Die "Gilmore Girls". Die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Emily und Lorelai


Hausarbeit, 2006

25 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Emily Gilmore

3. Lorelai Gilmore

4. Die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Emily und Lorelai

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Gilmore Girls. Das ist eine kleine Gruppe von Frauen aus drei Generationen: Emily (die Mutter von Lorelai und die Großmutter von Rory), Lorelai (die Tochter von Emily und die Mutter von Rory), und Rory (die Tochter von Lorelai und die Enkeltochter von Emily). Und wie in so mancher Familie werden diese Beziehungen nicht nur von Harmonie gekennzeichnet. Dies fällt insbesondere zwischen Emily und ihrer Tochter Lorelai auf, die nur allzu oft aneinander geraten. Diese von Streit und verbal verletzenden Dialogen geprägte Beziehung gilt es in dieser Hausarbeit zu analysieren.

Wie ist die Mutter-Tochter Beziehung zwischen Emily und Lorelai?

Dazu werde ich in Punkt 2 und 3 zunächst auf die zu betrachtenden Personen eingehen. Diese Figurenanalysen sollen die unterschiedlichen Charaktere beleuchten um schließlich die Beziehung und das Verhalten in dieser Beziehung zu verstehen und nachzuvollziehen. Die Beziehung wird schließlich in Punkt 4 analysiert. In dieser Analyse werden verschiedene Dialoge und Situationen aus der Serie exemplarisch angeführt, um mit deren Hilfe das Verhältnis von Mutter und Tochter zu reflektieren.

Ist diese Beziehung so, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint? Mag Lorelai Emily wirklich so wenig, wie sie es stets behauptet? Haben sie in der Tat ein ausschließlich schlechtes Verhältnis? Liegt die Begründung des schlechten Verhältnisses in der Vergangenheit, also in der Kindheit von Lorelai? War und ist Emily wirklich so grausam, wie es Lorelai darstellt? Mögen sich Mutter und Tochter wirklich so wenig, wie es die Dialoge beim Abendessen wiederzuspiegeln scheinen? Oder verbirgt sich hinter dieser scheinbaren Offensichtlichkeit der gegenseitigen Verachtung doch mehr? Vielleicht sogar eine gegenseitige Sympathie?

Diesen Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit auf den Zahn fühlen und schließlich in dem letzten Punkt, dem Fazit, versuchen, Antworten darauf zu geben.

2. Emily Gilmore

Emily Gilmore wird in ihrer ersten Szene in der Serie „Gilmore Girls“ von ihrer Tochter Lorelai besucht. Sie tritt in der ersten Folge in der 19. Minute auf. Ihr Blick beim Öffnen der Tür verrät Erstaunen. Und die folgende Frage „Ist denn schon Ostern?“[1] bestätigt den Eindruck und verrät, dass ihre Tochter nicht oft vor ihrer Tür steht. Ihr Styling, ihre Kleidung, ihre Körperhaltung und ihre Sprache lassen verstehen, dass Emily aus gutem Hause kommt und machen einen sehr konservativen Eindruck. Die Haare sind gewellt nach hinten gekämmt. Ihre Frisur unterstützt ihre gepflegte Erscheinung und der perfekte Sitz des Haars spiegelt unterstützend ihren Charakter- ihre Perfektion und Liebe zum Detail – wieder. Ihre Kleidung macht mit einer schwarzen Stoffhose, der weißen Seidenbluse und dem darüber fallenden grauen Blazer einen konservativen Eindruck, der auch von dem Schmuck - einer langen dünnen goldenen Kette mit Anhänger und kleinen, dezenten Ohrringen – unterstützt wird und das Bild abrundet. Sie steht aufrecht, hat die Hände ineinander gefaltet vor dem Körper und den Kopf nach oben gerichtet. Als sie später mit Lorelai im Wohnzimmer sitzt, hat sie die Beine übereinander geschlagen und die Hände gefaltet im Schoß liegen. Sie lehnt sich nicht an, sondern sitzt mit Spannung im Rücken ganz gerade. Sie wirkt sehr kontrolliert, überaus korrekt und selbstbewusst. Lorelai bittet Emily um Geld für die Ausbildung für Rory – die Tochter von Lorelai und die Enkeltochter von Emily – die aufgrund ihrer herausragenden schulischen Leistungen eine Privatschule besuchen soll. Emily verpflichtet sich, die Schulgebühren zu bezahlen, die ihr Lorelai zurückzahlen will, dies jedoch nur unter der Bedingung, dass Lorelai und Rory von nun an jeden Freitag zu ihr und ihrem Mann Richard zum Essen kommen. Sie erpresst Lorelai damit. Emily scheint ganz genau zu wissen, was sie will und es schient ihr jedes Mittel recht zu sein, um ihren Willen durchzusetzen. Das ist jedoch eher zweitrangig, denn mit dieser Maßnahme erhofft sie sich, die Familie wieder zu vereinen und am Leben ihrer Tochter und ihrer Enkelin wieder teilzuhaben.

