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Glaube, Mythos, Gegenreligion - Mythologische Bezüge in Ingeborg Bachmanns „Das Buch Franza“

Título: Glaube, Mythos, Gegenreligion - Mythologische Bezüge in Ingeborg Bachmanns „Das Buch Franza“

Trabajo , 2006 , 27 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Julia Büttner (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Ingeborg Bachmanns Fragment gebliebener „Todesarten“-Roman „Das Buch Franza“ ist grundiert mit einem Subtext intertextueller, mythologischer und religiöser Bezüge. Diese Art des „Zusammenhang-stiftenden Schreibens“ ist kennzeichnend für Ingeborg Bachmanns Werk. Christa Wolf entdeckt in Bachmans Schreiben eine Gewebestruktur, eine Verwobenheit der motivischen Fäden, die das Erzählte in andere, größere Zusammenhänge rückt. Vor allem zwischen dem altägyptischen Mythos von Isis und Osiris und dem „Buch Franza“ besteht ein ganzes System komplexer Bezüge. Vermittelt wird der Mythos auch – aber nicht ausschließlich - über intertextuelle Bezüge zu Robert Musils Gedicht „Isis und Osiris“ und über die Utopie eines „anderen Zustands“, die Musil in seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ entwirft. Diese Arbeit vertritt die These, dass Ingeborg Bachmann ihre Figuren bewusst so angelegt hat, dass sie sich zu den Protagonisten des alt-ägyptischen Mythos in Analogie setzen lassen, wobei die Autorin an entscheidenden Stellen eine genaue Umkehrung der mythischen Erzählung vornimmt. Einige dieser Parallelen zwischen dem Mythos und dem Buch Franza sollen in dieser Hausarbeit aufgezeigt werden, darunter auch solche, die bisher von der Forschung nicht oder wenig beachtet wurden.

Franza erscheint im Lichte des Mythos als die Vertreterin einer archaischen Vorzeit. Auch die Funktion Martins lässt sich über die Parallelen zu den altägyptischen Gottheiten Osiris und Horus erhellen. Über eine ikonographische Traditionslinie schließlich lässt sich das Motiv des Horus mit der Figur Moses verknüpfen. Über diese zahlreichen und komplexen Verbindungen ergibt sich eine Lesart des Textes, in der Franza zur Vertreterin einer „Gegenreligion“ wird. Um diese These zu belegen, untersucht diese Arbeit die genannten Bezüge. Dazu ist es nötig, auch mythologische Untersuchungen aus dem Bereich der Ägyptologie und der religionsgeschichtlichen Forschung als Quellen mit heranzuziehen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Franzas als Vertreterin einer mythischen Vorzeit

2.1 Franzas mythisches Denken in Bezug auf das Kind

2.1.1 Die Mumifizierung des Kindes

2.1.2 Verzehr des Herzens

2.2 Franzas „heidnischer“ Glaube

3. Bezug der Figuren zum Mythos von Isis und Osiris

3.1 Franza als Isis

3.1.1 Der untergegangene Tempel

3.1.2 Das Bad im Nilschlamm

3.1.3 Franza als mütterliche Isis

3.1.4 Isis als Gegengöttin

3.2 Martin als Osiris und Horus

3.2.1 Ertrinkungstod, Rettung, Unterrichtung

3.2.2 Aufforderung zur Rache

3.2.3 Ambivalenz

3.2.4 Blick, Sonne und Gerechtigkeit

3.3 Jordan als Seth

3.3.1 Verkörperung als Krokodil

4. Franza und der christliche Glaube

4.1 Von Horus zu Moses

4.2 Negierung der christlichen Religion

4.3 Franzas gescheiterte Gottesbegegnung

4.4 Kritik an der Kirche

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die komplexen intertextuellen und mythologischen Bezüge in Ingeborg Bachmanns Romanfragment „Das Buch Franza“. Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Autorin ihre Figuren bewusst in Analogie zu Protagonisten des altägyptischen Isis-und-Osiris-Mythos setzt, um eine kritische Gegenbewegung zum christlich-patriarchalen Weltbild darzustellen und die Zerstörung des Individuums durch dieses System aufzuzeigen.

  • Analyse der mythologischen Codierung der Hauptfiguren (Franza, Martin, Jordan)
  • Untersuchung der Bedeutung archaischer Symbole und Praktiken (z.B. Mumifizierung, Verzehr des Herzens)
  • Gegenüberstellung von heidnisch-mythologischem Denken und christlichem Monotheismus
  • Dekonstruktion faschistoider Machtstrukturen in der christlich geprägten Gesellschaft
  • Interpretation der Reise in die Wüste als gescheiterter Versuch der Selbstfindung

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Verzehr des Herzens

Franza verlangt vom operierenden Arzt, ihr ein Stück des toten Fötus zu geben, damit sie es in der Vorstellung essen könne, sie habe das Herz des ungeborenen Kindes verzehrt: „dann will ich es essen dürfen, ein Stück, da will ich denken, es hätte sein Herz draus werden können“17.

Über das Motiv des Essens des Herzens wird einmal mehr der Kult-Satz der Geschwister evoziert. In Musils Gedicht isst Isis das Geschlecht des Bruders, in der letzten Zeile des Gedichts aber heißt es „Und er isst ihr Herz, und sie das seine.“ Essen und Koitus stehen in enger Verbindung, in vielen Sprachen werden beide Tätigkeiten durch das selbe Wort bezeichnet. In beiden Fällen steht die Einverleibung des anderen für den Wunsch, aus zwei getrennten Personen eine Einheit herzustellen.

