Die Entwicklung der Sozialen Arbeit im Faschismus


Hausarbeit, 2006
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundgedanken nationalsozialistischer Fürsorgepolitik
2. 1 Volkswohl statt Einzelfürsorge
2. 2 Positive soziale Arbeit
2. 3 Unterstützungswürdiges und unterstützungsunwürdiges Klientel

3. Entwicklung freier und öffentlicher Träger in der Zeit des Nationalsozialismus
3. 1 Nationale Volkswohlfahrt (NSV)
3. 2 Entwicklung im Bereich der Jugend- und Gesundheitsämter
3. 3 Freie Wohlfahrtspflege
3. 4 Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
3. 5 Zentralwohlfahrtstelle der Juden (ZWST)
3. 6 Innerer Mission und Caritas

4. Einzelne Arbeitsfelder während des Nationalsozialismus und damit einhergehende Entwicklung der Profession
4. 1 Veränderte Anforderungen auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge
4. 2 Familienpolitik und Familienfürsorge
4. 3 Entprofessionalisierung des Wohlfahrtspflegeberufes
4. 4 Emigration der Sozialarbeit
4. 5 Die Profession im Krieg

5. Die Lage des Klientel
5. 1 Schwer Erziehbare Jugendliche
5. 1. 2 Jugendschutzlager
5. 1. 3 Alltag im Lager Uckermark

6. Nationalsozialistische Sozialarbeit in Leipzig

7. Fazit / Ausblick

Literaturverzeichis

Internetquelle

1. Einleitung

Soziale Arbeit im Faschismus ist nach wie vor ein mit dem Gefühl von Schuld be­haftetes Kapitel unserer Zeitgeschichte. Das eigentliche Ziel sozialer Arbeit, nämlich dem hilfebedürftigen Individuum zu helfen, geriet mit der Machtergreifung Hitlers 1933 immer mehr aus dem Blickfeld. Im Gegenteil, die Politik der Nationalsozialis­ten grenzte aus, sperrte weg, tötete, sterilisierte und quälte tausende „potentieller“ Klienten.

Mit Blick auf die Sozialpolitik der damaligen Zeit lässt sich sagen, dass die rasch durchgeführten sozialpolitischen Maßnahmen nach Hitlers Machtergreifung zunächst recht Erfolg versprechend schienen. Die NSDAP führte Arbeitsbeschaffungsmaß­nahmen durch, erweiterte die Arbeitsgesetzgebung, führte neue Regelungen bezüg­lich des Arbeitsschutzes/ -zeitrechts, des Betriebsschutzes und der Gewerbehygiene ein. Weiterhin fand eine Umstrukturierung des Sozialversicherungssystems im natio­nalsozialistischen Sinne statt, es gab eine Vielzahl familienpolitischer Maßnahmen und Verbesserungen im Wohnungs- und Siedlungswesen. (vgl. Zeller, 1994, S. 133)

All diese Veränderungen hatten zur Folge, dass man die neue Politik zunehmend befürwortete. Die auf den ersten Blick erfolgreichen Maßnahmen gingen jedoch mit Manipulation einher- Eine neue erfolgreiche Wirtschaftspolitik gab es jedenfalls nicht. Die Einführung hoch subventionierter Beschäftigungsprogramme, eine Wie­dereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und der durch Prämien gesteuerte Rück­zug der Frauen aus dem Erwerbsleben sowie eine Vielzahl von Notstandsarbeiten und neu geschaffenen Arbeitsplätze im Rahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes und des Landjahrs beeinflussten die Statistiken. (vgl. Hering/ Münchmeier, 2005, S. 160f.)

Dass sich Manipulation und erzwungene Veränderung nicht nur in diesem Bereich abspielte, zeigt sich auch und besonders am Beispiel der sozialen Arbeit von 1933- 1945. Es kam zur totalen Umstrukturierung der Trägerlandschaft sozialer Arbeit. Eine völlig veränderte Arbeitsweise und Gesinnung hielt in den Berufsalltag der So­zialarbeiter/ innen Einzug. Letztlich führten die Richtlinien der Nazidiktatur zu einer Stagnation der Entwicklung sozialer Arbeit.

