Sporttreiben ist für viele die Möglichkeit, sich einen Ausgleich zu schaffen. Sie gehen joggen, um sich fit zu halten, gehen zur Physiotherapie um dort gesundheitssportliche Übungen zu machen oder einfach nur zum Fußballtraining um Bekannte und Freunde zu treffen. Gefühle, wie Freude, Erleichterung oder Spaß, sind hier vermutlich vorrangig. Spricht man dann von Angst in Verbindung mit Sport, stößt man zunächst auf Verwunderung. Diese Verwunderung gilt es in Verständnis umzuwandeln.
Wird man zum Beispiel mit Leistungssituationen konfrontiert, die im Sport unbestreit-bar auftreten, können Ängste entstehen. Das Maß an Freude über eine gute Leistung im Sport oder das Maß der Enttäuschung über eine Niederlage, hängt von der Bedeutung des Leistungsergebnisses für den Sportler ab. Das heißt, dem Schüler beispielsweise, bedeutet sein Leistungsergebnis normalerweise sehr viel, da er sich vor der Klasse nicht blamieren will oder gute Noten braucht um das Schuljahr zu schaffen. An dieser Stelle kann es passieren, dass der Schüler bzw. Sportler Angstgefühle davor entwickelt, was geschieht, wenn er diese Leistung nicht erbringt. Aus diesem Grund spielt die Angst, gerade im Schulsport, eine sehr große Rolle.
Doch was ist Angst und wie wird sie in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben bzw. erklärt? Warum haben wir Angst? Wie entsteht sie oder wo kommt sie her? Ist sie in uns verankert oder wird sie erlernt? Warum hat eine Person vor etwas Angst, wovor andere keine Angst haben? Und wenn es so etwas wie Angst gibt, kann man sie messen? Die Beantwortung dieser Fragestellungen kann höchst relevant werden und ist Inhalt der vorliegenden Arbeit.
Hinsichtlich des erläuterten Problems, befasst sich diese Arbeit also mit zwei Haupt-schwerpunkten. Sie will im ersten Teil versuchen, die Angst zu definieren und eine umfassende Beschreibung zu liefern und im zweiten Teil Entstehungsmöglichkeiten der Angst aus Sicht der einzelnen theoretischen Ansätze der Psychologie aufzeigen. Zusätzlich werden Möglichkeiten zum Feststellen der Angst genannt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung/Definitionen
2.1 Unterschied Furcht – Angst
2.2 Ängstlichkeit als Persönlichkeitskonstrukt
2.3 Kognitionspsychologischer Ansatz
2.4 Eigenschafts- und Zustandsangst (Trait-State-Anxiety)
2.5 Zusammenfassender Definitionsversuch
3 Angstentstehung
3.1 2 – Phasentheorie nach Mowrer (lerntheoretisch)
3.2 Psychoanalytische Theorie nach Freud
3.3 Ängstlichkeitsentstehung während der Sozialisation
3.3.1 Primäre Sozialisation
3.3.2 Sekundäre Sozialisation
3.4 Ursachen der Angst
4 Angstdiagnostik
5 Angstkontrolle
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Angst im Sportunterricht mit dem Ziel, Entstehungsweisen, Diagnosemöglichkeiten und Kontrollstrategien aufzuzeigen, um Lehrern und Sportlern ein besseres Verständnis und einen konstruktiven Umgang mit Angst zu ermöglichen.
