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„Jeder ist sich selbst der Nächste“ - Soziale Unterstützung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern

Title:  „Jeder ist sich selbst der Nächste“ - Soziale Unterstützung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern

Diploma Thesis , 2003 , 108 Pages , Grade: 2,8

Autor:in: Diplom-Pädagoge Mandy Schmeißer (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Was passiert, wenn tausende Menschen unfreiwillig auf engstem Raum unter schlimmsten Bedingungen miteinander leben müssen? Wie verändern sie sich? Ist sich dann wirklich jeder selbst der Nächste?
Unter Zuhilfenahme verschiedener soziologischer und psychologischer Abhandlungen, sowie hunderter Biografien werden diese und weiter Fragen bearbeitet.
Gleichzeitig erscheint es auch sinnvoll, die Aussagen der Täter näher zu betrachten, um einer Erklärung näher zu kommen, wie es überhaupt zu diesem Morden kommen konnte.
Dabei kann man den Tätern in den Lagern nicht die Alleinschuld zuweisen, sondern muss sie im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Ideologie und Hitlers Vernichtungspolitik betrachten.
Die Autorin besuchte die Lager Buchenwald, Sachsenhausen, Dachau, Ravensbrück, Theresienstadt, Bergen- Belsen und Auschwitz. Dort konnte sie sich mit Hilfe der unzähligen Exponate, Fotos und autobiografischer Erzählungen in die Lage der KZ- Häftlinge einfühlen.
Das Buch ist so aufgebaut, dass Kapitel 1 und 2 gegliedert sind wie Kapitel 5, um eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis herzustellen.
Die ersten beiden Kapitel beschäftigten sich mit dem theoretischen Konzept der sozialen Unterstützung, in Abhängigkeit von sozialen Netzwerken.
Da die Häftlinge vollkommen rechtlos waren, wird in der Arbeit nicht auf formelle Netzwerke und Hilfen eingegangen.
Im dritten Kapitel wird in kurzer Form auf die theoretischen Grundlagen der Biographieforschung eingegangen. Dadurch kann dem Leser die Methodik nahe gebracht werden.
Im vierten Abschnitt folgt die Beschreibung des Setting „Konzentrationslager“.
Hauptbezug besteht dabei auf Eugen Kogon, der als Überlebender einen nicht zu ersetzenden Einblick in die Systematik gewinnen konnte und Wolfgang Sofski, der eine wunderbare und ausführliche soziologische Abhandlung dazu verfasst hat.
Nur mit diesem Vorwissen kann man sich in die Berichte der Überlebenden hinein versetzen und deren Erlebnisse zuordnen.
Im fünften und letzen Kapitel wird schließlich die Frage bearbeitet, weshalb und in welcher Form es in dieser Extremsituation des KZ zu sozialen Unterstützungsleistungen kam. Dazu hat die Autorin eine große Anzahl (Auto-) Biographien von ehemaligen Häftlingen und Lagerpersonal bearbeitet, die zitiert der Arbeit beigefügt sind. Sie veranschaulichen einerseits die Situation, in der sich die Gefangenen befanden und belegen gleichzeitig Thesen und Aussagen, die im Voraus getroffen wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Soziale Netzwerke

1.1. Definition

1.2. Bedeutung und Formen sozialer Netzwerke

1.2.1. Partnerbeziehungen

1.2.2. Familie, Verwandtschaft

1.2.3. Freunde, Bekannte

1.2.4. Kollegen

1.3. Effektivität sozialer Unterstützung

1.4. Entstehung und Erhaltung sozialer Netzwerke- Austauschtheorie (nach Kelley, Blau, Thibaut)

1.4.1. Psychologischer Ansatz der Austauschtheorie

1.5. Eigenschaften sozialer Netzwerke

1.5.1. Strukturmerkmale

1.5.2. Interaktionskriterien

1.5.3. Qualität

1.6. Funktion sozialer Netzwerke

2. Soziale Unterstützung

2.1. Definition

2.2. Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung

2.2.1. Konkrete Interaktionen - Verhaltensaspekt

2.2.2. Vermittlung von Kognitionen

2.2.3. Vermittlung von Emotionen

2.3. Reziprozität

2.4. Wirkungen sozialer Unterstützung

2.4.1. Haupteffekt

2.4.2. Puffereffekt

2.4.3. Negative Aspekte sozialer Unterstützung

2.5 Zusammenfassung

3. Einführung in die qualitative Forschung

3.1. Grenzen qualitativer Forschung

3.2. Forschungsmethode der Biographieforschung

4. Setting Konzentrationslager

4.1 Entstehung der nationalsozialistischen Konzentrationslager

4.2. Die Massengesellschaft der Häftlinge

4.3. Einrichtung der Lager

4.3.1. Grenze

4.3.2. Tor

4.4. Die Häftlingsselbstverwaltung

4.4.1. Unterbringung

4.4.2. Verpflegung

4.5. Formen des Terrors

4.5.1. Die Zeit im Lager

4.5.2. Dauer des Aufenthaltes

4.5.3. Vernichtung des Handelns

4.6. Klassifikation der Häftlinge

4.6.1. Funktionshäftlinge und Häftlingsprominenz

4.7. Arbeit als Form des Terrors

4.8. Widerstand

4.8.1. Formen des Widerstands in den Lagern

5. Auswertung der Zeitzeugenberichte

5.1. Verhältnis zwischen Häftlingen und SS-Personal

5.2. Verhalten der Häftlinge untereinander

5.3. Unterstützungsformen

5.3.1. Praktische Unterstützung

5.3.2. Kognitive Unterstützung

5.3.3. Emotionale Unterstützung

5.4. Unterstützungsbeziehungen

5.4.1. Eltern – Kind

5.4.2. Geschwister

5.4.3. Verwandtschaft

5.4.4. Freunde und Bekannte

5.4.5. Kollegen

5.4.6. Fremde

5.5. Hilfemotivation

5.6. Funktion der Funktion

5.7. Moralischer Konflikt der Häftlinge

5.8. Reziprozität

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die informelle soziale Unterstützung zwischen Häftlingen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, um zu analysieren, ob und in welcher Form trotz der extremen Bedingungen solidarische Hilfe existierte, welche Motivation dahinterstand und ob sie auf Gegenseitigkeit (Reziprozität) basierte.