Emily Gilmore ist verheiratet mit Richard Gilmore, mit dem sie ihre Tochter Lorelai hat. Nachdem Lorelai mit 16 Jahren schwanger wurde, haben sich die Eltern und die Tochter völlig voneinander distanziert und Lorelai regelte von nun an ihr Leben völlig selbstständig. Die Eltern bekamen somit weder viel vom Leben ihrer Tochter noch von dem ihrer Enkelin mit. Trotz der lokalen Nähe kam die Familie nur an Feiertagen zusammen. Diese emotionale Distanz soll aber nicht anhalten und so kommt es Emily gelegen, dass sie ihre Tochter und Enkelin nun jeden Freitagabend bei einem gemeinsamen Essen zu Gesicht bekommt.

Emily gehört der Oberschicht an. Das Geld verdient allein ihr Mann, während sie den gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommt. Das kann durch verschiedene Fördervereine, durch sportliche Aktivitäten wie Golfen oder auch durch die Organisation von oder Teilnahme an Partys geschehen. Sie lässt sich regelmäßig bei wichtigen Events und Leuten blicken. So kennt sie die wichtigsten, bedeutendsten und vor allem einflussreichsten Personen, wie beispielsweise den Direktor der Privatschule, auf die Rory gehen soll, wodurch Emily gewisse Vorteile und Macht genießt. Sie ist also ein vornehmes und reiches Milieu gewohnt, dem sie angehörig ist. Diese Zugehörigkeit wird nicht nur in ihren gesellschaftlichen Aktivitäten und offensichtlichem Reichtum, der sich unter anderem in einem sehr großen Haus auszeichnet, sondern auch durch ihre Optik sichtbar nach außen getragen. Das Beste ist für Emily Gilmore gerade gut genug. Gekleidet wird sich in schönen Blusen mit Stoffhosen, passendem Blazern und auch schon mal in knielangen Röcken und geschlossenen flachen Slippern. Schmuck wird auch getragen – dies jedoch vornehm dezent. Sie trägt stets ein leichtes Make-up und die braunen Harre liegen stets perfekt. Diese Perfektion spiegelt sich auch in ihrer geraden, schon beinahe grazilen und stolzen Körperhaltung und ihrem ruhigen und kontrollierten Gang wieder. Emily benutzt eine wohl überlegte Sprache, die keine umgangssprachlichen Wörter oder Redewendungen zulässt und dessen Tonfall stets freundlich und höflich wirkt. Und das selbst dann, wenn sie in Wirklichkeit – wie so oft bei Lorelai – herumstichelt. Nur selten gerät sie in Rage, verliert die Selbstkontrolle und wird laut. Das passiert am ehesten in Auseinandersetzungen mit ihrem Mann Richard oder auch mit ihrer Tochter.

Emily ist in ihrem Verhalten gegenüber anderen äußerst dominant und bestimmend. Sie hält ihre Sichtweisen und Werte für die einzig Wahren und meint deshalb diese auch ihrer Mitwelt nahe legen zu müssen.

Die Beziehung zu ihrem Mann Richard wirkt auf den Zuschauer sehr kühl und distanziert. Richard wirkt seiner Frau gegenüber fast resignierend. Emily äußert stets ihre Bedenken im Handeln ihres Mannes und legt Wünsche nahe. Oder um es besser auszudrücken: Sie lässt Richard gar keine andere Wahl, als ihren Wünschen zu folgen. So bittet sie ihn in der ersten Staffel in der dritten Folge „Familie mit Handicap“ darum, mit Rory Golf zu spielen. Auch wenn Richard den Tag im Nachhinein sehr genossen hat und sich dadurch auch seiner Enkelin angenähert hat, so wollte er in diesem Moment diese Bitte lieber ausschlagen. Emily jedoch ließ dies nicht zu und setzte wie allzu oft ihren Willen durch.

Gegenüber ihrer Tochter Lorelai ist sie sehr distanziert und in ihrer Stimme liegt immer der Anschein von Ablehnung und Missachtung. Sie missachtet nicht Lorelai, sondern ihren Lebensstil und ihren Werdegang, was sie ihre Tochter in regelmäßigen Abständen, sprich bei beinahe jedem Abendessen und sich fast jeder bietenden Gelegenheit, spüren lässt. Zu diesem Verhältnis möchte ich jedoch erst später genauer eingehen.

