Zu: Max Weber, Der Sinn der Wertfreiheit der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2.4


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Der Sinn der »Wertfreiheit« der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften
2.1 Wertfreiheit in der Lehre
2.2 Wertfreiheit in der Forschung
2.2.1 Missverständnisse um die Definition „Werturteil“
2.3 Möglichkeiten und Grenzen der Wertdiskussion
2.4 Möglichkeiten und Grenzen einer empirischen Disziplin auf dem Gebiet der praktisch – politischen Wertungen
2.5 Die Rolle des „normativ Richtigen“
2.5.1 Empirische Forschung – Soziologie
2.5.2 Ökonomische Wissenschaft
2.6 Die Wertfreiheit der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften und der Staat

3 Zusammenfassung und Fazit

1 Einleitung

Max Weber wurde am 21. April 1864 in Erfurt geboren. An den Universitäten von Heidelberg, Straßburg, Berlin und Göttingen studierte er Jura. Dem „Verein für Socialpolitik“, dessen Profil er erheblich mit prägte, trat er 1888 bei. Max Weber promovierte 1889 und habilitierte sich 1891. Als Professor für Handelsrecht lehrte er von 1893 bis 1894 in Berlin. Danach unterrichtete er als Professor für Nationalökonomie in Freiburg (Breisgau) und ab 1897 in Heidelberg. Von 1919 bis zu seinem Tod am 14. Juni 1920 war Weber Professor in München. Max Weber war 1909 Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie1. 1919 bei den Versailler Friedensverhandlungen war er Mitglied des Sachverständigenrates der deutschen Delegation (vgl. Microsoft Encarta Professional 2002). „Im Mittelpunkt seines wissenschaftlichen Werkes stehen Studien zum Verhältnis von Religion, Wirtschaft und Gesellschaft (»Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus«, 1904/05; »Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie«, 1920/21; »Wirtschaft und Gesellschaft«, hg. 1921, darin unter anderem die klassifikatorische Einteilung in rationale, traditionelle und charismatische Herrschaft sowie Studien zur Frühgeschichte der Stadt). In seiner Arbeit über »Die Objectivität sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis« (1904) plädiert Weber für eine Trennung von politisch – praktischem Handeln und soziologischer Erkenntnis (Wertfreiheit der Wissenschaft)“ (Der Brockhaus in drei Bänden 2000, S.511). Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Max Webers Aufsatz „Der Sinn der »Wertfreiheit« der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften“, die starke Reaktionen im Rahmen des Werturteils-, Methoden-2 oder Positivismusstreits3.hervorrief. Insbesondere soll herausgearbeitet werden, worin die Leistung Max Webers

1 „Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS), 1909 gegründete Vereinigung von Soziologen mit Ende 1996 rund 1 200 Mitgliedern. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten u. a. Max Weber und Werner Sombart.

Die Gründung der DGS erfolgte als Reaktion auf die Politisierung des „Vereins für Sozialpolitik”, der in seiner wissenschaftlichen Arbeit zunehmend von Diskussionen um soziale Reformen und Sozialismus bestimmt wurde. Demgegenüber wollte die DGS ihr Wirken unter das Prinzip einer explizit wertfreien Wissenschaft stellen. Insbesondere wandte man sich gegen eine marxistische Vereinnahmung der Sozialwissenschaften. Ziel der DGS war von Beginn an eine als wissenschaftliche Disziplin eigenständige und empirisch orientierte Soziologie. Angestrebt wurde vor allem die Etablierung des Fachs an den Universitäten“ (Vierecke 2002).

2 „Methodenstreit, Kontroverse über die Grundlagenfrage bei der Verwendung bestimmter Methoden bzw. über die Zulässigkeit dieser Methoden in einem Wissenschaftsbereich“ (Brusis 2002).

3 „Positivismusstreit, eine Auseinandersetzung um die Methode der Sozialwissenschaften, die zu Beginn der sechziger Jahre zwischen den Wissenschaftstheoretikern des kritischen Rationalismus und Vertretern der neomarxistischen Frankfurter Schule stattfand“ (Microsoft Encarta Professional 2002).

besteht und warum er „Wertfreiheit“ der empirischen Wissenschaft für zwingend notwendig hält. Der Aufsatz ist die umgearbeitete Fassung seiner Rede vom 05.01.1914 vor dem erweiterten Hauptausschuss des Vereins für Sozialpolitik mit dem Titel „Gutachten zur Werturteilsdiskussion im Ausschuß des Vereins für Sozialpolitik“ (vgl. Keuth 1989, S.22). Essentielle Voraussetzung für Verfolg und Verstehen des Aufsatzes ist Webers Definition des Begriffes „Wertungen“: „Unter Wertungen sollen nach stehend, wo nicht ein anderes gesagt oder von selbst ersichtlich ist, » praktische « Bewertungen einer durch unser Handeln beeinflußbaren Erscheinungen als verwerflich oder billigenswert verstanden sein“ (Weber 1991, S.176).

„Max Weber gilt heute als der Verfechter der Werturteilsdiskussion schlechthin“ (Keuth 1989, S.7).

