Paul Gauguin gehört zu der Reihe der so genannanten Maler-Bildhauer, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts als Maler mit der Bildhauerei beschäftigte. Neben Gauguin widmeten sich der Bildhauerei solche Künstler wie Renoir, Degas, Daumier, Matisse etc. Wie andere Künstler jener Zeit, experimentierte Gauguin mit verschiedenen Richtungen und mit unteschiedlichen Materialen. Neben Malerei sind auch seine Keramiken und Skulpturen, Holzreliefs und Zinkographien bekannt. Das Ursprüngliche am Modellieren war es das, was ihn faszinierte. Wie er selbst behauptete, suchte er bei jedem Material nach dem ihm eigentümlichen Charakter. Wie viele andere Maler jener Zeit stellte er den Abbild- und Zeichencharakter des Bildes in Frage und versuchte eine neue Bildsprache zu ergründen.
Während die Malerei als Hauptbeschäftigung Gauguins galt, wurde die Bildhauerei eher als sein privates Vergnügen angesehen . Mehr noch als in der Malerei ließ sich Gauguin bei den Keramiken und Holzreliefen von seiner Phantasie leiten. Hier konnte er seine inneren Ideen weniger eingeschränkt zum Ausdruck bringen. So wie bei einem unter seinen Reliefen, in dem Flachrelief Soyez mystèrieuses (Seid geheimnisvoll). Das ist ein polychromes Holzrelief mit einer warmen gelben, roten und grünen Farbpalette. Dominierend ist aber ein variantenreiches Grün in feinen Nuancen. Die Komposition ist, wie für diese Periode typisch, relativ einfach. Aber der eingeschriebene Titel Soyez mysterieuses im oberen linken Bildecke deutet daran, dass hinter diesem Titel ein Bedeutungsgehalt steht, denn es herauszufinden gilt. Folgende Fragen ergeben sich bei der näheren Betrachtung des Reliefs:
Warum wählte Gauguin ein polychromes Holzrelief als Ausdrück seiner Idee? Woher rührt sein Interesse für Relief als Form und Holz als Material ? Wie kann man die eigentliche Bedeutung dieses symbolischen Werkes ikonologisch interpretieren ? Welche Philosophie verhüllte Gauguin hinter diesem Werk ? Um diese Fragen zu beantworten, sollte man das Relief als Wiederspiegelung seiner Philisophie und seines künstlerischen Stils ansehen, und die Entwicklung seines Stils in der Zeit von 1886 bis 1891 nachvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung.
Paul Gauguin als Maler und Bildhauer.
2. Vom Impressionismus zum Symbolismus.
2.1. Gauguins Philosophie von der Rolle der Natur in der Kunst.
2.2. Einflüsse auf den künstlerischen Stil Gauguins.
2.3. Der neue Stil und das neue ästhetische Programm.
3. Symbolische Bedeutung des Flachreliefs Soyez mystèrieuse.
3.1. Symbolismus.
3.2. Gauguin und das Denken in den Begriffen der Linie und Farbe.
3.3. Lindenholz als Material für Seid geheimnisvoll.
4. Flachrelief Soyez mystèrieuse und seine Bedeutung für uns heute.
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die künstlerische Entwicklung Paul Gauguins am Übergang vom Impressionismus zum Symbolismus und analysiert anhand des Holzreliefs "Soyez mystèrieuse" die zugrunde liegende Ästhetik, Materialwahl und ikonographische Bedeutung.
- Die Abkehr Gauguins vom impressionistischen Naturverständnis.
- Einflüsse des Japanismus und der Kunst indigener Völker auf seinen Stil.
- Die theoretischen Grundlagen des "Synthetismus" und des "Malerischen Symbolismus".
- Die Analyse der Polarität zwischen Materie und Geist im Reliefwerk.
