Im Rahmen der viel diskutierten Gesundheitsreformen, sowohl der jüngsten Vergangenheit als auch der nahen Zukunft, treten immer wieder Schwächen des Gesundheitssystems der Bundesrepublik Deutschland zu Tage, die zu uferlosen Ausgabenzuwächsen und im Zuge dessen zu Finanzierungsproblemen führen. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einer nachfrageseitigen Determinante der Kostenexplosion, dem Moral Hazard.
Zunächst wird ein Überblick über die Problemstellung gegeben und dabei auf Ursachen und Hintergründe eingegangen. Anschließend folgt eine Beschreibung der Auswirkungen auf das System der gesetzlichen Krankenversicherung sowie eine Darstellung der Lösungsansätze, die größtenteils schon in Gesundheitsreformen umgesetzt oder geplant sind, ihre Effektivität aber noch nicht spürbar entfalten konnten.
Die Hausarbeit wird sich ausschließlich mit der Problemstellung des Moral Hazard in der gesetzlichen Krankenversicherung beschäftigen und auf zu Grunde liegende Theorien wie die Principal-Agent-Theorie oder verwandte ökonomische Phänomene wie Adverse Selektion nur ansatzweise eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moral Hazard – Schilderung der Problematik
2.1 Allgemeine Definition
2.2 Asymmetrische Information
2.3 Principial-Agent-Beziehungen
2.4 Asymmetrische Informationen im Gesundheitswesen
2.4.1 Das Arzt-Patient-Verhältnis
2.4.2 Das Versicherung-Patient-Verhältnis
2.5 Addendum
3. Moral Hazard – Lösungsmöglichkeiten
3.1 Selbstbeteiligung
3.2 Risikozuschläge
3.3 Bonusmodelle
3.4 Honorarform der Ärzte
3.4.1 Einzelleistungsvergütung
3.4.2 Pauschalvergütungen
3.4.3 Ergebnisorientierte Vergütung
3.4.4 Resultierende Überlegung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomische Problematik des Moral Hazard als eine wesentliche Ursache für die Kostenexplosion im deutschen Gesundheitssystem. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Informationsasymmetrien zwischen Patienten, Ärzten und Versicherungen zu Fehlsteuerungen führen und welche Lösungsansätze hierfür in den Gesundheitsreformen diskutiert oder bereits implementiert wurden.
- Grundlagen des Moral Hazard und asymmetrischer Informationen
- Die Principal-Agent-Problematik im Arzt-Patient-Verhältnis
- Mechanismen der Angebotsinduzierten Nachfrage
- Möglichkeiten der Selbstbeteiligung und Risikozuschläge
- Bewertung verschiedener ärztlicher Honorarsysteme
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Das Arzt-Patient-Verhältnis
Zwischen Arzt (Agent) und Patient (Prinzipal) besteht ein gegenseitiger Informationsvorsprung und somit ein sogenannter Double Moral Hazard. Der Arzt verfügt im Gegensatz zum Patienten über Fachwissen, das ihm ermöglicht, den Gesundheitszustand einzuschätzen, eine Therapieempfehlung zu geben und die Effizienz einer eingeschlagenen Therapie zu beurteilen. Diese Kenntnis hat der Patient nicht und muss sich demnach wahllos den medizinischen Therapieentscheidungen des Arztes beugen.
Im Zuge dessen sowie im Zuge des medizinischen Fortschritts, der es erlaubt, Behandlungen ohne spürbare Nachteile (Konsequenzen) für den Patienten durchzuführen, ist es dem Arzt möglich, die Nachfrage des Patienten nach Gesundheitsleitungen zu seinem eigenen Vorteil auszudehnen. Somit kann der Arzt, der sich in einer Doppelrolle als Anbieter und auch als Berater für Nachfrage befindet, seine Gewinnvorstellungen zu Lasten des Patienten und auf Kosten der Krankenversicherung durchsetzen.
Man spricht in diesem Zusammenhang von Angebotsinduzierter Nachfrage. Dieses Phänomen steht in enger Beziehung zum bestehenden Vergütungssystem der Ärzte. Das System der Einzelvergütung, das in Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren vorlag und heute in abgewandelter Form (plus Budgetierung) existiert, unterstützt das Moral Hazard-Verhalten des Arztes. Das Einzelleistungsvergütungssystem sieht vor, dass jede Leistung entsprechend einer Gebührenordnung mit einem festen Geldbetrag honoriert wird. Somit liegen keine Anreize vor, die medizinischen Leistungen am Patienten auf das Nötigste zu begrenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Moral Hazard als nachfrageseitige Determinante der Kostenexplosion im deutschen Gesundheitssystem ein.
2. Moral Hazard – Schilderung der Problematik: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen Grundlagen des Moral Hazard, insbesondere die Rolle asymmetrischer Informationen und Principal-Agent-Beziehungen.
3. Moral Hazard – Lösungsmöglichkeiten: Hier werden verschiedene Lösungsansätze wie Selbstbeteiligungen, Bonusmodelle und Veränderungen in den ärztlichen Honorarsystemen kritisch analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Schwierigkeiten bei der praktischen Durchsetzung von Reformen zusammen und bewertet die aktuelle politische Entwicklung zur Behebung von Steuerungsmängeln.
Schlüsselwörter
Moral Hazard, Gesetzliche Krankenversicherung, Gesundheitsökonomie, Asymmetrische Information, Principal-Agent-Beziehung, Angebotsinduzierte Nachfrage, Selbstbeteiligung, Honorarsystem, Vergütungsmodelle, Gesundheitsreform, Praxiskosten, Patientenverhalten, Arzt-Patient-Verhältnis, Risikoselektion, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des "Moral Hazard" im Kontext der gesetzlichen Krankenversicherung und dessen Auswirkungen auf das deutsche Gesundheitssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Informationsasymmetrien zwischen Arzt und Patient, das Vergütungssystem der Ärzte und verschiedene ökonomische Lösungsansätze zur Kostendämpfung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch ökonomische Fehlanreize unnötige Kosten entstehen und welche Steuerungsmöglichkeiten durch Reformen bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die ökonomische Prinzipien (wie die Principal-Agent-Theorie) auf die Gegebenheiten der gesetzlichen Krankenversicherung anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Schilderung der Problematik durch asymmetrische Informationen und eine detaillierte Diskussion von Lösungswegen wie Selbstbeteiligung und ärztlichen Honorarformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Moral Hazard, Principal-Agent-Beziehungen, Angebotsinduzierte Nachfrage, Selbstbeteiligung und Honorierungssysteme.
Was versteht die Autorin unter einem "Double Moral Hazard"?
Dieser Begriff beschreibt den gegenseitigen Informationsvorsprung, bei dem sowohl der Arzt als auch der Patient durch ihre Rollenkonstellation Anreize zur ineffizienten Nutzung des Systems haben.
Warum ist die ergebnisorientierte Vergütung schwer umzusetzen?
Die Autorin argumentiert, dass der medizinische "Erfolg" objektiv kaum abgrenzbar ist und von vielen externen Faktoren wie Vorerkrankungen oder der Compliance des Patienten abhängt.
Wie bewertet die Arbeit die Einführung der Praxisgebühr?
Die Praxisgebühr wird als ein Instrument der Selbstbeteiligung angeführt, welches darauf zielt, Verhaltensänderungen beim Patienten hinsichtlich der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen hervorzurufen.
- Quote paper
- Jil-Katharina Mahler (Author), 2007, Moral Hazard in der gesetzlichen Krankenversicherung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73521