2 Der Sinn der »Wertfreiheit« der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften

2.1 Wertfreiheit in der Lehre

Zunächst widmet sich Weber der Frage: „Ob man im akademischen Unterricht sich zu seinen ethisch oder durch Kulturideale oder sonst weltanschauungsmäßig begründeten praktischen Wertungen »bekennen« solle oder nicht“ (Weber 1991, S.176). Max Weber räumt ein, dass diese Frage nicht „wissenschaftlich diskutierbar“ ist, da sie eine von praktischen Wertungen abhängige Frage ist. Jedoch vertieft er das Thema und zitiert zwei extreme Sichten. Die Vertreter der ersten Sicht sind sich der Möglichkeit der Trennung von Fakten und Wertungen bewusst, aber propagieren, dass beide auf das Katheder gehören. Die Anhänger des zweiten Standpunktes sehen hingegen keine Möglichkeit der konsequenten Trennung von Fakten und Wertungen, sind aber der Meinung, dass Wertfragen im Unterricht möglichst keine Beachtung finden (vgl. Weber 1991, S.176). Weber ist kein Anhänger einer der beiden Punkte, jedoch ist für ihn der erste Standpunkt akzeptabler als der zweite, den er völlig ablehnt. „Der Standpunkt »b« scheint mir unannehmbar. – Insbesondere scheint mir die für unsere Disziplinen nicht selten gemachte Unterscheidung praktischer Wertungen in solche » partei politischen« und solche anderen Charakters schlechterdings undurchführbar und nur geeignet, die praktische Tragweite der den Hörern suggerierten Stellungnahmen zu verhüllen. (…) Der Standpunkt »a« scheint mir, und zwar vom eigenen subjektiven Standpunkt seiner etwaigen Anhänger aus, dann und nur dann akzeptabel, wenn der akademische Lehrer sich zur unbedingten Pflicht setzt, in jedem einzelnen Falle, auch auf die Gefahr hin, seinen Vortrag dadurch reizloser zu gestalten, seinen Hörern und, was die Hauptsache ist, sich selbst unerbittlich klar zu machen: was von seinen jeweiligen Ausführungen entweder rein logisch erschlossen oder rein empirische Tatsachenfeststellung und was praktische Wertung ist“ (Weber 1991, S.177f). „Anlass zu diesen Forderungen gibt ihm einerseits die Annahme, eine empirische Wissenschaft vermöchte niemanden zu lehren, was er soll, sondern nur, was er kann und, unter Umständen, was er will, die meist als seine `Werturteilsfreiheitsthese` zitiert wird, und andererseits das Verhalten mancher Kollegen, die auf dem Katheder praktisch werten und den Anspruch erheben, ihre Wertungen seien wissenschaftlicher Natur“ (Keuth 1989, S. 7).

In Anlehnung an Professor von Schmollers4 Anspruch, die Vorgänge in den Hörsälen der öffentlichen Erörterung zu entziehen, sieht auch Max Weber eine Vorlesung für Unkontrolliertheit durch die Öffentlichkeit privilegiert, jedoch nur dann, wenn der Professor rein fachlich agiert. Die Unkontrolliertheit birgt jedoch die Gefahr, dass Vorlesungen für persönliche Prophetie missbraucht werden. Ebenso wie jeder andere Staatsbürger sollte auch der Lehrer die Möglichkeiten der persönlichen Meinungsäußerung beispielsweise in der Presse nutzen (vgl. Weber 1991 S.179f). Damit macht Weber eine klare Unterscheidung zwischen dem Professor, der seinen Studenten empirisches Fachwissen vermittelt und dem emotionalen Menschen, der Meinungen zu Ereignissen entwickelt. Diesem Anspruch leistet er selbst Folge, denn: „In einer Diskussionsrede während der Tagung des Vereins für Sozialpolitik im Jahre 1907 sagt Max Weber: »…ich müßte mich dagegen verwahren, daß ich, wenn ich hier rede, in meiner Eigenschaft als Mann der Wissenschaft spreche. Hier spricht der Mensch und weiter niemand, und was ich kraft wissenschaftlicher Arbeit weiß, ist Material, das ich lediglich verwende, um die Möglichkeit der Durchführbarkeit eines Ideals und die wahrscheinlichen Folgen seiner Durchführung abzuwägen, aus welchem eben der Wert jenes Ideals selbst nie und nimmer eduziert werden kann.«“ (Lenk 1993, S.992).

In diesem Zusammenhang wird auch die Frage behandelt, was der Student im Hörsaal von seinem Professor lernen soll. Darüber schreibt Weber: Der Student sollte die Fähigkeit vermittelt kriegen sich auf die Erfüllung einer Aufgabe zu konzentrieren. Er sollte des weiteren lernen Tatsachen (auch persönlich unangenehme) anzuerkennen und die Feststellung der Tatsache von der bewertenden Stellungnahme zu unterscheiden. Zum dritten sollte ihm

[...]

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Details

Titel
Zu: Max Weber, Der Sinn der Wertfreiheit der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Max Webers wissenschaftstheoretischen Schriften
Note
2.4
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V73570
ISBN (eBook)
9783638636094
ISBN (Buch)
9783656561187
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weber, Sinn, Wertfreiheit, Wissenschaften, Webers, Schriften
Arbeit zitieren
Martin Oppermann (Autor), 2003, Zu: Max Weber, Der Sinn der Wertfreiheit der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73570

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