Naukratis - Eine griechische Handelsstadt im Alten Ägypten


Seminararbeit, 2005
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Ägypten zur Zeit der XXV. Dynastie
2.2 Aufstieg Psammetichs I

3. Stadtgründung

4. Die Stadt Naukratis
4.1 Lage und Zustand der Stadt zu Petries Zeiten
4.2 Aufbau der Stadt
4.3 Bedeutende religiöse Gebäude
4.3.1 Der Temenos der Dioscuren
4.3.2 Der Temenos des Apollo
4.3.3 Der Temenos der Hera
4.3.4 Der Temenos der Aphrodite
4.3.5 Der Friedhof
4.4 Profane Gebäude
4.4.1 Die Skarabäus Werkstatt
4.4.2 Der „Great Temenos
4.4.3 Wissenschaftliche Diskussionen

5. Entwicklung der Stadt

6. Fazit

7. Literatur

8. Abbildungsverzeichnis

9. Abbildungen

1. Einleitung

Städte lassen sich in geplante und ungeplante Siedlungen unterteilen. Naukratis gehörte sicherlich zu Ersteren, da eine Reihe von gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen zu ihrer Gründung führte. Anders jedoch als Amarna und Qantir wurde Naukratis nicht von Ägyptern nach einem zuvor festgelegten Stadtplan nach den Wünschen des Herrschers errichtet. Vielmehr siedelten sich hier Griechen an, um mit der ägyptischen Bevölkerung und dem gesamten Mittelmeerraum Handel zu treiben. Dabei begünstigte dieser Standort ihre Unternehmungen durch verschiedene geologische und politische Gegebenheiten. Die Griechen hatten nicht nur Zugang zum Nil und konnten somit ihre Waren und Güter problemlos transportieren, sondern hatten auch die Möglichkeit, die gesamte Wareneinfuhr zu kontrollieren. Außerdem befand sich Naukratis nicht weit entfernt von der damaligen Hauptstadt Sais, was einen zusätzlichen Absatzmarkt bedeutete. Die Handelskontakte der Exilgriechen reichten bis weit ins Mittelmeer hinein und machten Naukratis über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Als griechische Handelsstadt auf ägyptischem Boden nahm Naukratis folglich eine einzigartige Position ein. Dabei ist besonders das Nebeneinander der beiden in diesem Ort aufeinander treffenden Kulturen bemerkenswert. Die Ägypter zeigten eine große Toleranz gegenüber den Griechen und gestatteten die Errichtung mehrerer den griechischen Göttern gewidmeter Tempel. Es ist davon auszugehen, dass sich die bereits seit Jahrtausenden bestehende Verwaltungstradition der Ägypter mit den Handelskontakten und der Geschäftstüchtigkeit der Griechen verband und sich für beide Seiten vorteilhaft auswirkte. Auf diese Weise entwickelte sich Naukratis über die Jahre hinweg zu einem der wichtigsten Handelszentren des gesamten Deltas.[1] Doch wo liegen die Wurzeln dieser griechischen Siedlung auf ägyptischem Boden? Und wie sah diese Stadt aus, in der Händler aus aller Herren Länder verkehrten? Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Die dritte Zwischenzeit von 1069 - 525 v. Chr. war von schwerwiegenden politischen Unruhen gezeichnet. Bürgerkriege, die Aufspaltung des Deltas in ein westliches und ein mittleres Reich und die Konflikte mit Oberägypten prägten das Bild. Nach dem Verlust der Souveränität richteten sowohl Nubien als auch Assyrien ihr Interesse auf Ägypten. In dieser unruhigen Phase der Geschichte betrat Pharao Psammetich I. aus Sais die politische Bühne.[2]

2.1 Ägypten zur Zeit der XXV. Dynastie

Der nubische König Taharqa, Vertreter der XXV. Dynastie, war zu dieser Zeit legitimer Herrscher über das Land am Nil. Das zu einer Großmacht aufgestiegene Assyrien unter Führung des Königs Assurbanipal hatte sein Einflussgebiet in das ägyptische Delta ausgeweitet und beanspruchte ebenfalls die Vorherrschaft. Verkompliziert wurde die Situation noch durch einige ägyptische Prinzen, die sich kleine Herrschaftsbereiche im Delta schufen. Unter ihnen befand sich auch eine aus Sais stammende Herrscherfamilie, die sich später zur 26. Dynastie erklären sollte.[3]