- Grundlegende Begriffsdefinitionen und Abgrenzung von Furcht und Angst
- Psychologische und lerntheoretische Theorien zur Angstentstehung
- Einfluss von Sozialisationsprozessen (primär und sekundär) auf Ängstlichkeit
- Diagnostische Verfahren zur Identifikation von Angstreaktionen
- Ansätze zur Angstkontrolle und Bewältigung im sportlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 2 – Phasentheorie nach Mowrer (lerntheoretisch)
Mowrer geht davon aus, dass das Angstverhalten in zwei aufeinander folgenden Lernprinzipien erworben und aufrechterhalten wird. Die erste Phase folgt dem Prinzip der klassischen Konditionierung (vgl. Hackfort & Schwenkmetzger, 1980, S. 97). Dabei wird das Individuum mit einem bedingten Stimulus, den man kennt (z.B. Turngerät) und einem unbedingten, aversiven (Reiz, dem man abgewandt ist) Stimulus, den man bisher noch nicht kannte (z.B. Schmerz) konfrontiert. Ein Schüler beispielsweise, der im Sportunterricht eine Oberarmrolle vorwärts am Barren vorführen soll, dabei einen Fehler macht, auf die darunter liegende Matte stützt und sich eine Gehirnerschütterung zuzieht, erfährt beide Reize. Ein anderes Beispiel könnte ein Nachwuchsfußballspieler sein, der nun im Wettkampf eingesetzt wird, d.h. im Punktspiel gegen eine andere Mannschaft spielt und dabei hauptsächlich Fehlabspiele, Ballverluste oder sogar Gegentore verursacht, also Misserfolg erntet. Die Stimuli bedingter und unbedingter Art sind hierbei Wettkampf und Misserfolg. Im zeitgleichen oder zeitnahen Auftreten dieser beiden Reize zeigt das Individuum eine konditionierte emotionale Reaktion – die Angstreaktion. Nach einer oder mehrerer solcher Erfahrungen, die man durch Selbstausführung oder durch Beobachtung gewonnen hat, genügt der bedingte Stimulus, wie das Turngerät oder die Wettkampfsituation, um die Angstreaktion hervorzurufen. Mit dem klassischen Konditionieren von Angstreaktionen lässt sich auch erklären, warum manche Personen vor etwas Angst zeigen wovor andere keine Angst zeigen (vgl. Eberspächer, 1993, S. 126-128; Gabler, Nitsch & Singer, 2000, S. 253-256; Hackfort & Schwenkmetzger, 1980, S. 97-98; Schmidt-Atzert, 1996, S. 254-255; Thomas, 1978, S. 127-128).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Angst im Sportunterricht heraus und leitet die zentralen Fragestellungen zur Entstehung, Diagnose und Bewältigung von Angst her.
2 Begriffsklärung/Definitionen: Dieses Kapitel differenziert zwischen Angst und Furcht, beleuchtet Angst als Persönlichkeitskonstrukt sowie kognitionspsychologischen Ansatz und führt in das Konzept der Eigenschafts- und Zustandsangst ein.
3 Angstentstehung: Hier werden theoretische Modelle der Angstentstehung, insbesondere nach Mowrer und Freud, analysiert und die Rolle der primären sowie sekundären Sozialisation beleuchtet.
4 Angstdiagnostik: Das Kapitel beschreibt drei Untersuchungsebenen – physiologisch, subjektiv-erlebensbezogen und verhaltensorientiert – zur Identifikation von Angst.
5 Angstkontrolle: Dieser Abschnitt weist auf die Notwendigkeit hin, Angst im sportlichen Kontext durch geeignete Maßnahmen zu regulieren und verweist auf weiterführende Literatur.
6 Zusammenfassung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Angst eine komplexe emotionale, kognitive und körperliche Reaktion darstellt, die individuell unterschiedlich ausgeprägt ist.
Schlüsselwörter
Angst, Sportunterricht, Angstentstehung, Furcht, Ängstlichkeit, Sozialisation, Angstdiagnostik, Angstkontrolle, klassische Konditionierung, Psychoanalyse, Emotion, Motivationsmodell, Sportpsychologie, Leistungsversagen, Verhaltensreaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Aufarbeitung des Angstbegriffs sowie der Entstehung und Diagnose von Angst, speziell im Kontext des Sportunterrichts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition, lerntheoretische und psychoanalytische Erklärungsansätze für Angst, der Einfluss der Sozialisation sowie diagnostische Methoden und Kontrollmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Lehrern und Übungsleitern ein fundiertes Verständnis für die Ursachen und Erscheinungsformen von Angst zu vermitteln, um sie bei der Angstbewältigung ihrer Schüler unterstützen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Vorgehensweise, bei der eine umfassende Auswertung und Zusammenführung der vorhandenen sportpsychologischen Sekundärliteratur erfolgt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich primär auf die Definition von Angst und die verschiedenen theoretischen Ansätze zu deren Entstehung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Angst, Sozialisation, Ängstlichkeitsgrad, Angstdiagnostik und Angstkontrolle charakterisiert.
Wie unterscheidet sich laut Text die Furcht von der Angst?
Furcht ist gegenstandsgebunden und bezieht sich auf konkrete Gefahren in der Wirklichkeit, während Angst als unbestimmt, gegenstandslos und als Stimmung bzw. Grundbefindlichkeit beschrieben wird.
Welche Rolle spielt die Sozialisation bei der Entstehung von Angst?
Sozialisationsprozesse, sowohl in der Familie (primär) als auch durch Schule und Sportunterricht (sekundär), tragen durch Erziehungsstile, Leistungsdruck und Konkurrenzsituationen maßgeblich zur Ausprägung der individuellen Ängstlichkeit bei.
- Citar trabajo
- Thomas Lemme (Autor), 2005, Angst und Angstentstehung im Sportunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73385