Nachdem Descartes die verschiedenen Vorstellungen nach ihrem Sachgehalt und ihren Ursachen überprüft hat, widmet er sich der Vorstellung Gottes „ bei der es zu erwägen ist, ob sie etwas ist, das nicht aus mir selbst hervorgehen konnte“. Aus der Definition des Begriffes Gott als „ eine Substanz, die unendlich, unabhängig, allwissend und allmächtig ist und von der ich selbst geschaffen bin ebenso wie alles andere Existierende, falls es solches gibt“, schließt er dass Gott notwendig existiert, da es ihm unmöglich erscheint, dass eine solch vorzügliche Vorstellung aus ihm entstammt.
Inhalt:
I. Der Gottesbeweis der III. und V. Meditation
II. Der ontologische Gottesbeweis bei Anselm von Canterbury
III. Die Kantische Kritik
IV. Exkurs: Die Gemeinschaft freier Wesen
Inhaltsverzeichnis
I. Der Gottesbeweis der III. und V. Meditation
II. Der ontologische Gottesbeweis bei Anselm von Canterbury
III. Die Kantische Kritik
IV. Exkurs: Die Gemeinschaft freier Wesen
Zielsetzung und Themen
Das Protokoll dokumentiert und analysiert die zentralen Argumentationen zur Gottesbeweisführung von René Descartes und Anselm von Canterbury sowie deren kritische Würdigung durch Immanuel Kant, ergänzt durch einen Exkurs zu Fichtes Theorie der Gemeinschaft freier Wesen.
- Cartesianische Gottesbeweise der Meditationen
- Ontologischer Gottesbeweis nach Anselm von Canterbury
- Kants erkenntnistheoretische Kritik an Existenzbeweisen
- Fichtes Grundlegung des Naturrechts und die Gemeinschaft freier Wesen
- Verhältnis von Vernunft, Freiheit und intersubjektiver Anerkennung
Auszug aus dem Buch
Die Kantische Kritik
Die kantische Kritik richtet sich gegen den Anspruch, den die Vertreter des ontologischen Gottesbeweises machten, den Satz „Gott existiert“ als analytisch wahren Satz erweisen zu können.
Kant vertritt die Meinung, dass jeder Existentialsatz ein synthetischer Satz sei: „Gesteht ihr dagegen, wie es billigermaßen jeder Vernünftige gestehen muß, daß ein jeder Existenzialsatz synthetisch sei, wie wollet ihr denn behaupten, daß das Prädikat der Existenz sich ohne Widerspruch nicht aufheben lasse ? da dieser Vorzug nur den analytischen, als deren Charakter eben darauf beruht, eigentümlich zukommt.“ Wenn „Gott existiert“ als analytisch wahr gelten sollte, dann müsste „Gott existiert nicht“ wiederspruchsvoll sein, doch Wiederspruch liegt nur da vor, „wo von einem Subjekt-Begriff eine Bestimmung prädiziert wird, durch die eine Bestimmung des Subjekts negiert wird.“ Bei negativen Existentialsätzen aber, wird das Subjekt samt der Prädikate aufgehoben und es kann kein Widerspruch entstehen, „denn es ist nichts mehr, welchem widersprochen werden könnte. [...] Gerade eben so ist es mit dem Begriffe eines absolutnotwendigen Wesens bewandt. Wenn ihr das Dasein desselben aufhebt, so hebt ihr das Ding selbst mit allen seinen Prädikaten auf; wo soll alsdenn der Widerspruch herkommen?“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der Gottesbeweis der III. und V. Meditation: Descartes begründet die Existenz Gottes über die Idee der unendlichen Substanz und leitet diese analytisch aus dem Begriff des vollkommensten Wesens ab.
II. Der ontologische Gottesbeweis bei Anselm von Canterbury: Anselm argumentiert, dass das größte denkbare Wesen auch in der Wirklichkeit existieren müsse, da die Existenz eine Vollkommenheit darstellt.
III. Die Kantische Kritik: Kant weist den ontologischen Gottesbeweis zurück, indem er feststellt, dass Existenz kein reales Prädikat ist und Existentialsätze grundsätzlich synthetisch sind.
IV. Exkurs: Die Gemeinschaft freier Wesen: Fichte leitet aus der wechselseitigen Anerkennung vernunftbegabter Wesen die Notwendigkeit einer Gemeinschaft ab, in der Freiheit durch ein Gesetz begrenzt wird.
Schlüsselwörter
René Descartes, Anselm von Canterbury, Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte, Ontologischer Gottesbeweis, Existentialsatz, Analytisch, Synthetisch, Vollkommenheit, Freiheit, Gemeinschaft, Wechselwirkung, Vernunft, Substanz, Naturrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Dokument grundsätzlich?
Das Dokument ist ein Seminarprotokoll, das sich mit philosophischen Gottesbeweisen von der Frühen Neuzeit bis ins 18. Jahrhundert sowie mit Fichtes naturrechtlichen Überlegungen befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Religionsphilosophie, Erkenntnistheorie, Ontologie und Rechtsphilosophie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die komprimierte Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit der Logik hinter dem ontologischen Gottesbeweis und der anschließenden Widerlegung durch Immanuel Kant.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf primären Quellen wie Descartes' Meditationen, Kants Kritik der reinen Vernunft und Fichtes Grundlage des Naturrechts basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die cartesianische Argumentation, den mittelalterlichen Beweis nach Anselm, die kantische Kritik an analytischen Existenzbeweisen und einen Exkurs zur Fichteschen Sozialtheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Gottesbeweis, Ontologie, Existenz, Vernunft, Freiheit, Gemeinschaft, Analytik und Naturrecht.
Warum hält Kant die Existenz für kein reales Prädikat?
Laut Kant vergrößert das Prädikat "Existenz" nicht den Inhalt eines Begriffs, sondern bestimmt lediglich, ob ein Gegenstand tatsächlich der Wirklichkeit entspricht.
Wie begründet Fichte die Notwendigkeit einer Gemeinschaft?
Fichte argumentiert, dass freie Wesen einander als solche anerkennen müssen und sich freiwillig Gesetze geben, um ein wechselseitiges Zusammenleben zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt die "unendliche Substanz" bei Descartes?
Sie dient als notwendige Ursache für das denkende Ich, da der endliche Mensch sich selbst nicht als Erzeuger der vollkommenen Idee Gottes begreifen kann.
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- Mariana Pinzon (Author), 2003, Der ontologische Gottesbeweis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73319