Der kontraargumentative Konnektor 'mais' und 'mais enfin' in Kombination - Ein Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

33 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Eigenschaften des Konnektors mais
2.1. Klassifikation des Konnektors mais
2.2. Stellungen des Konnektors mais im Diskurs
2.3. Funktionen des Konnektors mais
2.3.1.) Direkte Konzession
2.3.2.) Indirekte Konzession
2.3.3.) Refutation
2.4. Distributionale Eigenschaften des Konnektors mais
2.4.1 Additive und kompositorische Sequenz

3. Die Veränderung des Charakters von mais in Verbindung mit enfin
3.1. Die Eigenschaften des Konnektors enfin
3.1.1. Enfin als zeitlicher Konnektor
3.2. Die Kombination mais enfin und ihre Eigenschaften
3.3. Die Kombination mais enfin und ihre Eigenschaften
3.3.2. mais + reformulatives enfin
3.4. Fazit: Wie verändert sich mais in Verbindung mit enfin ?

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis
Zeitschriften:

1. Einleitung

Inhalt des Seminars „Komplexe Sätze und Satzkomplexe“ war u.a. die Auseinandersetzung mit den verschiedensten Konnektoren des Französischen. Dabei war es meine Aufgabe, näher auf den kontraargumentativen Konnektor mais einzugehen. Beim Versuch, den Charakter dieses Konnektors herauszuarbeiten, stieß ich in der letzten Etappe der Arbeit auf seine distributionalen Eigenschaften. Zwar fand ich eine Reihe von Beispielen dafür, dass mais nicht nur allein funktioniert, sondern auch mit anderen Konnektoren auftreten kann, die Erklärungen dafür fielen in meinen damaligen Quellen allerdings noch dürftig aus. Daher stellte ich mir die Frage, warum sich mais mit anderen Konnektoren verbindet und ob es seine Eigenschaften in diesen Kombinationen bewahrt oder verliert, sodass ich dies zum Thema dieser Arbeit machte.

Da die Kombinationen mit mais zahlreich sind und die Untersuchung aller den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte, werde ich mich auf die Verbindung von mais enfin konzentrieren, einem Zusammenschluss, der im Französischen frequent auftritt.

Als Basis soll eine ausführliche Charakterisierung von mais vorangestellt werden. Ergänzt wird diese durch die allgemeinen „Gesetzmäßigkeiten“ von Konnektorkombinationen und einer Darstellung von enfin in seinen Eigenschaften. Abschließend folgt die Analyse von mais enfin.

Ich möchte darauf hinweisen, dass mais in dieser Arbeit ausschließlich als kontraargumentativer Konnektor betrachtet wird, sodass ich sowohl seine Funktion als koordinierende Konjunktion als auch als maisSN („sondern“) außer Acht lasse.

2. Die Eigenschaften des Konnektors mais

Als Grundlage für einen späteren Vergleich zwischen mais und mais enfin, der herausstellen soll, ob und in wiefern sich mais in seinen Eigenschaften verändert, soll mais als allein stehender Konnektor zunächst ausführlich charakterisiert werden.

2.1. Klassifikation des Konnektors mais

Beginnen möchte ich mit einer Einordnung. Mais gehört zur Klasse der konzessiven Konnektoren und wird als kontraargumentativ bezeichnet, da er zwei Sätze zu einer Sequenz p mais q verbindet und damit zur Strukturierung eines Diskurses beiträgt. Diese beiden Sätze p und q bedingen unterschiedliche Schlussfolgerungen r bzw. –r, die in Opposition zueinander stehen. Daraus ergibt sich, dass p und q gegensätzlich sind, da ihre argumentativen Richtungen in Opposition zueinander stehen (Bruxelles: 97). Der durch mais eingeleitete Satz annulliert die vorangehende Behauptung p also nicht, sondern setzt sie argumentativ außer Kraft (Bruxelles: 98), er macht die Schlussfolgerung von p zu r ungültig. Die Konzession, die mais markiert, ist also durch zwei Vorgänge charakterisiert: (i) Die Anerkennung, dass der Inhalt von p wahrheitsgemäß ist und (ii) das Außerkraftsetzen des Argumentes p durch ein stärkeres Argument q, bedingt durch seine Schlussfolgerung nicht-r, die in der Sequenz den sogenannten acte directeur (Moeschler/ Sprengler: 30) darstellt:

(1) Il est intelligent, mais il est brouillon.