Taharqa, unzufrieden mit der politischen Situation, bemühte sich in mehreren Feldzügen, die Macht über ganz Ägypten zu erlangen. Im Jahre 666 jedoch marschierte Assurbanipal in Ägypten ein und besiegte den nubischen Pharao. Taharqa musste sich in den Süden des Landes zurückziehen. Die ägyptischen Prinzen des Deltas, unter ihnen Necho I. aus Sais, leisteten den assyrischen Invasoren Widerstand und schlossen ein geheimes Bündnis mit Taharqa. Assurbanipal entdeckte die hinter seinem Rücken geschmiedeten Pläne und entschloss sich, an den Verschwörern ein Exempel zu statuieren. 665v. Chr. holte er zum entscheidenden Schlag gegen Sais aus und tötete viele der Einwohner. König Necho und seine Familie überlebten den Racheakt und wurden nach Assyrien verschleppt. Dort mussten sie dem assyrischen Herrscher Gefolgschaft schwören. Dafür behielt Necho die Herrschaft über Sais und Memphis, seinem Sohn Psammetich wurde Athribis im Delta als Herrschaftsgebiet zugesprochen.[4]

Im Jahre 664 starb Taharqa, sein Sohn Tanutamun sah seine Chance gekommen und marschierte in Ägypten ein. Necho jedoch stand zu seinem Schwur und kämpfte gegen den nubischen Eindringling auf Seiten der Assyrer. Er starb im Kampf, woraufhin sein Sohn und Erbe Psammetich nach Assyrien floh und dort um Schutz bat. Assurbanipal, aufgebracht durch den neuerlichen Aufstand, marschierte in Ägypten ein und vertrieb Tanutamun endgültig. Daraufhin übernahm Psammetich im Jahr 664 v. Chr. die Herrschaft über Sais, Memphis und Athribis. Er war der erste Pharao der 26. Dynastie und sollte bis zu seinem Tod im Jahre 610 v. Chr. die Geschicke Ägyptens leiten.[5]

2.2 Aufstieg Psammetichs I.

In den nächsten Jahren gelang es dem jungen König, immer mehr Herrschaftsgebiete im Delta unter seine Kontrolle zu bringen. 657 v. Chr., mit dem gesamten Delta hinter sich, brach er ins restliche Ägypten auf. Bereits ein Jahr später, 656 v. Chr., hatte er das ganze Land von seiner Idee eines geeinten Ägyptens überzeugt und letzte Widerstände in Theben beseitigt.[6]

Nun hatte der Pharao aus Sais den Wunsch, sich von der Herrschaft der Assyrer zu befreien. Er schloss ein Bündnis mit König Gyges aus Lydien und konnte auf diesem Hintergrund zum ersten Mal seit seiner Thronbesteigung Assurbanipal den Gehorsam verweigern. Dieses Bündnis jedoch hatte nur kurzen Bestand, da Gyges kurz darauf starb. Sein Sohn Ardys erneuerte die Freundschaft mit Assyrien und stand somit als Bündnispartner für Ägypten nicht mehr zur Verfügung. Es ist davon auszugehen, dass auch Psammetich nach diesem Rückschlag wieder Freundschaft mit Assyrien schloss und bis zu seinem Tod im Jahre 610 v. Chr. ein treuer Gefolgsmann der Assyrer blieb.[7]

3. Stadtgründung

Zu Beginn der Regentschaft Psammetichs I. herrschten Chaos und Unsicherheit im Land. Der junge Pharao erhielt eine Wahrsagung, dass „bronzene Männer“ ihm dazu verhelfen sollten, seine Regentschaft zu sichern. Er bezog dies auf griechische Krieger, die bereits seit einiger Zeit aufgrund eines Angriffs auf ihr Heimatland nach Ägypten strömten. Sie waren für ihre bronzenen Rüstungen bekannt.[8]

