Der Cultural Turn, die Hinwendung aller Wissenschaften vom Menschen zur Kultur, „entstammt dem Vorschlag, Prozesse kultureller Vergesellschaftung zum zentralen Gegenstand der historischen Forschung zu machen.“ Soweit der 2002 von Gangolf Hübinger für das Lexikon Geschichtswissenschaft geschriebene Artikel über die Kulturgeschichte. In der vorliegenden Arbeit geht es aber nicht um die Betrachtung aller Humanwissenschaften, sondern primär um die vom Cultural Turn in der Geschichtswissenschaft angestoßenen Entwicklungen, die schließlich zur Ausbildung der so genannten Neuen Kulturgeschichte geführt haben. Um dieser theoretischen Untersuchung einen praktischen Bezugspunkt anzufügen, wird ihr das exemplarische und gleichzeitig bedeutsame Werk der amerikanischen Kulturhistorikerin Lynn Avery Hunt an die Seite gestellt.
Um sich ein Bild von der Person und den Forschungsgebieten Lynn Avery Hunts machen zu können, wird in dieser Hausarbeit zunächst eine Darstellung ihres Lebens und ihres bisherigen Werkes versucht. Anschließend wird der historiographische Kontext vorgestellt, in dem sich die Autorin bewegt. Die Geschichte der Neuen Kulturgeschichte wird von ihren Anfängen bis in die Gegenwart dargestellt. Zudem wird untersucht, auf welchen theoretischen Grundlagen sie basiert. Den besonders wichtig erscheinenden Ansätzen Michel Foucaults und den anthropologischen Studien wird dabei je ein eigenes Unterkapitel mit einer eigenständigen Betrachtung gewidmet werden. Diese sollen allerdings ausschließlich der Vertiefung dienen und kann auf Grund der zeitlichen Beschränkung dieser Ausarbeitung keine ausführlichen Untersuchungen darstellen.
Dieser theoretische Unterbau wird anschließend mit einer praktischen Ebene ergänzt, nämlich der Vorstellung von Lynn Hunts Hauptwerk, dem 1989 in deutscher Übersetzung erschienenen Buch Symbole der Macht, Macht der Symbole. Dabei wird neben dem Aufbau und dem Inhalt des Werks auch Wert auf die Reaktionen der Fachwelt gelegt. An Hand von vier Rezensionen aus den USA, Frankreich und Deutschland wird die Bewertung sowohl des Buches, als auch des methodisch-analytischen Ansatzes der Autorin betrachtet. Nach der Vorstellung von allgemeiner Theorie und der Betrachtung einer individuellen praktischen Umsetzung der Neuen Kulturgeschichte wird nun mit Hilfe des bereits Erarbeiteten der spezifische Ansatz Lynn Hunts auf abstrakte Art und Weise charakterisiert und untersucht, welchen theoretischen Einflüssen sie verpflichtet ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lynn Avery Hunt – Leben und Werk
2.1. Biographie
2.2. Forschungsfelder
3. Der Cultural Turn – Weg zur Neuen Kulturgeschichte
3.1. Einordnung der Neuen Kulturgeschichte in die Geschichtswissenschaft
3.2. Grundlagen der Neuen Kulturgeschichte
3.2.1. Das Oeuvre Michel Foucaults
3.2.2. Die Kulturanthropologie
4. Lynn Hunt: Symbole der Macht, Macht der Symbole
4.1. Aufbau und Inhalt
4.2. Bewertung
5. Charakterisierung der von Lynn Hunts praktizierten Neuen Kulturgeschichte
6. Schlussgedanke
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und theoretischen Grundlagen der Neuen Kulturgeschichte, indem sie diese in den Kontext der wissenschaftlichen Arbeit der amerikanischen Historikerin Lynn Avery Hunt stellt und deren methodischen Ansatz analysiert.
- Entwicklung des Cultural Turn in der Geschichtswissenschaft
- Theoretische Fundamente durch Foucault und die Kulturanthropologie
- Analyse des Hauptwerks von Lynn Avery Hunt
- Rezeption der Neuen Kulturgeschichte in der Fachwelt
- Zukunftsperspektiven und methodische Ausrichtungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Das Oeuvre Michel Foucaults
Vom französischen Philosophen Michel Foucault stammen drei Ideen, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Entwicklung der Neuen Kulturgeschichte hatten. Man kann sogar sagen, dass Michel Foucault der wohl entscheidende Wegbereiter der Neuen Kulturgeschichte war, wie sie heute existiert. Mit seinen Arbeiten ebnete er den Weg zum alternativen Ansatz jenseits marxistischer und revisionistischer Theorien. Es ist aber kein leichtes Unterfangen, die einzelnen Aspekte der Foucaultschen Studien und ihre Wirkung auf die folgenden Forschergenerationen in der Geschichtswissenschaft und ihren Nachbardisziplinen in wenigen Worten zusammenzufassen. Zu sehr bedingen sich die verschiedenen Ansätze gegenseitig, wodurch auch die Wirkung jedes einzelnen Ansatzes nicht ohne die Existenz des anderen verständlich ist.