Ihre Enkeltochter Rory liegt Emily sehr am Herzen. Sie ist sehr stolz, dass wenigstens sie den Weg einschlägt, den sich Emily schon für ihre Tochter gewünscht hat und dass wenigstens sie Interesse für dieselben Dinge zeigt, die auch sie interessieren. Dazu wäre erneut das Golfen erwähnt. Lorelai befindet diese Idee, die von Emily in den Raum geworfen worden ist, für nicht gut. Rory hingegen wirkt dem Golfen nicht abgeneigt. Dies sagt sie nicht nur aus Anstand ihren Großeltern gegenüber, auch wenn Lorelai das vermutet. Rory macht dieser Tag sehr viel Freude und lässt sie viele Gemeinsamkeiten zu ihrem Großvater erkennen, was Lorelai sehr erstaunt und Emily freut. Auch die guten schulischen Leistungen begeistern Emily und machen sie sehr stolz.

„Eine solide Ausbildung ist das wichtigste auf der Welt.

Neben der Familie.“[2]

Mit dieser Aussage wird auch der Stellenwert ihrer Familie betont, was ihre persönlichen Werte zum Ausdruck bringt. Dazu jedoch noch später genauer.

Das Verhalten gegenüber ihren Hausangestellten ist ebenfalls nennenswert, denn es ist von großem Desinteresse und stetiger Unzufriedenheit geprägt. Kein Hausmädchen – sei es noch so bemüht und fleißig - ist Emily Gilmore gut genug. Sie kennt sie nicht einmal beim Namen. Jeden Freitagabend wird der Gilmore-Klan von einem anderen Hausmädchen bedient. Und nie nennt es Emily beim richtigen Namen, den Lorelai hingegen schon nach der ersten Nennung kennt. Das zeigt, wie unwichtig diese für die Hausherrin sind.

Das Verhalten sich selbst gegenüber ist sehr diszipliniert. Sie handelt so, wie sie denkt, dass es sich für eine Dame ihres Standes gehört. Sie sieht sich selbst als feine Dame, die sich bestens in der Gesellschaft auskennt und in dieser professionell agiert. Das ist ihr Job, der sich in Sport- oder Fördervereinen oder auch in gelungenen und perfekt organisierten Festen auszeichnet. In ihren Augen macht sie einen guten Job. Auch für Rory wird sie tätig. Zu ihrem 16. Geburtstag organisiert sie eine große Party mit allen wichtigen und einflussreichen Leuten aus der Umgebung und ihren neuen reichen Schulkameraden von der Privatschule, die Rory seit Neustem besucht. Alles ist perfekt, nur leider überhaupt nicht nach Rorys Geschmack, die ja eigentlich die Hauptperson des Abends sein sollte. Sie kann mit ihren neuen Klassenkameraden genauso wenig anfangen, wie diese mit ihr anfangen können. Emily verwirklicht an diesem Abend ihre Vorstellungen von einer perfekten Geburtstagfeier und nicht die ihrer Enkelin. Nachdem Rory es ablehnt eine Rede an die Gäste zu halten, ist Emily zutiefst verletzt, bei all der Mühe, die sie sich gegeben hat. Und auch ein Gespräch mit Lorelai scheint sie zunächst nicht zu beschwichtigen und die Einladung zu der kleinen privaten Feier mit Rorys Freunden wird zunächst ebenfalls abgelehnt: aus lauter Verletztheit und Sturrheit. Am nächsten Tag steht sie schließlich doch mit Richard bei Lorelai und Rory vor der Tür. Zum allerersten Mal! Emily hat sich einen Ruck gegeben und ihren Stolz überwunden. Sie ist Rory zuliebe gekommen. In ihrem Inneren steht die Familie doch an oberster Stelle und somit stehen Sentimentalitäten genauso im Zentrum ihres Lebens, wie ihr Job, wenn nicht sogar noch mehr. Wenn sie Fehler im ersten Moment auch nicht zugeben mag, so denkt sie im Nachhinein doch darüber nach und nimmt sich Ratschläge und auch Vorwürfe zu Herzen.

[...]


[1] Gilmore Girls, erste Staffel, 1. Episode: Alles auf Anfang, 19. Minute

[2] Gilmore Gils, erste Staffel, Folge1: Alles auf Anfang, 35. Minute

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die "Gilmore Girls". Die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Emily und Lorelai
Hochschule
Universität Siegen  (Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Von "Beverly Hills 90210" zu "O.C. California": Geschlechterkonstruktion in US-amerikanischen Serien
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V73435
ISBN (eBook)
9783638634533
ISBN (Buch)
9783638675819
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gilmore, Girls, Mutter-Tochter-Beziehung, Emily, Lorelai, Beverly, Hills, California, Geschlechterkonstruktion, US-amerikanischen, Serien
Arbeit zitieren
Olivia Müller (Autor), 2006, Die "Gilmore Girls". Die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Emily und Lorelai, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73435

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