Quellen sind das wichtigste Gut des Historikers. Aus ihnen gewinnt er die für seine Arbeit nötigen Erkenntnisse, sie helfen ihm, ein Verständnis für die Zeit zu entwickeln, mit der er sich beschäftigt.
Historische Quellen sind aber vielfältig, alles von vergangenen Generationen überlieferte kann für den Historiker einen gewissen Quellenwert haben. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als das Angebot zu sichten und die für ihn relevanten Quellen auszuwählen.
Auch für das Mittelalter verfügt der Historiker über einen großen Quellenreichtum von vielfältiger Art. Um eine Hausarbeit über die Quellengattungen des Mittelalters zu schreiben, bedarf es daher zunächst der Eingrenzung des Umfangs der zu untersuchenden Quellen. Selbst wenn man sich „nur“ auf die schriftlichen mittelalterlichen Quellen beschränken möchte, erkennt man schnell, dass das Mittelalter eine Vielzahl historiographischer Quellengattungen hat, die mit ihren eigenen Wurzeln und Traditionen für sich selbst betrachtet einzigartig und bedeutsam sind.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich daher ausschließlich mit den mittelalterlichen Quellen der pragmatischen Schriftlichkeit, die in Zusammenhang mit der klösterlichen Organisation und Verwaltung stehen. Inspiriert durch die Monographie Robert Fossiers über die Quellen der mittelalterlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte1 wurden die für diese Arbeit in Frage kommenden Quellengattungen in zwei übergeordnete Bereiche eingeteilt: Zum einen diejenigen Quellen, deren primäres Ziel die Erleichterung des klösterlichen Wirtschaftslebens und der Verwaltung war. Dazu zählen neben den vielfältigen Urbaraufzeichnungen auch Güterverzeichnisse. Zum anderen die Quellen, die durch ihren rechtlichen Inhalt vor allem der Organisation und Entfaltung des Klosterlebens dienlich waren, wozu die Traditionsbücher, aber auch die schriftlichen Rechtstexte der Consuetudines und Statuten zu zählen sind.
Diese Arbeit möchte mit Hilfe der Einzelbeobachtungen auch der Frage nachgehen, ob man trotz der Unterschiedlichkeit der Aufzeichnungen und ihrer Primäraufgaben funktionelle Linearitäten außerhalb administrativer und juristischer Aspekte erkennen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 pragmatische Schriftlichkeit
3 Quellen der Klosterverwaltung
3.1 Urbare
3.2 Urbare im Mittelalter
3.2.1 Inhalt und Form von Urbaraufzeichnungen
3.2.2 das Prümer Urbar
3.2.3 das Polyptychon, Urbar des Westfrankenreichs
3.2.4 das Polyptychon von Saint-Germain-des-Prés
3.3 Güterverzeichnis
3.3.1 Elemente eines Güterverzeichnisses
3.3.2 Oculus Memorie
4 Quellen der Klosterorganisation
4.1 Traditionsbuch
4.1.1 von der Traditionsnotiz zum Traditionsbuch
4.1.2 die Recht sichernde Qualität eines Traditionsbuchs
4.1.3 das Reichenbacher Schenkungsbuch
4.2 Consuetudines und Statuten
4.2.1 Consuetudo
4.2.2 Consuetudines Corbeienses
4.2.3 Statuten kirchlicher Instanzen
4.2.4 Carta Caritatis
5 Schlussgedanke
6 Zusammenfassung
7 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Quellengattungen der pragmatischen Schriftlichkeit im mittelalterlichen Klosterwesen. Ziel ist es, durch eine systematische Einteilung in die Bereiche der Klosterverwaltung und der Klosterorganisation zu analysieren, ob sich jenseits der rein administrativen oder juristischen Primärfunktionen funktionelle Linearitäten und übergreifende Gemeinsamkeiten in diesen Aufzeichnungen nachweisen lassen, die der Sicherung des klösterlichen Fortbestands dienten.