Die Inkorporation des Herzens wird, wie in Musils Ausgestaltung des Geschwistermythos, zur Stellvertretung für die symbiotische Beziehung, die zugleich den ursprünglichen Wunsch nach Einheit, Integrität und Anerkennung symbolisiert.18

Der Verzehr ist eine archaische Methode, sich ein begehrtes Objekt anzueignen. Nach Freud dient der Kannibalismus in archaischen Gesellschaften zur Vervollständigung der eigenen Identität:

Indem man Teile vom Leib einer Person durch den Akt des Verzehrens in sich aufnimmt, eignet man sich auch die Eigenschaften an, welche dieser Person angehört haben.19

In Franzas Fall symbolisiert der Wunsch, den toten Fötus zu verzehren, den Wunsch, die „zerstörte Weiblichkeit, wie sie im erzwungenen Abort figuriert wird, über die eigene Phantasietätigkeit wieder einzuholen und gleichsam den Körper wieder zu einer Einheit werden zu lassen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der intertextuellen Gewebestruktur in Bachmanns Werk und Aufstellung der These einer mythologischen Analogie zwischen den Romanfiguren und dem Isis-Osiris-Mythos.

2. Franzas als Vertreterin einer mythischen Vorzeit: Analyse der Kindheitsutopie der Geschwister und Franzas archaischer Denkweise als Widerstand gegen eine rational geprägte, westliche Zivilisation.

3. Bezug der Figuren zum Mythos von Isis und Osiris: Detaillierte Untersuchung der Identitätszuweisungen der Protagonisten zu den ägyptischen Gottheiten und deren Bedeutung für die Romanhandlung.

4. Franza und der christliche Glaube: Untersuchung des unauflösbaren Konflikts zwischen dem ursprünglichen, mythologischen Glauben Franzas und dem destruktiven Monotheismus.

5. Zusammenfassung: Resümee über das Scheitern von Franzas Versuch, durch die Rückkehr zu einer mythologischen Identität Heilung in einer kolonialisierten und patriarchalen Welt zu finden.

Schlüsselwörter

Ingeborg Bachmann, Das Buch Franza, Isis und Osiris, Mythologie, Gegenreligion, Intertextualität, Patriarchat, Monotheismus, Identität, Geschwisterliebe, Trauma, Altägypten, Zivilisationskritik, Erlösung, Faschismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die mythologischen und religiösen Subtexte in Ingeborg Bachmanns „Das Buch Franza“ und untersucht, wie die Protagonisten durch Parallelen zu altägyptischen Mythen charakterisiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Konfrontation zwischen heidnischem Mythos und christlichem Monotheismus, die Kritik am Patriarchat und die Darstellung von Individuen als archaische Figuren in einer zerstörerischen Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Bachmann ihre Figuren bewusst in Analogie zu Isis und Osiris stellt, um die Umkehrung dieser mythischen Erzählung zur Darstellung einer „Gegenreligion“ zu nutzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die intertextuelle Bezüge zu Mythen, zeitgenössischer Literatur und religionsgeschichtlichen Quellen heranzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die mythologische Verortung der Figuren (Franza, Martin, Jordan) und die kritische Auseinandersetzung mit der christlichen Religion und der patriarchalen Machtstruktur der Kirche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Mythologie, Intertextualität, Gegenreligion, Geschlechterrollen und die Zivilisationskritik am christlichen Monotheismus.

Welche Rolle spielt die „Nilschlamm-Episode“?

Diese Episode dient als Beispiel für den Versuch Franzas, durch ein rituelles Bad eine Verbindung zum mythischen Ursprung und eine eigene Heilung zu erreichen, was jedoch an der Realität der „weißen“ Welt scheitert.

Warum fungiert Jordan als Gegenspieler?

Jordan verkörpert als „Seelenhirte“ und Mörderfigur den patriarchalen, monotheistischen Machtanspruch, der Franzas archaische Identität und ihr Bedürfnis nach Ganzheit aktiv auslöschen will.

Was bedeutet die „Umkehrung des Mythos“ im Roman?

Die Umkehrung bezieht sich darauf, dass klassische biblische oder ägyptische Motive (wie die Gottessuche in der Wüste) in ihrer Bedeutung ins Negative verkehrt werden, um das Scheitern der Erlösungshoffnung zu verdeutlichen.

Final del extracto de 27 páginas  - subir

Detalles

Título
Glaube, Mythos, Gegenreligion - Mythologische Bezüge in Ingeborg Bachmanns „Das Buch Franza“
Universidad
Free University of Berlin
Calificación
1,0
Autor
Julia Büttner (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
27
No. de catálogo
V73892
ISBN (Ebook)
9783638783699
ISBN (Libro)
9783638794664
Idioma
Alemán
Etiqueta
Glaube Mythos Gegenreligion Mythologische Bezüge Ingeborg Bachmanns Buch Franza“
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Julia Büttner (Autor), 2006, Glaube, Mythos, Gegenreligion - Mythologische Bezüge in Ingeborg Bachmanns „Das Buch Franza“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73892
Leer eBook
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