Motive der spätmittelalterlichen Wallfahrt


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der allgemeine Hintergrund
2.1. Eine Definition der Wallfahrt
2.2. Die Wallfahrtsorte
2.3. Die Pilger

3. Motive für Wallfahrten
3.1. Spirituelle Motive
Die Sühne
Das Gelübde
3.2. Spirituelle und fremdbestimmte Motive
Das Testament
Die Ritterfahrt
3.3. Andere Motive

4. Zusammenfassung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Da sint v er m er cht die kirh e n dez heilige n lands, als sy besuecht w er den vo n de n pilgreim en, vnd wiss die stet, die zaich e nt sind mit d em crewcz, daselbz ist ableschung all er sund e n vo n peyn vnd vo n schuld. It em die stet, die nicht gezaich e nt sint, da ist antlaz vij jar vnd virzig tag.“[1]

Wallfahrten sind ein religiöses Phänomen, das es bereits bei den Alten Ägyptern gegeben hat und bis heute gibt. Dabei hängen sie nicht von einer religiösen Sichtweise ab, sondern treten vielmehr in allen Religionen auf.

Es gab immer Kritiker, die am religiösen Sinn einer Wallfahrt zweifelten und damit die Motivation eines Pilgers in Frage stellten. Vermutlich wird für den zukünftigen Historiker die Frage nach dem Motiv, beispielsweise eines heutzutage nach Compostela Pilgernden, in unserer viel besagten liberalen und unreligiösen Gesellschaft, eine interessante Fragestellung sein. Denn waren der sportliche Ehrgeiz oder der Glaube ausschlaggebend für den Jakobuspilger? In dem oben zitierten Bericht war vermutlich auch der Vollablass, der dem Jerusalempilger zustand, motivierend genug, um die strapaziöse Reise auf sich zu nehmen. Doch welche anderen Motive spielten eine Rolle?

Mit den Motiven der Wallfahrt wird sich diese Hausarbeit nun im Folgenden auseinandersetzen; wobei in diesem Fall der Blick hauptsächlich auf das Spätmittelalter gerichtet ist.

Das Thema ist groß, so dass diese Arbeit nicht den Anspruch erheben kann, alle Beweggründe zu erfassen. Vielmehr soll anhand ausgewählter Beispiele einen Einblick in die Thematik gegeben werden. Hierbei ist es wichtig, vor dem Hauptteil zunächst auf Grundsätzliches einzugehen, wie die Definition der Wallfahrt oder die Vorstellung verschiedener Wallfahrtsorte, da daraus bereits Motive abzulesen sind.

Es war anfangs nicht geplant, an so vielen Stellen Beispiele aus Jerusalemwallfahrten zu geben. Dies entwickelte sich vielmehr daraus, dass man von Wallfahrtsberichten aus dem Heiligen Land überhäuft wird und dadurch der Zugang zu ihnen leichter war.

2. Der allgemeine Hintergrund

2.1. Eine Definition der Wallfahrt

Die Popularität des westlichen Wallfahrtswesens lässt sich durch religiöse Glaubensaspekte des Katholizismus begründen. Zum einen bereitet sich der Mensch, der auf den Spuren Jesus folgt, auf das Leben im Paradies vor und huldigt dem Lebenswerk eines Heiligen, der als Stellvertreter Gottes im Kampf mit dem Teufel starb. Zum anderen ist jeder Mensch durch seine Taten für sein Seelenheil selbst verantwortlich.[2]

Wenn man nun diese Aspekte auf einen Nenner bringt, dann ist die Wallfahrt nicht ein Zielort, sondern die Form der Bewegung dorthin. Dazu gehören im spätmittelalterlichen Wallfahrtswesen sowohl die asketische Pilgerschaft und das „wilde Laufen nach neuen Wunderorten“[3] als auch Prozessionen.[4]

Aus dem Rahmen fallen dabei die geistlichen Wallfahrten. Diese waren vor allem für die Christen von Bedeutung, die ihr Zuhause aus irgendwelchen Gründen nicht verlassen konnten. Dabei pilgerten sie im Geiste auf den Wegen nach Rom oder gar ins Heilige Land und ahmten die Lebensbedingungen der Wallfahrer nach.[5]

2.2. Die Wallfahrtsorte

Im Mittelalter gab es eine Vielzahl von Wallfahrtsorten, die jedoch mit fortschreitender Zeit immer unübersichtlicher wurden. Während der frühmittelalterliche Christ noch hauptsächlich ins Heilige Land sowie zu den Bestattungsorten der Apostel und Märtyrer pilgerte, wurde ihm ersteres spätestens ab 1291 erschwert. Die Kreuzfahrer mussten ihre Stützpunkte im Heiligen Land räumen und konnten daher, zumindest auf dem Land, den Schutz des Pilgers nicht mehr gewährleisten.[6]

Dadurch rückten die europäischen Wallfahrtsorte in das Blickfeld der Christen, deren Lust zum Pilgern nicht gebremst werden konnte. Es gab immer noch Gläubige, die ins Heilige Land fuhren, doch bemühten sich vor allem die Päpste den großen Pilgerstrom nach Rom zu lenken. 1300 rief Papst Bonifaz VIII. zum ersten Mal das Heilige Jahr aus und lockte die Wallfahrer mit besonderen Versprechungen in die Stadt. In der nachfolgenden Zeit wurden immer wieder Heilige Jahre ausgerufen, um noch mehr Christen, zumindest ein Mal in ihrem Leben, die Teilnahme zu ermöglichen. Ähnliche Events gab es auch in anderen Städten, wie beispielsweise in Aachen und Trier.[7]

