Warum arbeiten Menschen ehrenamtlich?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Abgrenzungen
2.1. Hilfreiches, prosoziales und altruistisches Verhalten
2.2. Ehrenamtliches Engagement

3. Freiwilliges Engagement im gesellschaftlichen Kontext
3.1. Tätigkeitsfelder / Aufgabenbereiche
3.2. Umfang und Personenkreis der ehrenamtlichen Tätigkeit in Deutschland
3.3. Zeitaufwand und Häufigkeit
3.4. Strukturwandel des Ehrenamts - was war früher & was gilt heute?

4. Warum engagieren sich Menschen ehrenamtlich?
4.1. Motive der ehrenamtlich Engagierten
4.2. Ehrenamt und Wirtschaft - Motive der jungen Erwachsenen
4.3. Gesellschaftliche Bedeutung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement … ist nicht nur in Europa, sondern in aller Welt ein historisch gewachsenes Phänomen, das für mitmenschliche Solidarität Zeichen setzt. Im Westen wie im Osten, im Süden wie im Norden sind weltweit Tag für Tag, Stunde um Stunde Menschen ehrenamtlich unterwegs und tätig. Ihre Tätigkeiten sind häufig mit viel persönlichem Einsatz und wenig mit `Amt´ und `Ehre´ verbunden. Sie betrachten ihr Engagement als einen persönlichen Beitrag zur sozialen, kulturellen, umweltbezogenen und wirtschaftlichen Entwicklung in einer sich verändernden Welt.“ (Paulwitz, 1996, S. 12).

Was bewegt aber die Menschen dazu, sich sozial zu engagieren, ihre Freizeit und Arbeitskraft unentgeltlich einzusetzen sowie eventuell finanzielle Opfer zu erbringen?

2. Definitorische Abgrenzungen

Die Problematik des Forschungsgebietes der Hilfebereitschaft ist aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Begriffe eindeutig. Ebenso wie es zahllose Situationen gibt, in denen Menschen anderen helfen, gibt es auch zahlreiche Begriffsdefinitionen des Hilfeverhaltens. Neben hilfreichem oder prosozialem Verhalten wird oft im gleichen Zusammenhang der Begriff des altruistischen Verhaltens verwendet. Im Hintergrund dieser Arbeit ist es daher erforderlich diese Begriffe voneinander abzugrenzen.

2.1. Hilfreiches, prosoziales und altruistisches Verhalten

Hilfeverhalten, prosoziales Verhalten und Altruismus beschreiben grundsätzlich eine Interaktionen zwischen Helfern, denen Kosten entstehen und Hilfeempfängern, denen eine Wohltat zuteil wird, die in der Beseitigung einer Notsituation oder des Leidens besteht. Insgesamt gibt es unterschiedliche Ausprägungsformen der Hilfe. Ein wichtiger Unterschied besteht bei der engen Auslegung der Begriffe sowie in der Motivation der Helfer.

Hilfreiches Verhalten ist der umfassendste Begriff und bezeichnet jedwedes Verhalten, das für Menschen von Nutzen sein kann. Aus psychologischer Sichtweise wird laut Strauch (2005) dieses hilfreiche Verhalten aus der Perspektive der Einzelperson betrachtet. Im Vordergrund steht dabei die Seite des Helfenden, dessen Motivation, Intention sowie seine Normen und Ziele. Ein Beispiel dazu wäre, wenn eine Stewardess einem Passagier hilft, sein Gepäck zu verstauen.

Prosoziales Verhalten ist demgegenüber enger gefasst. Bierhoff (2002a) definiert es als die Absicht (Intention) einer konkreten Person (dem Hilfeempfänger) eine Wohltat zu erweisen. Die Motivation dafür erfolgt auf freiwilliger Basis. Somit bezieht sich der Begriff des prosozialen Verhaltens nur auf Handlungen, die intendiert sind und nicht im Rahmen von dienstlichen Verpflichtungen ausgeführt werden. Letzteres wäre bspw. der Fall, wenn ein Arzt im Dienst eine Blutung stillt. Ferner erfolgt prosoziales Verhalten meist spontan, im Rahmen einer Notsituation und ist demnach von situativen Faktoren abhängig. Das Helfen, Trösten und Unterstützen setzt eine wichtige Voraussetzung, nämlich die Notlage bzw. die Situation des anderen wahrzunehmen und als hilfefordernd zu erkennen bzw. zu interpretieren.

