Sprachliche Kommunikation: Ein Vergleich verschiedener Modelle am Beispiel Werbung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
27 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Was ist Kommunikation?
1.2 Zielsetzung und Herangehensweise

2. Zwischenmenschliche Kommunikation
2.1 Kommunikationsformen
2.2 Kommunikationsbedingungen

3. Kommunikationsmodelle
3.1 Grundfragestellungen
3.2 Vergleich verschiedener Modelle
3.2.1 Lasswell (1948)
3.2.2 Shannon und Weaver (1949)
3.2.3 Bühler (1934)
3.2.4 Jakobson (1960)
3.3 Kommunikation in der Werbung

4. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Was ist Kommunikation?

Bei dem Begriff Kommunikation handelt es sich um eine Ableitung vom lateinischen Verb communicare, was soviel bedeutet wie „gemeinsam machen“, „vereinigen“ oder „mitteilen“ (Hoberg 2004: 13). Die etymologische Bedeutung impliziert bereits ein charakteristisches Kennzeichen von Kommunikation, und zwar dass sie nur unter der Voraussetzung zweier Parteien erfolgen kann, also stets etwas „Gemeinsames“ darstellt.

Die Beteiligten eines Kommunikationsprozesses werden durch die Unterteilung in Sender und Empfänger differenziert, wobei der Sender etwas mitteilt, beziehungsweise die Intention einer Mitteilung verfolgt, und der Empfänger diese Mitteilung als Information aufnimmt und idealerweise mit ihr etwas anzufangen weiß. Kommunikation ereignet sich mittels Zeichen, welche zwischen den Kommunikationspartnern vereinbart wurden. Die Übermittlung von Zeichen beinhaltet immer auch Handlungsorientierungen, also Hinweise und Anhaltspunkte für Handlungen (vgl. Buddemeier 1973: 18). Demnach richtet sich Kommunikation immer auf Handlungszusammenhänge, da der Sender einerseits eine bestimmte Erwartungshaltung hat, und der Empfänger andererseits die intendierte Handlungsorientierung verstehen muss.

Eine Kommunikation gilt dann als „gelungen“, wenn die ausdrückliche oder verdeckte Handlungsorientierung vom Empfänger verstanden wurde, unabhängig davon, ob er dieser nachkommt (vgl. Buddemeier 1973: 18). Kommunikation entsteht also nicht dadurch, dass jemand etwas sagt und ein anderer dies akustisch wahrnimmt, sondern von Kommunikation kann erst dann die Rede sein, wenn Zeichen übermittelt und verstanden werden, und wenn sich vor allem für den Rezipienten daraus eine vom Produzenten intendierte Handlungsorientierung ergibt (vgl. Buddemeier 1973: 27). Eine derartige Handlungsorientierung kann in dem Sinne „verdeckt“ sein, dass beispielsweise der Autor eines Romans keine direkte Anleitungen für Handlungen liefert, dennoch Wirkungen beim Leser hervorrufen kann, welche er durch Stil, Form und Erzählweise beabsichtigt hat (vgl. Buddemeier 1973: 33).

Im weiteren Sinne wird unter Kommunikation „jede Form von wechselseitiger Übermittlung von Informationen durch Zeichen/ Symbole zwischen Lebewesen (Menschen, Tieren) oder Daten verarbeitenden Maschinen“ verstanden (Bußmann 2002: 354). Kommunikation muss demnach wechselseitig, aber auch in dem Sinne „erfolgreich“ sein, dass bei diesem Prozess Informationen übermittelt werden, das heißt, Inhalte müssen nicht nur gesendet, sondern auch empfangen werden. Demzufolge ist das „Gelingen“ einer Kommunikation neben anderen Faktoren sowohl vom Sender, als auch vom Empfänger in der jeweiligen Situation abhängig.

In dieser von Hadumod Bußmann vorgeschlagenen Definition bezeichnet Kommunikation jede Form einer Vermittlung von Informationen, sei es von Maschine zu Maschine (z. B. von Funkgerät zu Radiogerät), von Tier zu Tier (z.B. unter Bienen), oder sei es von Maschine zu Mensch (z.B. das Ampelsignal als Hinweis für den Autofahrer) (vgl. Hoberg 2004:13).

In einem engeren, sprachwissenschaftlichen Sinn ist nur die Kommunikation zwischen Menschen von zentraler Bedeutung. Hadumod Bußmann versteht beispielsweise unter Kommunikation im engeren Sinne die „zwischenmenschliche Verständigung mittels sprachlicher und nichtsprachlicher Mittel wie Gestik, Mimik, Stimme u.a.“ (Bußmann 2002: 354).