- Analyse administrativer Quellentypen (Urbare, Polyptycha, Güterverzeichnisse)
- Untersuchung von Quellen zur Klosterorganisation (Traditionsbücher, Consuetudines, Statuten)
- Funktionsbestimmung von Schriftlichkeit in klösterlichen Wirtschaftssystemen
- Erforschung der rechtssichernden Qualität mittelalterlicher Aufzeichnungen
- Vergleich funktionaler Rollen von Dokumenten zur Konsolidierung monastischer Lebensformen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Inhalt und Form von Urbaraufzeichnungen
In den mittelalterlichen Urbaraufzeichnungen wurde vor allem der Besitz an Gütern und Herrschaftsrechten verzeichnet. Daneben flossen aber auch die Einkünfte aus den Gütern und deren Rechtsstatus als Eigen oder Lehen in diese Aufzeichnungen ein. Bestimmend für den Aufbau und die Darstellung eines Urbars war die Forderung, vielfältige Informationen „kurz formuliert, übersichtlich angeordnet und leicht auffindbar darzubieten“
Der innere Aufbau des Urbars war aber vor allem vom „erkenntnisleitenden Interesse der aufnehmenden Institution“ abhängig und daher je nach Bedarf geographisch nach Orten, am Ort selbst nach Zinsgütern oder auch Materien wie Zehnten oder Zöllen geordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Bedeutung historischer Quellen und Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes auf die klösterliche pragmatische Schriftlichkeit.
2 pragmatische Schriftlichkeit: Erörterung der Zunahme von Schriftgebrauch im Mittelalter als Mittel zweckgerichteter Lebenspraxis und zur Stabilisierung klösterlicher Gemeinschaften.
3 Quellen der Klosterverwaltung: Vorstellung der administrativen Quellengattungen, insbesondere Urbare, Polyptycha und Güterverzeichnisse, als Instrumente der Gutsverwaltung.
4 Quellen der Klosterorganisation: Analyse rechtlicher und organisatorischer Dokumente wie Traditionsbücher, Consuetudines und Statuten zur Sicherung des sozialen Klosterlebens.
5 Schlussgedanke: Reflektion über gattungsübergreifende funktionelle Linearitäten und die Verflechtung administrativer, juristischer, sakraler und historiographischer Elemente.
6 Zusammenfassung: Resümee der funktionsübergeordneten Bedeutung der Quellengattungen für den Fortbestand klösterlicher Institutionen.
7 Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Forschungsliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Klosterverwaltung, pragmatische Schriftlichkeit, Urbare, Polyptychon, Traditionsbuch, Consuetudines, Statuten, Klosterorganisation, Wirtschaftsgeschichte, Grundherrschaft, Rechtsgeschichte, Besitzsicherung, Rechtssicherheit, Mönchswesen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung und den verschiedenen Gattungen der sogenannten pragmatischen Schriftlichkeit, die im mittelalterlichen Klosterwesen zur Verwaltung und Organisation eingesetzt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die administrativen Aufgaben der Klosterverwaltung sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Klosterorganisation, die durch schriftliche Dokumente wie Urbare und Statuten geregelt wurden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die unterschiedlichen Arten klösterlicher Aufzeichnungen über ihre spezifischen Verwaltungs- oder Rechtsfunktionen hinaus funktionelle Gemeinsamkeiten aufweisen, die der Stabilität der Klöster dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systematisierte Literaturanalyse und vergleichende Untersuchung, wobei einzelne Quellengattungen exemplarisch beschrieben und hinsichtlich ihrer Funktionen analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Bereiche: Quellen der Klosterverwaltung (wie Urbare und Güterverzeichnisse) und Quellen der Klosterorganisation (wie Traditionsbücher und Statuten).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie pragmatische Schriftlichkeit, Klosterverwaltung, Grundherrschaft, Rechtsgeschichte und monastische Reform beschreiben.
Welche Rolle spielt das Prümer Urbar in der Untersuchung?
Das Prümer Urbar wird als Beispiel für eine administrative Urbaraufzeichnung herangezogen, um zu verdeutlichen, wie durch schriftliche Fixierung von Einkünften und Besitzverhältnissen auf äußere Bedrohungen reagiert wurde.
Warum ist die "Carta Caritatis" für die Arbeit relevant?
Sie dient als exemplarisches Statut des Zisterzienserordens, um aufzuzeigen, wie schriftliche Verfassungsordnungen zur Sicherung von Einheitlichkeit und Autonomie innerhalb eines Klosterverbundes eingesetzt wurden.
- Quote paper
- Daniel Wimmer (Author), 2006, Quellengattungen des Mittelalters - Die pragmatische Schriftlichkeit in der klösterlichen Verwaltung und Organisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73840