Moderne versus Tradition - Aufstieg in politischen Parteien am Beispiel von Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft


Essay, 2007
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einführung

2) Theorien von Strategie und Taktik
2.1) Der Klassiker: Max Weber über Politik als Beruf
2.2) Die politische Karriere in der modernen Theorie

3) Werdegänge
3.1) Jürgen Rüttgers
3.2) Hannelore Kraft

4) Analyse und Bewertung

5) Fazit

Literaturverzeichnis

1) Einführung

Seit 2005 regiert in Nordrhein-Westfalen erstmals nach einer Pause von 39 Jahren wieder ein christdemokratischer Ministerpräsident: Jürgen Rüttgers. Seit dem 20. Januar 2007 steht nun fest, wer ihn bei der Landtagswahl 2010 als Spitzenkandidat der SPD herausfordern wird. Die in der Öffentlichkeit bislang relativ unbekannte Fraktionschefin Hannelore Kraft wurde auf einem Sonderparteitag in Bochum zur neuen Landesvorsitzenden gewählt. Bemerkenswert ist daran nicht nur, dass es sich bei der Herausforderin um eine Frau handelt, sondern ebenfalls um eine politische Seiteneinsteigerin. Damit unterscheidet sie sich nicht nur im ersten Punkt von Machtinhaber Rüttgers.

Unter dem Gesichtspunkt der politischen Strategien in Bezug auf den Aufstieg in Parteien und öffentlichen Ämtern ist sowohl ein Blick auf den Werdegang, als auch auf die Selbstdarstellung und Wahrnehmung der Kontrahenten interessant.

Jürgen Rüttgers blickt auf eine klassische Parteikarriere zurück, die nach dem Ende der Regierung Kohl, welcher er als „Zukunftsminister“ angehörte, ihren Höhepunkt bereits überschritten zu haben schien. Den schwarz-gelben Sieg bei der Landtagswahl 2005 habe man – so wurde gemunkelt – nicht dank, sondern trotz Rüttgers errungen. Überraschend meldete er sich nun in der Diskussion um den wirtschafts- und sozialpolitischen Kurs der CDU unter Angela Merkel lautstark zurück und schaffte es, sich als „soziales Gewissen“ der Konservativen zu etablieren.

Hannelore Kraft hingegen begann ihren Weg bei den Genossen erst im Jahr 1994. Sechs Jahre später wurde die Unternehmensberaterin in den nordrhein-westfälischen Landtag gewählt und bereits 2001 von Wolfgang Clement zur Ministerin berufen. Heute ist sie nicht nur Aspirantin auf das Amt der Ministerpräsidentin, sondern zugleich „Hoffnungsträgerin“, welche die Landes-SPD aus ihrer tiefen Krise zu führen soll.

Diese beiden Karrieren sollen nun unter dem besonderen Blick auf die Thesen Max Webers zur „Politik als Beruf“ betrachtet werden. Seine Aussagen - aus dem frühen 20. Jahrhundert stammend - haben bis heute wenig von ihrer Aktualität eingebüßt und ihre Anwendbarkeit soll, verzahnt mit modernen Theorien und Verhaltensempfehlungen, herausgearbeitet werden.

2) Theorien von Strategie und Taktik

2.1) Der Klassiker: Max Weber über Politik als Beruf

Max Weber, der als einer der herausragenden Begründer der Soziologie in Deutschland gelten darf, hielt 1919 einen Vortrag vor dem Münchner freistudentischen Bund, worin er sich mit den Vorraussetzungen befasste, um Politik als Beruf betreiben zu können. Dieser freie Vortrag stand deutlich unter dem Eindruck der revolutionären Umbrüche in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Doch bis heute haben Webers Ausführungen in vielen Punkten ihre Relevanz behalten. Einige Aspekte sollen im Folgenden exemplarisch herausgestellt werden.

Nach Max Weber gibt es zwei Arten, nach der sich ein Berufspolitiker definieren kann, nämlich von oder für die Politik zu leben, oder mit anderen Worten, Politik ideell oder materiell zu betrachten. Dies ist aber keine Frage des entweder-oder, sondern spielt in der Regel zusammen. Für Weber ist hierbei entscheidend, inwieweit ein Funktionsträger ökonomisch unabhängig von den Einkünften aus der Politik sein kann oder soll.[1] Dabei ist die „Abkömmlichkeit“ des Politikers entscheidend, weshalb auch nur bestimmte Personengruppen zu solch einer hauptamtlichen Tätigkeit in der Lage oder zumindest dafür prädestiniert sind.

