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Die Lösung der Zigeunerfrage in Ungarn während des Kommunismus

Title: Die Lösung der Zigeunerfrage in Ungarn während des Kommunismus

Seminar Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Katharina Bindl (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Die „Zigeuner“ in Ost- und Südwesteuropa hatten, wie auch in anderen Ländern, keine einfache Stellung in ihrem jeweiligen Aufenthaltsland. Grund hierfür war ihre nicht angepasste Lebensweise an ihre Umgebung, wie auch die dadurch hervorgerufene Abwehrhaltung des jeweiligen Landes und der Bevölkerung, was bis zur Verfolgung der „Zigeuner“ hin reichte.

Die „Zigeunerfrage“ wird ursprünglich als eine Rassenfrage verstanden, in Ungarn war diese allerdings nicht so radikal wie beispielsweise während des Nationalsozialismus in Deutschland.

Die Lebensweise der „Zigeuner“ ergab sich, nach der Kommunistischen Partei in Ungarn, aus deren historischen Situation, die erst in der feudalen und anschließend in der kapitalistischen Gesellschaft vorzufinden war. Die nützlichen Funktionen, die die „Zigeuner“ nach den Angaben der Kommunisten in der Vergangenheit hatten, waren unter kapitalistischen Umständen nicht mehr vorhanden und da ihre Fähigkeiten überflüssig wurden, war der Alltag der „Zigeuner“ von Betteln, Hausieren und Faulheit geprägt. Dies schaffte die große Kluft zwischen „Zigeunern“ und „Nicht-Zigeunern“, was zu einer tiefen gegenseitigen Abneigung und zu Misstrauen führte.

Im Folgenden werde ich zuerst auf die Nachkriegsjahre im kommunistischen Ungarn eingehen, bevor ich die ungarische „Zigeunerpolitik“ bis 1989 beschreibe, die sowohl die Eingliederungsversuche als auch den Kampf gegen die Diskriminierung der „Zigeuner“ beinhaltet. Anschließend erläutere ich die zwei verschieden Blickwinkel auf die „Zigeunerproblematik“: die Sicht der ungarischen Regierung mit der sozialistischen Arbeitstheorie und die Politik aus der Sicht der „Zigeuner“ in Ungarn. Zuletzt gehe ich noch auf den Antiziganismus im Allgemeinen ein und setze ihn dem ähnlich aufgebauten Antisemitismus gegenüber.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A) Antiziganismus und die „Zigeunerfrage“

B) Die Lösung der „Zigeunerfrage“ in Ungarn

1) Die Nachkriegsjahre in Ungarn (1945-1957)

1.1. Die Manipulation und die Verschlechterung der Lage der „Zigeuner“ nach 1945

1.2. Die Gründung des „Kulturverbands der Zigeuner Ungarns“

2) Der Lösungsversuch der „Zigeunerfrage“ von 1957-1989 in Ungarn

2.1. Die Eingliederungsversuche der „Zigeuner“ ins ungarische Proletariat und der Kampf gegen die Diskriminierung

2.2. Die sozialistische Theorie von Arbeit

2.3. Die Unvereinbarkeit der sozialistischen Theorie mit der Ideologie der „Zigeuner“

C) Vergleich zwischen Antiziganismus und Antisemitismus

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die staatliche „Zigeunerpolitik“ im kommunistischen Ungarn zwischen 1945 und 1989, mit dem Ziel, die Ansätze zur sozialen Integration der Roma sowie deren Scheitern vor dem Hintergrund sozialistischer Ideologie und antiziganistischer Vorurteile zu analysieren.

  • Historische Entwicklung der Zigeunerpolitik in der Nachkriegszeit.
  • Die Rolle sozialistischer Arbeitstheorien bei der Assimilationspolitik.
  • Versuche zur organisatorischen Repräsentation der Roma.
  • Diskriminierungsstrukturen und die abwertende Konnotation des Begriffs „Zigeuner“.
  • Vergleichende Analyse von Antiziganismus und Antisemitismus als gesellschaftliche Konstrukte.