1.2 Zielsetzung und Herangehensweise

Durch eine Definition des Terminus „Kommunikation“ wird deutlich, dass der Begriff vielfältige Formen menschlicher (verbaler und nonverbaler) Interaktion bezeichnet, und auf verschiedenen Ebenen und durch unterschiedliche Kommunikationsmittel erfolgen kann.

In der vorliegenden Arbeit werde ich deshalb zunächst einige Grunddifferenzierungen herausstellen, indem ich verbale und nonverbale Kommunikationsmittel vergleiche, und auf schriftliche und mündliche Formen von Kommunikation eingehe. Neben den Kommunikationsformen sollen darüber hinaus die unterschiedlichen Bedingungen dargestellt werden, die Kommunikation in dem Sinne „erfolgreich“ macht, dass die vom Sender codierte Information übermittelt und die intendierte Handlungsorientierung verstanden wurde.

Die Darstellung der Kommunikationsbedingungen soll in diesem Kontext aufzeigen, dass Kommunikation beziehungsweise das Gelingen von Kommunikation weit mehr voraussetzt, als das bloße Vorhandensein eines Senders, Empfängers und einer codierten Information.

Auf der Basis eines umfassenden Verständnisses von Kommunikation werden des Weiteren die unterschiedlichen Komponenten einer Kommunikation wie Sender/ Empfänger, Medium, Kommunikationscode, Nachricht/ Information, mögliche Störungen und die pragmatische Bedeutung dargestellt.

Anhand dieses „Inventars“ sollen im Folgenden verschiedene in der sprachwissenschaftlichen Forschung diskutierten Kommunikationsmodelle beschieben und verglichen werden, indem die Art und Weise des systematischen Umgangs mit den unterschiedlichen Komponenten eines Kommunikationsprozesses innerhalb der Modellansätze untersucht wird, welche je nach Erkenntnisinteresse des jeweiligen Ansatzes unterschiedlich ist.

Nach einem theoretischen Vergleich der am häufigsten in der Forschungsliteratur vertretenen Kommunikationsmodelle sollen die Ergebnisse im folgenden Teil dieser Arbeit auf die praktische Medienkommunikation bezogen werden. Folgende Fragen sind hierbei von Bedeutung: Wie ist Kommunikation in der Werbung gestaltet? Welche Stellung nehmen die dargestellten einzelnen Komponenten in der Kommunikationssituation eines Werbespots ein? Welche Rolle spielt im Kontext Werbung Sender- und Empfängerperspektive? Durch welche (sprachlichen und nichtsprachlichen) Mittel werden die Informationen transportiert und welche Intention steht dahinter?

Abschließend soll die Frage fokussiert werden, welches der untersuchten Modelle auf die Werbekommunikation übertragen werden kann, und warum andere Modelle entsprechend für diese Form der Kommunikation nicht angewandt werden können. Insgesamt möchte ich im Verlauf meiner Arbeit nicht nur verschiedene Modelle auf theoretischer Ebene vergleichen, sondern diese auch hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf konkrete Kommunikationssituationen am Beispiel der Werbung untersuchen.

In diesem Zusammenhang sollen Probleme aufgezeigt werden, die sich bei der Übertragung allgemeiner Modelle auf eine spezifische Kommunikationsform ergeben, und im Zuge dessen die Grenzen dieser theoretischen Ansätze verdeutlicht werden.

2. Zwischenmenschliche Kommunikation

2.1 Kommunikationsformen

Kommunikation kann als die bedeutendste Form sozialer Interaktion betrachtet werden, bei welcher Informationen durch Kodierung in konventionelle Zeichen übertragen werden mit dem allgemeinen Ziel, bestimmte Handlungen und Verhaltensweisen bei dem Rezipienten zu bewirken (vgl. Maser 1974: 7).

Für die Kommunikation stehen dem Menschen verschiedene Symbol- und Zeichensysteme zur Verfügung; neben der Sprache in Wort und Schrift dienen auch bildliche Darstellungen, optische und akustische Signale sowie der mimische und pantomimische Ausdruck als Kommunikationsmedien (vgl. Lukasczyk 1974: 8).

Grundsätzlich ist sprachliche (verbale) und nichtsprachliche (nonverbale) Kommunikation zu unterscheiden; ersteres meint die Übermittlung von Informationen durch sprachliche Zeichen, zweiteres durch unter anderem Mimik, Gestik und Körperhaltung. Eine rein nonverbale Kommunikation birgt oft das Problem der Mehrdeutigkeit (vgl. Hoberg 2004: 14), wodurch Missverständnisse zwischen den Kommunikationspartnern entstehen können. Denkt man etwa an das berühmte Unterhaltungsspiel „Scharade“, wird die Schwierigkeit Dinge und Sachverhalte einerseits nonverbal zu beschreiben, andererseits diese anhand nichtsprachlicher Informationen zu „erraten“ schnell deutlich.