  • Theoretische Grundlagen sozialer Netzwerke und Unterstützung.
  • Methodik der qualitativen Forschung und Biographieforschung.
  • Beschreibung der extremen Rahmenbedingungen (Setting) in Konzentrationslagern.
  • Analyse von Unterstützungsformen und -beziehungen auf Basis von Zeitzeugenberichten.
  • Untersuchung von Hilfemotivation und moralischen Konflikten der Häftlinge.

Auszug aus dem Buch

4.5.1. Die Zeit im Lager

Auch die Zeit wurde von der SS als Machtinstrument benutzt, indem sie sie durch unvorhersehbare Ereignisse mal schneller, mal langsamer vergehen ließ. So fehlte den Häftlingen der notwendige Ablauf von Ereignissen. Sie unterlagen dem ständigen Wechsel zwischen Dauer und Plötzlichkeit, Hektik und Warten, Ruhe und Schock. Die Häftlinge konnten demzufolge keine Handlungspläne entwerfen und sich an ihnen orientieren.

Nur die minimale Organisation des Lageralltags war durch einen Zeitplan abgesichert, nur der grobe Tagesablauf ein wiederkehrendes Schema. Sicherheiten, die durch zyklische Zeitstrukturen entstehen, wurden zerstört. Einzig der arbeitsfreie Sonntagnachmittag konnte als Zeiteinheit genutzt werden (vgl. Sofski, 1997).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Soziale Netzwerke: Erläutert theoretische Definitionen, Formen und Funktionen sozialer Netzwerke als Basis für soziale Unterstützung.

2. Soziale Unterstützung: Beschreibt inhaltliche Typologien und die Wirkmechanismen (Haupteffekt, Puffereffekt) von Unterstützung sowie deren Grenzen.

3. Einführung in die qualitative Forschung: Legt die methodischen Grundlagen der Biographieforschung dar, die als Analysewerkzeug für den empirischen Teil dienen.

4. Setting Konzentrationslager: Bietet einen historischen und soziologischen Einblick in das System der Konzentrationslager, um die Ausgangslage der Häftlinge zu verstehen.

5. Auswertung der Zeitzeugenberichte: Analysiert auf Basis von (Auto-)Biographien, wie Häftlinge untereinander informelle Hilfe leisteten, welche Rollen dabei soziale Beziehungen spielten und vor welchen moralischen Konflikten sie standen.

Schlüsselwörter

Soziale Netzwerke, soziale Unterstützung, Konzentrationslager, Zeitzeugenberichte, Biographieforschung, informelle Hilfe, Reziprozität, Häftlingsselbstverwaltung, Extremsituation, Solidarität, NS-Terror, Überlebensstrategien, moralischer Konflikt, Funktionshäftlinge, Hilfemotivation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Phänomen informeller sozialer Unterstützung zwischen Häftlingen unter den extremen Lebensbedingungen nationalsozialistischer Konzentrationslager.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind soziale Netzwerke, die Wirkungsweise sozialer Unterstützung, das Setting Konzentrationslager, verschiedene Formen des Widerstands sowie die moralischen Dilemmata der Inhaftierten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und in welcher Form in dieser Extremsituation soziale Hilfe geleistet wurde und ob diese dem Prinzip der Reziprozität (Gegenseitigkeit) unterlag.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt die qualitative Forschung, insbesondere die Kontingenzanalyse auf der Basis von (Auto-)Biographien und Zeitzeugenberichten ehemaliger Häftlinge.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich nach der theoretischen Einbettung (Soziale Netzwerke und Unterstützung) mit den spezifischen Lagerbedingungen und wertet detailliert Zeugenberichte bezüglich Unterstützungsformen und -beziehungen aus.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Soziale Unterstützung, Konzentrationslager, Reziprozität, Häftlingsselbstverwaltung, Extremsituation und moralischer Konflikt.

Welche Rolle spielt die Häftlingsselbstverwaltung bei der Unterstützung?

Die Häftlingsselbstverwaltung schuf eine Hierarchie, die Häftlingen in Funktionspositionen (wie Kapos) sowohl Macht zur Unterdrückung als auch Möglichkeiten zur (begrenzten) Hilfe für andere Häftlinge ermöglichte.

Wie gehen die Autoren mit dem moralischen Konflikt um?

Die Arbeit verdeutlicht das Paradoxon, dass moralisch richtiges Handeln oft lebensgefährlich war, während das Überleben oft Funktionen erforderte, die mit persönlichen Prinzipien im Konflikt standen.

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Details

Title
„Jeder ist sich selbst der Nächste“ - Soziale Unterstützung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern
College
Dresden Technical University
Grade
2,8
Author
Diplom-Pädagoge Mandy Schmeißer (Author)
Publication Year
2003
Pages
108
Catalog Number
V73518
ISBN (eBook)
9783638635950
ISBN (Book)
9783638675871
Language
German
Tags
Nächste“ Soziale Unterstützung Konzentrationslagern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Pädagoge Mandy Schmeißer (Author), 2003, „Jeder ist sich selbst der Nächste“ - Soziale Unterstützung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73518
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