Er brachte seine neu angeworbenen Söldner in Camps und Garnisonen an strategisch wichtigen Punkten unter. Diese zentrale Stationierung ermöglichte ihm eine starke Kontrolle der Griechen. Herodot berichtet von zwei Camps, stratopeda genannt, die sich in der nordöstlichen Ecke des Deltas am Meer befanden. Auf diese Weise konnten die Griechen sowohl zu Land als auch zu Wasser eingesetzt werden. Psammetich I. verwendete diese Krieger, um die Macht im gesamten Delta an sich zu reißen und Ägypten zu einen. Außerdem standen sie ihm im Aufstand gegen Assyrien bei.[9]

Der Wissenschaftler Peter Haider geht davon aus, dass sich im Zuge der Einwanderung von griechischen Söldnern auch Händler in und um diese Festungen niederließen. Als Gründungszeit für Naukratis nennt er die Jahre von 620 bis 610 v. Chr. Er geht davon aus, dass hauptsächlich Milesier, Chioten und Samier daran beteiligt waren.[10]

Der Pharao hatte den eingewanderten Griechen bis dato nur erlaubt, sich im Osten des Deltas anzusiedeln. Deren vorrangiges Ziel war die Erwirtschaftung von Gewinn durch Handel. Von einer Position weit entfernt von großen Siedlungen ließ sich dies jedoch nur in begrenztem Umfang durchführen. Es wird vielfach angenommen, dass der Pharao den Griechen die Ansiedlung in Naukratis gestattete, weil er die Handelsbeziehungen zu seinen griechischen Partnern schätzte. Als so genannter „Port of trade“, also einem zentralen Umschlagplatz für Waren aller Art, schätzte er Naukratis und die Geschäftstüchtigkeit der Griechen.[11]

Die große Nähe zur neuen Hauptstadt Sais brachte zahlreiche diesbezügliche Vorteile. Außerdem lag Naukratis an einem ruhig fließenden Kanal, der vom Nil abzweigte. Dieser war ideal für Handelsboote zu befahren, während die Strömung des Nil in Flutzeiten zu stark und reißend gewesen sein dürfte. Ein Standort im Delta erwies sich aufgrund der Möglichkeit, auch während der Überflutung des Landes mit Handelsbooten die isolierten Städte und Ortschaften zu erreichen, als vorteilhaft. Die Bewohner erwiesen sich in dieser Zeit als zahlungsfreudige Abnehmer der griechischen Waren.[12]

4. Die Stadt Naukratis

Doch wie sah diese Stadt aus? Im folgenden Abschnitt möchte ich mich der Frage widmen, wo diese griechische Stadt auf ägyptischem Boden lag und in welchem Zustand der zuerst an diesem Fundort arbeitende Forscher Petrie sie vorfand. Außerdem werde ich untersuchen, welche Gebäude die nach Ägypten eingewanderten Griechen errichteten.

4.1 Lage und Zustand der Stadt zu Petries Zeiten

Hinweise zur Lage dieser außergewöhnlichen Handelsstadt lassen sich in zahlreichen historischen Quellen finden. Ptolemäus berichtet in seiner „ Geographia“ von einer Stadt dieses Namens im ägyptischen Delta. Auch auf der römischen Straßenkarte bekannt unter dem Namen „Peutinger Karte“ findet sich eine Eintragung unter diesem Namen für das westliche Delta. Auf der Basis dieser zahlreichen Quellen und der von Herodot gemachten, relativ genauen Angaben, gelang es dem Archäologen William Matthew Flinders Petrie schließlich, den Standort der alten Handelsstadt ausfindig zu machen.[13]

[...]


[1] vgl. Sullivan 1981: 6 ff.

[2] http://www.petrie.ucl.ac.uk

[3] Sullivan 1981: 7

[4] Sulivan 1997: 181

[5] Sullivan 1981: 8

[6] Sullivan 1997: 182 f.

[7] Sullivan 1981: 8 f.

[8] Cueva 1991: 270

[9] Sullivan 1997: 185 f.

[10] Haider 2001: 200

[11] Möller 2001: 11

[12] Petrie 1886: 11

[13] Petrie 1886: 1 ff.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Naukratis - Eine griechische Handelsstadt im Alten Ägypten
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V73731
ISBN (eBook)
9783638744591
ISBN (Buch)
9783638844826
Dateigröße
1408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Naukratis, Eine, Handelsstadt, Alten
Arbeit zitieren
Rebecca Müller (Autor), 2005, Naukratis - Eine griechische Handelsstadt im Alten Ägypten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73731

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