Zeitvorstellungen bei Rudolf Steiner


Essay, 2006
6 Seiten

Leseprobe

1. Einleitung

Obwohl Rudolf Steiner in der Darstellung der Welt- und Menschheitsentwicklung ständig von „Zeitaltern“, Zeitpunkten“, der „Zeit die gekommen ist“ , „Vorzeiten“, „Urzeiten“ und mehr dergleichen spricht und er eigentlich ein Hang hat Konzepte aus verschiedenen Traditionen zu integrieren und philosophisch zu durchdringen, findet man kaum philosophische Überlegungen zu dem Konzept der „Zeit“ selber.

Schwierig ist es auch, dieses raus zu kristallisieren, weil es nicht nur westliche Konzept sind, die hier wiedergegeben werden sondern auch nah- und fernöstliche. Neben linearen Konzepten finden sich Zyklische. Steiners System übernimmt viel, von dem was Blavatsky zusammengewürfelt hat, Besant nochmals weiterentwickelt hat und systematisiert es mit einer naturwissenschaftlichen Denkweise und dem Versuch einer philosophischen Begründung.

Es sind drei Aspekte in seinen System, in denen seine Zeitkonzeptionen enthalten sind. Noch erschließt sich mir da noch nicht ein einheitliches Konzept, aber das könnte nun ja die philosophische Herausforderung sein.

Zunächst in der Welt- und Menschheitsentwicklung, dann in der Reinkarnationskonzeption und schließlich in dem Konzept der Akasha-Chronik selber, aus der er die ganze Weltgeschichte und –Entwicklung hellseherische „geschaut“ haben will.

2. Die Akasha-Chronik

„Die Akaschachronik ist ein ungeheures Sammelwerk, in dem die ganze Fülle der Geschichte von Welt – und Menschenentwicklung aufbewahrt ist.“[1] Es ist darin, dass der anthroposophisch geschulte Hellseher die ganze Entwicklung „schauen“ kann. Es ist nicht ein Buch, wie die irdischen, sondern sie ist im „Weltenäther“ geschrieben. Sie ist halb stofflich und halb geistlich und in ihr wird alles registriert, das ganze Weltgeschehen aber auch alle Gedanken. Steiner hat auch Schwierigkeiten zu erklären, wie man in der Chronik lesen kann, denn sie ist nicht in unserer Sprache geschrieben, weil unsere Sprache „auf die Sinneswelt berechnet“ ist.[2] Vielmehr spielen sich die Sachen in vollem Leben ab, so wie sie geschehen sind.

Was nun aber sehr interessant ist in Bezug auf die AC ist, dass sie scheinbar außerhalb der Zeit steht. Er schildert den Unterschied zur normalen Geschichtsschreibung, welcher der AC mehr Zuverlässigkeit attestiert.

„Man vergleiche nur einmal die Schilderungen, die von verschiedenen Geschichtsschreibern über eine und dieselbe Sache gegeben werden; und man wird sich bald überzeugen, auch welch unsicherem Boden man da steht. Alles, was der äußeren Sinnenwelt angehört, unterliegt der Zeit. Und die Zeit zerstört auch, was in der Zeit entstanden ist. Die äußerliche Geschichte ist aber auf das angewiesen was in der Zeit erhalten geblieben ist. Niemand kann sagen, ob das, was erhalten geblieben ist, auch das Wesentliche ist, wenn er bei den äußeren Zeugnissen stehen bleibt. – Aber alles, was in der Zeit entsteht, hat seinen Ursprung im Ewigen“[3]

Also ist die AC irgendwie ewig und in ihr bleibt alles auch ewig erhalten. Was das noch für Konsequenzen für die Schau in die Zukunft hat und für das ganze System, soll in der Hausarbeit näher untersucht werden.

Das Konzept das Steiner hier zum Ausgangspunkt seines Systems macht, hat er aber nicht erfunden. Er hat es von Madame Blavatsky übernommen. Hauer führt an, sie habe Anregungen von Paracelsus und der platonischen Idee der „Weltenseele“ genommen. Für Paracelsus sei die anima mundi das „verbindende Element zwischen Stoff und Geist“ gewesen, „eine Art astralischer Stoff, der sich im ganzen All ausbreitet“.[4]

Dazu nahm Blavatsky noch die zu ihrer Zeit durch Experimente im Hypnotismus gelieferte Erkenntnisse, denen zufolge dem menschlichen Gedächtnis nichts verloren gehe. Und voilá, da haben wir schon die Idee „ eines Weltgedächtnisses im Astraläther“.[5]

Laut Blavatsky enthalte dieses „ einen unverstümmelten Bericht von allem, was war und ist, und jemals sein wird“. Und weiter: „ Kurz, es ist das Gedächtnis Gottes“[6]

Mit diesen Angaben könnte man ein paar Überlegungen in Richtung Augustinus und das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit und Ewigkeit und Gott stellen.