Von Michel Foucault stammt zunächst eine in der Neuen Kulturgeschichte einflussreiche Formulierung der konstruktivistischen Position, die von ihm so genannte Diskursarchäologie. In seinem 1969 erschienenen Buch L’archéologie du savoir definierte er den Diskurs als eine Praxis, „die systematisch die Gegenstände formt oder konstruiert“, von denen sie spricht. Der Diskurs bildet also den Rahmen für die konzeptionellen Möglichkeiten von Subjekten, in einer bestimmten historischen Periode zu denken und zu sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Cultural Turn und skizziert das Ziel der Arbeit, die Neue Kulturgeschichte anhand des Werks von Lynn Avery Hunt zu untersuchen.
2. Lynn Avery Hunt – Leben und Werk: Dieses Kapitel liefert eine biographische Übersicht sowie eine Vorstellung der wesentlichen Forschungsgebiete der Historikerin.
3. Der Cultural Turn – Weg zur Neuen Kulturgeschichte: Es wird die historische Einordnung der Neuen Kulturgeschichte vorgenommen und ihre theoretischen Wurzeln bei Michel Foucault sowie der Kulturanthropologie beleuchtet.
4. Lynn Hunt: Symbole der Macht, Macht der Symbole: Dieser Teil widmet sich der inhaltlichen Analyse sowie der fachwissenschaftlichen Bewertung des Hauptwerks von Hunt.
5. Charakterisierung der von Lynn Hunts praktizierten Neuen Kulturgeschichte: Das Kapitel charakterisiert den eklektischen und diskursanalytischen Arbeitsstil Hunts im Kontext der Kulturgeschichte.
6. Schlussgedanke: Hier werden Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Geschichtswissenschaft und der Neuen Kulturgeschichte diskutiert.
7. Zusammenfassung: Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit reflektiert und die Bedeutung von Lynn Hunt als Vertreterin der Neuen Kulturgeschichte hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Neue Kulturgeschichte, Lynn Avery Hunt, Cultural Turn, Geschichtswissenschaft, Michel Foucault, Kulturanthropologie, Diskursanalyse, Symbolische Formen, Französische Revolution, Historische Methode, Sozialgeschichte, Konstruktivismus, Politische Kultur, Diskursarchäologie, Interdisziplinarität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den theoretischen Grundlagen der Neuen Kulturgeschichte sowie ihrer praktischen Anwendung am Beispiel der Historikerin Lynn Avery Hunt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind der Cultural Turn, die Rolle von Diskursen und Symbolen, die Bedeutung der Kulturanthropologie sowie die politische Kultur der Französischen Revolution.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Theorie der Neuen Kulturgeschichte durch den Werdegang und die Forschungsergebnisse von Lynn Avery Hunt anschaulich und fachlich fundiert zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historiographische Analyse, die theoretische Konzepte mit der Untersuchung von Literatur, Rezensionen und dem Werk von Lynn Avery Hunt verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Neuen Kulturgeschichte (u.a. Foucault, Geertz) und die praktische Analyse des Werks von Lynn Hunt inklusive deren Rezeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen der Cultural Turn, Diskursanalyse, die Neue Kulturgeschichte und der interdisziplinäre Ansatz von Lynn Avery Hunt.
Welche Rolle spielt Michel Foucault für die Neue Kulturgeschichte laut dieser Arbeit?
Foucault wird als entscheidender Wegbereiter identifiziert, dessen Konzepte der Diskursarchäologie und Genealogie maßgeblich dazu beitrugen, Diskurse als Rahmen für historisches Denken zu definieren.
Wie bewerten die Fachkollegen das Werk von Lynn Avery Hunt?
Die Reaktionen reichen von inhaltlicher Kritik am diskursiven Determinismus bis hin zur Anerkennung ihres methodischen Beitrags als wegweisend für die historische Forschung.
- Quote paper
- Daniel Wimmer (Author), 2007, Hinwendung zur Kultur - Mit dem Cultural Turn auf dem Weg zur Neuen Kulturgeschichte, dargestellt am Beispiel Lynn Avery Hunts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73842