Ziel dieser Hausarbeit ist es diese genannten Veränderungen darzustellen und ihre Ausprägungen im Anschluss daran auch im Leipziger Raum zu beleuchten. Ab­schließend möchte ich einen Ausblick geben.

2. Grundgedanken nationalsozialistischer Fürsorgepolitik

2. 1 Volkswohl statt Einzelfürsorge

Grundlegendes Ziel der nationalsozialistischen Politik und somit auch der Fürsorge­politik war eine Durchstrukturierung der Volksgemeinschaft in allen Bereichen:

„Mit den organizistischen Vorstellungen von einer Volksgemeinschaft realisierte der Faschismus eine umfassende „community organization“ auf allen Ebenen hinunter zu den „Zellen“ seiner Einheitsverbände und der territorialen Durch­strukturierung des Überwachungsstaates bis zum „Block“, wo den Volksgenos­sen quasi als Gemeinwesenarbeiter ein „Blockwart“ vorgesetzt war.“ (Wendt, 1990, S. 252)

Die Organisation von Betriebsgemeinschaften, Dorfgemeinschaften, Hausgemein­schaften, dem Gemeinschaftswerk der Hitlerjugend oder der NS- Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KDF), diente dabei in erster Linie der totalen Kontrolle bis hinein in die Familien. Diese ermöglichte u. a. das Denken und Handeln aller Volks­genossen besser überschauen und natürlich vereinheitlichen zu können. Laut der deutschen Vertreter auf der Internationalen Konferenz für soziale Arbeit im Jahr 1936 in London, ließen sich „soziale Gegensätze… auf die Dauer in hochzivilisierten Ländern nicht durch Einzelfürsorge (case work) beheben“. (Wendt, 1990, S. 252) Aufgabe der Volkspfleger war es deshalb in erster Linie die Bildung solcher Ge­meinschaften zu fördern indem sie sich um eine „allgemeine Ertüchtigung“ des Vol­kes bemühten. (Wendt, 1990, S. 252)

Die Monopolstellung der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) begründete man u. a. damit, dass „Der bisherige `Wohlfahrtsstaat` … das Verantwortungsgefühl gegenüber dem einzelnen Volksgenossen durch Züchtung von Unterstützungsemp­fängern [schwächte].“ (Wendt, 1990, S. 277) Auch nicht Not leidende Volksgenos­sen entzögen sich ihrer Verantwortung dem Nächsten gegenüber, weil allgemein vermittelt würde, dass nur das Wohlfahrtsamt sich um Hilfebedürftige kümmern müsse. Das Recht auf Unterstützung des Einzelnen dürfe nicht über dessen Pflicht der Volksgemeinschaft gegenüber stehen. Damit wurde auch die Verpflichtung eines jeden Hilfebedürftigen begründet in erster Linie selbst zur Besserung seines Zustan­des beizutragen. (vgl. Wendt, 1990, S.277)

2. 2 Positive soziale Arbeit

Mit dem Ausdruck „positive Sozialarbeit“ verband man das Vermindern von Nega­tiverlebnissen für den Volkspfleger bei der Arbeit mit Hilfebedürftigen. Da aber Rückschläge oder gar Stagnation bei der Arbeit mit sozialen Randgruppen (unheilbar Geisteskranke, Schwererziehbare etc.) nicht zu verhindern sind, führte dies zu der Schlussfolgerung solche Problemgruppen einfach auszumerzen. Dies war das Fun­dament für häufig angewandte Euthanasieprogramme an geistig und körperlich Be­hinderten, das Wegsperren schwererziehbarer Kinder, Gauner und Obdachloser und gezielter Eingriffe in die Familienplanung durch Zwangssterilisation. Hauptbegrün­dung für solche Greultaten war das Ziel der Reinerhaltung der arischen Rasse. Die Rassenlehre wurde zum Prinzip der Lebensgestaltung für alle Volksangehörigen.