(i) p = wahr, r = il faut l’engager, (ii) q = stärker, nicht-r = il ne faut pas l’engager ist demnach die dominante Schlussfolgerung[1]

Die Sequenz p mais q kann schematisch folgendermaßen dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

bezeichnet die besagten argumentativen Beziehungen zwischen p -> r und q -> nicht-r; die Variable w markiert den logischen Widerspruch zwischen r und nicht-r; < zeigt an, welcher der beiden Sätze argumentativ „gewichtiger“ ist.[2]

Wir erkennen hier die Bedeutung von mais: Es bringt die beiden Propositionen p und q nicht nur in Verbindung zueinander, sondern beeinflusst sie auf ganz bestimmte Art und Weise: Es gibt bestimmte Gesetzmäßigkeiten vor, wie die Beziehung zwischen p und q zu interpretieren ist und welche Eigenschaften p und q haben müssen, um durch mais verbunden und ausgedrückt zu werden. Diese Gesetzmäßigkeiten sind hier die beiden argumentativen Richtungen p-> r und q-> nicht-r, die eine Antipolarität aufweisen, sodass p und q, verbunden durch mais, antiorientiert sind.[3]

Dass die Argumentationen von p und q entscheidend sind, zeigt sich an den folgenden zwei Sätzen: Es wird angenommen, dass Essen gesund macht.

(2) Pierre a peu mangé mais il n’a plus de température.

(3) ? Pierre a un peu mangé mais il n’a plus de température.

In (2) könnten r als il est encore malade und nicht-r als il n’est pas encore malade donc il n’a plus de température formuliert werden, während (3) grammatisch korrekt ist, die Schlussfolgerung r = Pierre n’est pas encore malade und damit nicht-r = q Pierre est encore malade donc il n’a plus de température keinen Sinn ergeben.[4]

Ich möchte nun genauer auf die Eigenschaften des Konnektors mais eingehen, beginnend mit seiner Position im Diskurs.

2.2. Stellungen des Konnektors mais im Diskurs

Der nächste Abschnitt widmet sich der „Geografie“ des Konnektos mais. Dabei kann mais an verschiedenen Positionen in einem Diskurs auftreten, nie aber am Anfang eines Haupt- oder eines unabhängigen Satzes[5]. Die Gliederung von S. Bruxelles et al. in ihrem Aufsatz Occupe-toi d’amélie[6] soll dabei eine Hilfestellung sein.

Es gibt zwei mögliche Positionen von mais: Am Anfang einer Replik oder im Innern einer Replik. Mais zu Beginn einer Replik wird wiederum in zwei Fälle unterschieden:

1. Mais steht am Anfang einer Replik und führt ein explizites q ein. Wir erhalten die Form y: mais q. Einerseits knüpft y: mais q dabei an x: p an, andererseits knüpft y: mais q an etwas Nonverbales an.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mais erfüllt hier eine reaktive, illokutive Funktion[8].

Diese Anknüpfung lässt sich noch genauer darstellen. Als x: p nehmen wir folgenden Satz an: (5) x: Madame est sortie.

y: mais q kann nun entweder an den Sprechakt x, der p äußert, anknüpfen, bei dem y x vorwirft, ihm p gesagt zu haben:

(6) y: Mais qu’est-ce que tu veux que cela me fasse!

Oder aber er schließt an die Schlussfolgerungen, die aus p gezogen werden können, an:

(7) y: Mais j’ai tout mon temps, j’attendrai.

Eine Schlussfolgerung r aus p könnte sein il ne faut pas attendre, nicht-r dementsprechend il faut attendre. Y: mais q steht hier in Opposition zur Entscheidung, nicht auf Madame zu warten, die x gern von y gesehen hätte. Zum Schluss kann y: mais q aber auch an p und seinen Wahrheitsgehalt anknüpfen:

(8) y: Le journal “Le Monde” va mieux, mais il reste fragile.[9]

b.) y: mais q knüpft an etwas Nonverbales an

Unter nonverbal werden hier Situationen, Verhaltensweisen und Reaktionen unterschieden. Mais verbindet eine nonverbale Handlung mit einer verbalen. Ein Beispiel für die Anknüpfung von y: mais q an eine Situation wäre z.B.:

a: deux personnes se battent.

(9) y: Mais séparez-les!

Bezieht sich y: mais q auf ein bestimmtes Verhalten von x, so erhalten wir einen Satz wie:

(10) y: Mais arrêtez de gigoter!

