die institutionelle Prägung dieses Fachkommunikationstyps als auch die Strategien der Dialogsteuerung durch das ärztliche Fragen werden hierbei erhellt.

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Inhaltsverzeichnis

1 Zum Verhältnis benachbarter Gesprächsbeiträge

2 Zur generellen Problematik der Gesprächssequenzen

2. 1 Zum kommunikativen Status einzelner Gesprächsbeiträge: Initiierung vs. Respondierung

2. 2 Die Gesprächssequenz als kommunikativ-funktionale Einheit: Paarsequenzen, bedingte Relevanz, Sequenzmuster

2. 3 Zur inhaltlichen Verknüpfung von Gesprächsbeiträgen: Responsivität und Themenentfaltung

2. 4 Zur interaktiven Funktion von Gesprächssequenzen

2. 5 Zur grammatischen Verknüpfung von Gesprächsbeiträgen

3 Gesprächssequenzen im Arzt-Patienten-Gespräch

3. 1 Zur generellen Problematik medizinischer Kommunikation

3. 2 Die Anamnese – ein verhinderter Dialog?

3. 3 Ein alltäglicher Fall – Gesprächsanalyse einer Anamnese

3. 4 Erklärungsansätze des Redeverhaltens von Arzt und Patient

4 Alltagskommunikation vs. Arzt-Patienten-Kommunikation (?)

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Struktur von Gesprächssequenzen, insbesondere im Kontext von Frage-Antwort-Sequenzen in medizinischen Anamnesegesprächen, um die in der Forschung oft pauschal unterstellte Asymmetrie und Unterdrückung des Patienten durch den Arzt kritisch zu hinterfragen.

  • Grundlagen der sequentiellen Ordnung und Gesprächsbeiträge
  • Kommunikative Funktionen von Paarsequenzen und Responsivität
  • Arzt-Patienten-Interaktion als institutioneller Fachkommunikationstyp
  • Gesprächsanalyse einer stationären klinischen Anamnese
  • Diskussion über Rederechtverteilung und Rollennormen

Auszug aus dem Buch

3. 3 Ein alltäglicher Fall – Gesprächsanalyse einer Anamnese

Die 77-jährige Patientin wurde wegen starken Schwindels und Verdacht auf einen kleinen Schlaganfall in das Krankenhaus eingeliefert und bereits in der Aufnahme anamnestisch befragt. Das zu analysierende Gespräch stellt nun die zweite Anamnese auf der Station dar. Die Stationsärztin nimmt sich, wie die lange Dauer des Gesprächs beweist, sehr viel Zeit für eine intensive Befragung, räumt der Anamnese also einen hohen Stellenwert ein, da hierauf die Diagnose und Behandlung aufbaut.

Das normierte Ablaufschema der Anamnese wird von der Ärztin in seinen thematischen Einheiten dem aktuellen Gespräch angepasst. So entfaltet die Ärztin zu Beginn über eine Art alltäglichen Prädiskurs zum letzten Krankenhausaufenthalt der Patientin ausgehend vom „Schachterl von der Marien-Klinik“ (Fläche (Fl.) 2-9) die Allgemeinanamnese mit dem Subbereich Medikation (Fl. 10-18). Interessant ist hierbei, dass die Bereiche Medikation und Allergien gewöhnlich zusammen abgefragt werden, hier allerdings der Komplex der Allergien erst viel später abgehandelt wird (beginnend Fl. 41). Die Ärztin verbalisiert sogar die Zusammengehörigkeit dieser Bereiche mit „Okay. Die Medikamente ham Sie mir schon gesagt. Sind Sie allergisch gegen irgendwelche Substanzen?“ (Fl. 41f.), adaptiert aber den Gesprächsplan, der durch eine Art Befragungstabelle vorgegeben ist. Sie durchbricht also schon von Anfang an das feste Schema und kann so individueller befragen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Zum Verhältnis benachbarter Gesprächsbeiträge: Einführung in die Grundlagen der Dialoglinguistik und die Definition von Gesprächssequenzen als mittlere Ebene des Gesprächs.