3. Die Weltentwicklung und Weltzeitalterlehre

Anknüpfend an dem oben gesagten führt Hauer noch weiter aus, dass die als eine „Entfaltung des Göttlichen Geistes gesehen werde“ und die Zukunft im Astrallicht im Embryozustand befinde.[7] Steiner schildert die Weltentwicklung aber mehr noch als einer Seelenentwicklung und Bewusstseinsentwicklung des Menschen.

Seine Schilderungen lehnen sich einerseits an die Weltzeitalterlehre der Blavatsky an, welche sich an die des Visnupuranas plus der Arya Samaj Schule anlehnt.[8]

So haben wir bei Steiner auch aktive Phasen der Entwicklung die als „Kreisläufe (Manvantara)“ bezeichnet werden und dazwischen noch „Ruhepausen“ (Pralaya). In jedem Kreislauf gibt es nochmals „kleinere Kreisläufe“. Es sind Sieben Kreisläufe und in jedem nochmals sieben kleinere Kreisläufe. Und diese müssen wiederum jeweils in den sieben Formzustände der Welt im durchlauf der Planeten vollzogen werden.[9] Es wird neben der Erdentwicklung eben auch die Entwicklung des menschlichen Körpers und Bewusstseins in diesen Stufen erklärt. Von einem ganz ätherischen in den materiellen Körper und wie sich diese Veränderungen auf das Bewusstsein ausgewirkt haben.

Dabei ist der älteste Zustand der Saturnzustand, dem der Sonnenzustand, dann der Mondzustand und dann der Erdzustand, in dem wir uns jetzt befinden, folgen.

Dies Planetenfolge meint Hauer, sei im schon von dem Manichäischen System bekannt und dieses System sei Steiner wiederum bekannt gewesen. Vor allem der Beginn mit dem Saturnzustand, eine art von Wärmezustand, sei mit der Anlehnung an den Manichäismus und insbesondere an den Mithrasdienst. Als Beweis für seine These führt Hauer an, dass Steiner die Entstehung der Zeit in den Saturnzustand setzt.

„ Mit dem Erscheinen der Saturnwärme tritt also unsere Entwicklung aus dem Innenleben, aus der reinen Geistigkeit zuerst in ein äußerlich sich offenbarendes Dasein. Besonders schwierig wird es dem Gegenwartsbewußtsein wohl, sich damit abzufinden, wenn auch noch gesagt werden muß, dass mit dem Saturnwäremezustand auch zuerst dasjenige auftritt, was man die „Zeit“ nennt. Die vorhergehenden Zustände sind nämlich gar nicht zeitlich. Sie gehören derjenigen Region an, die man in der Geisteswissenschaft die „Dauer“ nennen kann.“[10]

Davor war alles irgendwie gleichzeitig. Für Hauer von Wichtigkeit ist aber, dass es unter dem Namen des Saturns in der Urerde geschehen ist.

[...]


[1] Hauer, 1923, S.89

[2] Steiner, 1973, S.22.

[3] Ebd. S. 21.

[4] Hauer, 1923, S. 89.

[5] Ebd. S. 90.

[6] Hauer S.90. Führ das Zitat an ohne es genau zu belegen, irgendwo in der „Entschleierten Isis“ ab S.183.

[7] Ebd. S. 91.

[8] Blavatsky, 1987, S. 68 f. und 133 f.

[9] Steiner, 1973, S.141 ff.

[10] Steiner, 1925, S. 134.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Zeitvorstellungen bei Rudolf Steiner
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Komparatistisches Hauptseminar: Zeitvorstellungen
Autor
Jahr
2006
Seiten
6
Katalognummer
V73322
ISBN (eBook)
9783638736800
ISBN (Buch)
9783668332713
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitvorstellungen, Rudolf, Steiner, Komparatistisches, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Mariana Pinzon (Autor), 2006, Zeitvorstellungen bei Rudolf Steiner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73322

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