Motivation - Beobachtung von Motivationsaspekten im Unterricht einer zweiten Klasse


Praktikumsbericht / -arbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Einige Motivationsmodelle im direkten Bezug zu den Beobachtungen im Unterricht
2.1 Die Intrinsische und extrinsische Motivation
2.2 Die Bedürfnispyramide von Maslow
2.3 Die Leistungsmotivation von Atkinson
2.4 Die Attributionstheorie von Weiner

3. Motivieren im Unterricht
3.1 Erfolg und Verstärkung
3.2 Mit Spaß und Interesse an den Lerngegenstand
3.3 Motivation der Schüler untereinander
3.4 Funktion der Zieltransparenz

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen meines sechswöchigen Schulpraktikums besuchte ich die Astrid-Lindgren-Schule in Bochum-Linden. Es handelt sich dabei um eine Grundschule, die nach dem Namen der schwedischen Kinderbuchautorin „Astrid Lindgren“ benannt ist und auf dieser Tatsache aufbauend eine Unterrichtsweise bietet, die Kinder mit Freude und Spaß an die Lerninhalte heranführt. Die Astrid-Lindgren-Schule ist eine Gemeinschafts- grundschule mit ca. 200 Schülern, die in den Jahrgängen 1-4 in jeweils zwei Klassen unterteilt sind. Im Erdgeschoss befinden sich die Klassen 1-4 a und die Küche, in der ersten Etage befinden sich die Klassen 1-4 b und das Büro der Schulleitung, während sich in der zweiten Etage das Lehrerzimmer der insgesamt zehn Lehrerinnen, der Betreuungsraum für Kinder und die Wohnung der Hausmeisterin befindet. Die Schule verfügt über einen Schulhof mit Völkerballfeld und verschiedenen Spielmöglichkeiten für die Kinder.

Die erste Woche diente mir zur allgemeinen Orientierung. Ich lernte die Ordnungen, die verschiedenen Lehrerinnen und die Klassen der Schule kennen. Die Schulleiterin wies mir zuvor eine Lehrerin zu, die ich durch die verschiedenen Klassen begleiten konnte. Schnell wurde mir allerdings klar, dass mir die Unterrichtsatmosphäre in der Klasse 2a am Besten gefiel und ich meine Beobachtungen und die ersten eigenen Unterrichtsversuche in dieser Klasse speziell durchführen wollte.

Bevor ich allerdings den ersten eigenen Unterrichtsversuch genau durchplanen konnte, musste ich spontan als Vertretung für meine Begleitlehrerin einspringen. Ich knüpfte mit den Schülern an die am Vortag besprochenen Arbeitsaufgaben an und überlegte mir schnell neue Aufgaben, die sie zu einem Text erledigen sollten. In den ersten fünf Minuten, in denen ich vor der Klasse stand, stellte ich mir die Frage: „Wie motiviere ich die Kinder jetzt mitzuarbeiten?“

Von dieser Frage ausgehend, beschäftigte ich mich während der weiteren Beobachtungsphase implizit mit dem Thema der „Motivation“, wobei ich die Möglichkeit der externen und die der internen Beobachtung, wenn ich kleine Unterrichtseinheiten selbst durchführte, für die Beantwortung meiner oben gestellten Frage nutze.

Die Beantwortung der Frage, welche Motivierungsmöglichkeiten es für eine Schulklasse gibt und welche Formen und Auffälligkeiten ich beobachten konnte, soll in Verbindung mit der theoretischen Seite der Motivation die Grundlage meines Praktikumsberichtes sein.

2. Einige Motivationsmodelle im direkten Bezug zu den Beobachtungen im Unterricht

Bevor ich näher auf die von mir vier ausgewählten Motivationsmodelle eingehe und sie mit meinen praktischen Beobachten im Unterricht in Verbindung setze, befasse ich mich kurz mit der Definition von Motivation.