Vielleicht lag es daran, dass gegen Ende des Mittelalters die Frömmigkeit zunahm[8] ; denn es entstanden im Laufe der Zeit immer mehr Wallfahrtsorte. Es reichte einfach nicht mehr aus, ins Heilige Land, nach Rom oder Santiago zu pilgern, zumal dies auch enorm kostspielig gewesen sein muss. Auch wollten viele Wallfahrer, die nach fernen Orten aufbrachen, nicht nur einen, sondern die Möglichkeit haben, gleich mehrere Heilige zu verehren.[9]

Allerdings war es durch die Jahrhunderte hinweg nur wenigen Orten möglich, wie beispielsweise Rom, das Interesse der Pilger für lange Zeit auf sich zu ziehen. Es konnte eine Vielzahl von Gründen geben, weshalb eine Pilgerstätte im Rennen mit den anderen verlor. Der Zweifel an der Echtheit einer Reliquie war nur einer davon.[10] Auch kam es immer wieder zu Kritik am Wallfahrtswesen.

2.3. Die Pilger

Doch wer waren die Menschen, die sich auf eine Wallfahrt begaben? Zum einen war unter den Pilgerscharen eine Vielzahl von Frauen, sowohl aus dem Adel als auch aus weniger begüterten Kreisen. Ein Grund für die große Teilnahme von Frauen konnte deren gesellschaftliche Position gewesen sein. Schließlich trugen sie die Hauptlast innerhalb der Familie und waren dennoch oftmals den Männern gegenüber untergeordnet. Dadurch waren meist sie es, die einen Heiligen in verzwickten Lebenslagen als Beistand anriefen. Ebenso hielt man in manchen Kreisen die Gebete von Frauen als wirkungsvoller, wodurch sie öfter als Männer um ein Gelübde gebeten wurden.[11]

Des Weiteren ergriffen in manchen Fällen auch Kinder die Initiative zu einer Wallfahrt. Dabei gingen sie sowohl in Begleitung eines oder beider Elternteile als auch durchaus alleine auf Pilgerfahrt. Ein Beispiel für solch eine Kinderwallfahrt wäre die zweijährige Fahrt zum Mont Saint-Michel, die 1455 begann und scheinbar gut ausgegangen war.[12]

Neben Kindern und Frauen begaben sich auch Kranke und Behinderte auf Pilgerreise, um für ihre Heilung zu beten. Eine ganz andere Gruppe, die vielleicht etwas aus dem friedfertigen Rahmen fällt, jedoch nicht vergessen werden darf, waren die Kreuzfahrer. Wie es dazu kam, dass in diesem Punkt das friedliche Pilgerwesen zum Blutbad wurde, kann in dieser Arbeit leider nicht erörtert werden.[13]

Waren die oben genannten Personen Menschen, die größtenteils aufgrund ihres christlichen Glaubens eine Wallfahrt unternahmen, konnten dies natürlich ebenso auch Leute tun, die beispielsweise die Welt erkunden wollten. Diese und die vorherigen Gruppen werden jedoch im Nachfolgenden noch zur Sprache gebracht.

[...]


[1] Österreichischer Anonymus, Geschrift und Weisung für die Fahrt zum Heiligen Grab, hrsg. von Franz Sczesny, in: Herz, R./ Huschenbett, D./ Scesny, F. (Hrsg.), Fünf Palästina-Pilgerberichte aus dem 15. Jahrhundert, Wiesbaden 1998, S. 10-22, hier S. 15,11-14.

[2] Vgl. Housley, N., Pilgrimage – Western European, in: Dictionary of the Middle Ages Bd. 9 (1987), S. 654-661, hier S. 654.

[3] Vgl. Brückner, W., Wallfahrt, in: Lexikon des Mittelalters Bd. 8 (1997), 1980-1981, hier 1981.

[4] Ebd. 1981.

[5] Vgl. Branthomme, H./ Chélini, J. (Hrsg.), Auf den Wegen Gottes – Die Geschichte der christlichen Pilgerfahrten, Paderborn 2002, S. 167f.

[6] Vgl. Ohler, N., Pilgerstab und Jakobsmuschel – Wallfahren in Mittelalter und Neuzeit, Zürich 2000, S. 23.

[7] Ebd. S. 24f.

[8] Angenendt geht davon aus, dass das Spätmittelalter zwar durchaus eine eigene Art der Frömmigkeit besaß, diese jedoch nicht ausgearteter war als in früherer Zeit. Vielmehr ist mehr über jenen Zeitraum bekannt, da die Überlieferung dichter ist. vgl. hierzu: Angenendt, A., Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt 1997, S. 72.

[9] Vgl. Ohler, N., Pilgerstab, S. 31.

[10] Ebd. S. 32.

[11] Ebd. S. 48f.

[12] Ebd. S. 50.

[13] Ebd. S. 51f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Motive der spätmittelalterlichen Wallfahrt
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V73326
ISBN (eBook)
9783638742511
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motive, Wallfahrt
Arbeit zitieren
Ines Roman (Autor), 2006, Motive der spätmittelalterlichen Wallfahrt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73326

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