Stillgelegte Bergwerke, Baumwollspinnereien oder anderen Industrieruinen, die zu Touristenattraktionen umfunktioniert wurden, ziehen heute zahlreiche Besucher an. Diese Tatsache führt uns ganz deutlich vor Augen, welchen kulturellen Stellenwert das industrielle Erbe mittlerweile eingenommen hat.
Großbritannien, das Mutterland der Industrialisierung, ist reich mit Schätzen aus dieser Zeit ausgestattet. Daher liegt es nahe, dass Großbritannien auch als erstes Land die Verwertung seiner industriellen Hinterlassenschaften touristisch zu nutzen wusste.
Die vorliegende Arbeit leitet den Leser zunächst zum Thema „Industrial Heritage Tourismus“ in Großbritannien hin. Anschließend geht sie auf die Region Greater Manchester, die als Untersuchungsraum der Arbeit dient, näher ein. Für die genauere Betrachtung des industriekulturellen Tourismus in Greater Manchester wurden vier industriekulturelle Touristenattraktionen ausgewählt. Dies sind der „Castlefield Urban Heritage Park“, das “Museum of Science and Industry“ in Manchester, die “Quarry Bank Mill” und “The Wigan Pier Experience”. Nach einer detaillierten Untersuchung der vier Beispielobjekte folgt ein Vergleich der Internetauftritte der beschriebenen Attraktionen mit entsprechenden Verbesserungsvorschlägen.
Abschließend werden noch einmal die im Verlauf der gesamten Studie erarbeiteten Stärken und Schwächen der touristischen Nutzung der Industriekultur in Großbritannien und die sich daraus ableitenden Erfordernisse für die Zukunft genannt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Thematische Einführung
1.2 Untersuchungsbereich und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Methodische Vorgehensweise und Literaturlage
2. Heritage Tourismus in Großbritannien
2.1 Die Bedeutung des Begriffs „Heritage“
2.2 Angebot
2.3 Nachfrage
3. Grundlagen zur touristischen Nutzung der Industrierelikte in Großbritannien
3.1 Abgrenzung des Begriffs „Industrial Heritage Tourismus“
3.2 Voraussetzungen zur touristischen Nutzung der britischen Industrierelikte
3.2.1 Industriearchäologie
3.2.2 Denkmalpflege
3.3 Der Übergang vom Industrierelikt zur Touristenattraktion
4. Der Industrial Heritage Tourismus in Großbritannien
4.1 Regionale Verteilung touristisch genutzter industrieller Hinterlassenschaften
4.2 Angebot
4.2.1 Industrial Heritage Museen
4.2.2 Besucherorientierte Angebotsformen der Tourismuseinrichtungen
4.3 Nachfrage
4.3.1 Besucherstruktur
5. Marketingaktivitäten im britischen Industrial Heritage Tourismus
5.1 Beispiele für Marketingaktivitäten
6. Die Region Greater Manchester und ihr Potential für industriekulturellen Tourismus
6.1 Räumliche Einordnung und innere Gliederung
6.2 Die industrielle Entwicklung Greater Manchesters
6.3 Tourismus in Greater Manchester
6.3.1 Die touristische Nutzung der Industrierelikte
7. Der Castlefield Urban Heritage Park
7.1 Die Entwicklung Castlefields zu einem freizeitorientierten Stadtteil
7.1.1 Die Entwicklung unter der Central Manchester Development Corporation
7.2 Castlefield heute
7.2.1 Angebot
7.2.2 Nachfrage
7.2.3 Jüngere und aktuelle Entwicklungen
8. Die Musealisierung von Industrierelikten in Greater Manchester
8.1 Das Museum of Science and Industry
8.1.1 Geschichte
8.1.2 Die Museumsanlage
8.1.3 Angebot
8.1.4 Nachfrage
8.2 Quarry Bank Mill
8.2.1 Geschichte
8.2.2 Die Museumsanlage
8.2.3 Angebot
8.2.4 Nachfrage
8.3 The Wigan Pier Experience
8.3.1 Geschichte
8.3.2 Die Museumsanlage
8.3.3 Angebot
8.3.4 Nachfrage
8.3.5 Aktuelle Entwicklung
9. Marketingstrategien für den industriekulturellen Tourismus in Greater Manchester
9.1 Analyse zur Nutzung des Internets als Marketinginstrument
9.1.1 Inhalt der Internetpräsentationen
9.1.2 Vergleich der einzelnen Internetpräsenzen
10. Die Europäische Route der Industriekultur
11. Bewertende Analyse und Handlungsempfehlungen
11.1 Stärken-/Schwächenanalyse
11.2 Handlungsempfehlungen
12. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die touristische Verwertung industrieller Hinterlassenschaften in Großbritannien, mit einem spezifischen Fokus auf die Region Greater Manchester. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Industrierelikte in Tourismusstrategien integriert werden, welche Marketingmaßnahmen dabei zum Einsatz kommen und welche Effekte sowie Schwachstellen sich daraus für diesen speziellen Tourismussektor ergeben.
- Grundlagen und theoretischer Rahmen des Industrial Heritage Tourismus
- Strukturen und Angebote der touristischen Industriekultur in Großbritannien
- Detaillierte Fallstudien aus der Region Greater Manchester
- Analyse von Marketingstrategien und Internetpräsenzen
- Evaluierung von Stärken, Schwächen und Entwicklungsperspektiven
Auszug aus dem Buch
3.1 Abgrenzung des Begriffs „Industrial Heritage Tourismus“
Während der Begriff „Industrietourismus“ im deutschen Sprachgebrauch sowohl den Besuch stillgelegter als auch aktiver Anlagen bezeichnet, erfolgt im Englischen eine stärkere Differenzierung. Dort wird unterschieden zwischen „Industrial Tourism“ auf der einen Seite, welcher sich auf die Besichtigung moderner Betriebe bezieht und „Industrial Heritage Tourism“ auf der anderen Seite (Gelhar 2005, S.26f.). Letzterer befasst sich laut Goodall mit den physischen Hinterlassenschaften der früheren industriellen Tätigkeiten (Goodall 1994, S.94).
