Die vorliegende Arbeit soll zunächst aufzeigen, anhand welcher Kriterien und Faktoren Standortentscheidungen im Einzelhandel, speziell für Betriebe des großflächigen Einzelhandels, getätigt werden. Durch die Zusammenarbeit mit der Real-SB-Warenhaus GmbH stehen hierbei SB-Warenhäuser im Mittelpunkt der Untersuchung. Da der „optimale Standort“ aufgrund begrenzter Flächenverfügbarkeit jedoch immer nur theoretisch möglich ist, sind Standortfaktoren nur bedingt für die eigentliche Standortwahl relevant. Vielmehr formen sie ein Gerüst an Grundvoraussetzungen, die eine vorliegende Standortalternative erfüllen muss.
Um jedoch zu verstehen, inwiefern die einzelnen Standortfaktoren letzten Endes zusammen-hängen und dazu beitragen, aus den vorhandenen Standortalternativen die am besten geeignetste auszuwählen, soll in Kap. 3 ein Überblick über die relevanten Standortkonstrukte mit ihren einzelnen Faktoren gegeben werden.
Anschließend sollen die drei Standortalternativen für ein Real-SB-Warenhaus im Stadtgebiet Karlsruhes vorgestellt werden. Kap. 5 beschreibt anhand zahlreicher, teilweise selbst entwickelter Analysen, wie der Prozess zur Bestimmung der betriebswirtschaftlich am besten geeignetsten Standortalternative umgesetzt wird. Hierbei wurde die Software MARIS, ein geographisches Informationssystem (GIS) der Geni Unternehmensberatung und Software GmbH, benutzt. Mit dieser Software können raumbezogene Daten zum Zweck der Standortanalyse verknüpft werden. Durch die Anwendung von GIS-Programmen ergibt sich die Möglichkeit, georeferenzierte Daten unterschiedlichster Ausprägung in nahezu unbegrenzten Mengen miteinander in Beziehung zu setzen. Die Darstellung und zu Analyse kann mit dieser Software ebenfalls umgesetzt werden. Kartographische Darstellungen und Interpretationen vorhandener, raumbezogener Zusammenhänge sind somit leicht zu erhalten.
Schlussendlich soll, basierend auf zahlreichen, im Laufe der Arbeit erläuterten und durchgeführten Analysen und Kennwerten, die bestmögliche Standortalternative benannt werden. Abschließend wird die angewandte Vorgehensweise kritisch hinterfragt und es werden Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand, Ziel und Aufbau der Arbeit
1.2 Abgrenzung der Untersuchung
1.3 Verwendete Daten
1.4 Stand der Forschung
2 Aktuelle Entwicklungen im deutschen Einzelhandel
2.1 Überblick
2.2 Betriebsformen im Lebensmitteleinzelhandel
2.3 Verhalten der Konsumenten bezüglich der Einkaufsstättenwahl
2.4 Einflussgrößen auf die Einkaufsstättenwahl
3 Standortkonstrukte
3.1 Einführung
3.2 Standortkonstrukt Raum
3.2.1 Überblick
3.2.2 Standortfaktor Grundstücksgröße
3.2.3 Standortfaktor Raumlage
3.2.4 Standortfaktor Raumaufteilung
3.2.5 Raumkosten
3.3 Standortkonstrukt Verkehr
3.3.1 Überblick
3.3.2 Standortfaktor PKW-Erreichbarkeit
3.3.3 Erreichbarkeit per ÖPNV und fußläufige Erreichbarkeit
3.4 Standortkonstrukt Konkurrenz
3.4.1 Quantitative Konkurrenzanalyse
3.4.2 Qualitative Konkurrenzanalyse und Wettbewerbsprüfung
3.5 Standortkonstrukt Konsum
3.5.1 Überblick
3.5.2 Demographische Merkmale
3.5.3 Standortfaktor Kaufkraft
3.5.4 Verhaltensmerkmale
4 Bewertung der Standortalternativen im Nordwesten der Stadt Karlsruhe
4.1 Überblick
4.2 Die Stadt Karlsruhe
4.2.1 Sozialdemographische Kennwerte, Funktion und Bedeutung Karlsruhes
4.2.2 Karlsruhe als Arbeits- und Einzelhandelsstandort
4.3 Auswirkungen der Eröffnung eines Real-SB-Warenhauses im Nordwesten Karlsruhes
4.4 Standortalternativen im Überblick