Das Motivationsgeschehen eines Menschen ist immer von einem Motiv und dem Charakter einer gerade gegeben Situation abhängig. Motive werden als Persönlichkeits- dispositionen (Disposition= Verfügbarkeit) aufgefasst, die auf bestimmte Zielzustände hinweisen, die noch nicht erfüllt sind, aber angestrebt werden. Solche Motive sind zum Beispiel die Triebe eines Menschen, seine Bedürfnisse, Wünsche, Interessen, oder verschiedene Strebungen und Neigungen. Diese Motive sind bei allen Menschen im Laufe ihres Lebens unterschiedlich stark ausgeprägt, wodurch viele unterschiedliche Motivationsgeschehnisse aus gegebenen Situationen entstehen. Motive und Situationen stehen in einem Wechselwirkungsverhältnis, da sie sich beidseitig bedingen.

Wie eine Person individuell auf eine aktuelle Situation reagiert, wird von dem derzeit stärksten Motiv bestimmt. Motivation bedeutet demnach, dass eine Verhaltenssteuerung durch personale Motive in konkreten Situationen erzeugt wird. Durch diese Verhaltensteuerung wird die Aktivität einer Person auf ein bestimmtes Ziel gelenkt, was erreicht werden will.[1]

Motivation (lateinisch movere = bewegen) ist nach dieser Erkenntnis die Verhaltens- bereitschaft zu einer gegebenen Situation, die unter dem Einfluss der psychischen Kräfte (Motive) stehen, die das Verhalten antreiben.[2]

Zu den Motivationsgeschehnissen gibt es verschiedene Modelle, die ich zum Teil mit meinen Beobachtungen in Verbindung setzen kann.

2.1 Die Intrinsische und extrinsische Motivation

Es gibt zwei Quellen, die die Motivationsbereitschaft beeinflussen: Die internen Faktoren, bei denen eine Tätigkeit ihrer selbst willen ausgeführt wird (intrinsische Motivation), und die externen Faktoren, die eine Tätigkeit aufgrund ihrer positiven oder negativen Konsequenzen beeinflussen (externe Motivation). Die intrinsische Motivation kommt ohne äußeren Druck „von innen heraus“, das Individuum hat Spaß an einer Tätigkeit, interessiert sich dafür und ist neugierig auf die Ziele. Die extrinsische Motivation hingegen wird „von außen beeinflusst“. Der Anreiz für eine Tätigkeit liegt in dessen Ergebnis. Man möchte die Tätigkeit zu Ende bringen, um die Belohnung, das Lob, die Anerkennung oder im allgemeinen das spezifische Ziel zu erreichen. Ein Schüler kann für eine Deutscharbeit aus extrinsischer und intrinsischer Motivation lernen. Er kann sich zum Beispiel für das Thema der Arbeit sehr interessieren, möchte vielleicht später Germanistik studieren (intrinsisch) oder möchte eine gute Note und Anerkennung der Eltern erlangen (extrinsisch).[3]

Die extrinsische Motivation setzt sich aus der positiven Verstärkung, bzw. der Belohnung (z.B. eine gute Note und Anerkennung) und aus der negativen Verstärkung , bzw. dem Zwang eine Tätigkeit durchzuführen, zusammen. Die intrinsische Motivation ist eine Komposition aus dem Sachinteresse, bzw. der Neugier, dem Anreizwert einer Tätigkeit und der Erfolgserwartung.[4]

Bei meinen Beobachtungen zu diesem Modell waren beide Motivationsseiten zu beobachten. Die Lehrerin erklärte eine neue zu lösende Arbeitsaufgabe. Dabei sollten die Kinder etwas schreiben und das auf dem Arbeitsblatt abgebildete Bild ausmalen. Die Kinder zeigten das Bedürfnis das Arbeitsblatt möglichst schnell zu erhalten, um ihre Neugier, was die Aufgabe bietet, zu stillen. Auch das schnelle Beginnen der Aufgabe verdeutlichte eine neugierige Einstellung der Aufgabe gegenüber. Die Aufgabe wurde so gewählt, dass sie in das Interessengebiet der Zweitklässler passt, um auch den intrinsischen Aspekt des Interesses anzusprechen.