Auszug aus dem Buch

2.2. Die sozialistische Theorie von Arbeit

Die Einteilung in drei Gruppen von „Zigeunern“ wurde, wie bereits erwähnt, von den Arbeitsleistungen und somit von der Anpassungsfähigkeit der „Zigeuner“ an das ungarische Proletariat abhängig gemacht. Während die erste Gruppe bereits als Proletarier angesehen wurde, sprach man der zweiten durchaus die Fähigkeit zu, proletarisch zu werden. Die dritte Gruppe umfasste die „Zigeuner“, die die sozialistischen Arbeitweisen komplett verweigerten und durch Pferdehandel oder andere für „Zigeuner“ sog. typische Geschäften versuchten, Geld zu verdienen. Die letzte Gruppe widerstrebte für die Kommunisten völlig der marxistischen Theorie, in der jede Arbeit einen wirtschaftlichen Wert erschaffen muss, welchen die dritte Gruppe für die Kommunisten eindeutig nicht produziert. Um die „Zigeuner“ zu assimilieren, mussten diese aber alle genauso arbeiten wie die Ungaren, da dies die Pflicht aller Bürger war und niemand -spezielle Fälle ausgenommen- das Recht hatte nicht zu arbeiten. Unter Arbeit verstand der Sozialismus jene Tätigkeit, durch die man ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft wird. Schlüsselbild hierbei war der „produktive“ Arbeitsplatz in einer Fabrik (s. z.B. Harangos), die für die gesamte Nation produzierte und durch die der Arbeiter direkt am „Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft“ beteiligt war. Deshalb hoffte man, dass der positive Einfluss des Kollektivs auf die „Zigeuner“ sie aus ihren antisozialen Umgangsformen führen werde und sich ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsumfeld auf ihr alltägliches Leben überträgt.

Zusammenfassung der Kapitel

A) Antiziganismus und die „Zigeunerfrage“: Das Kapitel führt in die historische Stellung der Roma in Osteuropa ein und erläutert, wie das kommunistische Regime die Lebensweise der Roma als soziales Problem und als Folge ihrer historischen Situation definierte.

B) Die Lösung der „Zigeunerfrage“ in Ungarn: Dieser Hauptteil analysiert die wechselnde Politik des kommunistischen Staates, die von einer anfänglichen Manipulation in der Nachkriegszeit über den Versuch der Proletarisierung bis hin zur Anerkennung als ethnische Gruppe in den späten 70er Jahren reichte.

C) Vergleich zwischen Antiziganismus und Antisemitismus: Das abschließende Kapitel arbeitet verblüffende Parallelen zwischen den antiziganistischen und antisemitischen Stereotypen heraus und zeigt auf, wie beide zur Rechtfertigung von Diskriminierung und Ausgrenzung konstruiert wurden.

Schlüsselwörter

Zigeuner, Roma, Ungarn, Kommunismus, Sozialismus, Antiziganismus, Assimilation, Proletarisierung, Diskriminierung, Integration, Arbeitswelt, Minderheitenpolitik, Antisemitismus, Ethnographie, Sozialpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die staatliche Politik gegenüber den Roma in Ungarn während der kommunistischen Ära und untersucht, wie der Staat versuchte, diese Bevölkerungsgruppe in das sozialistische System zu integrieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Arbeitsmarktpolitik, der sozialen Assimilationsstrategie, dem Umgang mit kulturellen Eigenheiten der Roma sowie dem gesellschaftlichen Antiziganismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den „Lösungsversuch“ der sogenannten Zigeunerfrage durch die kommunistische Regierung kritisch zu hinterfragen und aufzuzeigen, warum diese Politik weitgehend scheiterte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine ethnographische Perspektive und nutzt existierende Fallstudien, insbesondere die Forschungen von Michael Stewart, um die staatliche Ideologie der Praxis gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Nachkriegszeit, den Versuch der Zwangseingliederung ins Proletariat durch Arbeit sowie die Untersuchung der Unvereinbarkeit der sozialistischen Theorie mit der traditionellen Lebensweise der Roma.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Assimilation, Proletarisierung, Antiziganismus, Integration, soziale Schichtung und der ungarische Kommunismus.

Wie stand der kommunistische Staat zum Begriff der ethnischen Minderheit?

Lange Zeit wurde die Zigeunerfrage bewusst nicht als ethnisches, sondern ausschließlich als soziales Problem definiert, um den Status einer offiziellen Minderheit zu vermeiden.

Welche Rolle spielte die Arbeit für das kommunistische Ideal?

Arbeit wurde im Sozialismus als das zentrale Mittel angesehen, um den „unsozialen Individualismus“ zu brechen und die Roma zu vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft zu erziehen.

Warum war das Projekt der Proletarisierung laut der Analyse so problematisch?

Die industrialisierte Fabrikarbeit war mit der traditionellen Lebensweise und den kulturellen Werten der Roma unvereinbar, was zu anhaltenden sozialen Spannungen und Entfremdung führte.

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Details

Title
Die Lösung der Zigeunerfrage in Ungarn während des Kommunismus
College
LMU Munich
Grade
1,2
Author
Katharina Bindl (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V73822
ISBN (eBook)
9783638783415
Language
German
Tags
Lösung Zigeunerfrage Ungarn Kommunismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Bindl (Author), 2007, Die Lösung der Zigeunerfrage in Ungarn während des Kommunismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73822
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