Schließlich beschreibt Schneider (1988) das altruistische Verhalten oder den Altruismus als die engste Auslegung des Begriffes mit den drei Elementen der Freiwilligkeit, des Nutzens für den Interaktionspartner sowie Uneigennützigkeit. Altruistisches Verhalten meint also meist das "intrinsisch motivierte" Helfen, das Helfen um des Helfens willen, ohne dass damit die Erwartung einer materiellen oder psychologischen Belohnung bzw. Nutzen aus der Hilfeleistung verbunden wäre. Nach Fetchenhauer und Bierhoff (2001) bedeutet es, wer einem anderen in der Not hilft, um sich selbst davon zu überzeugen, was für ein guter Mensch er ist oder um Schuldgefühle bzw. negative soziale Sanktionen für seine unterlassene Hilfeleistung zu vermeiden, handelt im Sinne dieser Definition nicht wirklich altruistisch.

Weiterhin kommt dem Begriff des Altruismus eine zusätzliche definitorische Eingrenzung hinzu. Bierhoff (2002a) betont, dass beim altruistischen Verhalten die Motivation des Helfers durch die Perspektivenübernahme und Sympathie mit dem Hilfeempfangenen charakterisiert ist. Klassisches Beispiel ist das Gleichnis des barmherzigen Samariters. Abschließend konstatiert Bierhoff (2002b), dass im Allgemeinen prosoziales Verhalten aus dem übergeordnetem Ziel, sich selbst (egoistisch motiviertes Verhalten) oder einer anderen Person zu nutzen (altruistisch motiviertes Verhalten) resultieren kann.

2.2. Ehrenamtliches Engagement

In einem Vortrag sagte Thomas Rauschenbach (2001): „Freiwilligenarbeit, Ehrenamtlichkeit, Bürgerengagement – man kann es drehen und wenden wie man will: „`Den´ einheitsstiftenden, alle überzeugenden und alle Sachverhalte angemessen repräsentierenden Begriff gibt es nicht. Im Gegenteil: Mit jedem Begriff wird etwas Spezifisches hervorgehoben, wird ein anderer Abschnitt, eine andere Perspektive ins Blickfeld gerückt, werden neue Assoziationen ausgelöst – und wird zugleich etwas anderes vernachlässigt, ausgeblendet, übersehen“ (S. 2).

Somit ist es schwer eine klare Definition der unterschiedlichen Begriffe der ehrenamtlichen Arbeit zu finden. Vielmehr ist die Abgrenzung, insbesondere als Forschungsgegenstand, relativ verwirrend und komplex. Feststellbar ist jedoch, dass es sich dabei ganz offensichtlich um eine eigenständige Aktivitätsform handelt, die sich trotz einiger partieller Gemeinsamkeiten von anderen Tätigkeitsformen (bspw. Erwerbsarbeit, Unterstützung innerhalb der Familie) unterscheiden lässt. Im Folgenden werden die verschiedenen Begriffe ehrenamtliche oder Freiwilligenarbeit, freiwilliges Engagement sowie im angelsächsischen Raum dafür verwendeter Begriff des Volunteering als synonym betrachtet.

Was unterscheidet nun das ehrenamtliche Engagement von der spontanen Hilfeleistung (prosoziales Verhalten)? Bierhoff (1999) bemerkt, dass der wesentliche Unterschied in der Planung, der Prioritätensetzung und der Suche nach einem Fit zwischen persönlichen Fähigkeiten und der Art der Aufgabe liegt. Dabei charakterisiert er die ehrenamtliche Hilfe durch folgende Merkmale:

- Intention, anderen Personen eine Wohltat zu erweisen;
- Freiwilligkeit der Ausübung der Tätigkeit;
- Fehlen einer beruflichen Verpflichtung oder einer direkten Bezahlung der Tätigkeit;
- Längerfristige Perspektive, die persönliches Engagement über mehrere Monate oder Jahre impliziert;
- Bindung an eine Organisation, die sich mit der Lösung sozialer oder individueller Probleme im In- oder Ausland befasst.

Die ersten drei Merkmale dieses Definitionsansatzes sind mit der Definition des prosozialen Verhaltens übereinstimmend. Die letzten zwei Ansätze betonen dagegen speziell das ehrenamtliche Arbeiten. Die Definitionen von Badelt (2000) und Hanhart (2000) beinhalten einen ähnlichen Ansatz. Ehrenamtliches Arbeiten wird demnach als eine unbezahlte Tätigkeit gesehen, die anderen zu Gute kommt, freiwillig sowie mit einer gewissen Kontinuität geleistet wird und einen persönlichen Nutzen stiftet.