Vor allem aber der Spaß der Kinder an dem Ausmalen des Bildes war zu erkennen (verallgemeinert, da es Kinder gibt, die sehr gerne etwas ausmalen und andere, die es nicht ganz so gerne tun). Die Allgemeinheit der Kinder hatte Spaß an der Aufgabe und erledigte sie zügig. Diese Aspekte lassen sich zu der intrinsischen Motivation zuordnen. Extrinsische Motivationsaspekte bei dieser und anderen Aufgaben richtete sich an die Aufmerksamkeit durch die Lehrerin. Die Kinder hatten nach der Erledigung verschiedener Aufgaben immer das Bedürfnis es der Lehrerin zu zeigen, um von ihr ein Lob zu erlangen. Oft verteilte die Lehrerin als Belohnung Stempelabdrücke unter die erledigte Aufgabe. Nachdem die Kinder gemerkt haben, dass auch ich ihnen die erwünschte Bekräftigung bieten kann, habe ich festgestellt, dass sie mehr zu mir gekommen sind, da ich (zuerst unbewusst) mehr Lob verteilt habe als die routinierte Lehrerin, was ihnen offensichtlich gefallen hat. Die Schüler motivierten sich auch selbst extrinsisch. Sie wollten bei Aufgabenbearbeitungen nicht die Letzten sein, wollten sich mit den Mitschülern vergleichen können und wünschten sich auch auf der Schülerebene Anerkennung.

2.2 Die Bedürfnispyramide von Maslow

Ein weiteres Motivationsmodell ist die Bedürfnispyramide von Maslow, die als eine „Motivliste“ der menschlichen Motivation anzusehen ist. Bei der Bedürfnispyramide handelt es sich um eine Art Liste der fünf grundlegenden Grundbedürfnisse , wobei die hierarchieniedrigeren Bedürfnisse erst befriedigt sein müssen, damit die nächst höheren Bedürfnisse zu befriedigen versucht werden. Das bedeutet, dass sich in einem Konflikt zweier Bedürfnisse, die beide befriedigt werden wollen, immer das niedrigere durchsetzt und befriedigt wird. Die fünf Bedürfniskategorien sind 1. die physiologischen Bedürfnisse wie z.B. Nahrung, Sexualität, körperliches Wohlbefinden etc., 2. die Sicherheitsbedürfnisse wie z.B. keine Angst vor Bedrohung zu empfinden, Schutz vor Schmerz und sich sicher zu fühlen, 3. die Liebesbedürfnisse, die das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Freundschaft, Interaktion und Zugehörigkeit implizieren, 4. das Bedürfnis nach Selbstachtung, was das Bedürfnis nach einem positiven Selbstwertgefühl, nach dem Gefühl des Selbstvertrauen und nach einem positiven Gefühl der eigenen Kompetenz und des Talents beinhaltet, und 5. das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, bzw. das Bedürfnis nach wertvoller Arbeit und nach einem Sinn des Lebens.

[...]


[1] Vgl.: Edelmann, Walter: Lernpsychologie. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Weinheim 2000. S. 46/47.

[2] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Motivation

[3] Vgl.: Schlag, Bernhard: Lern- und Leistungsmotivation. Opladen 1995. S. 20/21.

[4] Vgl.: Edelmann, Walter: S. 258.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Motivation - Beobachtung von Motivationsaspekten im Unterricht einer zweiten Klasse
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Schulpraktische Studien
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V73416
ISBN (eBook)
9783638632973
ISBN (Buch)
9783638919203
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motivation, Beobachtung, Motivationsaspekten, Unterricht, Klasse, Schulpraktische, Studien
Arbeit zitieren
Inga Hemmerling (Autor), 2006, Motivation - Beobachtung von Motivationsaspekten im Unterricht einer zweiten Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73416

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