Spezielle gesundheitliche Probleme im Jugendalter: Essstörungen


Seminararbeit, 1999

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Was Essen alles bedeutet
1.1. Fragestellung der Arbeit

2. Das gestorte EBverhalten
2.1. EBstorungen - Was zeichnet dieses Phanomen aus?
2.2. Ursachen von EBstorungen

3. Formen von EBstorungen
3.1. Anorexia nervosa
3.1.1. Definition der Anorexia nervosa
3.2. Bulimia nervosa
3.2.1. Definition der Bulimia nervosa
3.3. Adipositas
3.3.1. Definition der Adipositas
3.3.2. Latente EBsucht
3.4. Gemeinsamkeiten von EBstorungen

4. Hilfen bei EBstorungen
4.1. Behandlungsmethoden
4.2. Pravention von EBstorungen im Kindes- und Jugendalter

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was Essen alles bedeutet

Essen ist lebensnotwendig. Es ist Nahrungs- und zugleich GenuBmittel. Wieviel mehr jedoch Essen ist, erfahren wir schon als Kind. Stillen ist Ernahrung, aber auch innigster Kontakt zur Mutter. Spater sind Gaben von SuBigkeiten, bzw. ihr Entzug, Belohnung oder Bestrafung. Bis wir erwachsen sind, haben wir gelernt, durch das, was wir essen, und wie wir essen, eine Vielzahl von Gefuhlen und Stimmungen auszudrucken, oder uns zu verschaffen. Andererseits reagieren wir auf Gefuhle und Stimmungen durch Anderungen unserer Essensweise. Essen gehort zu den grundlegenden Bedurfnissen des Menschen, die befriedigt sein mussen, ehe er sich anderen Dingen zuwenden kann.

Wir essen gemeinsam mit anderen, um ein Fest zu feiern, unserer Verbundenheit mit ihnen Ausdruck zu geben, oder um sie als Gaste willkommen zu heiBen. Wir essen aber auch allein, um uns zu trosten und setzen dabei nicht selten Kummerspeck an. Mit manchen mochte man nicht an einem Tisch sitzen, Liebe geht durch den Magen, oder etwas schlagt uns auf den Magen. Viele Gefuhlszustande werden mit Ausdrucken aus dem Bereich der Nahrungsaufnahme beschrieben.

Fur die Ausbildung individuellen EBverhaltens jedoch sind gesellschaftliche Normen, familiare Gepflogenheiten und personliche Neigungen entscheidend.

1.1. Fragestellung der Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit dem Phanomen der EBstorungen im Kindes- und Jugendalter. Hier soll zum einen geklart werden: 1. Was versteht man unter EBstorungen? 2. Welche Ursachen liegen einer EBstorung zu Grunde? Und 3. Welche Erscheinungsformen von EBstorungen gibt es? Zum anderen soll in der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen werden, mit Hilfe welcher Behandlungsmethoden und PraventionsmaBnahmen eine EBstorung behandelt werden kann. Da die EBstorungen zum groBen Teil eine Frauenkrankheit ist, werde ich mich in der vorliegenden Arbeit hauptsachlich auf die weiblichen EBgestorten beziehen und die mannlichen Patienten auBer acht lassen.

2. Das gestorte Efiverhalten

„Essen und Trinken sind zu den menschlichen Verhaltensweisen zu rechnen, die mit groBter RegelmaBigkeit und gleichzeitig hoher Wiederholungsfrequenz ausgefuhrt werden“ (Pudel/Westenhofer 1998, S.66). Das Ernahrungsverhalten entscheidet sich bei der Auswahl von Lebensmitteln oder Speisen.

Den EBstorungen des Jugendalters gilt seit den siebziger Jahren ein verstarktes Interesse. EBstorungen sind vor allem eine Frauenkrankheit. Obwohl zunehmend auch Manner daran erkranken, machen sie nur einen geringeren Anteil der Betroffenen aus: man nimmt an, daB 5 - 8 % der manifest EBgestorten Manner sind, wobei die Tendenz steigt (vgl. Arenz-Greiving 1999, S.9).