4.4.1 Allgemeines
4.4.2 Standortalternative Sudetenstraße, Karlsruhe-Knielingen
4.4.2.1 Allgemeines
4.4.2.2 Standortanalyse anhand der Standortkonstrukte
4.4.2.3 Gesamtbewertung der Standortalternative Sudetenstraße
4.4.3 Standortalternative Erzbergerstraße, Karlsruhe-Hardtwaldsiedlung
4.4.3.1 Allgemeines
4.4.3.2 Standortanalyse anhand der Standortkonstrukte
4.4.3.3 Gesamtbewertung der Standortalternative Erzbergerstraße
4.4.4 Standortalternative An der Trift, Karlsruhe-Kirchfeld
4.4.4.1 Allgemeines
4.4.4.2 Standortanalyse anhand der Standortkonstrukte
4.4.4.3 Gesamtbewertung der Standortalternative An der Trift
4.4.5 Fazit der Bewertungen
5 Bestimmung der optimalen Standortalternative
5.1 Routinganalysen
5.1.1 Grundlagen
5.1.2 Erläuterungen zu Routinganalysen
5.1.3 Routinganalyse der Standortalternative Sudetenstraße
5.1.4 Vergleich der Routinganalysen
5.1.5 Routingindex
5.1.6 Fazit der Routinganalysen
5.2 Marktpotenzialanalysen
5.2.1 Grundlagen und Durchführung der Marktpotenzialanalysen
5.2.2 Fazit der Routing- und Marktpotenzialanalysen
5.3 Defizite und Berücksichtigungen der angewandten Vorgehensweise
5.4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit dem betrieblichen Entscheidungsprozess zur Standortfindung im großflächigen Einzelhandel. Ziel ist es, unter Anwendung geographischer Informationssysteme (GIS) und spezifischer mathematisch-statistischer Analysen, die betriebswirtschaftlich optimale Standortalternative für ein SB-Warenhaus im Stadtgebiet von Karlsruhe zu ermitteln.
- Methodische Grundlagen der Standortplanung im Einzelhandel
- Analyse relevanter Standortkonstrukte (Raum, Verkehr, Konkurrenz, Konsum)
- Vergleichende Bewertung konkreter Standortalternativen in Karlsruhe
- Einsatz von Routinganalysen zur Bestimmung von Einzugsgebieten
- Durchführung von Marktpotenzialanalysen als Entscheidungshilfe
Auszug aus dem Buch
1.1 Untersuchungsgegenstand, Ziele und Aufbau der Arbeit
Die Raumwirksamkeit des Einzelhandels wird bei der Wahl eines geeigneten Standorts besonders deutlich (HEINRITZ 2003, S. 67). Der herausragende Einfluss der Standortentscheidungen im Einzelhandel wird in Theorie und Praxis in gleicher Weise akzentuiert (HEINRITZ 2003, S. 68 f.; MÜLLER-HAGEDORN 2003, S. 110; BIENERT 1996, S. 3; BEREKOVEN 1990, S. 350 f.). Die vielfältigen Veränderungen der jüngeren Zeit, insbesondere die Vergrößerung der Verkaufsflächen, lassen den Entscheidungsprozess für einen Standort immer wichtiger werden. Dies wird umso deutlicher, bedenkt man die Langfristigkeit, die mit dieser Entscheidung getroffen werden. Bei Formen des großflächigen Einzelhandels ergeben sich im Gegensatz zur Kleinfläche weitere Probleme, da mit zunehmender Grundstücksgröße die Verfügbarkeit geeigneter Flächen abnimmt und bei großflächigem Einzelhandel weitere gesetzliche Restriktionen zu beachten sind.
Daneben ist die gegenwärtige Situation im deutschen Einzelhandel durch steigenden Wettbewerb, sinkende Margen und der Suche nach immer neuen Nischenmärkten geprägt. Wettbewerbsvorteile, die sich beispielsweise durch eine optimale Standortwahl ergeben, sind somit wertvoller denn je. Insofern verwundert es nicht, dass sich immer mehr Einzelhandelsunternehmen aktiv mit der Standortforschung beschäftigen. Dabei lässt die ansteigende Komplexität des Entscheidungsprozesses die herkömmlichen, teilweise auf Intuition und gutem Gefühl beruhenden Standortbewertungsmethoden immer streitbarer erscheinen (CLARKE 1999, S. 29).
