Nach einer grundsätzlichen Definition des Begriffes Risikogesellschaft soll hier genauer auf den Zusammenhang zwischen Erwachsenenbildung und Individualisierung eingegangen werden.
Dazu wird im zweiten Kapitel Individualisierung als gesellschaftliche Veränderung definiert und analysiert.
Daraus folgend wird schließlich der Zusammenhang zwischen Erwachsenenbildung und Risikogesellschaft erarbeitet. Dazu werden verschiedene Meinungen dargelegt und betrachtet. Grundsätzlich wird auf Risiken und Chancen der Erwachsenenbildung bezüglich der Individualisierung eingegangen, desweiteren auf die konkreten Auswirkungen und Veränderungen in der Erwachsenenbildung bezüglich der gesellschaftlichen Veränderungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Definition des Begriffs Risikogesellschaft
2 Individualisierung als gesellschaftliche Veränderung
3 Risikogesellschaft und Erwachsenenbildung
3.1 Risiken und Chancen der Individualisierung
3.2 Auswirkungen der Risikogesellschaft auf Erwachsenenbildung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Risikogesellschaft nach Ulrich Beck und analysiert deren Auswirkungen auf das Selbstverständnis sowie die Aufgabenbereiche der modernen Erwachsenenbildung. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie die Erwachsenenbildung auf die durch Individualisierungsprozesse entstandenen Risiken und neuen Handlungszwänge reagieren kann, um Individuen bei der Bewältigung ihrer Lebensführung zu unterstützen.
- Soziologische Definition des Begriffs Risikogesellschaft
- Prozess der Individualisierung und seine Dimensionen
- Verhältnis zwischen gesellschaftlicher Risikoproduktion und Bildungsauftrag
- Rolle der Erwachsenenbildung im Kontext von Motivationsdilemmata
- Perspektiven zur Förderung von individueller Autonomie und Problemlösungskompetenz
Auszug aus dem Buch
3 Risikogesellschaft und Erwachsenenbildung
Die individualistische Vergesellschaftung kann grundsätzlich als Risiko, aber auch als Chance wahrgenommen werden. Die Erwachsenenbildung ist davon nicht nur in der Lehre, sondern auch in ihrem Grundverständnis betroffen. Es muss also eine Reaktion auf die gesellschaftlichen Vorgänge erfolgen. Darauf soll hier näher eingegangen werden.
Individualisierungsvorgänge erzeugen bei Individuen oft ein Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit. Aus diesem Gefühl folgt eine Überforderung oder Überbelastung bezüglich der individualistisch strukturierten gesellschaftlichen Anforderungen. Diese Erfahrungen lassen oft ein Misstrauen gegenüber Individualität entstehen, es wird an bewährten und traditionellen, fast konservativen Formen der Sozialität festgehalten. Laut Körber entstehen so antigesellschaftliche und antisozialwissenschaftliche Gruppierungen.
Dieser Rückzug aus einer als unerträglich und widersprüchlich empfundenen Gesellschaft entlastet das Individuum, verhindern Enttäuschungen und schützt vor Risiken, welche die Individualisierung mit sich bringt. Damit ist aber erst eine Seite der Reaktionen auf die individualisierten Vorgänge in der Gesellschaft beschrieben. Gerade in der Erwachsenenbildung muss diese Verunsicherung ernst genommen werden, da sie sich natürlich direkt auf das Klientel und die so entstehenden Probleme und Konflikte bezieht.
Es existiert aber noch eine andere Sichtweise bezüglich der Individualisierung. Individualistische Vergesellschaftung eröffnet ebenso Chancen für das Individuum. Es ergeben sich neue Handlungszusammenhänge und ganz andere Erfahrungsspielräume. In diesem Rahmen können sich individuelle Kompetenzen entwickeln und die Autonomie des Einzelnen lässt sich erweitern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definition des Begriffs Risikogesellschaft: Dieses Kapitel erläutert die Theorie von Ulrich Beck, welche die moderne Gesellschaft durch einen Wandel von der Reichtums- zur Risikoverteilung charakterisiert.
2 Individualisierung als gesellschaftliche Veränderung: Hier wird der Prozess der Individualisierung als Auflösung tradierter Sozialstrukturen beschrieben, bei dem die Lebensführung zunehmend zur privaten Aufgabe des Einzelnen wird.
3 Risikogesellschaft und Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel untersucht, wie Bildungsinstitutionen auf die Herausforderungen der Risikogesellschaft reagieren können, indem sie zwischen individueller Verunsicherung und neuen Gestaltungschancen vermitteln.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass sich die Erwachsenenbildung wandeln muss, um in einer unsicheren Welt als wirksames Instrument zur Problemlösung bestehen zu können.
Schlüsselwörter
Risikogesellschaft, Individualisierung, Erwachsenenbildung, Ulrich Beck, reflexive Moderne, Bastelbiografie, Modernisierung, Bildungsziele, Lebenslaufplanung, Systemerneuerung, Kompetenzentwicklung, Sozialstruktur, Verunsicherung, Selbstverständnis, Problemlösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Theorie der Risikogesellschaft und der Frage, welche Konsequenzen diese gesellschaftliche Entwicklung für das Handeln und Selbstverständnis der Erwachsenenbildung hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Begriffen Risikogesellschaft und Individualisierung sowie deren Auswirkungen auf Biografien und das institutionelle Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Einordnung der Risikogesellschaft und die Ableitung von Handlungsstrategien für die Erwachsenenbildung, um Menschen in einer Zeit zunehmender Unsicherheit zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene soziologische Ansätze (insbesondere von Ulrich Beck) und pädagogische Konzepte kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Individualisierungsprozess in seinen verschiedenen Dimensionen und diskutiert anschließend spezifische bildungstheoretische Ansätze, wie mit den daraus resultierenden Risiken umzugehen ist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Risikogesellschaft, Individualisierung, reflexive Moderne und den Bildungsauftrag in einer gefährdeten Gesellschaft geprägt.
Wie definiert Beck die Risikogesellschaft?
Beck versteht die Risikogesellschaft als eine Phase der Moderne, in der nicht mehr die Verteilung von Reichtum, sondern die Verteilung von wissenschaftlich-technisch produzierten Risiken zum zentralen Konfliktpunkt wird.
Warum wird die „Bastelbiografie“ als Risiko betrachtet?
Die Bastelbiografie zwingt das Individuum zur ständigen Selbstreflexion und Eigenverantwortung; misslingt der Lebensentwurf, trägt das Individuum die alleinige Verantwortung für das eigene Scheitern.
Welche Rolle spielt die Erwachsenenbildung laut Horst Siebert?
Siebert sieht die Aufgabe der Erwachsenenbildung darin, trotz des Wissens um komplexe Katastrophenrisiken eine innere Gelassenheit zu fördern, damit die Lernmotivation der Teilnehmer erhalten bleibt.
- Quote paper
- Lena Metzing (Author), 2007, Die Risikogesellschaft und ihre Folgen für die Erwachsenenbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73880