Demzufolge wird der Begriff in mehrfacher Hinsicht abgegrenzt. Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen ehrenamtlicher und bezahlter Arbeit. Ehrenamtlicher Arbeit steht kein monäterer Wert entgegen. Die gleiche Arbeit in der Organisation darf nicht zugleich bezahlt geleistet werden. Es kann zwar eine Aufwandsentschädigung geben, aber eine Pauschalabgeltung für freiwilliges Engagement ist ausgeschlossen. Weiterhin erfolgt die Freiwilligenarbeit - wie der Begriff schon sagt - aus freiem Willen, nach eigener Entscheidung. Es basiert auf persönlicher Motivation und Wahlmöglichkeiten, wo man sich engagieren möchte und wem man helfen will. Bzgl. der Langfristigkeit des Engagements bemerkt Nadai (1996), dass es nur selten eine einmalige Angelegenheit bzw. eine Episode im Leben der Freiwilligen darstellt. Das Engagement ist vielmehr langfristig ausgelegt, kann jedoch jederzeit wieder aufgegeben werden.

Hollerweger (2001) betont zudem, dass der persönliche Nutzen des Engagements nicht unbedingt ausgeschlossen werden darf. Die ehrenamtliche Arbeit soll dabei von rein konsumtiven Freizeit-Aktivitäten unterschieden werden. Wenn ein Ehrenamtlicher in einem Chor singt, so steht zwar einerseits sein persönliches Vergnügen im Vordergrund andererseits die erbrachte Leistung für die anderen Zuhörer.

Neben diesen Abgrenzungen ist die ehrenamtliche Arbeit durch einen formellen und informellen Aspekt charakterisiert. Die formelle Freiwilligenarbeit erfolgt in einem institutionalisierten Rahmen. Das heißt, dass die Arbeit in Organisationen außerhalb privater Haushalte stattfindet, bspw. in Verbänden, Vereinen oder gemeinnützigen Unternehmen (Nonprofit-Organisationen). Demgegenüber bezeichnet die informelle Freiwilligenarbeit die ehrenamtliche und freiwillige Hilfe ohne Einbindung in eine Organisation, bspw. in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis oder sogar in der eigenen Familie. Aber nicht jede unbezahlte Tätigkeit ist gleich ehrenamtlich im Sinne der Definition. Nadai (1996) bemerkt, dass die informelle Tätigkeit zwar häufiger auftritt als die formelle, die Grenzen dazwischen sind jedoch kaum eindeutig. In diesem Zusammenhang grenzt Goll (1991) die ehrenamtliche Tätigkeit mit dem Aspekt der organisatorischen Einbindung ein. Danach erfolgt die ehrenamtliche Tätigkeit in Rahmen von Institutionen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege und soll damit den Unterschied zur privaten bzw. informellen Hilfe und Arbeit verdeutlichen. Auch Badelt (2000) macht deutlich, dass der Blickpunkt der ehrenamtlichen Arbeit weit über den eigenen Haushalt, die eigene Familie und die Nachbarschaft hinausgeht, so wichtig diese auch sind.

3. Freiwilliges Engagement im gesellschaftlichen Kontext

3.1. Tätigkeitsfelder / Aufgabenbereiche

Die obigen Definitionen ehrenamtlicher Arbeit machen keine Hinweise bzgl. der Einsatzbereiche, in denen ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt werden können. Nach Hollerweger (2001) wird das ehrenamtliche Engagement in zahlreichen gesellschaftlichen Sektoren erfasst und ist in diesen auch unterschiedlich verteilt. Die wichtigsten Tätigkeitsbereiche sind soziale, politische und religiöse Dienste, Nachbarschaftshilfe, Kultur, Unterhaltung, Sport, Rettungswesen, Wohlfahrtspflege, Gesundheit sowie Bildung und Erziehung.

Trotz der gesellschaftlichen Bedeutsamkeit dieser Bereiche stellen einige einen quantitativ geringen Ausschnitt aus dem Gesamtvolumen der Freiwilligenarbeit dar. Unterscheidet man bspw. zwischen dem Engagement in Vereinen, Verbänden, sozialen Diensten einerseits und Bürgerinitiativen, Parteien und Kommunalpolitik andererseits, so ist das ehrenamtliche Engagement in den letztgenannten deutlich niedriger als ehrenamtliche Arbeit in Vereinen, Verbänden und sozialen Diensten (Lakemann, 2002).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Warum arbeiten Menschen ehrenamtlich?
Hochschule
Universität zu Köln  (Wirtschafts- und Sozialpsychologie)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V73814
ISBN (eBook)
9783638743655
ISBN (Buch)
9783638794602
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Warum, Menschen, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Julia Tschumatschow (Autor), 2006, Warum arbeiten Menschen ehrenamtlich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73814

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