Das Leben der Betroffenen dreht sich zwanghaft um das Essen oder das Nicht- Essen. Es fuhrt zu einem kontrollierten EBverhalten, das man als lebenslanges Diathalten beschreiben kann.

„Viele Menschen neigen in StreB- und Krisensituationen vermehrt oder reduziert zu essen. Solche vorubergehenden EBprobleme sind normale Reaktionen auf einschneidende Ereignisse oder Alltagsprobleme. Wenn die Krise gelost oder die angespannte Situation uberwunden ist, verschwinden sie in der Regel wieder. Allerdings konne sie sich zu einer EBstorung entwickeln, wenn sich das veranderte EBverhalten verfestigt und sich die Gedanken des betroffenen Menschen nur noch um das Thema Essen, Gewicht, Kalorienverbrauch etc. drehen“ (Arenz-Greiving 1999, S.9). Das Essen verliert seine ursprungliche Funktion und wird zu einer Lebensbewaltigungsstrategie: Es soll alle seelischen und sozialen Probleme losen.

Das EBverhalten im Alltag unterliegt trotz vernunftiger Ratschlage der Ernahrungsexperten sehr groBen Schwankungen, und zwar schon vom Kindesalter an. Abgepackte Nahrungsmittel jeder Geschmacksrichtung, Riegel, Pommes oder Chips, Fast Food, Minutensuppen und Getranke der verschiedensten Art ermoglichen eine Nahrungsaufnahme, wann und wo immer es gewunscht wird: Aus Appetit, Hunger, Frust, SpaB, Langeweile, Lust oder Arger. Von geregeltem Essen, morgens, mittags und abends ist kaum mehr die Rede (vgl. Arenz-Greiving 1999, S.5).

Die meisten Menschen essen zuviel, zu schnell, zur falschen Zeit und bei besonderen Anlassen ubermaBig. Nach uppigen Feiertagen gilt es zu fasten, im Fruhjahr steht eine Fastenkur an, und nach einem reichlichen Festmahl wird schon mal erbrochen, um sich zu erleichtern. Das Fazit ist: Wir haben alle ein gestortes EBverhalten. Dieses EBverhalten kann unbekommlich sein, ungesund und Beschwerden verursachen; trotzdem verstehen wir es nicht als krankhaft. „Bei ca. 1% bis 4% der Madchen (...) treten wahrend der Pubertat EBstorungen auf, fur die es keine physiologisch-biologische Erklarung gibt“ (Tucke, 1999 S.280). Diese Madchen und jungen Frauen reduzieren ihre Nahrungsaufnahme drastisch, obwohl sie in dieser Zeit durchschnittlich 2.200 Kalorien benotigen. Die Nahrungsaufnahme, und die darauf bezogenen Bedeutungen des Essens, rucken ins Zentrum der subjektiven Wahrnehmung, das heiBt, es findet eine Kontrolle des EBverhaltens statt und die Alltagsgestaltung und das subjektive Wohlbefinden werden davon gesteuert.

2.1. EBstorungen - Was zeichnet dieses Phanomen aus?

EBstorungen sind Suchterkrankungen. Nahrungsmittel sind uberall und jederzeit verfugbar und der Einkauf der Suchtmittel kann vor aller Augen ohne Risiko vonstatten gehen.

Wie bei jeder Abhangigkeit dreht sich im Leben der Betroffenen alles um ihr Problem, in diesem Fall das Thema Essen. Soziale Beziehungen sind kaum noch moglich. Die Storung fuhrt auBerdem zu zahlreichen medizinischen Komplikationen. Diese reichen von Mangelerscheinungen, Verdauungs-, Stoffwechsel- und Menstruationsstorungen bis hin zur Unfruchtbarkeit.