Im großflächigen Einzelhandel zählen Entscheidungen über den Standort zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren, da mit dem Standort die Entfernung zu den Konsumenten langfristig festgelegt wird. Entfernung und die damit verbundene Erreichbarkeit zählen bei den Kunden zu den bedeutsamsten Auswahlkriterien für die Wahl einer Einkaufsstätte (MÜLLER-HAGEDORN 2003, S. 410), insbesondere im großflächigen Einzelhandel (FICKEL 1997, S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Standortforschung für den großflächigen Einzelhandel ein, definiert das Untersuchungsziel, die Datengrundlage und grenzt das Forschungsfeld ein.
2 Aktuelle Entwicklungen im deutschen Einzelhandel: Dieses Kapitel erläutert aktuelle Strukturveränderungen, Betriebsformen im Lebensmitteleinzelhandel sowie die zentralen Einflussfaktoren auf das Einkaufsverhalten der Konsumenten.
3 Standortkonstrukte: Das Kapitel strukturiert die Standortplanung in die vier Bereiche Raum, Verkehr, Konkurrenz und Konsum und erläutert die jeweils relevanten Faktoren für die Standortwahl.
4 Bewertung der Standortalternativen im Nordwesten der Stadt Karlsruhe: Hier werden die Stadt Karlsruhe als Standort sowie die drei spezifischen Konversionsflächen hinsichtlich ihrer Eignung für ein SB-Warenhaus bewertet.
5 Bestimmung der optimalen Standortalternative: Das abschließende Hauptkapitel führt Routing- und Marktpotenzialanalysen durch, gewichtet die Ergebnisse mittels eines entwickelten Routingindex und benennt die optimale Standortalternative.
Schlüsselwörter
Standortplanung, Einzelhandel, SB-Warenhaus, Standortforschung, Geoinformationssystem, GIS, Einzugsgebiet, Routinganalyse, Marktpotenzial, Kaufkraft, Standortkonstrukt, Standortalternative, Konversionsfläche, Einzelhandelszentralität, Handelsmarketing
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess der Standortplanung für großflächige Einzelhandelsbetriebe, insbesondere SB-Warenhäuser, und wendet diese Theorie auf ein konkretes Praxisbeispiel in Karlsruhe an.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Identifikation und Bewertung von Standortfaktoren (Raum, Verkehr, Konkurrenz, Konsum) sowie die rechnergestützte Analyse von Standorteignungen anhand demographischer und ökonomischer Daten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Bestimmung der betriebswirtschaftlich erfolgversprechendsten Standortalternative für ein geplantes Real-SB-Warenhaus unter drei vorliegenden Flächenoptionen in Karlsruhe.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es werden GIS-gestützte Routinganalysen und Marktpotenzialanalysen durchgeführt. Dabei wird die Erreichbarkeit mittels 5-Minuten-Intervallen modelliert und mit demografischen Kaufkraftdaten gewichtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Standortfaktoren dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse und Bewertung dreier konkreter Standorte (Sudetenstraße, Erzbergerstraße, An der Trift) mittels quantitativer und qualitativer Verfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Standortplanung, SB-Warenhaus, Einzugsgebiet, Routinganalyse, Marktpotenzial, Kaufkraft und GIS.
Warum ist die Wahl des Standorts gerade für SB-Warenhäuser so kritisch?
Aufgrund der großen Verkaufsflächen, der hohen Investitionskosten und der langfristigen Bindung an den Standort hat die Erreichbarkeit für Kunden, die primär mit dem PKW anreisen, einen entscheidenden Einfluss auf den langfristigen Erfolg.
Welchen Einfluss haben Konversionsflächen auf die Standortsuche?
Konversionsflächen (ehemalige Militärgelände) bieten oft ausreichend große Areale in stadtnaher Lage, was sie für großflächige Einzelhandelsansiedlungen besonders attraktiv macht, da sie zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen können.
Wie beeinflusst die demographische Struktur die Standortbewertung?
Die Kaufkraft und das Konsumverhalten variieren stark je nach "Familien-Lebenswelt". Da Familien mit Kindern überdurchschnittlich häufig SB-Warenhäuser nutzen, ist deren Anteil im Einzugsgebiet ein zentraler Indikator für den erwarteten Umsatz.
Warum schneidet die Standortalternative Sudetenstraße am besten ab?
Aufgrund der Kombination aus sehr guter PKW-Erreichbarkeit, der höchsten Einwohnerzahl im Einzugsgebiet und dem berechneten hohen Marktpotenzial weist dieser Standort die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansiedlung auf.
- Quote paper
- Jörg Scharfenberger (Author), 2005, Standortplanung im Einzelhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73406