Fasst man den Begriff Industrial Heritage weiter, so bezieht er auch die immateriellen Aspekte der industriellen Vergangenheit mit ein (Kuntz 2000, S.20). Damit ließe er sich demjenigen der Industriekultur gleichsetzen, welche über die stoffliche Materie hinausgeht und auch die Architektur- und Sozialgeschichte sowie die Entwicklung des betrachteten Raumes einschließt (Schwark 2004, S.15). Eine solche Weiterfassung ist im touristischen Rahmen zum einen damit zu begründen, dass die Industrielle Revolution nicht nur technische sondern auch kulturelle, soziale und ökonomische Neuerungen herbeigeführt hat (Falconer 1980, S.9). Zum anderen wird in den neuen Industriemuseen im Gegensatz zu den alten Technikmuseen, welche sich auf die simple Ausstellung der Technik stützten, auch die entsprechende Sozial- und Kulturgeschichte eingebunden. Dabei machen sie die industrielle Arbeitswelt zu ihrem Schwerpunkthema (Wolf 2005, S.21). In der vorliegenden Arbeit wird der Industrial Heritage Tourismus daher gleichbedeutend mit dem industriekulturellen Tourismus verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema des industriekulturellen Tourismus in Großbritannien und Definition der Forschungsfragen.
2. Heritage Tourismus in Großbritannien: Beleuchtung der Hintergründe des Heritage-Booms und allgemeiner Entwicklungen in Angebot und Nachfrage.
3. Grundlagen zur touristischen Nutzung der Industrierelikte in Großbritannien: Definition zentraler Begriffe sowie Erläuterung der Voraussetzungen wie Industriearchäologie und Denkmalpflege.
4. Der Industrial Heritage Tourismus in Großbritannien: Analyse der räumlichen Verteilung, des Angebots und der Nachfragestruktur auf nationaler Ebene.
5. Marketingaktivitäten im britischen Industrial Heritage Tourismus: Untersuchung verschiedener Strategien zur Vermarktung industriekultureller Einrichtungen.
6. Die Region Greater Manchester und ihr Potential für industriekulturellen Tourismus: Einordnung der Region und Analyse ihres spezifischen industriellen Erbes und Tourismuspotentials.
7. Der Castlefield Urban Heritage Park: Detaillierte Betrachtung der Revitalisierung von Castlefield zu einem freizeitorientierten Stadtteil.
8. Die Musealisierung von Industrierelikten in Greater Manchester: Fallstudien zum Museum of Science and Industry, der Quarry Bank Mill und der Wigan Pier Experience.
9. Marketingstrategien für den industriekulturellen Tourismus in Greater Manchester: Analyse der Nutzung des Internets als Marketinginstrument durch verschiedene Akteure.
10. Die Europäische Route der Industriekultur: Vorstellung des internationalen ERIH-Projekts und dessen Bedeutung für das Netzwerk.
11. Bewertende Analyse und Handlungsempfehlungen: Zusammenfassung der Stärken und Schwächen sowie Ableitung konkreter Empfehlungen.
12. Schlussbetrachtung und Ausblick: Fazit der Untersuchung und Einschätzung zukünftiger Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Industriekultur, Industrial Heritage Tourismus, Großbritannien, Greater Manchester, Tourismusmarketing, Denkmalschutz, Industriearchäologie, Museum of Science and Industry, Castlefield, Quarry Bank Mill, Wigan Pier, Revitalisierung, Heritage Tourism, Industriegeschichte, touristische Infrastruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Großbritannien seine industriellen Hinterlassenschaften touristisch nutzt, wobei Greater Manchester als detaillierter Bezugsraum dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen, Angebote und Nachfrage, Marketingstrategien sowie Fallbeispiele industrieller Musealisierung und Stadtteil-Revitalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Strategien und Maßnahmen der industriekulturellen touristischen Verwertung aufzuzeigen, bestehende Schwachstellen zu identifizieren und Entwicklungspotentiale abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt Literaturrecherche, Internetanalysen, Ortsbegehungen und Expertenbefragungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in allgemeine Grundlagen, die spezifische Situation in Großbritannien, detaillierte Fallstudien aus Greater Manchester und eine Analyse von Marketingaktivitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Industriekultur, Industrial Heritage Tourismus, Greater Manchester, Revitalisierung, Musealisierung, Heritage Tourism, Tourismusmarketing.
Wie erfolgreich war die Revitalisierung von Castlefield?
Castlefield gilt heute als eines der erfolgreichsten Stadtumbauprojekte, da es erfolgreich einen ehemaligen Industriekomplex in einen lebendigen, freizeitorientierten Stadtteil integriert hat.
Welche Kritik wird an der Musealisierung geübt?
Ein zentraler Kritikpunkt ist die oft mangelnde Realitätstreue, da einige Einrichtungen die Vergangenheit der industriellen Revolution stark idealisieren.
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- Hannah Kloos (Author), 2006, Industriekultur in Großbritannien als touristische Chance: Strategien, Maßnahmen und Effekte in der Region Greater Manchester, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73693