Die Kestnergesellschaft gilt sowohl architektonisch als auch konzeptuell als modernes Ausstellungshaus. Ihre Internetseite und auch im Haus ausliegende Informationsbroschüren geben ihre wesentlichen Ansprüche an das Programm wieder:
Internationalität, Interdisziplinarität und Aktualität.
Damit steht der Name Kestnergesellschaft für eine fortschrittliche kulturvermittelnde Einrichtung, die Kultur als einen bedeutenden Gesellschaftsfaktor anerkennt. Mit ihrem Programm bietet die Institution ihren Besuchern die Möglichkeit, sich nicht nur mit aktueller Kunst und Kultur, sondern auch mit Kunst im und als Einfluss international gesellschaftlicher Entwicklungen auseinanderzusetzen.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es in der heutigen Zeit mit abnehmenden staatlichen Subventionen und steigendem Wettbewerb zwischen den Kulturinstitutionen einer guten Vermarktung. Besucher zu gewinnen, um sich als Ausstellungshaus zu behaupten und gleichzeitig das ‚Vermarktungsprodukt’ Kunst als kulturelles Gut nicht aus den Augen zu verlieren ist ein Balanceakt, der der Kestnergesellschaft im Rahmen der Vereinsarbeit mit Hilfe der Kombination verschiedener Finanzierungsquellen auf hohem Niveau zu gelingen scheint.
Die Tatsache, dass ein Kunstverein keine Anzeige schaltet, um für Praktikanten zu werben, sondern Plakate dafür aushängt, spricht für eine sehr individuelle Art, seine Institution zu präsentieren, aber auch für einen zeitgemäßen Umgang mit Kultur.
Ein Praktikum in der Kestnergesellschaft erschien mir demzufolge sehr sinnvoll, zudem sie sich nicht als reines Ausstellungshaus, sondern mit ihren zusätzlichen Projekten als spartenübergreifende Kultureinrichtung präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte und Entwicklung
3. Das Haus
4. Das Konzept
4.1 Besucherorientierung
4.2 Image
4.3 Programm
5. Finanzierung
6. Mitarbeiterstruktur
6.1 Die Kuratoren
6.2 das kestnerlabor
7. Einordnung in das Berufsfeld Kulturvermittlung
8. Studium und Arbeit in der Kestnergesellschaft im Vergleich
9. Persönliche Bewertung des Praktikums
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit reflektiert die Erfahrungen und Beobachtungen eines Praktikums in der Kestnergesellschaft. Ziel ist es, die organisatorischen Strukturen, das Finanzierungskonzept sowie die Ansätze der Kulturvermittlung der Institution zu analysieren und in einen wissenschaftlichen Bezug zum Studium der Kulturwissenschaften zu setzen.
- Analyse der Institutionsgeschichte und des modernen Ausstellungskonzepts
- Untersuchung der Besucherorientierung und des Außenauftritts
- Erörterung der komplexen Finanzierungsmodelle und der Mitarbeiterstruktur
- Praxisnahe Einblicke in die Arbeit des sogenannten "kestnerlabors"
- Vergleichende Betrachtung von akademischer Ausbildung und beruflicher Anforderung
Auszug aus dem Buch
6.2 das kestnerlabor
„[...] Ausgehend von diesen Grundsätzen haben wir im Jahr 2004 in der Kestnergesellschaft ein interdisziplinäres Praktikanten Labor eingerichtet, in dem Studierende unterschiedlicher kreativer und wissenschaftlicher Fachbereiche ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in der Praxis eines modernen Ausstellungshauses unter Beweis stellen. Das betrifft je nach Studiengang die Mitarbeit an der Konzeption und Realisation von Ausstellungen, das Schreiben von Texten, ebenso die Katalogherstellung, die Erarbeitung von Einladungen und Plakaten, die Pressearbeit, Führungen für Schulklassen etc.
Die Volontäre der Kestnergesellschaft und die Lehrenden der Hochschulen begleiten und steuern die Projektaufgaben des Labors. Das kestnerlabor findet in Kooperation mit der Universität Hildesheim und der Fachhochschule Hannover statt. Darüber hinaus sind im besonderen Studierende im Rahmen internationaler Austauschprogramme willkommen.
In etwa demselben Prinzip verläuft die Zusammenarbeit mit den Praktikanten. Seit dem Jahr 2004 hatte die Kestnergesellschaft bisher etwa 55 Praktikanten, die alle zwischen drei und sechs Monaten im Verein tätig waren. Dafür wurde eigens das kestnerlabor eingerichtet. Ein Raum unterhalb des Daches, der außerdem die Bibliothek der Kestnergesellschaft beherbergt. Dort gibt es acht Arbeitsplätze mit PC, Telefon- und Internetzugang, an denen die Praktikanten ihre Tätigkeiten ausführen. Die Praktikanten kommen aus den verschiedensten Studienbereichen. So etwa Kunstgeschichte, Informationswissenschaft, Design und Kulturwissenschaft.“20
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Kestnergesellschaft als moderne, spartenübergreifende Kultureinrichtung vor und begründet die Relevanz des Praktikums für die eigene berufliche Orientierung.