„Am Beginn der Adoleszenz gerat die korperliche Entwicklung unvermeidbar in das Zentrum des Interesses beider Geschlechter, da sie sowohl die Quelle so vieler neuer Erfahrungen und Veranderungen ist als auch ein Instrument der Selbstbewertung wird. Der Vergleich des eigenen Korpers mit dem der anderen reprasentiert in einem bestimmten Alter ein wichtiges Element der Selbstdefinition“ (Kachele/Catina 1998, S.24).

Die Vorstellungen unserer Gesellschaft davon, was Frau-Sein bedeutet, haben sich in den letzten Jahren geandert. Zu Beginn der Adoleszenz beschaftigen sich beide Geschlechter intensiv mit ihrem neuen Korpergefuhl. Sie sind angstlich und auch unzufrieden. Madchen wissen, daB Schonheit sich an AuBerlichkeiten festmacht. Sie machen sich Gedanken uber ihre Figur und vergleichen sich untereinander. Junge Frauen sind sich selbst und ihrem Korper gegenuber sehr kritisch und sind meist mit ihrem Aussehen unzufrieden. „Da das Dunnsein das soziale Modell des attraktiven weiblichen Wesens geworden ist, wird in der Gruppe Bestatigung gesucht“ (Kachele/Catina 1998, S.24). Warum werden besonders Frauen eBsuchtig? Das herrschende Schonheitsideal fordert unbedingt Schlanksein. Ein maBig ubergewichtiger Mann gilt noch als stattlich, wahrend eine vergleichbare ubergewichtige Frau bereits als dick und unattraktiv gilt. Trotz des hohen Stellenwertes, den Essen in unserer Gesellschaft hat, des immer groBer werdenden Angebots und des davon ausgehenden Konsumzwanges, fordert das herrschende Schonheitsideal unbedingt Schlanksein.

EBstorungen sind aber nicht erst ein Problem der Gegenwart: Schon fruher haben der freiwillige Nahrungsverzicht einzelner Personen, die fortgesetzte Weigerung zu essen, das Interesse der Offentlichkeit gefunden. Es war von Fastenwundern und Hungerkunstlern die Rede (vgl. Gerlinghoff/Backmund 1999, S.25).

2.2. Ursachen von EBstorungen

Die Hauptursache fur EBstorungen im Jugendalter ist, daB die Jugendlichen und ihre Eltern uber besondere diatetischen Erfordernisse nichts wissen. Ein weiterer Grund ist das unvernunftige Hungern der Madchen, die abnehmen wollen.

Die Phase der Adoleszenz beginnt mit der Pubertat. Bei Madchen ca. zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr. Es beginnt mit dem Einsetzen der sexuellen Reifung, mit der Entwicklung der primaren und sekundaren Geschlechtsmerkmale, den beschleunigten oder verzogerten Wachstum und der Zunahme des Korperumfanges.

Es ist eine Phase mit erheblicher Konfliktbestarkung, durch Veranderung der korperlichen Erscheinung. Die Folgen sind die Labilisierung der Ich- Organisation, Veranderung der Beziehung zu den Eltern und Geschwistern und die Hinwendung zum anderen Geschlecht. Die psychischen Folgen dieser Veranderung des Korperzustandes sind eine Neugestaltung der Korpervorstellungen und die Neuentwicklung des Selbstkonzeptes (vgl. Steinhausen 1996, S.212).

[...]

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Details

Titel
Spezielle gesundheitliche Probleme im Jugendalter: Essstörungen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Umgang mit problematischen Fällen
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
23
Katalognummer
V7375
ISBN (eBook)
9783638146579
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spezielle, Probleme, Jugendalter, Essstörungen, Seminar, Umgang, Fällen
Arbeit zitieren
Silja Gettner (Autor), 1999, Spezielle gesundheitliche Probleme im Jugendalter: Essstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7375

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