Hier begegnen wir unter anderen einem Typus, der aus der historischen Betrachtung ausschließlich für die abendländischen Staaten relevant war – dafür dort umso mehr – und der gerade in der bundesrepublikanischen Gegenwart nichts von seiner einflussreichen Präsenz verloren hat: Der Jurist.[2] Dies leitet Weber vor allem aus der Bürokratisierung und dem damit verbundenen rechtlichen Rationalismus ab. Ganz entscheidend ist aber, dass es sich bei den organisierter werdenden Parteien um einen Interessentenbetrieb handelt, der eben idealerweise durch einen darin geschulten Advokaten vertreten wird.[3] Er grenzt ihn damit scharf vom dienenden, ausführenden Beamten ab und favorisiert den Juristen für eine politische Leitungsfunktion, da er die Mittel des gesprochenen und geschriebenen Wortes hervorragend beherrschen muss.

An dieser Stelle muss ein weiterer Typus erwähnt werden, der mit dem Advokaten eng verwoben ist: Der Demagoge.[4] Dies ist dem Gedanken geschuldet, dass auch die Demokratie nicht ohne Führer auskommen kann[5] und läuft darauf hinaus, dass in dem leitenden Politiker als Diener des Interessenbetriebs auf der einen und Sammler von Gefolgschaften auf der anderen Seite Advokat und Demagoge eine Symbiose eingehen. Auch damals kam es also schon auf die Verpackung der Argumente mehr an als auf ihre Substanz und das ethische Profil des Politikers an.[6]

Die an der Politik partizipierenden Bürger unterteilt Weber in die Kategorien Führer, Gefolgschaft und Wähler. Hierbei sorgt die Struktur der Partei für die Auslese und verteilt somit die Chance, wer in die Führungsebene aufsteigen darf. Der erfolgreiche Politiker ist somit untrennbar an die „Parteimaschine“ gebunden, muss es aber gleichzeitig schaffen, dass diese ihm folgt.[7]

Für Weber sind „drei Qualitäten vornehmlich entscheidend […] für den Politiker: Leidenschaft – Verantwortungsgefühl – Augenmaß.“[8] Diese Eigenschaften sind unerlässlich um im Kampf mit andern, im Streben nach Chancen, in der Beeinflussung anderer bestehen zu können und einen dauerhaften Anteil am Verlauf der Geschichte zu haben.[9]

[...]


[1] Vgl. Weber: Politik als Beruf. Berlin 1964, S. 15 ff.

[2] Vgl. ebenda, S. 25 ff.

[3] Vgl. Palonen: Eine Lobrede für Politiker. Opladen 2002, S. 63-64

[4] Der Begriff wird von Weber wertfrei als historischer Typus verwendet, wenn auch provokativ. Als

wichtigsten Repräsentanten lehnte er diesen Begriff an den politischen Journalisten an.

[5] Vgl. Palonen: Eine Lobrede für Politiker. Opladen 2002, S. 65

[6] Vgl. aus dem Moore: Die Diktatur der Juristen. http://www.cicero.de

[7] Vgl. Weber: Politik als Beruf. Berlin 1964, S. 37; Palonen: Eine Lobrede für Politiker. Opladen 2002, S. 69

[8] Weber: Politik als Beruf. Berlin 1964, S. 51

[9] Vgl. Palonen: Eine Lobrede für Politiker. Opladen 2002, S. 100

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Moderne versus Tradition - Aufstieg in politischen Parteien am Beispiel von Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Strategie und Taktik in der Politik
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V73596
ISBN (eBook)
9783638636179
ISBN (Buch)
9783638755238
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moderne, Tradition, Aufstieg, Parteien, Beispiel, Jürgen, Rüttgers, Hannelore, Kraft, Strategie, Taktik, Politik
Arbeit zitieren
Christian Hesse (Autor), 2007, Moderne versus Tradition - Aufstieg in politischen Parteien am Beispiel von Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73596

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