Organisationen und Einrichtungen wie etwa die deutsche Arbeitsfront, die Organisa­tion „Kraft durch Freude“ (KDF) und das „Hilfswerk Mutter und Kind“ waren den Nationalsozialisten zu Folge wesentlich für einen Übergang zu einer positiven sozi­alen Arbeit. Die Sozialpolitik sollte nämlich bereits präventiv dafür sorgen, dass kei­ner der Volksangehörigen in Not gerät. (vgl. Wendt, 1990 S. 295, zit. nach Bargel, 1944, S. 16) Dies erreichte man durch die Gesunderhaltung des Volkes.

Dafür zuständig waren unter anderem die Organisation KDF und das Hilfswerk Mutter und Kind. KDF war eine politische Organisation mit der Aufgabe, die Frei­zeit der deutschen Bevölkerung zu gestalten, zu überwachen und gleichzuschalten. Das Ziel der Organisation war es, dem deutschen Volk (Leistungs-) Kraft zu verlei­hen um aus den Deutschen ein körperlich gesundes, kriegstüchtiges Volk zu machen.

Das Hilfswerk Mutter und Kind wurde 1934 gegründet und hatte die Aufgabe, wer­dende und junge Mütter und deren Nachwuchs zu betreuen und Hilfe gleich welcher Art zu leisten. Die Fürsorge für die werdende Mutter, die Wöchnerin und die ledige Mutter, durch Müttererholungsfürsorge, durch Einrichtung von Hilfsstellen sowie durch Mütterverschickung war ihr Hauptbetätigungsfeld.

Neben der Müttererholungsfürsorge sollten insbesondere die Jugenderholungspflege, die Wahrnehmung gesundheitlicher Aufgaben in den Kindertagesstätten und gesund­heitliche Maßnahmen des Kleinkindes zur Gesundung des Volkes beitragen.

(www. wikipedia.de, 2006)

2. 3 Unterstützungswürdiges und unterstützungsunwürdiges Klientel

In der Frühphase Hitlers Herrschaft überließ man Arbeitslose und Hilfebedürftige den öffentlichen Wohlfahrtsämtern; die Pflege von Kranken wurde überwiegend von den christlichen Wohlfahrtsverbänden durchgeführt. Ideelle und materielle Unter­stützung durch die NSDAP gab es lediglich für „ … Kämpfer der nationalsozialisti­schen Bewegung und andere Träger völkisch einwandfreier Normalbiographien….“ (Müller, 1999, S.211)

Das Interesse an der Vernichtung rassisch nicht verwendbaren Lebens war anfäng­lich noch nicht vordergründig.

Zunehmende Engpässe der Finanzen der Wohlfahrtsämter sowie rassenfeindliches Gedankengut führten jedoch bald zu einer Unterteilung in unterstützungswürdige und unterstützungsunwürdige Fürsorgeempfänger. Letztere waren in Gefahr als rassisch nicht verwendbar eingestuft und in den Konzentrationslagern vernichtet zu werden.

Das Gesamteinkommen sollte ausschließlich den gesunden Familien/ Hilfebedürfti­gen zugeführt werden. Nicht bestimmt waren die Ausgaben der öffentlichen Hand für Asoziale und im physischen sowie rassischen Sinne Minderwertige. (vgl. Zeller, 1994, S. 215)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Sozialen Arbeit im Faschismus
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Geschichte der Sozialen Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V73440
ISBN (eBook)
9783638634861
ISBN (Buch)
9783638678049
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Sozialen, Arbeit, Faschismus, Geschichte
Arbeit zitieren
Monika Dittmar (Autor), 2006, Die Entwicklung der Sozialen Arbeit im Faschismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73440

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