Während man sprachlichen Ausdrücken aufgrund von Konventionen relativ schnell eine Bedeutung zuordnen kann, scheinen rein nonverbale Mittel der Kommunikation weitaus weniger konventionalisiert zu sein. Dies lässt sich vor allem dadurch erklären, dass ein Achselzucken zum Beispiel in vielen verschiedenen Kontexten eingesetzt werden kann, und in Verbindung mit sprachlichen Kommunikationsmitteln und außersprachlichen Faktoren jeweils eine andere Bedeutung tragen kann; so kann Achselzucken je nach Kontext „Ich weiß nicht“, „Es ist mir egal“ oder auch „Da kann man nichts machen“ bedeuten (vgl. Hoberg 2004: 14).

Die Mehrdeutigkeit nonverbaler Kommunikationsmittel lässt sich demzufolge auf den Tatbestand zurückführen, dass diese meist in Verbindung mit sprachlichen Formen auftreten, und demnach das Gesagte beziehungsweise Geschriebene lediglich optisch verstärken und unterstützen sollen.

Neben der verbalen und nonverbalen Kommunikation ist darüber hinaus eine Unterscheidung zwischen mündlichen und schriftlichen Formen derselben zu treffen. Bei mündlichen Kommunikationsformen handelt es sich meist um Gespräche. Die beteiligten Personen eines Gesprächs nehmen wechselseitig die Position des Sprechers und Hörers ein, wobei keiner der Teilnehmer auf eine Position von Beginn der Kommunikation an festgelegt ist.

Es gibt jedoch auch mündliche Kommunikationssituationen, in denen die jeweilige Sprecher- und Hörerrolle durch eine Konvention festgelegt ist; als Beispiel hierfür ist eine Rede oder ein Vortrag zu nennen. Darüber hinaus sind solche mündliche Kommunikationsformen wie etwa das Telefongespräch zu unterscheiden, bei welchen Aussage unterstützende Gestik und Mimik keine Rolle spielt, da die Gesprächspartner räumlich getrennt sind (vgl. Hoberg 2004: 15).

Abhängig von Kommunikationssituation und außersprachlichem Kontext kann demzufolge die Stellung von Sender (Sprecher) und Empfänger (Hörer) variieren; zunächst besteht die Gemeinsamkeit darin, dass zumindest potenziell bei jeder Form von Kommunikation eine Sender- und eine Empfängerseite vorhanden sein muss.

Schriftliche Kommunikation zeichnet sich durch eine räumliche sowie zeitliche Trennung der Kommunikationspartner aus (vgl. Hoberg 2004:15); auch wenn zwischen Schreiber und Leser eine verhältnismäßig große Distanz besteht, kann auch hier von Kommunikation ausgegangen werden.

2.2 Kommunikationsbedingungen

Von Kommunikation kann erst dann gesprochen werden, wenn vonseiten des Senders eine Nachricht übermittelt wurde, und der Empfänger diese Information aufgenommen und im Sinne der damit verbundenen Handlungsorientierung „verstanden“ hat.

Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation ist ein (zumindest teilweise) gemeinsames Bezugssystem der Kommunikationspartner; Bezugssystem meint hier, dass die Beteiligten an einer Kommunikationssituation den gleichen Zeichenvorrat aufweisen und dementsprechend die verwendeten Zeichen verstehen (vgl. Lukasczyk 1974: 8). Benutzt jemand beispielsweise einen Ausdruck, der dem Kommunikationspartner nicht geläufig ist, wird dieser weder die Aussage, noch die damit verbundene Handlungsorientierung verstehen können, es sei denn, der Kontext lässt eine adäquate Erschließung des Gemeinten zu. Darüber hinaus muss das Gesagte nicht nur inhaltlich, sondern zunächst auch akustisch verstanden werden; Sprachfehler oder technische Übertragungsfehler können hierbei Störfaktoren darstellen (vgl. Lukasczyk 1974: 8).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Sprachliche Kommunikation: Ein Vergleich verschiedener Modelle am Beispiel Werbung
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V73624
ISBN (eBook)
9783638781091
ISBN (Buch)
9783638794497
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Werbung, Sprache, Sprachwissenschaft, Werbesprache
Arbeit zitieren
Nicole Borchert (Autor), 2007, Sprachliche Kommunikation: Ein Vergleich verschiedener Modelle am Beispiel Werbung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73624

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