2 Zur generellen Problematik der Gesprächssequenzen: Theoretische Auseinandersetzung mit Initiierung, Respondierung, Paarsequenzen und der funktionalen sowie grammatischen Verknüpfung von Beiträgen.

3 Gesprächssequenzen im Arzt-Patienten-Gespräch: Analyse der institutionellen Bedingungen medizinischer Kommunikation, der Rolle der Anamnese und Untersuchung einer konkreten Fallanamese.

4 Alltagskommunikation vs. Arzt-Patienten-Kommunikation (?): Kritische Reflexion der Unterschiede zwischen Alltag und institutionellem medizinischen Gespräch sowie Ausblick auf zukünftige Forschung.

Schlüsselwörter

Gesprächssequenzen, Dialoglinguistik, Arzt-Patienten-Kommunikation, Anamnese, Paarsequenzen, Responsivität, Interaktionsanalyse, Gesprächsanalyse, Rederecht, Institutionelle Kommunikation, Frage-Antwort-Sequenzen, Gesprächskohärenz, Gesprächsorganisation, Medizinische Fachkommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sequentiellen Strukturen von Gesprächen, mit einem speziellen Fokus auf die Frage-Antwort-Dynamik in ärztlichen Anamnesegesprächen im Krankenhaus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Interaktionsstrukturen (Paarsequenzen), die funktionale Verteilung von Initiierung und Respondierung sowie die Frage, inwieweit institutionelle Zwänge die Kommunikation beeinflussen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die gängige Forschungsmeinung zu hinterfragen, die dem Arzt in der Anamnese eine massive, teils „deformierende“ Dominanz zuschreibt, und stattdessen die kooperativen Anteile des Patienten und der Ärztin herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine linguistische Gesprächsanalyse angewendet, gestützt durch die Auswertung eines Transkripts einer realen stationären Anamnese.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gesprächssequenzen und deren Anwendung auf das medizinische Fachgespräch, inklusive einer detaillierten Analyse eines Gesprächstranskripts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Gesprächssequenzen, Anamnese, Arzt-Patienten-Kommunikation, Responsivität, institutionelle Kommunikation.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Arztes in der Anamnese?

Die Autorin relativiert die These der totalen Entmündigung des Patienten und betont, dass die Dominanz des Arztes durch das institutionelle Ziel und die Wissensdefizite des Patienten erklärbar und oft kooperativ gestaltet ist.

Welche Bedeutung haben Präsequenzen in dem untersuchten Anamnesegespräch?

Die Ärztin nutzt Präsequenzen, um ihre Strukturvorgaben für die Patientin transparent zu machen, was als Indikator für eine kooperative und vertrauensvolle Gesprächsführung gewertet wird.

Inwieweit spielt das „Alltagsmuster“ eine Rolle im medizinischen Gespräch?

Das untersuchte Gespräch zeigt, dass die Ärztin entgegen starrer institutioneller Vorgaben das Gesprächsmodell immer wieder dem Alltag anpasst, um ein kohärenteres und patientenorientierteres Miteinander zu ermöglichen.

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Details

Title
Gesprächssequenezen, mit besonderer Berücksichtigung von Frage-Antwort-Sequenzen im Anamnesegespräch
College
Dresden Technical University  (Institut für Germanistik )
Course
Seminar Dialoglinguistik
Grade
1,7
Author
Anne-Katrin Otto (Author)
Publication Year
2007
Pages
39
Catalog Number
V73301
ISBN (eBook)
9783638780902
Language
German
Tags
Gesprächssequenezen Berücksichtigung Frage-Antwort-Sequenzen Anamnesegespräch Seminar Dialoglinguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne-Katrin Otto (Author), 2007, Gesprächssequenezen, mit besonderer Berücksichtigung von Frage-Antwort-Sequenzen im Anamnesegespräch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73301
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