Zuletzt kann sich y: mais q auf eigene Reaktionen beziehen. Wenn ein Lehrer seinem Schüler gegenüber äußert y: Mais vous avez raison!, dann gibt dieser Satz darüber Aufschluss, dass die eigene Reaktion des Lehrers im Vorfeld der Unglaube darüber war, dass der Schüler die Antwort wissen könnte. Komme ich nun zum zweiten Klassifikationskriterium von S. Bruxelles et al.

2. Mais steht am Anfang einer Replik und führt kein explizites q ein, sodass wir die Form y: mais … erhalten. Laut Bieber (Bieber: 21) ist mais in seiner lexikalischen Funktion hier sehr stark neutralisiert und wird in diesem speziellen Fall nicht als Konnektor angesehen.

Eine weitere Position, die mais einnehmen kann, ist im Innern einer Replik von y. Wir erhalten die „klassische“ Formel y: p mais q.

(11) y: Je viendrai mais c’est la dernière fois.

Anzumerken ist, dass y nicht immer nur aus einem Satz besteht, sondern auch zwei selbstständige, allerdings nicht unabhängige Sätze p und q beinhalten kann:

(12) y: Je vous invite à venir passer quelques jours ici. Mais vous ne croyez pas obligé de faire le voyage si vous n’en avez pas envie. (Bieber: 20)

Abschließend sollen alle drei möglichen Positionen des Konnektors mais noch einmal zusammengefasst werden:

1. (13)

x: p x: Madame es sortie.

y: mais q y: Mais qu’est-ce que tu veux que ça me fasse?

(14)

a a: (passe une voiture)

y: mais q y: Mais c’est qu’il nous écraserait, ce chauffard!

2. (15)

y: p mais q y: Il est gentil, mais un peu bête.[10]

Was die Stellung von p und q um den Konnektor mais herum betrifft, so sind diese beiden Propositionen nicht symmetrisch und können nicht ausgetauscht werden, ohne Einfluss auf das Verständnis der Aussagen zu nehmen: Während in (16) eine Einladung zum Spaziergang abgelehnt wird, wird sie in (17) akzeptiert:

(16) Il fait beau mais j’ai mal aux pieds.

(17) J’ai mal aux pieds mais il fait beau

P mais q und q mais p bezeichnen also nicht die gleichen Folgen.[11]

[...]


[1] Moeschler, Jacques/ de Sprengler, Nina (1982): La concession ou la réfutation interdite. In: Cahier de linguistique française 1982/ 4: S. 12.

[2] Schema nach: Moeschler, Jacques: Modélisation du dialogue. Paris: Hermès, 1989, S. 57.

[3] Moeschler, Jacques (1983): Contraintes structurelles et contraintes d’enchainement dans la description des connecteurs concessifs en conversation. In: Cahier de linguistique française 1983/ 5: S.

[4] Beispiel von Anscombre und Ducrot gefunden in: Carel, Marion (2002): „Occupe-toi d’Amélie“ emploi contrastif de mais et illustration. In: Cahier de linguistique française 2002/ 24, S. 173.

[5] Rubattel, Christian (1982): De la syntaxe des connecteurs pragmatiques. In: Cahier de linguistique française 1982/ 4, S. 44.

[6] S. Bruxelles et al: “Occupe-toi d’amélie” In: Bourcier, Danièle: Les mots du discours. Paris: Édition de Minuit, 1980, S.100.

[7] x und y bezeichnen Sprechakte

[8] Bieber, Klaus: Theoretische Überlegungen zur Klassifikation von Konnektoren im Französischen. Frankfurt/ Main: Lang, 1988, S. 20.

[9] Grieve, James: Dictionary of contemporary French connectors. London: Routledge, 1996.

[10] Beispiele aus: Berrendonner, Alain (1983): „Connecteurs pragmatiques“ et anaphore. In: Cahier de linguistique française 1983/ 5, S. 219.

[11] Beispiel von Ducrot (1972: 81) gefunden in: (Carel: 173)

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Der kontraargumentative Konnektor 'mais' und 'mais enfin' in Kombination - Ein Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Komplexe Sätze und Satzkomplexe
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V73556
ISBN (eBook)
9783638883429
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konnektor, Kombination, Vergleich, Komplexe, Sätze, Satzkomplexe
Arbeit zitieren
Ireen Trautmann (Autor), 2007, Der kontraargumentative Konnektor 'mais' und 'mais enfin' in Kombination - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73556

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