2. Entstehungsgeschichte und Entwicklung: Dieses Kapitel skizziert die Gründung der Institution im Jahr 1916 sowie die geschichtliche Entwicklung hin zum heutigen modernen Ausstellungshaus im ehemaligen Goseriedebad.
3. Das Haus: Hier werden die architektonischen Gegebenheiten und die multifunktionale Ausstattung des Standorts als Imageträger und für die Besucherorientierung beschrieben.
4. Das Konzept: Die Analyse umfasst die Besucherzählung, die Corporate Identity des Hauses sowie die programmatische Ausrichtung auf kulturelle Aktualität und Vermittlung.
5. Finanzierung: Es wird dargelegt, wie der Verein durch einen Mix aus Mitgliedsbeiträgen, staatlichen Förderungen und privaten Sponsoren eine komplexe Finanzierungsstruktur aufrechterhält.
6. Mitarbeiterstruktur: Das Kapitel beschreibt das Team bestehend aus festen Angestellten, Kuratoren und Praktikanten, wobei insbesondere die Rolle des "kestnerlabors" hervorgehoben wird.
7. Einordnung in das Berufsfeld Kulturvermittlung: Die Kestnergesellschaft wird als beispielhafte Institution für die moderne Kulturvermittlung bewertet, die durch interaktive Formate den Zugang zur zeitgenössischen Kunst fördert.
8. Studium und Arbeit in der Kestnergesellschaft im Vergleich: Ein Abgleich zwischen dem kulturwissenschaftlichen Studium und den realen Anforderungen im Berufsfeld, insbesondere in Bezug auf notwendige Fremdsprachen und Fachwissen.
9. Persönliche Bewertung des Praktikums: Ein persönliches Fazit, das die erlebte Verantwortung und die positive Lernatmosphäre während des 14-wöchigen Praktikums hervorhebt.
Schlüsselwörter
Kestnergesellschaft, Kulturvermittlung, Kunstverein, Ausstellungshaus, Praktikum, kestnerlabor, Projektorganisation, Zeitgenössische Kunst, Kulturwissenschaft, Finanzierungsmodell, Besucherorientierung, Corporate Identity, Museumspädagogik, Volontariat, Vernetzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Bericht?
Der Bericht dokumentiert die Erfahrungen, Beobachtungen und Analysen während eines 14-wöchigen Praktikums bei der Kestnergesellschaft in Hannover im Jahr 2006.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Ausstellungskonzept, die organisatorische Struktur des Vereins, die Finanzierungsmodelle und die methodischen Ansätze der Kulturvermittlung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit der Praxis in einer Kunstinstitution sowie der Abgleich dieser Erfahrungen mit den Inhalten des kulturwissenschaftlichen Studiums.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Es handelt sich um einen Praktikumsbericht, der auf teilnehmender Beobachtung, der Auswertung interner Dokumente (wie der "kestnerstandards") und reflektierenden Gesprächen mit den Verantwortlichen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Ausstellungshauses, der Finanzierungsstrategien, der internen Teamstruktur inklusive des "kestnerlabors" und der Einordnung in das Berufsfeld Kulturvermittlung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Kulturvermittlung, Interdisziplinarität, Modernität, Praxisorientierung und institutionelles Management.
Wie ist die Arbeit im kestnerlabor organisiert?
Das kestnerlabor ist ein interdisziplinäres Projekt, in dem Praktikanten aus verschiedenen Fachrichtungen unter Anleitung von Volontären und Lehrenden an der Konzeption und Durchführung von Ausstellungen mitwirken.
Warum ist das Finanzierungskonzept der Kestnergesellschaft als komplex zu bezeichnen?
Weil der Verein auf eine Kombination aus Mitgliedsbeiträgen, staatlichen Zuschüssen, Sponsorengeldern und eigenen innovativen Verkaufskonzepten (wie den "kestnereditionen") angewiesen ist, um Unabhängigkeit zu wahren.
Wie unterscheidet sich die kuratorische Arbeit von anderen Aufgabenbereichen?
Die Kuratoren sind in der Kestnergesellschaft meist Volontäre, die eine hohe Verantwortung für die inhaltliche Gestaltung der Ausstellungen und die Einwerbung von Fördergeldern tragen, dabei aber eng mit dem Direktorium zusammenarbeiten.
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- Dipl.Kulturwissenschaftlerin Katja Lamprecht (Author), 2006, Praktikumsbericht über ein Praktikum in der Kestnergesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73482