- Die historische Bedeutung von Gauguins Kompositionsprinzipien für die Kunst des 20. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
3.3. Lindenholz als Material für Seid geheimnisvoll.
Die Entdeckungsreise der Symbolisten galt der inneren Welt. Zur selben Zeit stieß die Psychoanalyse ins Unbewusste vor. Um die Zwiespältigkeit des Bewusstseins auszudrücken, wählten die Künstler das „Spiel“ der Beziehungen – die geheimnisvollen Verbindungen.
Die innere Welt beschränkte sich nicht auf die Welt des Körpers und des Geistes. Die Materie an und für sich wurde hinterfragt. Das ist einer der Gründe, warum man wieder in Holz arbeitete. Der Künstler wollte sich mit dem Widerstand der Natur auseinandersetzen, die Narben und Unebenheiten des Materials spüren, das Eigenleben der Struktur erkennen, die er zu seinem Werk machen wollte.
Gauguins Interesse am Lindenholz für die Anfertigung von Reliefen rührt daher, dass nach seiner Ansicht das Lindenholz der Farbe der auf den Reliefen dargestellten Frauen entsprach.
Man kann vermuten, in dem Relief Seid geheimnisvoll den Körper einer tahitischen Frau zu erkennen. Die Farbe des Lindenholzes, ähnlich der Hautfarbe der Bewohner der Pazifischen Inseln, stützt diese Vermutung, wobei Gauguin dieses Relief noch vor seiner ersten Reise nach Tahiti geschaffen hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung.: Einführung in Gauguins Rolle als Maler und Bildhauer und Beschreibung des Reliefs "Soyez mystèrieuse".
2. Vom Impressionismus zum Symbolismus.: Untersuchung der theoretischen Abkehr Gauguins vom Impressionismus hin zu einer symbolisch-subjektiven Weltsicht.
3. Symbolische Bedeutung des Flachreliefs Soyez mystèrieuse.: Detaillierte ikonographische Analyse der symbolischen Inhalte und der Materialwahl des Reliefs.
4. Flachrelief Soyez mystèrieuse und seine Bedeutung für uns heute.: Bewertung des Einflusses von Gauguins Kompositionsprinzipien auf die moderne Kunstgeschichte.
Schlüsselwörter
Paul Gauguin, Symbolismus, Impressionismus, Soyez mystèrieuse, Holzrelief, Synthetismus, Japanismus, Natur, Kunstgeschichte, Skulptur, Lindenholz, Ikonographie, Moderne, Ästhetik, Kunsttheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das künstlerische Schaffen Paul Gauguins in seiner Übergangsphase vom Impressionismus zum Symbolismus, fokussiert auf seine Holzreliefs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die ästhetische Philosophie Gauguins, die Bedeutung von Materialität in der Kunst sowie die Entschlüsselung symbolischer Bildmotive.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, wie Gauguin durch seine neue Bildsprache und die Verwendung von Holz als Medium versucht hat, tiefere geistige und symbolische Gehalte auszudrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Methoden der Stil- und Ikonographieanalyse sowie den Vergleich mit zeithistorischen Schriften und Briefen des Künstlers.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die philosophischen Hintergründe des Symbolismus, die Einflüsse außereuropäischer Kunst und die spezifische Bedeutung von Werken wie "Soyez mystèrieuse".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Synthetismus, Polarität, Materialität, Subjektivität, mystische Tiefenschicht und die Weiterentwicklung des künstlerischen Stils.
Warum wählte Gauguin ausgerechnet Lindenholz für seine Reliefs?
Gauguin bevorzugte Lindenholz, weil dessen Farbton seiner Ansicht nach der Hautfarbe der Frauen der Pazifischen Inseln entsprach und er den Widerstand sowie die Narben des natürlichen Materials in seinem Werk spürbar machen wollte.
In welchem Zusammenhang steht das Relief "Soyez mystèrieuse" zu anderen Werken?
Der Autor ordnet das Werk in eine "Trilogie" ein, zusammen mit "In den schwarzen Felsen" und "Seid verliebt", welche unterschiedliche Facetten der Zustimmung und Verneinung gegenüber dem Leben thematisieren.
- Quote paper
- Natalia Spektor (Author), 2004, Über Paul Gauguin - Soyez mystèrieuses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73452